Sebastian Haffner

 4,4 Sterne bei 268 Bewertungen
Autor*in von Anmerkungen zu Hitler, Geschichte eines Deutschen und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Sebastian Haffner, geboren 1907 in Berlin, studierte Rechtswissenschaften. Doch den Beruf des Juristen im Nationalsozialismus konnte er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren. Er arbeitete als Journalist und emigrierte 1938 nach England, wo er unter anderem seine erst postum veröffentlichte »Geschichte eines Deutschen« verfasste. 1954 kehrte er zurück und wurde mit Werken wie »Anmerkungen zu Hitler« ein zentraler Publizist der Bonner Republik. Er starb 1999. 2025 erschien sein bislang unveröffentlichter Roman »Abschied« bei Hanser.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Der Teufelspakt (ISBN: 9783446285996)

Der Teufelspakt

Neu erschienen am 21.04.2026 als Gebundenes Buch bei Hanser, Carl.
Cover des Buches Geschichte eines Deutschen (ISBN: 9783570555293)

Geschichte eines Deutschen

(61)
Erscheint am 24.06.2026 als Taschenbuch bei Pantheon.
Cover des Buches Das Leben der Fußgänger (ISBN: 9783446286030)

Das Leben der Fußgänger

Neu erschienen am 17.03.2026 als Taschenbuch bei Hanser Taschenbuch.

Alle Bücher von Sebastian Haffner

Cover des Buches Anmerkungen zu Hitler (ISBN: 9783644308817)

Anmerkungen zu Hitler

(78)
Erschienen am 19.07.2013
Cover des Buches Geschichte eines Deutschen (ISBN: 9783570555293)

Geschichte eines Deutschen

(61)
Erscheint am 24.06.2026
Cover des Buches Von Bismarck zu Hitler (ISBN: 9783426300961)

Von Bismarck zu Hitler

(29)
Erschienen am 01.07.2015
Cover des Buches Abschied (ISBN: 9783446288737)

Abschied

(22)
Erscheint am 06.10.2026
Cover des Buches Die deutsche Revolution 1918/19 (ISBN: 9783498030421)

Die deutsche Revolution 1918/19

(12)
Erschienen am 24.07.2018
Cover des Buches Winston Churchill (ISBN: 9783644517219)

Winston Churchill

(10)
Erschienen am 01.10.2014
Cover des Buches Preussen ohne Legende (ISBN: 9783442755448)

Preussen ohne Legende

(7)
Erschienen am 01.12.1998

Neue Rezensionen zu Sebastian Haffner

Cover des Buches Abschied (ISBN: 9783839822081)
L

Rezension zu "Abschied" von Sebastian Haffner

leseleucht
Großartig gelesen

„Abschied“ ist eine wiederentdeckte Erzählung und insofern auch eine Entdeckung, weil man Haffners erzählerisches Talent zwar aus anderen Werken kennt, diese aber eher historische Darstellungen waren, keine erzählerische Fiktion.

Erzählen kann er auf jeden Fall. Und so erzählt er uns in „Abschied“ von einem eher bürgerlichen Rechtsreferendar, der während eines Kurztrips nach Paris – wie man heute sagen würde -, eintaucht in das bohemianhafte Leben, das diese Stadt demjenigen ermöglicht, der die Muße und das nötige Kleingeld hat. Oder der bereit ist, sich auch ohne Geld von einem solchen Moment des savoir vivre zum nächsten zu hangeln, wie es die Angebetete unseres jungen Referndars in Paris tut. Von ihr gilt es jetzt wieder Abschied zu nehmen und damit auch von einer besonderen Lebensweise, und diesen gilt es möglichst lang hinauszuzögern, um sich noch nicht der Lebenswirklichkeit stellen zu müssen, um die Geliebte nicht wieder sich selbst oder gar anderen Bewunderern überlassen zu müssen, um sich selbst um sie sorgen zu können, um dem spießbürgerlichen Leben nicht zu schnell wieder ins Gesicht schauen zu müssen, um Paris nicht zu schnell wieder den Rücken kehren zu müssen – wer weiß, bis wann.

