Sebastian Krumbiegel

 4.6 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Courage zeigen.

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Courage zeigen

Courage zeigen

 (8)
Erschienen am 27.03.2017

Neue Rezensionen zu Sebastian Krumbiegel

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Rezension zu "Courage zeigen" von Sebastian Krumbiegel

Großartig!
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

Ich wollte dieses Buch unbedingt lesen, weil mit die Themen Haltung zeigen und Zivilcourage persönlich sehr wichtig sind, und ich habe mich sehr für seine Erlebnisse und seine Meinung diesbezüglich interessiert.

Noch vor dem Vorwort finden hier einen abgedruckten Brief von Udo Lindenberg, der seine erste Begegnung mit Sebastian Krumbiegel schildert und erklärt, was er mit dem Autor gemeinsam hat. Fand ich schön zu lesen und ich kann schon mal sagen, dass die beiden alleine dadurch in meinem Ansehen gestiegen sind.
Dann folgt das Vorwort von Krumbiegel, was mich dann endgültig begeistert, denn er stellt klar, dass er sein Fähnchen nicht mit dem Wind dreht. Soll heißen, er sagt seine ehrliche Meinung, auch wenn er Gefahr läuft, damit anzuecken. Sehr sympathisch, solche Menschen mag ich gerne, Ehrlichkeit ist mir sehr wichtig. Weiterhin stellt er klar, dass er seine Berühmtheit dafür nutzen möchte, für ein besseres, friedvolleres und respektvolleres Miteinander zu kämpfen. Großartig.

Der Rest des Buches ist in einzelne Berichte aufgeteilt, in denen er von Ereignissen und Menschen berichtet, die ihm das ein oder andere gelehrt haben. Beispielsweise geht es um seine Proteste, mit denen er schon während seiner Schulzeit begonnen hat. Er berichtet, wie er den Mauerfall und die Zeit danach empfunden hat und schildert, wie er sich in den verschiedenen Zeiten der Geschichte verhalten hätte.

Er schildert die Geschichten grundsätzlich aus seiner Sicht und vertritt lediglich seine Meinung, und das macht dieses Buch für mich interessant. Er ist jedoch in der Lage, eigenes Handeln zu hinterfragen, er reflektiert unter anderem Äußerungen, die er in der Öffentlichkeit getätigt hat.

Wir lernen durch seine Erzählungen viele Menschen kennen, die ihn auf die ein oder andere Weise ein Stück weit begleitet haben, manche positiv, manche negativ. Er versucht, Menschen wieder zu treffen, mit denen er Konflikte hatte und greift diese dadurch wieder auf, hierdurch erfahren wir, was aus dem ein oder anderen Mensch aus Krumbiegels Vergangenheit geworden ist.

Was ich aber am großartigsten finde, ist, dass Krumbiegel durch verschiedene Situationen und Begegnungen zeigt, dass auch er nicht frei von rassistischen Vorurteilen und Schubladendenken ist. Er stellt sich mit seinem Denken hier nicht über alle anderen, sondern gibt damit zu, dass er auch er manchmal in eine Denkfalle tappt.

Ich empfehle dieses Buch allen Lesern, die sich für andere Menschen interessieren, die ihre wahre Meinung nicht hinter dem Berg halten, sondern sie auch äußern, wenn sie Gefahr laufen, anzuecken.

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derMichis avatar

Rezension zu "Courage zeigen" von Sebastian Krumbiegel

Selbermachen statt meckern
derMichivor einem Jahr

Es ist schwierig einen Menschen zu verstehen, ohne seine Geschichte zu kennen. Entsprechend beginnt Krumbiegel bei einem persönlichen und historischen Wendepunkt, nämlich den Montagsdemonstrationen in Leipzig 1989. Bereits damals mischten sich offenbar nationalistische Untertöne in die Sprechchöre, die eigentlich offene Grenzen, Meinungsfreiheit und Mitspracherecht einforderten. Da liegt es nahe die Stimme zu erheben, denn angesichts ähnlicher Phänomene in diesem Jahrhundert liegt der Schluss nahe, dass entsprechende Stimmungen nicht erst gestern entstanden.

