Das Leben und Umdenken eines Kommissares bei der Polizei unter den Nazis.
Inhalt: Nikolas ist im Jahr 1944 Kriminalkommissar wieder Willen. Sein Vater hat ihm sowohl die Verlobung, als auch den Job organisiert, fristet ansonsten ein sehr verbittertes Leben.
Nikolas hat sich beruflich nach Paris versetzen lassen, wo er seinen Job nicht gerade erfolgreich verrichtet. Der Tod eines alten Freundes aus Kindheitstagen lässt ihn in die Heimat zurückkehren, Streit mit seinem Vater haben, und in eine Sache hineinrutschen, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hat vorstellen können.
Nikolas ermittelt aufgrund eines Briefes von seinem Freund in einer Sache, die ihn in die Kreise des Widerstandes bringt und dort über sein Leben und das, was er will, nachdenken lässt.
In einer gefährlichen Aktion mit den Widerständlern setzt er nicht nur sein Leben aufs Spiel, sondern rettet durch die Vereitelung der Operation mit einem neuen Kampfgas wohl Millionen Leben.
Mein Leseerlebnis: Sebastian Thiel hat eine Reihe von Büchern geschrieben, die in den Wirren des 2. Weltkrieges spielen. Er hat sich hier kritisch mit dem auseinandergesetzt, was so geschehen ist. - Sicher, in einem Krieg sterben Menschen, aber so pervers, wie sich die Nazis mitunter verhalten haben, ist selten ein menschliches Wesen. Und genau solche Einzelheiten fanden Einzug in eben jene Romane.
Zunächst kam mir der Protagonist recht undankbar vor. Er hatte, für die damalige Zeit, einen recht sicheren Job. Er hatte eine Verlobte und durfte recht unbehelligt in Paris leben. - Allerdings lies dieser Eindruck recht schnell nach, als herauskam, wie er zu dieem Job gekommen war, was er für einen Vater hat und was genau der Hintergrund bei seiner Verlobung war. Ein ziemlich verlogenes Schauspiel, dem eigentlich schnell ein Ende gesetzt gehörte.
Der Protagonist will eigentlich nichts weiter, als einem Freund auf dessen Beerdigung tschüss sagen, muss dabei in seinem alten Zimmer, bei seinem Vater schlafen, als ein Brief von eben jenem verstorbenen Freund das Fass ins Rollen bringt. Der Freund wollte ihm verschlüsselt ein Geheimnis mitteilen. - Klar, der Protagonist muss sich dem System gegenüber loyal zeigen, will er die Vergünstigungen behalten, aber mit den Ermittlungen in diesem Fall geht er ein enormes Risiko ein. Zu groß ist der Drang, Licht ins Dunkel zu bringen.
Die Ermittlungen laufen zunächst langsam und irgendwie stümperhaft an, bringen ihn aber in Paris recht schnell in die Kreise des Widerstandes. - Nun muss er sich entscheiden, in welche Richtung er gehen will. Er muss lernen, Freund und Feind voneinander zu unterscheiden, und er kommt dahinter, welche Gewissensbisse seinen Freund in den vermeintlichen Selbstmord getrieben haben.
Im letzten Abschnitt des Buches wird es noch einmal blutig und absolut wild. - Das Geheimnis um den Kampfstoff ist gelüftet, nun muss verhindert werden, dass dieses Teufelszeug wirklich in Produktion geht. Dazu muss in einer Bombennacht das Werk, die Forschungsstätte zerstört werden, was noch einmal unglaubliche Erkenntnisse ans Tageslicht befördert. Niemals hätte ich gedacht, dass diese Person maßgeblich an dem Verrat beteiligt gewesen ist. Wie perfide und verblendet willst du sein?
Der Ausgang des Weltkrieges ist bekannt, sodass es sich erübrigt hier eine vollständige Aufklärung der Kriegswirren schreiben zu wollen. Mich würde jetzt lediglich wirklich mal interessieren, ob es diesen Kampfstoff wirklich gegeben hat. Ich meine, die IG Farben ist schon berühmt berüchtigt. Da brauchen wir uns nichts vormachen.
Fazit: Sebastian Thiel ist ein Garant für Spannung und gute Unterhaltung. So war das auch hier. Ich habe eine bisschen gebraucht, bis ich im Geschehen wirklich drin war. Aber als das dann geschehen war, hat sich mir hier eine Welt eröffnet, die so unbekannt wie faszinierend war.
Die Handlung selber war schon sehr interessant. Im zweiten Weltkrieg sind sicherlich einige Dinge passiert, die nie an ein menschliches Ohr getreten sind oder raus gekommen sind, demzufolge würde mich mal interessieren, ob es diesen Kampfstoff, um den es hier geht, auch wirklich gegeben hat. - Sicher, ein wenig Drama durfte nicht fehlen, sodass gerade zum Ende hin noch einmal ein Banger ans Tageslicht gekommen ist, der die Handlung selber aber auch nicht wirklich verändern konnte.
Ein sehr kluger und interessanter Schachzug war in jedem Fall auch das Ding mit den Erzählungen aus Kindheitstagen. Eine sehr gute Art, den Protagonisten und die Mitstreiter besser kennen zu lernen und die aktuellen Lebensumstände besser beleuchten zu können. Der Lesefluss war nicht immer ganz einfach, da ich immer mal wieder gestolpert bin. Ich hätte mich gern ungestörter mit dem Stoff befasst, dann wären mir sicherlich noch mehr Einzelheiten aufgefallen, als sie es sowieso schon sind.
Kopfkino hatte ich hier nur zum Teil, aber als ich es hatte, war es gewaltig, brutal und unheimlich skrupellos. Auch ich bin auf den einen oder anderen Charakter hereingefallen und glaubte den Protagonisten an einem Punkt in Sicherheit, an dem er es aber nicht war.
Ein kurzes, aber sehr interessantes Buch. - Eine Aufarbeitung des zweiten Weltkrieges, aus einer Sicht, wie ihn wohl die wenigsten sehen.
Ich kann das Buch wirklich sehr empfehlen. Vollkommen egal, ob die Geschehnisse nun historisch vollkommen korrekt sind, oder eben nicht. In jedem Fall wird man hier in gewaltigen Bildern wirklich hochgradig spannend unterhalten.





























