Wo noch Licht brennt

von Selim Özdogan 
4,5 Sterne bei17 Bewertungen
Wo noch Licht brennt
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Aischas avatar

wunderschöne poetische Sprache ...

eelifants avatar

Obwohl deutschsprachig, hat das Buch es geschafft, so wortgewandt und melancholisch zu sein, als sei es auf Türkisch geschrieben. 4,5/5

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Inhaltsangabe zu "Wo noch Licht brennt"

DIE GESCHICHTE EINER BEEINDRUCKENDEN FRAU
Es gibt drei Möglichkeiten, dem Leben zu begegnen: dulden, kämpfen, fliehen. Nach acht Jahren in der Türkei verlässt Gül zum zweiten Mal ihre anatolische Heimat in Richtung Deutschland: Um wieder bei ihrem Mann Fuat zu sein, der in Bremen arbeitet, und um noch einmal Fuß zu fassen in einem Land, das ihr eine bessere Zukunft verspricht, obwohl es ihr stets fremd geblieben ist. Heimweh und Sehnsucht hat sie gelernt zu erdulden, indem sie ihrer Umwelt immer liebevoll und voller Akzeptanz begegnet. Mit ihrer Herzlichkeit und Wärme berührt Gül jeden - über die Grenzen kultureller und sozialer Konventionen hinweg.

EINFÜHLSAMER ROMAN ÜBER HEIMAT, KULTURELLE IDENTITÄT UND DAS LEBEN ZWISCHEN ZWEI WELTEN
Es ist das Leben einer beeindruckenden Frau, das Selim Özdogan mit viel Gefühl und Poesie, aber ohne Sentimentalität schildert. Ein Leben, das geprägt ist von Melancholie und Trennung ebenso wie von Warmherzigkeit und Anteilnahme. Er gibt damit jenen Frauen eine Stimme, die wir als kopftuchtragende Mütter und Großmütter aus dem Bus oder dem Supermarkt kennen, deren Alltagswelt den meisten jedoch unbekannt bleibt. Ein zutiefst menschlicher Roman und ein wirksames Gegengift in unserer von Vorurteilen und Fremdenangst bestimmten Zeit.

DIE KRAFT DES HERZENS
Nach den Romanerfolgen "Die Tochter des Schmieds" und "Heimstraße 52" erzählt Selim Özdogan die Geschichte seiner Protagonistin Gül weiter, mit der er bereits einen großen Leserkreis in Bann gezogen hat. Eine einfache Frau, nicht überdurchschnittlich gebildet, aber mit einem guten und weisen Herzen, voller Lebenserfahrung. Sie erfährt, was es bedeutet, Heimat zu verlieren und neue Heimat zu finden - nicht nur durch die Migrationserfahrung, auch durch die Entfremdung von der Familie und von der Welt der Kindheit. Mit der Zeit jedoch lernt sie umzugehen mit den Schmerzen, die einem das Leben zufügt. Denn da ist das Licht, das immer noch brennt, nämlich im eigenen Herzen.

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Leserstimmen:

"Selim Özdogan schafft es, dass man versteht, wie sich Menschen zwischen zwei Kulturen fühlen. In der Türkei nicht mehr zu Hause, aber auch in Deutschland nie richtig angekommen, gehört Gül nirgendwo mehr so richtig hin. Berührend und sehr liebevoll beschreibt der Autor das Leben dieser Frau und ihrer Mitmenschen."

"Selim Özdogans Sprache hat einen ganz besonderen Zauber, der seinen Figuren Leben einhaucht. Man fühlt förmlich die Sorgen und Freuden, die Gül durchlebt."

"Die Hauptprotagonistin Gül ist eine beeindruckende Frau. Trotz der vielen Probleme, die sich in ihrem Leben ergeben, macht sie immer weiter und behält sich eine Wärme gegenüber ihren Mitmenschen, die ergreifend ist."