Die Erzählung vermittelt wunderbar das Lebensgefühl in dieser schillernden Stadt, das genauso schillert zwischen Leichtigkeit und der Anstrengung, die zu viel gewollte Leichtigkeit mit sich bringen kann, sowie die Bedrückung durch den bevorstehenden Abschied. Dieser ist für mein Empfinden allerdings bisweilen sehr künstlich prolongiert worden, was auch ermüdend und ein wenig lächerlich wirken kann.

Letzteres mag auch dem naiven Ton neusachlicher Erzählkunst, an den die Geschichte auf jeden Fall erinnert, geschuldet sein.

Was man allerdings auf jeden Fall festhalten kann, ist, dass der Verlag eine absolut passende Erzählstimme für diesen Text gefunden hat, die genau den richtigen Ton trifft und von daher das Hören schon zu einem großartigen Erlebnis macht.

Cover des Buches Abschied (ISBN: 9783446288737)
holzmair_evas avatar

Rezension zu "Abschied" von Sebastian Haffner

holzmair_eva
Paris 1931 - gesehen von einem verliebten Berliner

Ein unveröffentlichtes Manuskript des später hochgeschätzten Publizisten Sebastian Haffner wurde entdeckt und mit vielen Vorschusslorbeeren versehen. In jungen Jahren, als er noch Raimund Pretzel hieß, hatte Haffner diesen Text im Herbst 1932 in kaum mehr als einem Monat verfasst, um seine Zeit mit einer jungen Frau in Paris und davor in Berlin noch einmal Revue passieren zu lassen. Der renommierte Hanser-Verlag hat nun mit Einverständnis der Nachfahren diesen Text als Roman herausgebracht.

Er schildert die letzten Stunden in Paris, ehe Raimund nach Berlin muss, wo ihn die wenig beglückende Existenz eines Rechtsreferendars erwartet. Zurück lässt er Teddy, um die sich alles dreht. Nicht nur Raimund ist von ihr bezaubert, auch andere umschwärmen die junge Frau, die nach Paris gegangen ist, um an der Sorbonne zu studieren und sich mit Gelegenheitsaufträgen ein Einkommen zu verschaffen, etwa durch Übersetzen von Briefen. Sie beherrscht mehrere Fremdsprachen, Raimund zu diesem Zeitpunkt keine einzige. Das hindert ihn aber nicht, gemeinsam mit einem anderen Verehrer der jungen Frau zu behaupten, dass es mit Teddys Bildung nicht weit her sei, weil sie den chinesischen Dichter Li-Tai-Po nicht kennt.

So plätschern sie dahin, diese Abschiedsstunden, mit Gerede, Erinnerungen, Treffen in der Pension, im Café, im billigen Bistro. Es gibt Kabbeleien der gerade-noch-und bald-nicht mehr-Verliebten – „Wir hatten uns hübsch oft gezankt in diesen vierzehn Tagen.“ –, Eifersüchteleien und Versöhnungen. Teddy und Raimund gehen in den Louvre, wo „Gekreuzigte, Gespießte und Durchpfeilte“ hängen, fahren rasch noch auf den Eiffelturm und essen mit Teddys Bekannten.

Hastig mit vielen „und“ schildert Raimund Pretzel, wie er Teddys neue Welt und Freunde (mehrheitlich männlich) erlebt, schreibt die Stimmung herbei, die in Paris herrscht: „Alles trug Baskenmützen, und man sah die herrlichsten und kühnsten Gesichter darunter, und alles lachte und war guter Laune und kannte und begrüßte sich, und es war wundervoll anzusehen.“ Er hört „zierliches französisches Geschwätz“ von vorbeigehenden Frauen und kann Paris doch nicht so recht genießen, denn das Ende der Beziehung ist bereits angelegt. Auf dem Eiffelturm denkt er: „Es war gar nichts mehr von allem da, was vorhin gewesen war. Der Trocadéro nicht und der Champ de Mars, und der Maronenhändler, und die Straßenbahn, und der Pfeifer von Manet und das runde Sofa im Louvre – es war, als käme jemand gegangen und wischte alles mit einem nassen Schwamm von der Schreibtafel weg.“

Und dann ist es so weit, der Abschied am Gare du Nord. „Auf den Bahnsteigen war überall lebhafte Bewegung, Lokomotiven rangierten prustend, und Züge stellten sich zurecht und hockten lang und schwarz auf den Schienen.“ Auch Raimunds Zug wartet schon. Teddy wird nicht nachkommen. Sie hat „Angst vor Berlin“, ahnt vielleicht das herannahende Unheil.

