Sebastian Faulks Der große Wahn

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Inhaltsangabe zu „Der große Wahn“ von Sebastian Faulks

Seit jeher hat er anderen auf die Sprünge geholfen, doch selten sich selbst. Alles ändert sich, als eine rätselhafte Einladung den Londoner Psychiater Robert Hendricks auf eine felsige Insel vor der französischen Mittelmeerküste führt – und damit zugleich in das bisher unerforschte Terrain seiner Erinnerung: an seine vaterlose Kindheit in England, an Verletzungen aus den Kriegsjahren, vor allem aber an seine einzige große Liebe, die Italienerin »L«. Sie wurden ein Paar, das der Krieg zusammenführte und auseinanderriss. Wird Hendricks nun, ein halbes Leben später, den Mut aufbringen, sie wiederzusehen? Meisterhaft verknüpft Sebastian Faulks die Geschichte eines Mannes, der sich erst durch die Erinnerung mit seinem Leben aussöhnen kann, mit einer beeindruckenden Bestandsaufnahme des 20. Jahrhunderts.

Eine melancholische (tw. etwas deprimierende) Retrospektive, aber leider "nur" eine Biografie, kein Plot im eigentlichen Sinne (****)

— Insider2199
Insider2199

Ein großes emotionales Buch über die Reise zu den eigenen Wurzeln !

— Edelstella
Edelstella

Auf den Spurend der Vergangenheit begegnet man oft nicht nur dem, was man erwartet...

— Charlea
Charlea

Eine interessante Auseinandersetzung mit den großen Themen des vergangenen Jahrhunderts.

— miro76
miro76

Nicht einfach zu lesen, da sehr vielschichtig. Es lohnt sich aber.

— 19angelika63
19angelika63

Anspruchsvoll, intensiv, entwickelt eine Art Sog beim Lesen

— Buchraettin
Buchraettin

Ein großes Wirrwarr an verschiedenen Themen, die einzeln betrachtet sehr gut, aber in der Gesamtheit eher mäßig sind.

— herrzett
herrzett

Ein spannendes Buch darüber, was unsere Vergangenheit für unsere Gegenwart bedeutet.

— leserattebremen
leserattebremen

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  • Eine melancholische (tw. etwas deprimierende) Retrospektive

    Der große Wahn
    Insider2199

    Insider2199

    15. September 2017 um 09:53

    Eine melancholische (tw. etwas deprimierende) Retrospektive Der 1953 in Newbury (westlich von London) geborene Autor studierte Literatur- und Geschichtswissenschaft in Cambridge und war viele Jahre als Journalist tätig, bevor er mit dem literarischen Schreiben begann. Heute lebt er in London. Der vorliegende ist sein dreizehnter und mein erster Roman. Zum Inhalt: 1980: Als der Londoner Psychiater Robert Hendricks einer rätselhaften Einladung auf eine felsige Insel vor der französischen Mittelmeerküste folgt, begibt er sich damit zugleich auf eine Forschungsreise in seine eigene Vergangenheit, die mit einer vaterlosen Kindheit beginnt, über Verletzungen in den Kriegsjahren zu einer großen Liebe mit einer Italienerin führt, die er aber bald aus den Augen verliert. Wird Hendricks nun, ein halbes Leben später, den Mut aufbringen, sie wiederzusehen? Meine Meinung: Der Anfang beginnt spannend und – aufgrund der sehr interessanten Themen „Psychologie“ und „Gedächtnis-Forschung“ – freut man sich auf die Begegnung zwischen dem 64-jährigen Psychiater und dem 93-jährigen Neurologen in Frankreich, der in Hendricks einen Nachlassverwalter finden will. Doch im Mittelteil stellt sich leider heraus, dass der alte Herr, der Hendricks versprochen hat, ihm von Kriegserlebnissen mit seinem Vater zu berichten (die sich übrigens sehr in Grenzen halten!), keine tragende Rolle im Buch erhält, sondern nur Initiator dafür ist, dass der Protagonist beginnt, sich mit seiner Vergangenheit zu beschäftigen. Ich hätte mir eine stärkere Interaktion zwischen den beiden gewünscht. Und das bringt mich auch zu meinem Kritikpunkt: es gibt keinen wirklichen Plot mit Wendepunkten und Auflösung am Ende, sondern es wird einfach in vielen Rückblicken die Biografie eines Menschen erzählt. Ich frage mich bei solchen Romanen manchmal, was der Sinn dabei sein soll – da lese ich dann lieber eine Biografie von einem real existierenden Menschen. Sicher: sprachlich/stilistisch und handwerklich gibt es an diesem Roman wahrlich nichts zu meckern, der Autor kann schreiben und versteht sein Handwerk – selbst Kriegserlebnisse, die ich eigentlich nicht so gerne lese, kann er interessant und authentisch beschreiben –, aber mir fehlt einfach die Story oder zumindest eine Kern-Aussage. Einfach nur über irgendwelche Erinnerungen zu lesen, ist tw. sehr deprimierend für mich, aber ich denke das ist Geschmacksache. Dennoch gab es einige schöne Stellen zum Anstreichen: „Ich mag die Metaphern, mit denen wir Dinge umschreiben. Wie „räumt“ man in seinen Gedanken auf? Diese Arbeit können wiederum nur andere Gedanken erledigen, deshalb sind „Gedanken“ zugleich der Schutt wie der Kehrbesen. Ich glaube, wir meinen vielmehr, dass wir aufhören sollten zu grübeln und stattdessen lieber „fühlen“ sollten – was voraussetzt, dass das, was wir „fühlen“, wertvoller ist als alles, war wir denken ...“ (S. 98) Fazit: Eine melancholische (tw. etwas deprimierende) Retrospektive: sprachlich ausgereift und authentisch, aber mich störte v.a., dass es keinen wirklichen Plot mit Wendepunkten und Auflösung am Ende gibt (oder zumindest eine Kern-Aussage), sondern der Roman einfach in vielen Rückblicken die Biografie eines Menschen erzählt. Daher nur 4 Sterne, aber dennoch empfehlenswert für Leser, die sich für Psychologie oder Gehirn- bzw. Gedächtnisforschung interessieren.

