Sei Shonagon

 4.1 Sterne bei 38 Bewertungen

Lebenslauf von Sei Shonagon

Sei Shônagon (ca. 966-nach 1010) stammte aus einer literarisch und wissenschaftlich hochbegabten Familie – ihr Vater war ein bekannter Dichter –, trat mit sechsundzwanzig Jahren in den Dienst der Kaiserin Sadako und verbrachte ein Jahrzehnt bis zu deren Tod im Hofdienst. In dieser Zeit schrieb sie ihre zauberhaften Aufzeichnungen nieder, mit denen sie japanische Weltliteratur begründete.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Sei Shonagon

Cover des Buches Das Kopfkissenbuch einer Hofdame (ISBN: 9783717513643)

Das Kopfkissenbuch einer Hofdame

 (19)
Erschienen am 01.07.1952
Cover des Buches Das Kopfkissenbuch der Dame Sei Shonagon (ISBN: 9783458193579)

Das Kopfkissenbuch der Dame Sei Shonagon

 (14)
Erschienen am 09.03.2012
Cover des Buches Kopfkissenbuch (ISBN: 9783717524885)

Kopfkissenbuch

 (4)
Erschienen am 15.04.2019
Cover des Buches Das Kopfkissenbuch der Hofdame Sei Shonagon (ISBN: 9783423240055)

Das Kopfkissenbuch der Hofdame Sei Shonagon

 (1)
Erschienen am 01.11.1996
Cover des Buches Kopfkissenbuch (ISBN: 9783717523987)

Kopfkissenbuch

 (0)
Erschienen am 12.10.2015
Cover des Buches The Pillow-Book of Sei Shonagon (ISBN: 9789781432606)

The Pillow-Book of Sei Shonagon

 (0)
Erschienen am 31.01.2005

Neue Rezensionen zu Sei Shonagon

Neu

Rezension zu "Kopfkissenbuch" von Sei Shonagon

Unterschiedliche Wirkungen, gemischte Gefühle...
Susanne_Probstvor 8 Monaten

Wer Lust hat, einmal weit über den Tellerrand hinauszublicken, sollte dieses überwiegend interessante und oft amüsante Werk lesen und sich in eine völlig andere Zeit und Kultur begeben.

Beim „Kopfkissenbuch“ wird der Leser von der einstigen Hofdame Sei Shōnagon 1000 Jahre zurückkatapultiert und in den Kaiserpalast Japans entführt. 

Es handelt sich hier nicht um einen Roman, sondern um eine in Kapiteln gegliederte Aneinanderreihung von Listen, Erinnerungen und Gedanken der Autorin.

Sie vermittelt in einer Art Brainstorming tiefe Einblicke in den Palastalltag. Der Leser bekommt eine gute Vorstellung von den Gepflogenheiten bei Hofe, von der höfischen Etikette, von der Bedeutung von Gewändern und erlesenen Stoffen, von buddhistischen Vorträgen, von Dichtkunst und von Festtagen sowie von den Haltungen, Gedanken und Gefühlen der Menschen, die zu den sogenannten Ranghöheren im Palast gehörten.
Vor dem geistigen Auge entstehen lebendige Bilder, Szenen und Filme. 

Formal besteht das Buch aus 3 verschiedenen, nicht chronologisch geordneten, sich abwechselnden Arten von Kapiteln:
-Auflistungen konkreter Dinge
-Abschnitte, in denen sie Gedanken und Meinungen anhand von Beispielen kundtut
-Kapitel, in denen sie Erlebnisse schildert.

Die Auflistungen fand ich nur mäßig interessant und deshalb langweilten sie mich. Zum Teil war es da dann auch unnötig, zu den Anmerkungen nach hinten zu blättern, weil sie keine besonders erhellende Aussage hatten.
Es waren dies z. B. Auflistungen von Bergen, Schluchten, Brücken, Kräutern, Blumen, Tieren, Bäumen...Diese Listen überflog ich irgendwann nur noch recht oberflächlich.

Die nach dem gleichen Schema aufgebauten Abschnitte mit Überschriften wie „Bange Gefühle“, „Gegensätzliches“, „Was mit den Erwartungen nicht im Einklang steht“, „Unausstehliches“, „Worüber ich mich totärgern könnte“... interessierten, faszinierten und amüsierten mich nicht zuletzt deshalb, weil so viele Parallelen und Überlappungen zwischen heute und damals festzustellen waren.
Um einen Eindruck von diesen Abschnitten zu vermitteln, zitiere ich im Folgenden ein paar Kostproben: 

„Bange Gefühle weckt auch ein Kleinkind, das noch nicht reden kann, wenn es sich trotzig gebärdet und schreit, ohne sich auf den Arm nehmen zu lassen.“

„Ein Besucher, der genau dann kommt, wenn ich dringende Dinge zu erledigen habe, und dann endlos daherschwatzt ist sehr unangenehm!“

„Wenn mir bei einem Brief, ganz gleich ob ich ihn von mir aus oder als Antwort auf einen erhaltenen Brief verfasst habe, der eine oder andere viel treffendere Ausdruck erst einfällt, wenn ich ihn schon abgeschickt habe - dann könnte ich mich totärgern. “

Die Kapitel, in denen Sei Shōnagon Erlebnisse an ihre Zeit als Hofdame erinnert und beschreibt, haben mich gefesselt und begeistert.

