Sei Shonagon

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Lebenslauf von Sei Shonagon

Sei Shônagon (ca. 966-nach 1010) stammte aus einer literarisch und wissenschaftlich hochbegabten Familie – ihr Vater war ein bekannter Dichter –, trat mit sechsundzwanzig Jahren in den Dienst der Kaiserin Sadako und verbrachte ein Jahrzehnt bis zu deren Tod im Hofdienst. In dieser Zeit schrieb sie ihre zauberhaften Aufzeichnungen nieder, mit denen sie japanische Weltliteratur begründete.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Sei Shonagon

Cover des Buches Das Kopfkissenbuch einer Hofdame (ISBN:9783717513643)

Das Kopfkissenbuch einer Hofdame

 (18)
Erschienen am 01.07.1952
Cover des Buches Das Kopfkissenbuch der Dame Sei Shonagon (ISBN:9783458193579)

Das Kopfkissenbuch der Dame Sei Shonagon

 (14)
Erschienen am 09.03.2012
Cover des Buches Kopfkissenbuch (ISBN:9783717524885)

Kopfkissenbuch

 (2)
Erschienen am 15.04.2019
Cover des Buches Das Kopfkissenbuch der Hofdame Sei Shonagon (ISBN:9783423240055)

Das Kopfkissenbuch der Hofdame Sei Shonagon

 (1)
Erschienen am 01.11.1996
Cover des Buches Kopfkissenbuch (ISBN:9783717523987)

Kopfkissenbuch

 (0)
Erschienen am 12.10.2015
Cover des Buches The Pillow-Book of Sei Shonagon (ISBN:9789781432606)

The Pillow-Book of Sei Shonagon

 (0)
Erschienen am 31.01.2005

Neue Rezensionen zu Sei Shonagon

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Rezension zu "Kopfkissenbuch" von Sei Shonagon

Als Hofdame am japanischen Kaiserhof
HansDurrervor einem Monat

Sei Shōnagon, geboren um 966; gestorben um 1025, war eine Schriftstellerin und Hofdame am japanischen Kaiserhof. Ihre Impressionen von ihrer Zeit am Hofe hat sie im 'Kopfkissenbuch' niedergeschrieben. Dabei handelt es sich nicht um ein chronologisch angelegtes Tagebuch, wie Herausgeber und Übersetzer Michael Stein im Nachwort schreibt, „sondern um eine lose Aneinanderreihung assoziativ thematisierter Erinnerungen, die überwiegend undatiert sind.“ Hochtrabender kann man sich kaum ausdrücken.

Die Autorin selber schreibt hingegen klar und unprätentiös. Und erfreulich meinungsstark. „Auch wenn zwei Personen genau das Gleiche sagen, kann es je nach Sprecher völlig unterschiedlich klingen: in der Sprache von Priestern, in der Ausdrucksweise von Männern oder in derjenigen von Frauen. Wenn Ungebildete sprechen, machen sie garantiert zu viele Worte.“

Ich war bass erstaunt und freudig überrascht, als ich bereits auf den ersten Seiten las (denn so freimütig hatte ich mir eine Hofdame nicht vorgestellt): „Wenn Eltern ihren geliebten Sohn zum Priester machen, ist dieser wirklich zu bedauern. Und zwar deshalb, weil die Menschen einen Priester leider bestenfalls wie ein Stück Holz oder dergleichen ansehen. Priester essen abscheuliche vegetarische Kost, und darüber, dass sie gern ein Nickerchen halten, wird ebenfalls häufig gelästert. Wie ist es nur möglich, dass junge Männer, die doch sonst immer hinter den Frauen her sind, als Priester plötzlich einen extragrossen Bogen um Damengemächer schlagen und nicht einmal hineinzuspähen versuchen?“