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  • Leserunde zu "Der große Wahn" von Sebastian Faulks

    Der große Wahn
    Mare_Verlag

    Mare_Verlag

    Liebe Lovelybooks-Leserinnen und Leser,das neue mare-Programm wollen wir wieder mit einer neuen Lovelybooks-Leserunde einläuten. Am 29. August erscheint Sebastian Faulks' Roman Der große Wahn und hier habt Ihr die Möglichkeit, eines von 15 Vorab-Leseexemplaren zu gewinnen.Zum Buch:London, 1980: Robert Hendricks, erfolgreich als Psychiater und als Autor, privat ein »Stammgast der Einsamkeit«, steht vor einem Rätsel, als aus heiterem Himmel ein Brief aus Frankreich bei ihm eintrifft: Absender ist Alexander Pereira, ein 93-jähriger Neurologe, der Hendricks zu sich einlädt, weil er einen Nachlassverwalter sucht – und weil er meint, Hendricks' Vater zu kennen. Die Reise führt Hendricks auf eine kleine, felsige Insel vor der französischen Mittelmeerküste und zugleich in das bisher unerforschte Terrain seiner Erinnerung: an seine vaterlose Kindheit in England, an Verletzungen aus den Kriegsjahren, vor allem aber an seine einzige große Liebe, die Italienerin »L«. Sie wurden ein Paar, das der Krieg zusammenführte und auseinanderriss.Wird Hendricks nun, ein halbes Leben später, den Mut aufbringen, sie wiederzusehen?Hier geht's zur Leseprobe.Möchtest Du zu den 15 Vorlablesern gehören?* Dann bewirb Dich und beantworte bis zum 3. August die folgende Frage:Die Einladung auf eine französische Mittelmeerinsel bringt für Robert Hendricks den Stein ins Rollen: Durch Gespräche mit seinem Gastgeber beginnt er, sich wieder an viele Episoden aus seinem Leben zu erinnern. Das hilft ihm, sich mit seiner Vergangenheit auszusöhnen.Würdet Ihr einer geheimnisvollen Einladung folgen – und einem völlig Fremden Eure Vergangenheit anvertrauen?Wir warten gespannt auf Eure Antworten und freuen uns auf zahlreiche Bewerbungen!Euer mareverlag*Bedingung ist, dass Ihr Euch zeitnah am Austausch in allen Leseabschnitten beteiligt und abschließend eine Rezension zum Buch schreibt. Bitte veröffentlicht Eure Rezension nicht vor dem 29. August 2017 auf anderen Seiten.

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  • Tief verschüttet!

