Seicho Matsumoto wurde mir von einer Japanerin ans Herz gelegt, als wir über Büchervorlieben und Krimiklassiker sprachen. So habe ich mich auf die Suche gemacht, was von Matsumoto auf Englisch oder Deutsch erhältlich ist, und bin bei Tokyo Express (auf Englisch gelesen) als meinem ersten Buch dieses Autors gelandet.
Ein Stammgast wird in Tokyo zum Bahnhof gebracht und sieht mit seinen Begleiterinnen eine Bekannte auf einem benachbarten Perron. Kurze Zeit später werden sie und ein anderer Mann 1'000km weiter in Fukuoka tot aufgefunden. Alles spricht für einen "Love Suicide" der beiden - doch einem Polizeiinspektor ist die Sache nicht rund genug. Im Stillen gehen die Nachforschungen weiter - gibt es einen Zusammenhang oder ist alles doch wirklich nur Zufall? Und welche Rolle spielt die Kenntnis der Bahnfahrpläne in der ganzen Geschichte?
Das Buch ist oberflächlich gesehen irgendwie langweilig - es passiert nichts aufregendes mehr nach dem Tod der beiden Personen. Und doch baut der Autor eine eindringliche Spannung auf, die auch davon lebt, dass sie nicht innert kürzester Zeit gelöst wird. Überhaupt dauert alles länger als heute, stammt das Buch doch aus den 50er Jahren, als zwischen Tokyo und Fukuoka noch ein ganzer Tag Reisezeit lag. Auch das macht die Erzählung auf interessante Weise eindringlich.
Die Beschreibung der Szenerie, der Personen und ihres Verhaltens erscheint mir "typisch Japanisch" - auch wenn das letztlich natürlich ein wenig ein Klischee ist, so fallen einem doch gewisse Eigentümlichkeiten auf, die in einem europäischen Krimi (auch aus derselben Zeit) nicht oder anders beschrieben wären. Das kann befremdlich wirken, macht für mich aber das Lesen nochmals reizvoller. Der Vergleich mit Agatha Christie oder Georges Simenon kommt nicht von mir, aber ich empfinde ihn als sehr passend.
Klare Leseempfehlung für Freunde klassischer Kriminalromane.