Es ist allgemein üblich, ein Werk, das vor gut 1000 Jahren entstanden ist, aus historischer Perspektive zu betrachten. So weist Herausgeber Stein, der laut Verlagsinformation über die Heinan-Zeit (794-1185), die Epoche also, in der das 'Kopfkissenbuch' entstand, promovierte, im Nachwort darauf hin, dass dieses Werk „in erster Linie als Hommage und Reminiszenz an die verehrte Kaiserin Sadako verfasst worden ist und eine dunkle, ja, man kann wirklich sagen tragische Dimension besitzt, die im Text nur in Andeutungen durchschimmert.“

Mir selber liegt an der historischen wie auch der kulturellen Einstufung wenig, ich bin eher in Sachen „ewiger Wahrheiten“ unterwegs oder, weniger hoch gegriffen, an Weisheiten, die weder an Zeit noch an Ort gebunden sind. Wobei, es müssen auch nicht unbedingt weise Gedanken sein, oft genügen mir auch launisch-treffende Einschätzungen, die einigen immer schon eigen waren. So notiert Sei Shōnagon unter der Überschrift „Was selten gut ausgeht“ unter anderem: „Wenn ein notorischer Lügner eine wichtige Aufgabe mit einer Miene annimmt, als könnte er sie ebenso gut meistern wie andere.“ Oder besser als andere, ist man da, an Donald Trump (D.T.) denkend, versucht anzufügen.

Es ist gleichzeitig wohltuend und beunruhigend zu konstatieren, dass der Mensch seit 1000 Jahren (und mehr) offenbar noch immer dasselbe zu lernen hat – die Bereitschaft, zu staunen. So führt die Autorin zum Thema „Was man sich anschauen sollte“ etwa aus: „Die Schwertlilien, die vom 5. Monat her den Herbst und den ganzen Winter überdauert haben, sind unansehnlich, völlig ausgeblichen und vertrocknet, aber wenn man sie öffnet, ist es wundervoll, dass darin der Duft von einst noch enthalten ist!“

Immer wieder stosse ich bei der Lektüre auch auf Erheiterndes. Zum Thema „Was es leider nur selten gibt“ bemerkt sie unter anderem: „Leute, die überhaupt keine Macken haben.“ Und unter der Überschrift „Was einen trostlosen Anblick bietet“ hält sie etwa fest: „Jemand, der im 6. oder 7. Monat zur Stunde des Pferdes oder des Schafs einherschlurft und einen ausgemergelten Ochsen einen schäbigen Wagen ziehen lässt.“

Mit ihrem 'Kopfkissenbuch' hat sich die Hofdame Sei Shōnagon dauerhaft in die Herzen ihrer Landsleute, in die japanische Literaturgeschichte und zugleich in die Weltliteratur eingeschrieben“, konstatiert Michael Stein im Nachwort, weist aber auch darauf hin, dass der Beifall für dieses Werk nicht einhellig war. So kritisierte die Schriftstellerin und Zeitgenossin Murasaki Shikibu Sei Shōnagon als eingebildet und oberflächlich. Mit anderen Worten: An der Heinan-Zeit Interessierte werden diesem Werk noch ganz anderes abgewinnen können, als ein historischer Banause wie ich. Dafür hat Herausgeber Michael Stein mit seinen umfangreichen und hoch differenzierten Ausführungen am Schluss dieses schön gemachten Bandes gesorgt.

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Rezension zu "Kopfkissenbuch" von Sei Shonagon