    Der große Wahn
    Edelstella

    Edelstella

    06. September 2017 um 20:13

    Robert Hendricks, ein Londoner Psychiater und Verfasser eines erfolgreichen Buches, ist einsam. Im Jahr 1980 lebt er zurückgezogen, in einer lockeren Beziehung, als er einen Brief von dem alten Neurologen Pereira erhält, der ihn auf eine Insel südlich der französichen Mittelmeerküste einlädt. Er hat in Hendricks Buch, hinten auf dem Autorenbild seinen ehemaligen Kriegskameraden aus dem 1. Weltkrieg wiedererkannt. Es war Hendrick Vater, ein Schneider, an den sich Robert nicht mehr erinnern kann, da er starb, als der Junge 2 war. Er willigt nach kurzem Zögern ein und begibt sich auf eine Reise nach Frankreich und zu sich selbst. Der große Wahn des 2. Weltkrieges hat ihm die große Liebe seines Lebens genommen und den Vater und den Glauben an Vernunft und Würde. Ganz langsam kommen sich die beiden Männer näher und Robert erinnert sich.... „Den ganzen Abend lang trug sie dieses Licht durch jeden Raum, den wir gleichsam mit unserem Leuchten erfüllten.“ Wunderbare, gewaltige Worte findet der Autor, um ein Bild des vergangenen Jahrhunderts aufzuzeigen, das viel von den Menschen gefordert hat, mit kleinen Lichtblicken, aber mit einer gewaltigen Zerstörung im Äußeren wie im Innern. Er zeigt den Wahnwitz, den die Geschichte lehrt und was das mit den Menschen gemacht hat.Er beschreibt, was war, was ist, was sein könnte. Sein Protagonist ist ein Mann, der keinen mehr an sich heranlässt und seine fehlenden Wurzeln,seinen Vater,noch immer schmerzlich vermisst. „Ein Kind ist so furchtbar darauf angewiesen, bemerkt und anerkannt zu werden, dass es auch demjenigen Schmerz zufügt, den es liebt, nur um die eigene Bedeutungslosigkeit vergessen zu können.“ Ich habe dieses Buch verschlungen und danach musste das Gelesene erstmal sacken. Dieser Roman gehört zu denen, die ich mehrmals lesen kann und in dem ich immer mehr entdecke, auch das Ungesagte, vielleicht gerade das. Ganz große Erzählkunst bringt uns den Menschen Hendricks nahe, der erst im reifen Alter zurückblickt. Ich bin beindruckt und gebe 5 Lesesterne und eine klare Leseempfehlung an den anspruchsvollen Leser.

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  • Auf den Spurend der Vergangenheit begegnet man oft nicht nur dem, was man erwartet...

