Seicho Matsumoto

 3,6 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor*in von Tokyo Express (Penguin Modern Classics), Mord am Amagi-Paß und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Seicho Matsumoto

Cover des Buches Tokyo Express (Penguin Modern Classics) (ISBN: 9780241439081)

Tokyo Express (Penguin Modern Classics)

(4)
Erschienen am 30.03.2023
Cover des Buches Mord am Amagi-Paß (ISBN: 9783596281862)

Mord am Amagi-Paß

(3)
Erschienen am 01.01.1991

Neue Rezensionen zu Seicho Matsumoto

Cover des Buches Tokyo Express (Penguin Modern Classics) (ISBN: 9780241439081)
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Rezension zu "Tokyo Express (Penguin Modern Classics)" von Seicho Matsumoto

The_Lord_Pepper
Eine japanische Detektivgeschichte

Seicho Matsumoto wurde mir von einer Japanerin ans Herz gelegt, als wir über Büchervorlieben und Krimiklassiker sprachen. So habe ich mich auf die Suche gemacht, was von Matsumoto auf Englisch oder Deutsch erhältlich ist, und bin bei Tokyo Express (auf Englisch gelesen) als meinem ersten Buch dieses Autors gelandet.

Ein Stammgast wird in Tokyo zum Bahnhof gebracht und sieht mit seinen Begleiterinnen eine Bekannte auf einem benachbarten Perron. Kurze Zeit später werden sie und ein anderer Mann 1'000km weiter in Fukuoka tot aufgefunden. Alles spricht für einen "Love Suicide" der beiden - doch einem Polizeiinspektor ist die Sache nicht rund genug. Im Stillen gehen die Nachforschungen weiter - gibt es einen Zusammenhang oder ist alles doch wirklich nur Zufall? Und welche Rolle spielt die Kenntnis der Bahnfahrpläne in der ganzen Geschichte?

Das Buch ist oberflächlich gesehen irgendwie langweilig - es passiert nichts aufregendes mehr nach dem Tod der beiden Personen. Und doch baut der Autor eine eindringliche Spannung auf, die auch davon lebt, dass sie nicht innert kürzester Zeit gelöst wird. Überhaupt dauert alles länger als heute, stammt das Buch doch aus den 50er Jahren, als zwischen Tokyo und Fukuoka noch ein ganzer Tag Reisezeit lag. Auch das macht die Erzählung auf interessante Weise eindringlich.

Die Beschreibung der Szenerie, der Personen und ihres Verhaltens erscheint mir "typisch Japanisch" - auch wenn das letztlich natürlich ein wenig ein Klischee ist, so fallen einem doch gewisse Eigentümlichkeiten auf, die in einem europäischen Krimi (auch aus derselben Zeit) nicht oder anders beschrieben wären. Das kann befremdlich wirken, macht für mich aber das Lesen nochmals reizvoller. Der Vergleich mit Agatha Christie oder Georges Simenon kommt nicht von mir, aber ich empfinde ihn als sehr passend.

Klare Leseempfehlung für Freunde klassischer Kriminalromane.

japanischer Krimi aus den 50er Jahren

Bei Tokyo Express handelt es sich um einen klassischen Kriminalroman. Mit knapp 150 Seiten ist es ein kurzweiliger Abstecher ins Japan der 50er Jahre. Man hat eigentlich nur an den nicht vorhandenen Technologien, wie z.B. Computer und Handy, gemerkt, dass es nicht in der heutigen Zeit spielt.Es ist eher ruhig erzählt und es passiert nicht viel, dennoch hat mir das Buch gut gefallen. Die Zug-, Flug- und Schiffsfahrtzeiten haben mich teilweise etwas verwirrt, aber ich hatte Spaß beim miträtseln, wie der vermeintliche Täter die Opfer umgebracht hat und aus welchen Gründen. Einige Charaktere lernen wir aufgrund der Kürze des Romans leider wenig kennen, wodurch sie recht flach wirken. Das ist aber auch schon das einzige, was ich bemängeln würde. Wer einen klassischen Krimi für Zwischendurch sucht, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten.

Imanishis schwierigster Fall

Anfang der 1960er Jahre wird an einem Bahnhof in Tokio ein Toter gefunden. Das Gesicht des Toten ist schwer entstellt, so dass eine Identifikation kaum möglich erscheint. Zeugen sind kaum zu finden. Nur ein Zeuge hat beobachtet, dass der Verstorbene mit einem jüngeren Mann gestritten hat und das bei dem Wortwechsel ein Wort gefallen ist, dass auf eine bestimmte Region Japan hindeuten könnte. Inspector Imanishi stürzt sich in den Fall, nur um ein totes Gleis nach dem nächsten aufzutun. Trotz aller Bemühungen bleibt der Fall ungelöst und wird geschlossen. Doch dem Toten soll Gerechtigkeit widerfahren. Imanishi bleibt am Ball.


Tatsächlich bereits in den 1960er Jahren erschienen, ist dieser Krimi herrlich oldschool. Kein Internet, keine Handys, keine Computer, kaum Forensik. Inspector Imanishi hat nur wenige Hilfsmittel zur Verfügung. Er muss sich auf seine Kombinationsgabe verlassen und auf sein feines Gespür für Spuren und Hinweise, die eigentlich keine zu sein scheinen. Mit Hilfe eines jüngeren Kollegen verfolgt Inspector Imanishi jeden Hinweis. So führt in sein Weg mit der Bahn in eine entlegene Gegend des Landes, wo ein Fremder aufgefallen ist. Könnte dieser etwas mit dem Toten zu tun haben? 


In diesem im besten Sinne des Wortes altmodischen Kriminalroman kann man einem japanischen Ermittler bei der Arbeit über die Schulter schauen. Ohne die heute so selbstverständlichen kleinen technischen Helfer begibt sich Inspector Imanishi auf die Suche nach dem Täter. Obwohl die kleinteilige Untersuchung nur langsam an Form gewinnt, ist man in keiner Sekunde gelangweilt. Imanishi ist ein freundlicher, aber auch hartnäckiger Zeitgenosse, der sich nicht so schnell von einer Fährte abbringen lässt. Man erlebt, wie er sich so manches mal festbeißt und doch mitunter einsehen muss, dass eine Spur ins Leere führt. Gespannt verfolgt man wie nach und nach doch neue Hinweise auftauchen, die schließlich zu den Hintergründen des Verbrechens führen. Ein ausgesprochen lesenswerter Überraschungskrimi, der obwohl schon etwas in die Jahre gekommen noch keinen Staub angesetzt hat.

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