Sebastian Castellio

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Sebastian CastellioDas Manifest der Toleranz
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Das Manifest der Toleranz
Das Manifest der Toleranz
 (1)
Erschienen am 01.10.2013
Sebastian CastellioGegen Calvin
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Gegen Calvin
Gegen Calvin
 (0)
Erschienen am 01.01.2015

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Rezension zu "Das Manifest der Toleranz" von Sebastian Castellio

Meinungsfreiheit gegen Ketzerverfolgung
michael_lehmann-papevor 5 Jahren

Meinungsfreiheit gegen Ketzerverfolgung

Es endet nicht in jenem Streit im reformatorischen Genf, in dem Calvin Tag für Tag mehr nur dazu bereit war, die „einzige Wahrheit“ gelten zu lassen (seine natürlich). Sei es die Inquisition über Jahrhundert im Vorfeld, sei es bei Calvin und durchaus anderen, namhaften Reformatoren (die ja allesamt einmal als „Ketzer“ gegen die herrschende Religion und deren Dogmen angetreten waren).

Bis in die Moderne hinein reicht die Überzeugung, Andersdenkende massiv als Ketzer und Häretiker zu bezeichnen, zumindest im Stillen, wenn nicht sogar im Lauten. Demokraten „verraten“ Amerikas Grundwerte mit einer Gesundheitsreform? Ketzerei am „geloben Land“. Muslime bekehren sich zu einer anderen Religion? Ketzerei, Todesstrafe .

Das Beharren allein auf der eigenen Überzeugung und diese als „die Wahrheit“ anzusehen und zugleich der „anderen Seite“ dabei das klare Denken abzusprechen und, so möglich, diese Seite mundtot zu machen, das ist schon an den Stammtischen leicht zu erleben und führt sich Samstags in Fußballstadien durchaus mit ebensolcher Gewalt fort.

In dieser fast Grundbefindlichkeit des Menschen, die eigene Meinung und den eigenen Glauben manches Mal koste es, was es wolle, gegen Andersdenkende und Andersglaubende durchzusetzen ist es eine faszinierende Lektüre, welche die drei Herausgeber dieser alten Schriften vor Augen führen.

Im Genf, im Angesicht des mächtigen und einschüchternden Calvin erhebt Castellio seine Stimme. In Angesicht der ersten „Ketzerverbrennung“ des reformatorischen Glaubenskreises, des „Wegmachen, Auslöschen“ derer, die anders Denken, anderer Meinung sind.
Castellio legt in den folgenden Jahren einen flammenden Appell, ein ganzes, flammendes Leben für die Meinungsfreiheit vor die Augen und Ohren seiner Zeitgenossen und nun auch gegenwärtiger Leser.

Dutzendfache Gründe führt er ins Feld, das Ketzer nicht zu töten seien, das Ketzer weit weniger an Verbrechen beginnen als andere Kriminelle, denen ja auch nicht gleich die Todesstrafe drohte. Das ein anderes Denken mit „geistigen Waffen“ auszutragen wäre und nicht mit der rohen Gewalt und Abschreckung. Was aber auch Calvin nicht daran gehindert hat, diesen ersten „reformatorischen“ Ketzer damals Jahre schon zuvor in die Enge zu treiben, es darauf anzulegen, dass der Scheiterhaufen irgendwann lodert.

Auch dies betritt bei der Lektüre den Raum. Wie oft sich persönlicher Kleingeist, Stolz, das Gefühl einer Zurückweisung oder Verletzung oder Unterlegenheit in vermeintlich so „großen“ Prozessen Bahn brechen, die man dann doch auf Kleines und menschlich eher Niedriges zurückführen kann.

Costellio prangert dies öffentlich und schriftlich damals an.
„Ganz und gar unchristlich “ nennt er die Verfolgung anders Denkender und begründet dies breit. Eine Haltung und Argumentation, die den großen Pazifisten (ebenfalls ernüchternd gescheitert an der „Bestie Mensch) des 20. Jahrhundertes, Stefan Zweig mitreißen und mit eine der Grundlagen seines Denkens werden wird (Stefan Zweig führt auch in dieses Buch mit einem ersten Kapitel ein).

Ein freies Denken, dass, wie könnte es anders sein, von der Welt in breiten Teilen mit Verfolgung Prozessen, Verboten beantwortet wurde, regelrecht „kleingearbeitet“ wurde Castellio.

Das Buch bietet die Hauptschrift Castellios, zuvor seine erste Veröffentlichung zum Tode Servets und sodann im weiteren Schriftverkehr die Reaktionen auf Castellios Vorhaltungen und klare Ansagen. Reaktionen gegen ihn, Reaktionen aber auch im „Geiste Castellios“, der Beginn der „Toleranzdebatte“ 1553 wird im Buch breit nachvollzogen.

Eine interessante Lektüre nicht nur über Religionen und deren harsche Reaktionen auf Andersgläubige, sondern ein Blick darauf, wie schwer es die Toleranz unter den Menschen immer schon hatte als reine „Verstandskraft“ gegen die urtümlichen und instinktiven Kräfte, alles Fremde erst mal und grundlegend abzulehnen und auszumerzen.

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