    Der große Wahn
    Charlea

    Charlea

    03. September 2017 um 15:15

    Cover / Artwork / Aufbau des Romans Wie immer ist auch dieses Buch aus dem Hause mare ein Hingucker und hat mich in Kombination mit dem Titel zum Lesen des Buches überzeugt. Erst nach dem Lesen habe ich gesehen, dass der Originaltitel „Where My Heart Used to Beat“ lautet, was mir noch eine ganze Spur besser gefällt. Dennoch ist auch der Titel der deutschen Übersetzung „Der große Wahn“ gut gewählt, zumal dieser ungefähr auf der Hälfte des Buches einem Zitat entspricht. Sebastian Faulks Sprache ist flüssig und seine sprachgewaltigen Sätze beweisen auf jeder Seite auf ein Neues, dass hier ein wirklicher Künstler am Werke war. Erzählt wird der Roman aus Sicht des Protagonisten Dr. Hendricks. Inhalt Zu Beginn des Romans erhält unser Protagonist Robert Hendricks einen Brief eines über 90jährigen Neurologen, Alexander Pereira, der ihn in sein Haus in Südfrankreich einlädt. Pereira teilt ihm mit, dass er durch Zufall festgestellt habe, seinen Vater im Ersten Weltkrieg gekannt zu haben und Informationen zu ihm zu haben. Hendricks, der seinen Vater nur als Kleinkind kennenlernen durfte, lässt sich widerwillig auf die Reise ein. Bei Pereira angekommen, eröffnet dieser ihm, dass die Reise in die Vergangenheit des Vaters nicht alles ist, was er Hendricks mit auf den Weg geben möchte. Hendricks ist ein in London angesehener Psychiater und Pereira beglückwünscht ihn für seine Karreire und sein Buch The Chosen Few. Nach und nach begeben sich die beiden auf die Spuren der Vergangenheit, doch es sind nicht die Spuren seines Vaters, denen er begegnet, sondern denen seines eigenen Lebens. Fazit Es war faszinierend, das Buch zu lesen, denn immer wenn ich dachte, dass ich eine Passage nicht mochte, wurde ich einige Kapitel später eines besseren überzeugt und auch wenn ich während des Lesens an einigen Stellen ein wenig zu kämpfen hatte, habe ich als ich es dann abgeschlossen hatte realisiert, dass es einfach genau diese Stellen im Buch waren, die mich am nachhaltigsten beeindruckt haben. Doch ich will nicht vorgreifen und mir ein wenig Zeit nehmen für das Buch, das bin ich ihm schuldig. Der Beginn des Buches hatte mich schon nach den ersten Sätzen. Faulks hat eine sehr pointierte Art der Schreibe, die ich einfach liebe und mich schon jetzt dazu bewegt hat, weitere Bücher von ihm lesen zu wollen. Er weiß jedoch auch zu überraschen, und dabei meine ich nicht nur den plot über den er schreibt, sondern auch die Art, in der er seine Worte wählt. Es gab ganze Absätze, die ich gedanklich farblich markieren wollte, da ich das Gefühl hatte, sie treffen einen Nerv in mir, den ich vorher noch nicht kannte. Thematisch ist es wirklich schwer, das Buch in Worte zu fassen und ich schäme mich fast für die Wiedergabe des Inhalts im mittleren Teil meiner Rezension. Aber ich verrate mal soviel: Hendricks beschreibt bei den Gesprächen mit Pereira im Grunde, wie sein Leben verlaufen ist. Nachdem sein Vater im Ersten Weltkrieg gedient hatte, war er im Zweiten Weltkrieg verpflichtet. Da Pereira Hendricks Vater aus dem Ersten Weltkrieg kannte, sind ein Teil der Erzählungen eng mit den Kriegserfahrungen verwurzelt, die die beiden erlebt haben. Diese Erzählungen sind im Grunde das, was mich beim Lesen verstört hat – so wie es im Grunde immer der Fall ist, wenn ich Bücher lese, in denen Menschen von ihren Kriegserfahrungen berichten. Diese Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit bei Kriegen im Allgemeinen, die Verletzungen, die Verluste – ich habe einfach zu viel Fantasie und daher lassen mich diese Bilder, die sich in meinen Kopf dann entwickeln, einfach nicht so schnell los und ich lehne daher instinktiv ab, was ich lese, bewerte es auch erst mal negativ und brauche eine gewisse Zeit, bis ich wirklich entscheiden kann, wie ich das alles aus literarischer Sicht betrachte. Ein weiteres, sehr großes Thema ist die Psychoanalyse, Hendricks Beruf im Allgemeinen, aber vor allem seine moderne Ausrichtung und wie er zu seiner Zeit mit seinen Ideen und Ansichten umgegangen ist. Dieses Thema klingt womöglich trocken, ist es aber überhaupt gar nicht und hat mich sehr fasziniert. Faulks schafft es, gerade bei diesem Thema wirklich in seinem Genre, dem Roman, zu bleiben und daher wird das Buch auch nicht zu einer wissenschaftlichen Abhandlung, was mir sehr gut gefallen hat. Am Ende des Buches vergebe ich gerne und mit Wohlwollen vier von fünf Sternen für das Buch und bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar. Der Grund, warum ich dem Buch nicht die volle Punktzahl gebe, ist schwer zu beschreiben, ohne noch mehr vom Inhalt preis zu geben. Aber letztendlich fühle ich mich einfach mit vier Sternen sehr wohl.

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  • Das 20. Jahrhundert - ein einziger Wahn?