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783709972991
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:344 Seiten
Verlag:Haymon Verlag
Erscheinungsdatum:19.09.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Aischas avatar
    Aischavor 8 Monaten
    Kurzmeinung: wunderschöne poetische Sprache ...
    Sensible Lebensgeschichte einer Deutschtürkin

    Özdogans letzter Teil der Trilogie rund um die Deutschtürkin Gül ist auch ohne Kenntnis der ersten beiden Bände gut zu lesen.
    Gül kehrt nach einigen Jahren in der Türkei erneut nach Deutschland zurück, um wieder bei ihrem Mann Fuat zu leben. Die Familie ist verstreut, ihre bereits erwachsenen Kinder leben teils in Deutschland, teils in der Türkei. Wo sich Gül zu Hause fühlt ist lange unklar, sie scheint irgendwo zwischen der türkischen und der deutschen Gesellschaft zu hängen. 
    Özdogan schildert die Gefühlswelt seiner Protagonistin sehr einfühlsam und mit ungewöhnlichen Bildern. Seine Sprache ist blumig, geradezu poetisch. So werden etwa Gefühle mit Farben assoziiert, und man findet noch weitere Synästhesien, die jedoch nie ins Kitschige abdriften.
    Gül wird von mehreren Schicksalsschlägen getroffen, ihr so sehr geliebter Vater stirbt in der Türkei, ohne dass sie ihn noch einmal sprechen kann, Güls Tochter wird jung Witwe. Gül muss nicht nur mit der Untreue ihres Ehemannes fertig werden, nein, er verspielt auch noch das gemeinsame Ersparte. Gül reagiert wenig, meist erträgt sie ihr Schicksal, sie ist gottergeben, bescheiden und doch sehr stark. Diese Stärke ist ihr selbst wohl kaum bewusst, sie ist zugleich in vielen Ängsten gefangen und begehrt nur selten auf. 
    Als Rentnerin geht sie wieder zurück in die Türkei, doch auch dort ist es nicht wirklich ein "nach Hause kommen". 
    Der Roman ist weniger eine Geschichte über kulturelle denn über individuelle Unterschiede. Ich habe sehr mit Gül gelitten, ihre Melancholie zieht sich fast wie ein roter Faden durch die Geschichte. Beeindruckt hat mich, wie sie ihr Schicksal anzunehmen vermag.
    Ein großer Roman über eine leise Frau.

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    mannomanias avatar
    mannomaniavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Heimatgefühle (er)leben zwischen zwei Welten
    Heimatgefühle (er)leben zwischen zwei Welten

    Wo noch Licht brennt von Selim Özdogan
    Ein Roman aus dem Haymon-Verlag im Hardcover mit 342 Seiten

    Zum Inhalt:

    Heimatgefühle bleiben, so erleben wir es in diesem Roman.
    Gül, verheiratet, hat eine Familie. Ein Teil lebt in der Türkei und ein Teil in Deutschland.
    Gül verläßt wieder einmal ihre Heimat, um zu ihrem Ehemann nach Deutschland zu fahren. Dort angekommen, erlebt sie, daß ihre Ehe in der Zwischenzeit Risse bekommen hat und auch ihre Kinder entwickeln sich nicht nach Plan.
    Obwohl sie jetzt schon oft in Deutschland war, ist das Land ihr fremd. Sie kann die Sprache nicht so gut und wir immer wieder vom Heimweh geplagt.
    In dieser Geschichte spielen viele Dinge eine Rolle.
    Zunächst ist es wichtig, wenn man sich entscheidet, in ein fremdes Land zu gehen, die Sprache zu lernen, dann muß man versuchen anzukommen, indem man Freundschaften sucht, an kulturellen Veranstaltungen teilnimmt oder sich in (Sport)vereinen integriert.
    Gül ist eine starke Frau, sie hat Vieles versucht, sie ist eine aufgeschlossene Frau und es ist schön, daß der Leser das miterleben kann.

    Ich habe einen guten Zugang zu dem Buch gefunden, da ich in jungen Jahren selbst einmal Flüchtling warund einige Anzweiflungen von Außen ohne Eltern im Rücken selbst abwehren mußte.
    Aber ich war für mein Handeln selbst verantwortlich, da ich den Weg der Freiheit gewählt hatte, das machte mich stark.

    Fazit:
    Zusammenfassend empfehle ich das Buch allen Lesern, wenn es um mehr Toleranz gegenüber Flüchtlingen und Zerrissenheit von Heimatlosen geht!

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    W
    Waschbaerinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Mit einem Bein in der türk. Tradition verhaftet,mit dem anderen Bein in D. verankert. Über die innere Zerrissenheit einer Gastarbeiterin.
    "Ach, so war das mit Opa und Oma, als sie nach Deutschland kamen. Das habe ich ja gar nicht gewusst"

       Spontan ins Auge fiel mir dieser Roman „Wo noch Licht brennt“ von Selim Özdogan, seines wunderschönen Covers wegen, das mich auf Anhieb an einen lichtdurchfluteten Garten Eden erinnerte. Noch immer liegt dieses Buch auf meinem Schreibtisch und ich ertappe mich dabei, wie ich öfters liebevoll mit der Hand über das Deckblatt streiche.