Das ist aber nicht Thema des Romans, der nichts anderes zeigt als den damaligen Zeitgeist unter jungen nach Paris gekommenen Leuten, Migranten ohne Zwang, sowie das Ende einer Liebe, die einst groß erschienen ist, als Teddy und Raimund in Berlin Tennis spielten und die nächtliche Stadt durchstreiften.

Dass Teddy ein reales Vorbild hat, wird im Nachwort erklärt. Für den Autor, der uns im Roman mit seinem literarischen Alter Ego begegnet, war sie die Liebe seines Lebens, selbst wenn die Beziehung nur kurz dauerte und später in freundschaftliche Kontakte mündete zwischen zwei emigrierten und mit anderen verheirateten Menschen, die im Ausland Fuß zu fassen versuchten, er erfolgreich und unter dem Namen Sebastian Haffner als Journalist in Großbritannien, sie mit Volkshochschulkursen für Französisch und Kochen in Schweden. Das liest sich durchaus erhellend. Und der Roman selbst? Er bringt das Lebensgefühl einer schon damals verlorenen Generation zu Papier, tut dies jedoch ohne Spannungsbogen und mit zuweilen recht langatmigen Gesprächen, die in zeilenlangen „Doch“-„Nein.“-„Doch“-Auseinandersetzungen münden. Als Ausgangspunkt dessen, was den späteren Sebastian Haffner ausmachte, ist der Text interessant, als Roman nur bedingt.

Cover des Buches Abschied (ISBN: 9783446284821)
walli007s avatar

Rezension zu "Abschied" von Sebastian Haffner

walli007
Paris - Berlin

Mit Teddy streift Raimund durch Paris. Die schönste Zeit hatten sie im Sommer vor einem Jahr. Die Reise nach Paris sollte die Zeit zurückbringen, aber es soll wohl nicht sein. Seinen Gefühlen zum Trotz ist Teddy ihm irgendwie fremd geworden. Sie hat so eine Pariser Art, ein Pariser Leben und Pariser Bekannte. Sie pflegt einen Umgang, zu dem Raimund keinen rechten Zugang findet. Und so haben sie sich während seines zweiwöchigen Urlaubs irgendwie verzankt. Und nun sind die letzten Stunden seines Aufenthalts angebrochen. Er würde das Ruder gerne herumreißen, aber die Zeit wird immer knapper. 


Es ist das Jahr 1932. Man kann noch hoffen, aber Raimunds Dasein als juristischer Referendar ist eher nicht begeisternd. Teddy hat ihr Studium in Paris schon ein Jahr zuvor begonnen. Dass sie nach Berlin zurückkehrt, ist eher unwahrscheinlich. Aber in Paris zu bleiben, ist für Raimund auch keine Option. Teddy möchte ihm etwas zeigen. Doch immer sind auch die neuen Freunde mit dabei. Raimund kämpft schon gegen seine Eifersucht und es entsteht der Eindruck, das Teddy das nicht richtig nachvollziehen kann. Es scheint eher als wolle sie ihn zwar in die Gruppe einfügen, sei jedoch der Beziehung entwachsen. Und bald ist die Zeit der Abfahrt gekommen. 


Man könnte sich vorstellen, dass dieser Roman als Film gut funktionieren würde. Die etwas flatterhafte Teddy, der ein wenig zurückhaltende Raimund, die Gruppe von Studenten aus unterschiedlichen Ländern. Dazu die pointierten Gespräche. Ja, man kann es sich gut vorstellen, vielleicht sogar besser in Schwarz-Weiß. Beim Lesen wird es ein wenig schwieriger. Was man sich beim Lesen erhofft, erfüllt sich eigentlich eher durch die klärenden Worte des Nachworts. Da die Erzählung tatsächlich in der Zeit verfasst wurde, in der sie spielt, muss man natürlich bedenken, dass der Autor nicht hellsehen kann. Man spürt die verpasste Chance dieser Zeit und fragt sich, was hätte besser gemacht werden können. Eine Frage, die wohl nie einen aktuellen Bezug verliert. 

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