    Der große Wahn
    miro76

    miro76

    29. August 2017 um 21:27

    Robert Hendricks, angesehener Psychiater und entschiedener Einzelgänger, erhält einen mysteriösen Brief. Aus heiterem Himmel wird er von Alexander Pereira, einem 93-jährigen Neurologen, eingeladen ihn in seinem Haus auf einer felsigen Insel an der Südküste Frankreichs zu besuchen. Er behauptet, er hätte seinen Vater gekannt.Hendricks Neugierde ist geweckt, denn er weiß nicht viel über seinen Vater, nur dass dieser im ersten Weltkrieg gefallen ist. Seine Mutter hat nie viel über ihn gesprochen. „Er sei zu schmerzlich“ hat sie immer gesagt.Hendricks macht sich auf die Reise und stellt sich somit seiner eigenen Vergangenheit. Indem Pereira ihn einlädt, von sich zu erzählen, beginnt er erstmals sich mit seinen Narben und Verletzungen auseinanderzusetzten. Seine Geschichte hat einen verbitterten Mann aus ihm gemacht. Sein Blick auf die Menschheit konzentriert sich auf deren Fehlverhalten. Beruflich ist er einfühlsam und schafft bahnbrechende Erfolge in der Psychiatrie, aber privat lässt er keine Nähe zu. Man beginnt zu ahnen, dass für diese Haltung ein privates Unglück verantwortlich sein könnte.Erstmals öffnet sich Hendricks und tritt dadurch eine Serie an Ereignissen los, die sein Leben nachhaltig verändern werden. Aber das lesen Sie besser selbst!Sebastian Faulks hat einen großen Roman über den Wahn des 20. Jahrhunderts verfasst. Nicht nur die Gräuel des Krieges werden hier thematisiert. Auch menschliches Fehlverhalten und die Geschichte der Psychiatrie kommen immer wieder in den Mittelpunkt. Diese Passagen mochte ich besonders gerne. Die Schilderungen der Kampfszenen waren mir ein bißchen zu viel. Der Autor wirft die Frage auf, ob uns nur unsere Erfahrungen ausmachen, oder auch unser Umgang damit bzw. „wie wir die Dinge erinnern“.„Das Leben eines Menschen besteht nicht aus dem, was geschehen ist, sondern aus seiner Erinnerung daran und der Art und Weise, wie er sich erinnert.“                            (S. 332)Sein Protagonist versuchte es mit Verdrängung, musste aber feststellen, dass sein Leben dann auf der Stelle tritt. „Ich konnte in meinem Leben nicht mehr vorankommen - wie viel auch immer mir davon blieb -, bevor ich ein besseres Verständnis dessen hatte, was früher gewesen war. Das war genau die ‚harte Arbeit‘, die ich als junger Therapeut meinen Patienten immer so leichthin nahegelegt hatte; während ich selbst aber lieber auf die alten Hilfsmittel zurückgegriffen hatte; Verleugnung, sinnliches Vergnügen oder Themenwechsel.“  (S. 99)Der große Wahn spannt einen Bogen über das 20. Jahrhundert mit all seinen Irrungen und Verfehlungen und dennoch lässt uns das Buch nicht niedergeschlagen zurück. Die Geschichte nimmt ein schönes Ende. Der Kreis schließt sich und bringt Versöhnung und Zuversicht mit sich. Eine interessante Auseinandersetzung mit den großen Themen des vergangenen Jahrhunderts!

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  • Der große Wahn

    Der große Wahn
    bookgirl

    bookgirl

    29. August 2017 um 14:59

    Inhalt Der Londoner Psychiater Robert Hendricks hat schon immer anderen geholfen. An sich selbst hat er dabei kaum gedacht und sein Leben als Einzelgänger gefristet. Das ändert sich jedoch, als er von Alexander Pereira auf eine Insel an der französischen Mittelmeerküste eingeladen wird. Durch die Reise und Gespräche mit Pereira, brechen alte Erinnerungen auf und Hendricks setzt sich erstmalig mit sich selbst auseinander: mit seiner Kindheit in England, mit den Erlebnissen im Krieg und mit seiner großen und einzigen Liebe. Meine Meinung "Der große Wahn" erzählt die Geschichte von Robert Hendricks einem sechzigjährigen einsamen Mann, der sich damit arrangiert hat alleine durchs Leben zu gehen und dem dies zu genügen scheint. Auch wenn er es gewohnt ist anderen Menschen als Psychiater zu helfen, gelingt es ihm selber nicht tiefgehende Beziehungen einzugehen. Als er einen Brief von Alexander Pereira erhält, ist zunächst klar für ihn, dass er den alten Mann nicht besuchen möchte. Doch dann siegt die Neugier mehr über seinen Vater zu fahren, den Pereira im ersten Weltkrieg getroffen hat und Papiere sowie Fotos von ihm besitzt. Er beschließt die Reise anzutreten, die sich im Verlauf der Handlung jedoch immer mehr zu einer Reise in die Vergangenheit ausnimmt. Dank Pereira öffnen sich in ihm verschlossene Türen und Hendricks erzählt von dem Krieg und seiner großen Liebe. Und auch wenn ich die Geschichte sehr gerne gelesen habe, waren mir die Kriegserlebnisse zu ausufernd erzählt. Hier hätte der Autor das Geschehen gerne straffen können. Auch, dass Pereira kaum in Erscheinung tritt, hatte ich nicht erwartet. Gerade bei ihm hätte ich gedacht, dass er eine viel größere Rolle einnimmt. Er schrammt in dem Buch gerade so am Statisten vorbei und konnte zumindest auf den letzten Metern doch noch eine Nebenrolle in der Handlung ergattern. Trotz aller Kritik habe ich "Der große Wahn" mit Freude gelesen. Es ist keine Lektüre, die man leicht runterlesen kann, aber Hendricks als Person ist eine interessante Figur, die man kapitelweise immer besser kennenlernen und verstehen konnte. Auch die Exkurse und Überlegungen von Pereira und Hendricks zum Thema "Erinnerungen", fand ich gelungen und nachdenklich stimmend. Fazit "Der große Wahn" ist ein anspruchsvoller, zuweilen nachdenklich stimmender Roman, der mich auch zu unterhalten wusste. Eine gelungene Kombination und daher trotz meiner Kritikpunkte auch ein lesenswertes Buch, für das ich gerne eine Empfehlung ausspreche.  

