Sebastian Pertsch , Udo Stiehl »Ihr Anliegen ist uns wichtig!« - So lügt man mit Sprache

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Inhaltsangabe zu „»Ihr Anliegen ist uns wichtig!« - So lügt man mit Sprache“ von Sebastian Pertsch

Sebastian Pertsch und Udo Stiehl stehen als Journalisten immer wieder vor der Frage: Mach ich´s verständlich, oder mach ich´s mir leicht? Denn unsere Sprache verfügt über unzählige klausulierte Formulierungen und Begriffe, mit deren Hilfe sich komplexe Zusammenhänge verharmlosen und in Nebelbomben verwandeln lassen. Da wird der zum Tode verurteilte Häftling, der seit Jahren auf seine Hinrichtung wartet, zum „Todeskandidaten“, der Angriffskrieg zum „Luftschlag“ und ungerechte Gesetze werden „nachgebessert“. Da ist „noch etwas Luft nach oben“ finden die Autoren von Floskelwolke.de und treffen mit ihren geistreichen Analysen mitten in unser vernebeltes Sprachzentrum.

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    »Ihr Anliegen ist uns wichtig!« - So lügt man mit Sprache
    R_Manthey

    R_Manthey

    03. March 2016 um 12:16

    Es hätte ein sehr interessantes Buch werden können. Doch leider haben die beiden Autoren diese Chance leichtfertig vertan. Ihre Idee, die Welt der Floskeln und der sprachlichen Manipulationen zu durchleuchten und sie so aufzuklären, dass man sie in Zukunft auf Anhieb durchschauen kann, ist aller Ehren wert und sicher sehr nützlich. Um sie umzusetzen, wäre es sehr wünschenswert gewesen, wenn die Autoren dabei vollständig auf der Sachebene geblieben wären. Das ist ihnen leider nicht gelungen. Dem journalistischen Zeitgeist folgend, verflechten sie in ihrem Buch sachliche Informationen und ihre Weltsicht zu einem Text, den man nicht ohne Weiteres widerspruchslos hinnehmen kann, weil er nicht nur etwas einseitig ist, sondern mitunter auch den Charakter einer linksorientierten politischen Streitschrift annimmt. Wenn man ein solches Buch schreiben will, dann sammelt man zuerst einmal viel Material. Das dürfte den Autoren leicht gefallen sein, weil sie Medienprofis sind. Dann steht man vor der Frage, wie man den Text schreibt. Ein Psychologe oder ein Wissenschaftler wäre dabei sicher anders vorgegangen als diese beide Journalisten. Anstatt eine wenigstens ansatzweise didaktisch Methodik zu benutzen, also bereits vollzogene Schlussfolgerungen mit einem gewissen Verallgemeinerungsniveau darzustellen und anschließend mit Beispielen zu unterlegen, gehen die Autoren den einfachen Weg. Sie bauen ihre Beispiele einfach in einen Text ein, der auf einer gewissen spielerischen Ebene zeigt, wie Floskeln und sprachliche Manipulationen benutzt werden, um Lesern oder Hörern etwas vorzuspielen, was so nicht stimmt. Der Nachteil dieser Aufzählmethode besteht darin, dass zahlreiche Möglichkeiten, die man dazu benutzen kann, in einem Topf geworfen und nicht mehr von einander getrennt werden. Das führt in der Regel beim Leser wohl dazu, dass er vielleicht diesen Text ganz amüsant finden, aber bald wieder vergessen wird. Ohne eine strukturierte Darstellung, die sich unser Gehirn einprägen kann, ist ein Text einfach zu glatt, um Anker setzen zu können. Zwar findet man in diesem Buch eine gewisse Struktur. Sie ist jedoch nicht methodisch, sondern eher lokal orientiert. Nach einem Vorwort gehen die Autoren die Orte durch, an denen sie fündig wurden. Sie unterteilen nach Verbraucher, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport und Medien. Im Vorwort verorten sie Tatbestände, die sie anderswo nicht zuordnen konnten, wie zum Beispiel die Benutzung des Wortes "Sünder" in allen möglichen Zusammenhängen. Das liest sich recht gut. Danach durchforsten sie unser Leben als Verbraucher auf versteckte falsche Suggestionen. Beim Lesen wird man viele solcher geschickt eingesetzter Verschleierungen und Manipulationen antreffen, denen man im täglichen Einerlei kaum ausweichen kann. Es ist wirklich erschreckend, wie solche Tricks in unserem Kopf Aussagen fabrizieren, die offensichtlich falsch sind, die wir aber trotzdem mitunter für wahr halten, weil wir weder Zeit noch Lust haben, über jede dieser für uns gerade unwichtigen Formulierungen nachzudenken. Im zweiten Kapitel geht es um sprachliche Manipulationen in der Politik. Hier beginnen die Autoren ihre Weltsicht mit ins Bild zu bringen. Das ist sicher ihr gutes Recht. Allerdings führt das zu einer gewisse Schlagseite in dieses Buch. Es gibt eben nicht nur eine "rechte Rhetorik", sondern auch eine linke, ebenso wie es Extremismus rechts und links gibt. Es mag zum Beispiel durchaus sein, dass gewisse Politiker in Sachsen, wie die Autoren meinen, auf dem rechten Auge blind sind. Bei ihnen scheint dann aber das andere befallen zu sein. Vielleicht informieren sie sich einmal bei ihren Kollegen von Spiegel-TV, die gerade einen interessanten Beitrag über den überaus militanten Linksextremismus in Sachsen veröffentlicht haben. Spätestens mit diesem Kapitel zeigt sich, dass die Autoren neben der oben erwähnten methodischen Schwäche auch eine gewisse Wahrnehmungsschiefe besitzen und nicht in der Lage sind, dieses Thema vollständig sachlich und mit einem gewissen Abstand zu behandeln. Schade, denn es hätte es verdient, so angepackt zu werden. Dann wäre sicher auch der Erkenntnisgewinn größer gewesen. Eine einfache Aufzählung und Abarbeitung von Floskeln in einem eigentlich belanglosen Text, den man nach Themen ordnet, ist zwar eine Möglichkeit, sich sprachlichen Manipulationsversuchen zu nähern, aber nicht unbedingt eine, die großen Eindruck hinterlässt.

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