Das Werk ist in gut lesbarer, flüssiger, lebendiger einfacher und direkter Sprache geschrieben, wobei die verschiedenen Rangbezeichnungen und japanischen Namen sowie das Hin- und Herblättern zu den meist hilfreichen, aber bisweilen überflüssigen Anmerkungen am Ende des Buches, die Lektüre immer wieder ins Stocken bringen. 

Die selbstbewusste, ca. 30jährige Autorin ist eine äußerst interessante Frau, die scharfsinnig beobachtet, kein Blatt vor den Mund nimmt und schreibt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Sie hat klare Prinzipien, unumstößliche Ansichten und unverrückbare Meinungen.

Sie hat zu wirklich allem etwas zu sagen, ist schlagfertig und gewitzt.
Manchmal musste ich wegen der herablassenden, unsensiblen Art der Autorin und der damaligen höherrangigen Hofleute schlucken.
Nicht selten musste ich schmunzeln und ab und zu war ich, wie bereits oben erwähnt, gelangweilt.

Die konservative und traditionsbewusste Autorin war Tochter eines Lyrikers und hatte nicht nur eine Vorliebe, sondern ein herausragendes Talent für Wortspiele und Gedichte.
Im damals beliebten Stehgreifdichten war sie äußerst bewandert.
Sie war sehr modebewusst und extrem belesen.

Sehr interessant und hilfreich für ein besseres Verständnis sind Nachwort und Glossar.


Summa summarum:
Ich bin froh, dass ich mir dieses Werk vorgenommen habe, weil ich japaninteressiert bin, viel Neues gelernt habe und überwiegend recht gut unterhalten wurde.
Und jetzt bin ich froh, dass ich es beendet habe und dass ich es beiseite legen und mich wieder einem „richtigen Roman“ zuwenden kann.

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Rezension zu "Kopfkissenbuch" von Sei Shonagon

Als Hofdame am japanischen Kaiserhof
HansDurrervor einem Jahr

Sei Shōnagon, geboren um 966; gestorben um 1025, war eine Schriftstellerin und Hofdame am japanischen Kaiserhof. Ihre Impressionen von ihrer Zeit am Hofe hat sie im 'Kopfkissenbuch' niedergeschrieben. Dabei handelt es sich nicht um ein chronologisch angelegtes Tagebuch, wie Herausgeber und Übersetzer Michael Stein im Nachwort schreibt, „sondern um eine lose Aneinanderreihung assoziativ thematisierter Erinnerungen, die überwiegend undatiert sind.“ Hochtrabender kann man sich kaum ausdrücken.

Die Autorin selber schreibt hingegen klar und unprätentiös. Und erfreulich meinungsstark. „Auch wenn zwei Personen genau das Gleiche sagen, kann es je nach Sprecher völlig unterschiedlich klingen: in der Sprache von Priestern, in der Ausdrucksweise von Männern oder in derjenigen von Frauen. Wenn Ungebildete sprechen, machen sie garantiert zu viele Worte.“

Ich war bass erstaunt und freudig überrascht, als ich bereits auf den ersten Seiten las (denn so freimütig hatte ich mir eine Hofdame nicht vorgestellt): „Wenn Eltern ihren geliebten Sohn zum Priester machen, ist dieser wirklich zu bedauern. Und zwar deshalb, weil die Menschen einen Priester leider bestenfalls wie ein Stück Holz oder dergleichen ansehen. Priester essen abscheuliche vegetarische Kost, und darüber, dass sie gern ein Nickerchen halten, wird ebenfalls häufig gelästert. Wie ist es nur möglich, dass junge Männer, die doch sonst immer hinter den Frauen her sind, als Priester plötzlich einen extragrossen Bogen um Damengemächer schlagen und nicht einmal hineinzuspähen versuchen?“

Es ist allgemein üblich, ein Werk, das vor gut 1000 Jahren entstanden ist, aus historischer Perspektive zu betrachten. So weist Herausgeber Stein, der laut Verlagsinformation über die Heinan-Zeit (794-1185), die Epoche also, in der das 'Kopfkissenbuch' entstand, promovierte, im Nachwort darauf hin, dass dieses Werk „in erster Linie als Hommage und Reminiszenz an die verehrte Kaiserin Sadako verfasst worden ist und eine dunkle, ja, man kann wirklich sagen tragische Dimension besitzt, die im Text nur in Andeutungen durchschimmert.“

Mir selber liegt an der historischen wie auch der kulturellen Einstufung wenig, ich bin eher in Sachen „ewiger Wahrheiten“ unterwegs oder, weniger hoch gegriffen, an Weisheiten, die weder an Zeit noch an Ort gebunden sind. Wobei, es müssen auch nicht unbedingt weise Gedanken sein, oft genügen mir auch launisch-treffende Einschätzungen, die einigen immer schon eigen waren. So notiert Sei Shōnagon unter der Überschrift „Was selten gut ausgeht“ unter anderem: „Wenn ein notorischer Lügner eine wichtige Aufgabe mit einer Miene annimmt, als könnte er sie ebenso gut meistern wie andere.“ Oder besser als andere, ist man da, an Donald Trump (D.T.) denkend, versucht anzufügen.