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  • Der Wahn des Krieges, der Liebe und der Psyche

    Der große Wahn
    herrzett

    herrzett

    25. August 2017 um 23:01

    Das 20. Jahrhundert war eine Katastrophe, "oder genauer vielleicht: ein großer Wahn. Womöglich erwachen wir eines Tages und stellen fest, dass es sich um eine psychotische Episode handelte, die wir abschließen sollten. Aber von dort aus, wo wir heute stehen, scheint das Ganze kein Ende zu nehmen."Die Ausprägungen des Wahns, die in diesem Roman zum Vorschein kommen, sind sehr vielfältig, genauso vielfältig, wie die Anzahl verschiedener Szenen und Erinnerungen zwischen denen der Autor umherspringt. Vorrangig geht es um Hendricks, ein Mensch, für den die Einsamkeit Normalität zu sein scheint. Eines Tages erhält dieser einen Brief des ihm bis dato unbekannten Psychiaters und Kollegen Dr. Pereira, der ihn um einen Besuch auf seiner kleinen französischen Insel bittet, einen Nachlassverwalter sucht und in seinen alten Tagebüchern etwas über Hendricks Vater gefunden hat.Sein Vater hatte ihn schon früh verlassen, eigentlich kann er sich kaum noch an ihn erinnern, so wie an vieles andere. "Von dem, was dann geschah, habe ich bis heute nur ein verworrenes Bild. Viele Jahre lang habe ich versucht, eine Abfolge von Ereignissen zu verstehen, bei der die Zeit zusammenbrach, und bin daran gescheitert."Durch die Gespräche mit Dr.Pereira arbeitet Hendricks seine verdrängte Vergangenheit und Erinnerungen neu auf. Er geht wieder auf Menschen zu, wird nahbarer und empfänglicher für Gefühle. "Wir dürfen bereits nachgewiesen haben, dass ein Großteil der menschlichen Persönlichkeit durch die Art und Weise geformt wird, wie sie sich erinnert. Wohlgemerkt, nicht an was sie sich erinnert, sondern wie sie sich erinnert."Wir bewegen uns zwischen Kriegserlebnissen, Wiedersehen alter Freunde, Arbeit, psychischen Erkenntnissen, beruflichen Vorhaben und Zielen, Sex, Vorlieben und Beziehungen zu verschiedenen Frauen ... die Anzahl der behandelten Themen ist gar riesig. Die immer wieder einfließenden psychiatrischen Erkenntnisse und Erforschungen der damaligen Zeit sowie tiefgründigen Abschnitte über das Leben und die Psyche machen dieses Buch zu etwas Besonderem. Sebastian Faulks schafft es innerhalb kurzer Zeit eine mitfiebernde Spannung zu erzeugen. Die Beschreibungen des Krieges gegen die Deutschen sind sehr intensiv und bildhaft, allerdings widmen wir uns danach wieder anderen Themen und die Spannung ist mehr oder weniger schlagartig verflogen. Manchmal hat man das Gefühl, es wäre eine reine Abarbeitung von Themenkomplexen und Einschüben, die dem Autor immer mal wieder einfallen. Es ist leider kein thematisch fokussierter und aufeinander aufbauender Roman, was das Verständnis etwas erschwert. Des Weiteren empfinde ich Hindricks "Liebeswahn" und die Beschreibungen weiblicher Schenkel auch eher störend als unterstützend. Alles in allem ist es ein guter Roman, der allerdings noch viel mehr Potenzial gehabt hätte.

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  • Der große Wahn und seine Folgen

