Sebastian Schoepp

 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen

Alle Bücher von Sebastian Schoepp

Mehr Süden wagen

Mehr Süden wagen

 (2)
Erschienen am 15.09.2014
Das Ende der Einsamkeit

Das Ende der Einsamkeit

 (0)
Erschienen am 08.09.2011

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Rezension zu "Seht zu, wie ihr zurechtkommt: Abschied von der Kriegsgeneration" von Sebastian Schoepp

„Seht zu, wie ihr zurechtkommt“
Sikalvor 7 Monaten

„Eigentlich ging es ja um die normalste Sache der Welt: Sterben, Pflege, Tod, Abschied, Weitermachen. Jeder erlebt es, ob Angehörige oder Freunde: Niemand kommt hier lebend raus.“

 

Der Autor Sebastian Schoepp ist politischer Redakteur bei der Süddeutschen Zeiten, befasste sich bereits lange Zeit mit Südeuropa und Lateinamerika und soll als Auslandskorrespondent nach Buenos Aires gehen. Doch plötzlich muss er seinen Lebensentwurf komplett ändern, denn es gibt Dinge im Leben, die nicht planbar sind – die Pflege naher Angehöriger. Sebastian Schoepp verzichtet auf diesen Karrieresprung, muss auch mit dem daraus folgenden Ende seiner Beziehung klar kommen und widmet sich vier Jahre lang der Pflege und Betreuung seiner Eltern. Obwohl dieser Schritt für ihn ein ziemlicher Einschnitt in sein Leben war, hat er es letztendlich nie bereut.

 

In diesem Buch beschreibt Sebastian Schoepp einerseits von diesem Lebensabschnitt seiner Eltern, die dann im Alter von 90 und 91 Jahren verstorben sind und dem aufwändigen Pflegeprozess, die unendlich scheinende Bürokratie, die Eigenheiten alter Menschen, aber auch das Verständnis für Schwierigkeiten, die gemeinsamen Erinnerung und die letzten Gespräche.

 

Andererseits beginnt der Autor sein eigenes Leben zu hinterfragen, das Verhalten seiner Eltern zu eruieren, was die Kriegsgeneration möglicherweise verschweigt oder verdrängt, z.B. den Sprung aus der Gefangenschaft in ein normales bürgerliches Leben – ohne therapeutische Aufarbeitung des Geschehenen. Wie wurden diese Erfahrungen den Kindern übertragen? Warum gab es immer eine gewissen emotionale Distanz in der Eltern-Kind-Beziehung? Doch nicht nur die Kriegserinnerungen wurden unter den Teppich gekehrt, sondern auch die Wahrnehmung, dass der eigene Körper irgendwann mal nicht so mitspielen wird, wie man es gerne hätte.

 

Durch intensive Recherchearbeit kann Sebastian Schoepp einen Teil der Wahrheit rekonstruieren, Dinge über die mit den Eltern nur selten gesprochen wurde und die doch so wichtig für die eigene Entwicklung sind. Er erzählt aber auch von dem Tabuthema „Pflege“, wie sehr man bereit ist sich einzubringen, wann man auch „Nein“ sagen darf. Ich denke, dass er hier vielen aus der Seele spricht…

 

Ich finde es schön, dass er sich letztendlich seinen Eltern und seiner Vergangenheit gegenüber versöhnlich zeigt, seine eigenen Bedürfnisse herausfindet. Oftmals sehr berührend, liest man hier über ein wichtiges Thema, das uns alle früher oder später betreffen wird.

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Rezension zu "Mehr Süden wagen" von Sebastian Schoepp

Schafft es, ein Verständnis herzustellen, dass die Vorurteile und Urteile überwinden helfen kann
WinfriedStanzickvor 4 Jahren

Schon mit seinem letzten Buch „Das Ende der Einsamkeit: Was die Welt von Lateinamerika lernen kann“ (ebenfalls bei Westend) hatte der Journalist Sebastian Schoepp einem deutschen Publikum im Jahr 2011 auf eine ganz besondere Art einen ganzen Kontinent und seine Menschen näher gebracht. Wichtig war ihm darauf hinzuweisen, dass im Schatten der Weltaufmerksamkeit die lateinamerikanischen Staaten in den letzten zehn Jahren einen Weg eingeschlagen haben, der versucht, Marktwirtschaft, soziale Verträglichkeit, indigene Forderungen und ökologische Verantwortung unter einen Hut zu bringen - und dabei bemerkenswert erfolgreich sind.

 

Nun, drei Jahre später, widmet er sich in einem neue Buch dem Süden Europas, lange Zeit das ersehnte Eldorado nicht nur für Urlauber und Gourmets, sondern für viele der Ort der Sehnsucht schlechthin.

 

Doch im Zuge der Finanzkrise und dem Offenbarwerden der miserablen wirtschaftlichen Situation (Schoepp weist darauf hin, dass nicht alles daran von den Südeuropäern selbst herbeigeführt wurde) hat sich der nordeuropäischen, und speziell der deutsche Blick auf Südeuropa verändert. Es ging eigentlich schon mit der Einführung des Euro los. Seit wir durch die gemeinsame Währung mit dem Süden sozusagen in einer Familie leben, mögen wir ihn nicht mehr.

 

Das ist, so stellt Schoepp nach langen Reisen und unzähligen Gesprächen fest, nicht nur ungerecht sondern fahrlässig. Der Süden Europas darf auf keinen Fall reduziert werden auf einen Bündel ökonomischer Größen.

 

Er schafft mit seinen Beschreibungen, wie die Menschen dort leben und arbeiten, was sie um- und antreibt und vor allem, was sie sich erhoffen, ein Verständnis herzustellen, dass die Vorurteile und Urteile überwinden helfen kann.

 

Er zeigt vor allem immer wieder, wie die Menschen im Süden sich in den letzten Jahren verändert haben, wie sie ihre Chance ergreifen wollen. Für uns im Norden Anlass und Chance“ ,mehr Süden zu wagen“, das heißt dafür zu sorgen dass der Norden und der Süden endlich ihre Fähigkeiten und Potentiale bündeln, zum gemeinsamem Wohl.

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