       Erzählt wird die Familiengeschichte einer türkischen Familie. Die deutsche Industrie brauchte billige Arbeitskräfte, was zu der Idee führte, Arbeitskräfte aus den unterschiedlichsten Ländern anzuwerben. Auch im Hinterland der Türkei. Was man nicht bedachte, es kamen keine Gastarbeiter die nach getaner Arbeit wieder zurück gingen, sondern Menschen, die der Armut ihrer Länder entfliehen wollten, für sich und ihre Kinder ein besseres Leben in diesem reichen Deutschland erhofften und in diesem Land eine neue Heimat finden wollten, bzw. fanden. Dieser Teil der Geschichte wird jedoch in den Vorgängerbänden erzählt. Immer wieder streut der Autor in dem vorliegenden Buch kurze Rückblicke ein, weshalb man beim Lesen sofort in diesem Roman ankommt, auch wenn man die vorherigen Romane nicht kennt Aber ich gestehe, ich wurde neugierig gemachte, wie alles anfing.

       Dieses Buch steigt ein, als die Protagonistin Gül, nachdem sie wieder einige Jahre bei ihrer Familie in der Türkei wohnte, zu ihrem Ehemann Fuat nach Deutschland zurückkehrt. Die Kinder sind inzwischen erwachsen, haben ihr eigenes Leben, ihre eigenen Familien. Fuat und Gül sind beide älter geworden und jeder lebte sein Leben getrennt von dem Ehepartner. Nun müssen sie sich wieder zusammenraufen.

       Der Leser steht nicht außerhalb und schaut der Handlung zu sondern dem Autor gelang es, uns in die Gedankenwelt von Gül mitzunehmen. Wir erleben die Geschehnisse aus Güls Sicht. Es ist, als seien es unsere Gedanken, unser Empfinden und unser Alltag, der sich vor unseren Augen ausbreitet. Bereits auf Seite 5 der Satz: „Schlaflosigkeit ist schlimmer als Sehnsucht“, setzte in meinem Kopf ganz eigene Überlegungen frei. Selim Özdogan drückt sich in einer wunderschönen Sprache, in vielfach blumigen Wortgebilden aus. Kratzt nicht nur an der Oberfläche. Seite 129: „Was Licht wohl wiegen mag“.

       Gül, eine einfache, aber beeindruckende Frau, aufgewachsen in der Tradition ihres dörflichen Lebens in der Türkei, muss den Spagat  zwischen dem Althergebrachten und dem Leben in Deutschland hinbekommen. Ihr Deutsch blieb immer in den Kinderschuhen stecken. An Sprachkurse hat früher niemand einen Gedanken verschwendet und dann war es zu spät. Sie ist fest in ihrer türkischen Familie verwurzelt. Als Älteste war sie nach dem Tode ihrer Mutter für die jüngeren Geschwister verantwortlich und fühlt sich auch jetzt, in fortgeschrittenem Alter, noch immer in der Verantwortung und Pflicht. Doch auch in der Türkei blieb die Zeit nicht stehen und im Laufe des Romans wehren sich ihre Geschwister gegen die eingeforderte ewige Dankbarkeit. Sie ist in deren Augen nicht länger jemand, den man kritiklos achten muss. Bedingt durch Erbstreitigkeiten gibt es heftigste Auseinandersetzungen unter Gül und ihren Geschwistern, wie es deren Vater der Schmied, voraussagte. Sie entzweien sich, vermeiden sich zu begegnen. Ein schwerer Schlag für Gül.

        Doch zurück nach Deutschland. Als Fuat ins Krankenhaus kommt entdeckt Gül, dass ihr Ehemann während der Jahre ihrer Abwesenheit mit einer anderen Frau eine Beziehung einging, die noch immer besteht. Wie soll sie damit umgehen? Doch auch das gelingt ihr. Sie wird weiterhin das Leben mit ihrem Ehemann teilen, wenngleich sie nun anfängt und kleine Geheimnisse vor ihm hat. Von ihrem Fenster aus sieht sie die kleinen Dealer auf der Straße, wie sie ihren Stoff unter die Leute bringen. Lernt einen windigen türkischen Jungen kennen, der immer wieder mit dem dtsch. Gesetz in Konflikt kommt und Monate im Gefängnis verbringen muss. Hin- und hergerissen zwischen mütterlicher Fürsorge und einer gewissen Bewunderung, dass er trotzdem sein Leben auf die Reihe bekommt, lässt sie den Kontakt zu ihm nie abbrechen. Erzählt ihrem Ehemann gar etwas von einem Sohn einer ehemaligen Kollegin, als sie zu dessen prunkvoller Hochzeit eingeladen werden. Als Leser freut man sich, dass sie Fuat gegenüber nicht einmal ein schlechtes Gewissen bei ihren sich häufenden kleinen Lügen hat.