    Der große Wahn
    Petris

    Petris

    22. August 2017 um 21:15

    Es ist immer wieder interessant, wenn man sich daran macht, eine Rezension zu schreiben. Manchmal schreibt sie sich fast von selber, die Worte sprudeln nur so und dann wieder tut man sich schwer. So wie bei dieser hier. Ich hatte sogar schon eine halbfertige, musste sie aber nochmal ganz löschen, weil ich sie völlig nichtssagend und an einem Totpunkt angekommen fand. Das hat aber überhaupt nichts damit zu tun, wie gut mir das Buch gefällt.Vielleicht beginnen wir einfach damit, meine Bewertung. Ich fand den Roman zu Beginn etwas sperrig und schwer zugänglich, vielleicht im ersten Abschnitt auch ein wenig nichtssagend, doch je mehr ich erfuhr, je weiter ich in die Geschichte eintauchte, desto mehr war ich gefesselt und interessiert. Die Spannung hielt bis zum Schluss an, ich fand das Ende sehr passend und gelungen und bin sehr froh, dass es kein kitschiges Happy End gab. Eindeutig ein Buch, das ich mit Vergnügen gelesen habe und gerne weiterempfehle.Die Themen, die behandelt werden sind sehr vielfältig und auch groß. Da geht es einmal um die großen Kriege des 20. Jahrhunderts und die Spuren, die sie an und in den Menschen hinterließen, es geht um die Geschichte der modernen Psychiatrie und Psychotherapie bzw. den Streit der unterschiedlichen Schulen und ganz stark geht es um Erinnerung, das ist vielleicht das Hauptthema.Den Rahmen, in dem diese Themen aufgegriffen werden, bilden Robert Hendricks, ein Londoner Psychiater, Kriegsteilnehmer im 2. Weltkrieg, verbittert und von den Menschen enttäuscht und Alexander Pereira, Kriegsteilnehmer im 1. Weltkrieg, pensionierter Neurologe, der auf einer kleinen französischen Insel lebt und ersteren kontaktiert, um ihn als Nachlassverwalter einzusetzen und auch, weil er Hendricks Vater im Krieg kennengelernt hatte und die Informationen, die er besaß, an den Sohn weitergeben wollte.Die Verbindung der Erzählung der Begegnung der beiden Männer und der großen Sachthemen funktioniert hervorragend. Stellenweise illustrieren die Geschichten der Männer, was über Erinnerung, Psychiatrie und Krieg erzählt wird. Das ist großartig gemacht. Auch wie der große Wahn des Krieges dem „kleinen“ Wahn psychischer Erkrankungen gegenübergestellt wird hat mir sehr gut gefallen. Besonders schön fand ich, wie respektvoll von den Kranken gesprochen wurde und wie sehr beide davon beseelt waren, ihren Patienten zu helfen und etwas für sie zu erleichtern.„Bis zu diesem fernen Tag sollten wir den Patienten mit Respekt zuhören, wirklich hören, was sie sagen, das … nun, das gehört sich zumindest.“ S. 400Der Roman ist so vielschichtig, dass mir noch einige Themen einfallen würden, die ich hier besprechen könnte. Aber ich will ja nicht zu viel vorwegnehmen, jede*r soll sich selber auf Entdeckungsreise begeben können, deshalb schließe ich hiermit.Ein Buch, das ich sicher weiterempfehlen werde, das mich gut unterhalten hat, mir aber auch viel Neues eröffnet hat. Sehr gelungen!

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1702
  • Nah und fern zugleich

    Der große Wahn
    leserattebremen

    leserattebremen

    21. August 2017 um 15:11

    Der in London lebende Psychologe Robert Hendricks erhält per Brief eine überraschende Einladung von einem ihm unbekannten Mann. Der alte Herr, früher im gleichen Beruf tätig wie Hendricks, lädt ihn auf eine winzige Insel vor der französischen Küste ein und bietet an, ihm etwas über Hendricks Vater zu erzählen, der im ersten Weltkrieg verstarb, als er selbst noch ein Kleinkind war. Soll Robert Hendricks sich auf das seltsame Angebot des Unbekannten einlassen und damit vielleicht auch seine eigenen Kriegserinnerungen an den Zweiten Weltkrieg wieder aufleben lassen?»Das Leben eines Menschen besteht nicht aus dem, was geschehen ist, sondern aus seiner Erinnerung daran und der Art und Weise, wie er sich erinnert.« (S. 332)Dieser Satz ist symptomatisch für das Leben von Robert Hendricks, der seine eigene Erinnerung tief vergraben hat, um all die erfahrenen Verletzungen und Erlebnisse zu verdrängen und so ein recht tristes und freudloses Leben führt. Er glaubt nicht an die Liebe, distanziert sich von allen und besonders von Menschen, die ihm zu nahe kommen können und wirkt auf mich an Anfang fast roboterhaft. Sebastian Faulks beschreibt seine Hauptfigur in „Der große Wahn“ sehr eindringlich, so dass einen Henricks Erinnerungen an den Krieg unweigerlich bewegen. Seine Reaktion darauf, sich nicht erinnern zu wollen, wird immer verständlicher. Faulks Roman ist keine leichte Lektüre, die man nebenbei lesen sollte, auf Robert Hendricks Erinnerungen sollte man sich voll und ganz einlassen, dann wird sein Leben einen wirklich erreichen und auch bewegen können. Ich war bis zum Schluss indifferent, ob ich diese Hauptfigur jetzt eigentlich mag, die der Autor mir da vorgesetzt hat. Doch das spielte keine große Rolle, denn Faulks sucht nicht nach Sympathie für seinen Protagonisten, sondern für Verständnis, so meine Wahrnehmung der Geschichte. Und verstehen konnte ich ihn am Ende sehr gut, was das besondere des Buches für mich ausgemacht hat. Hendricks, der sich doch so dagegen wehrt, Nähe zuzulassen, kommt dem Leser ganz nah und Faulks hat mich mit seiner Darstellung der Kriegserlebnisse ebenso fasziniert wie mit den Entwicklungen in der psychologischen Arbeit. Ein absolut lesenswertes Buch. 