Was sein Buch nahbar macht und nicht unnötig moralisierend erscheinen lässt ist vor allem die Tatsache, dass Krumbiegel kein Verächter von Selbstkritik und kleinen Schritten auf dem Weg zu einem besseren Miteinander ist. Sei es im klärenden Gespräch mit Politikern oder Bild-Chef Kai Diekmann, die Frage, ob solche Aktionen überhaupt etwas bewegen oder nur nette Episoden bleiben, beantwortet er mit distanzierter Zurückhaltung. Einseitiges Missionieren gibt es bekanntlich auf allen Seiten des politischen Spektrums, das Ansprechen der Dinge, das Nachbohren, die Konfrontation mit unliebsamen Wahrheiten dagegen kann dazu führen, dass etwas "in den Köpfen hängenbleibt". Ein Ansatz der Geduld erfordert und genau deswegen mit Respekt zu behandeln ist

Die starke persönliche Verbindung zum Thema wird spätestens anhand eines brutalen Überfalls durch Neonazis deutlich, den Krumbiegel in seiner Heimatstadt Leipzig erlebte. Kapitel wie der Versuch einer Aussprache mit einem der Täter offenbaren den Willen zum Verstehen der Denkweise hinter solchen Taten und klammern die davon Betroffenen auf beiden Seiten nicht von vornherein aus. Dem Vorwort nach will das Buch keine Autobiografie sein, weitere Kapitel befassen sich jedoch auf unterhaltsame Weise mit der musikalischen Laufbahn des Autors sowie verschiedenen anderen Stationen seines Lebens. Diverse Erlebnisse rund um die "Friedliche Revolution" 1989 sind ebenso Thema wie der Kirchenaustritt des ehemaligen Thomaners, den er mehr am Versagen der Institution und ihren Vertretern, als an persönlichen Glaubenserfahrungen festzumachen scheint.

Unter all den Büchern, die mit mehr oder weniger Distanz gegenwärtige gesellschaftliche Problematiken thematisieren, liest sich "Courage zeigen" im Schnitt angenehm differenziert. Krumbiegel gibt außer der Demokratie keinem anderen politischen System den Vorzug, klärt aber auch über den erlebten DDR-Alltag auf, der eben nicht immer dem Klischee entsprach. Da war nicht alles schlecht, besonders wenn man als privilegierter Chorknabe ins westliche Ausland reisen durfte, aber manches eben schon. Seine Selbstreflexion im Hinblick auf protorassistische Äußerungen, die schnell ausgesprochen sind, auch wenn man es nicht so meint, bricht die idealistischen Gedanken auf ein alltagstaugliches Maß herunter. Die klare Positionierung gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie ist bemerkenswert, Toleranz gegenüber Religionen bleibt im Vergleich eher außen vor.

Man muss allerdings auch gar nicht alles gut finden um zu sehen, dass sich hier jemand wichtige Gedanken macht und, ähnlich wie in der Musik, "Unterhaltung mit Haltung" bieten will. Das hört man nicht von jedem Popstar. Wenn man aus dem Buch eines lernen kann, dann dass jeder für das mitverantwortlich ist, was in seinem Land und in seiner Stadt passiert. Und, dass man sich nicht darauf ausruhen sollte, dass andere sich schon kümmern werden.