Es ist gleichzeitig wohltuend und beunruhigend zu konstatieren, dass der Mensch seit 1000 Jahren (und mehr) offenbar noch immer dasselbe zu lernen hat – die Bereitschaft, zu staunen. So führt die Autorin zum Thema „Was man sich anschauen sollte“ etwa aus: „Die Schwertlilien, die vom 5. Monat her den Herbst und den ganzen Winter überdauert haben, sind unansehnlich, völlig ausgeblichen und vertrocknet, aber wenn man sie öffnet, ist es wundervoll, dass darin der Duft von einst noch enthalten ist!“

Immer wieder stosse ich bei der Lektüre auch auf Erheiterndes. Zum Thema „Was es leider nur selten gibt“ bemerkt sie unter anderem: „Leute, die überhaupt keine Macken haben.“ Und unter der Überschrift „Was einen trostlosen Anblick bietet“ hält sie etwa fest: „Jemand, der im 6. oder 7. Monat zur Stunde des Pferdes oder des Schafs einherschlurft und einen ausgemergelten Ochsen einen schäbigen Wagen ziehen lässt.“

Mit ihrem 'Kopfkissenbuch' hat sich die Hofdame Sei Shōnagon dauerhaft in die Herzen ihrer Landsleute, in die japanische Literaturgeschichte und zugleich in die Weltliteratur eingeschrieben“, konstatiert Michael Stein im Nachwort, weist aber auch darauf hin, dass der Beifall für dieses Werk nicht einhellig war. So kritisierte die Schriftstellerin und Zeitgenossin Murasaki Shikibu Sei Shōnagon als eingebildet und oberflächlich. Mit anderen Worten: An der Heinan-Zeit Interessierte werden diesem Werk noch ganz anderes abgewinnen können, als ein historischer Banause wie ich. Dafür hat Herausgeber Michael Stein mit seinen umfangreichen und hoch differenzierten Ausführungen am Schluss dieses schön gemachten Bandes gesorgt.

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Rezension zu "Kopfkissenbuch" von Sei Shonagon

Im Frühling liebe ich die Morgendämmerung
Giselle74vor einem Jahr

Sei Shonagon erblickt um 966 in Japan das Licht der Welt, als Tochter eines Provinzstatthalters. Sie erhält schon früh Zugang zu Literatur und Lyrik, ihr Vater ist ein anerkannter Experte für Dichtkunst. Das ist ungewöhnlich für ein Mädchen, aber es wird von einem sehr engen Verhältnis zwischen Vater und Tochter berichtet.
Etwa um 990 tritt Shonagon in den Dienst als Zofe der Kaiserin Sadako, dort beginnt sie ihr Kopfkissenbuch zu schreiben, eine Art Tagebuch. Sie berichtet über Hofklatsch und Intrigen, über Feste, ihr Verhältnis zur Kaiserin, über Vorlieben und Abneigungen.
Dem Manesse Verlag ist es zu verdanken, dass dieses Tagebuch nun erstmals vollständig übersetzt vorliegt. Nachwort, Personenverzeichnis und Anmerkungen komplettieren diese sorgfältig gestaltete Ausgabe, die es dem Leser ermöglicht seinen Blick eintausend Jahre zurück zu senden, an den japanischen Kaiserhof der Heian-Zeit. Shonagons Betrachtungen sind erstaunlich wenig gealtert, elegant formuliert und zeigen einen intelligenten und klaren Blick auf ihr Umfeld. Ihre Beschreibungen des Hofzeremoniells oder diverser Festlichkeiten sind lebendig und farbenfroh, ihre Charakterisierungen hochrangiger Persönlichkeiten sind zumeist überaus scharfzüngig und pointiert. Es ist ein wahres Lesevergnügen, Shonagon in ihre Welt zu folgen. Beeindruckend ist ihr Blick für Stimmungen, Natur oder Schönheit im Alltag. Die Kehrseite ist die Verachtung alles Häßlichen und Ärmlichen, ein typisches Verhalten privilegierter Menschen ihrer Zeit.
Besonders hervorzuheben ist an dieser Übersetzung das Fehlen jeglichen Japankitschs. Die Sprache ist poetisch und präzise, ohne falsche Überzuckerungen oder schwülstige Formulierungen. Daher ist es nur angemessen, Michael Stein für diese wunderbar feinfühlige Ausgabe zu danken, die einen Klassiker japanischer Literatur zu neuem Leben erweckt hat.

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