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  • Erinnerungen, wie gestalten sie ein Leben

    Der große Wahn
    Buchraettin

    Buchraettin

    21. August 2017 um 09:11

    Die Rezi darf mit Erlaubnis des Verlages hier bei LB schon vorab erscheinen, da ich an der Leserunde zum Buch teilgenommen habe.Ein Mann, Psychiater von Beruf. Er erhält eine Einladung von einem älteren Neurologen aus Frankreich. Dieser besitzt alte Fotos vom Vater des Ich – Erzählers und möchte ihm gern einen Vorschlag unterbreiten. Die Geschichte spielt im Jahr 1980. Robert Hendricks heißt der Ich- Erzähler. Sein Vater starb, als er noch klein war. Es wird zu einer Reise in die Vergangenheit und zu einer Reise der Erinnerungen.Das Ganze hat etwas ein wenig Melancholisches an sich, die Erzählung. Aber auch seine Gedanken, seine Beschreibungen, Erinnerungen, da klingt für mich so Melancholie durch. Er analysiert alles, sein Verhalten, Beobachtungen, vielleicht ist das auch ein wenig aufgrund seines Berufes, da er Psychiater ist. Ich mag gern Ich- Erzähler, weil ich dann das Gefühl habe, hautnah dabei zu sein. Mitten drin sozusagen im Leben und Erleben der Figur.Es gibt wunderschöne Sätze hier. Sätze, die nachdenklich machen. Es ist ein Nachdenken über das menschliche Wesen, Krieg und auch die menschliche Psyche und ihre Krankheiten.Der Autor hat für mich einen manchmal distanziert und kühl wirkenden Stil und so stellt sich mit die Figur auch dar. Aber dann wird es sehr anschaulich und ich kann mich besser einfühlen in die Figur. Die Figur empfand ich, als schleppe er eine Bürde mit sich, die auch den Leser ein wenig niederdrückt. Er wirkt in seinem Denken so analytisch auf mich, ein wenig sezierend, wenn er etwas beschreibt – aber das kann ich mir aber gut vorstellen mit seinem Beruf.Dennoch spürte ich als Leser, wie sich im Laufe der Geschichte die Stimmung des Buches und des Erzählers wandelte. Er wird angeregt durch das Treffen mit den Neurologen, sich zu erinnern. Als Leser nehme ich teil an seinen Erinnerungen. Er erzählt praktisch sein Leben, erinnert sich und ich kann spüren beim Lesen, wie sich seine Stimmung entspannt. Man spürt nicht mehr diesen Druck. Er erzählt von seinen Forschungen in der Psychiatrie, das fand ich sehr interessant. Er berichtet auch von einer Liebe und deren Folgen für ihn.Den Titel empfinde ich sehr gelungen auf zweierlei Weise. Zum einen ist der Krieg Thema im Buch und wird auch ausführlich beleuchtet, aber auch die Psychiatrie, seine Forschungen, seine Erkenntnisse in Bezug auf Patienten und deren psychischen Krankheiten nehmen ebenso einen großen Raum ein.Was mich störte, das ist eine kleine Kritik, sind die immer wieder eingefügten etwas freizügigen Szenen mit seinen Frauen. Diese Szenen hätte ich nicht gebraucht in diesem Buch.Es ist Buch, das ich anfangs ein wenig erdrückend fand. Sehr melancholisch. Dessen Stil sich für mich aber wandelte und wo ich spürte, mit dem Erinnern des Protagonisten an seine Vergangenheit ging auch eine Art Verwandlung vor sich und ich konnte immer mehr eintauchen in die Geschichte und dessen Leben.Anspruchsvoll, etwas melancholisch zu Beginn, aber dann mehr fesselnd und es entwickelte sich bei mir ein Sog wissen zu wollen, wie die Geschichte enden würde. Volle Leseempfehlung.

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