Seitenzahl: 224
Format: 14,2 x 22,1, gebunden
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Bonusmaterial: Song-Downloads per QR-Code

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GernotUhls avatar

Rezension zu "Courage zeigen" von Sebastian Krumbiegel

Autobiografische Streitschrift für aktive Zivilcourage
GernotUhlvor einem Jahr

Sebastian Krumbiegel rennt weg. Er wird von zwei Nazis durch den dunklen Park gejagt. Die Glatzköpfe machen keinen Spaß. Sie bringen den späteren Frontmann der Leipziger Kultband Die Prinzen zu Fall und dreschen erbarmungslos auf den Wehrlosen ein. Erst als zufällig ein Autofahrer anhält und entschlossen dazwischengeht, lassen die beiden von ihm ab. Sebastian Krumbiegel erfährt am eigenen Leib, dass Zivilcourage Leben retten kann. Er hat sich diese Einstellung zueigen gemacht. Seine Autobiografie Courage zeigen ist ein Plädoyer für ein Leben mit Haltung.

In den Neunzigern habe ich Die Prinzen verehrt.  "Ich wär so gerne Millionär", "Küssen verboten" und "Alles nur geklaut" kann ich heute noch auswendig. Natürlich war das uncool, mit The Prodegy und Marusha oder Guns'n'Roses und Metallica weniger anfangen zu können als mit den a capella-Künstlern aus Leipzig. Das hat mir die Die Prinzen  nicht madig gemacht. Ich mochte die Mischung aus sinnlosen, tiefsinnigen, witzigen und motivierenden Texten: "Mein bester Freund" ruft zum Beispiel dazu auf, gegen das Unrecht in der Welt zu kämpfen. Für Die Prinzen und ihren Vorsänger Sebastian Krumbiegel sind das keine hohlen Phrasen, sondern eine Frage der Haltung. Und für ein Leben mit diese Haltung macht Krumbiegel in seiner soeben erschienen Autobiografie Werbung. Solche Typen und solche Botschaften braucht es in unruhigen Zeiten wie unseren.
Sebastian Krumbiegel erzählt seinen bisherigen Werdegang. Das hat beim Lesen viele vergrabene Erinnerungen an die erste Blütezeit der Prinzen wach werden lassen. Er beschreibt auch an vielen Beispielen, was es bedeuten kann, Haltung zu zeigen. Aber Sebastian Krumbiegel hat vor allem seine eigene Haltung im Blick. Die ist ziemlich konkret und hat viel mit einem leidenschaftlichen Engagement gegen Rechts zu tun. Das ist mutig und aller Ehren wert. Der Widerstand gegen die immer unverhohlener ausgelebte Ausländerfeindlichkeit der Neonazis und gegen die perfiden Methoden der Populisten, braune Parolen salonfähig zu machen, muss aus der Mitte einer demokratischen Gesellschaft heraus geleistet werden. Sebastian Krumbiegel ist in dieser Hinsicht nicht nur Vorsänger, sondern auch Vorbild. Er schafft es auch, aus seiner eigenen Lebensgeschichte heraus etwas zu vermitteln, was heute zusehends in Vergessenheit zu geraten scheint: Demokratie und Freiheit sind nicht selbstverständlich. Sie sind so unwahrscheinlich wie der Fall der Berliner Mauer und der Zusammenbruch des sozialistischen Unrechtsstaates DDR, den Sebastian Krumbiegel miterlebt hat.

Trotzdem hatte ich mir irgendwie mehr erhofft von diesem Buch. Oder vielleicht auch nur etwas anderes, da bin ich mir nicht ganz sicher. Erwartet hatte ich mir ein Plädoyer für Courage im Alltag, vielleicht die Ermutigung, dass nicht nur Promis etwas bewegen können und wahrscheinlich die Erklärung, dass die Demokratie ganz unterschiedliche Haltungen kennt und aushält, wenn sie sich im Grundsatz zu ihr bekennen. Es ist die eine Sache, einen engagierten Mitbürger wie Sebastian Krumbiegel zu bewundern – das tue ich! Eine andere Sache ist es, vom Vorbild auf das eigene Tun zu kommen. Vielleicht hätte Sebastian Krumbiegel bei diesem schwierigen Unterfangen noch etwas mehr Hilfestellung geben können. Das aber ist wahrscheinlich in den Krümeln gelesen. Der große Brocken ist ein großer Wurf: Eine autobiografische Streitschrift für aktive Zivilcourage.

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