Im Frühling liebe ich die Morgendämmerung
Giselle74vor 2 Monaten

Sei Shonagon erblickt um 966 in Japan das Licht der Welt, als Tochter eines Provinzstatthalters. Sie erhält schon früh Zugang zu Literatur und Lyrik, ihr Vater ist ein anerkannter Experte für Dichtkunst. Das ist ungewöhnlich für ein Mädchen, aber es wird von einem sehr engen Verhältnis zwischen Vater und Tochter berichtet.
Etwa um 990 tritt Shonagon in den Dienst als Zofe der Kaiserin Sadako, dort beginnt sie ihr Kopfkissenbuch zu schreiben, eine Art Tagebuch. Sie berichtet über Hofklatsch und Intrigen, über Feste, ihr Verhältnis zur Kaiserin, über Vorlieben und Abneigungen.
Dem Manesse Verlag ist es zu verdanken, dass dieses Tagebuch nun erstmals vollständig übersetzt vorliegt. Nachwort, Personenverzeichnis und Anmerkungen komplettieren diese sorgfältig gestaltete Ausgabe, die es dem Leser ermöglicht seinen Blick eintausend Jahre zurück zu senden, an den japanischen Kaiserhof der Heian-Zeit. Shonagons Betrachtungen sind erstaunlich wenig gealtert, elegant formuliert und zeigen einen intelligenten und klaren Blick auf ihr Umfeld. Ihre Beschreibungen des Hofzeremoniells oder diverser Festlichkeiten sind lebendig und farbenfroh, ihre Charakterisierungen hochrangiger Persönlichkeiten sind zumeist überaus scharfzüngig und pointiert. Es ist ein wahres Lesevergnügen, Shonagon in ihre Welt zu folgen. Beeindruckend ist ihr Blick für Stimmungen, Natur oder Schönheit im Alltag. Die Kehrseite ist die Verachtung alles Häßlichen und Ärmlichen, ein typisches Verhalten privilegierter Menschen ihrer Zeit.
Besonders hervorzuheben ist an dieser Übersetzung das Fehlen jeglichen Japankitschs. Die Sprache ist poetisch und präzise, ohne falsche Überzuckerungen oder schwülstige Formulierungen. Daher ist es nur angemessen, Michael Stein für diese wunderbar feinfühlige Ausgabe zu danken, die einen Klassiker japanischer Literatur zu neuem Leben erweckt hat.

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Rezension zu "Das Kopfkissenbuch der Dame Sei Shonagon" von Sei Shonagon

Gedichte, Schnee und Kirschblüten
buchwanderervor 3 Jahren

„…, ich bin überzeugt daß es eine Menge nette und gescheite Leute gibt – man muß sie nur zu finden wissen.“ (S.58) Zum Inhalt: Der Dame Sei Shōnagon war es durch ihre freundschaftliche Beziehung zur Kaiserin Fujiwara no Sadako, deren Hofdame sie war, vergönnt einen tiefen Einblick ins das vielschichtige Hofzeremoniell Japans der Zeit um 1001 n. Chr. zu erlangen. Gepaart mit ihrer teils spitzen Feder, sowie ihrem bezeichnenden Schreibstil, auch bekannt als »zui-hitsu«, gelingt es ihr einen Text beinahe zeitloser frische, humorvoller Leichtigkeit und schlichter Eleganz zu schaffen. Selbst schreibt sie dazu: „In diesen Heften habe ich während der Mußestunden, die mir der Dienst als Hofdame vergönnte, niedergeschrieben, was mein Auge gesehen und mein Herz gedacht hat.“ (S.102).
Sei Shōnagon nimmt sich in ihren äußerst bildhaften Ausführungen nicht nur in Bezug auf höfisch Großes und Außergewöhnliches im Umfeld der gehobenen Gesellschaft kein Blatt vor den Mund, sie malt ebenso ein Bild der einfachen Alltäglichkeiten, der feudalen und menschlichen Animositäten ihres Umfeldes, sowie eines komplexen Sittenbildes des japanischen Hochadels. Dem Leben abseits des Zeremoniells wird ein ebenso breiter Raum geschaffen, wie den plastischen Beschreibungen eines Landes, dessen Kultur, Tradition und Geografie auf Europäer – und nicht nur auf diese – seit jeher eine fast magische Anziehungskraft ausübte. So verwundert es nicht, dass auch der Film die Thematikfür sich entdeckte, das Buch Sei Shōnagons als Vorbild verwendend

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