       Doch sie sieht auch den Verfall der Sitten. Seite 131, „..... das Klauen von Kopierpapier, Klopapier im Betrieb. Und keiner hat ein schlechtes Gewissen“.

       Einer der für mich bemerkenswertesten Sätze steht auf Seite 276: „ Die Kinder die wir bekommen, sind keine weißen Blätter. Sie sind bunt und wir müssen ihre Farbe nur erkennen.“ Oder auch auf Seite 317: „Die Menschen sind wie Regentropfen. Manche fallen in den Dreck, manche auf ein Rosenblatt“.

       Wir begleiten Güll durch ihre kleinen und größeren Sorgen des Lebens, der Fürsorglichkeit ihrer Kinder und Enkel, die sie kaum noch versteht. Im Ruhestand kaufen Gül und Fuat eine kleine Wohnung in der Türkei am Meer, wo sie nun die meisten Monate des Jahres verbringt. Sie hat im Alter eine Freundin gewonnen und endlich jemanden, der sie versteht und ihre Gedanken teilt. Gül kann loslassen und sein, wie sie ist.

       Ich glaube, dieses Buch wird sich seine Leser selbst suchen. Es werden interessierte Menschen sein, die wissen wollen wie sich türkischstämmige Bewohner dieses Landes mit der neuen Heimat in der Fremde arrangierten. Oder auch Nachkommen von eingewanderten Türken, die sich beim Lesen verwundert die Augen reiben und erstaunt ausrufen, „ach, so war das für Oma und Opa, als sie hier ankamen. Das habe ich ja gar nicht gewusst!“.

        Von mir bekommt dieses Buch eine absolute Leseempfehlung.

     

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    blaues-herzblatts avatar
    blaues-herzblattvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wunderbare Worte erschaffen ein durchweg berührendes Buch.
    Sehnsucht ist überall

    Gül hat Sehnsucht, egal ob Deutschland oder Türkei, die Sehnsucht bleibt genauso wie die Angst. Und dann sind da ja noch die Menschen ihrer Familie. Fuat bei dem sie eine Entdeckung macht und Ceyda und Ceren ihre Töchter deren Wege sie mitverfolgt, mal hautnah mal von weit weg. 


    Ein Buch bei dem ich lange gebraucht habe um einen Zugang zu finden. Anfangs fiel es mir schwer, da ich zum einen den Schreibstil als ungewohnt empfunden habe und zum andern nicht sonderlich gereizt vom Inhalt war. 

    Nachdem ich ein zweites Mal gestartet bin und ein Weilchen gelesen habe, hat sich das drastisch umgekehrt. Ich habe das Buch sehr schnell durchgelesen, mich an die Sätze gewöhnt und habe mich sehr angesprochen vom Inhalt gefühlt, auch da die Geschwindigkeit der Ereignisse im Lauf der Geschichte zugenommen hat.

    Ich war sehr berührt von dem Buch und habe unglaublich viel Gedankengut für mich mitnehmen können. 

    Zum ersten Mal seit ich denken kann, habe ich damit begonnen in einem Buch zu markieren, weil mir einfach die Klebezettel ausgegangen wären, wenn ich jeden Satz beklebt hätte, den ich besonders gut fand. Besonders gut fand ich auch die stillen Formulierungen, die Toleranz förderten, das aber auf so eine angenehme Weise vermittelten das es nicht plump heraus viel aus der Handlung. 


    Zusammenfassend muss ich sagen ein Buch das ich jedem ans Herz legen würde gerade wenn es um Toleranzbewusstsein und das Sinnieren über das Leben geht. PS: habe mir fest vorgenommen die vorherigen Teile auch noch durch zu schmökern.

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    milkysilvermoons avatar
    milkysilvermoonvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein ganz besonderes Buch, das bei mir noch lange nachklingen wird
    Variationen einer traurigen Melodie

    Zum Inhalt:
    Acht Jahre lang hat Gül in der Türkei gelebt, während ihr Ehemann in Deutschland gearbeitet hat. Dann jedoch verlässt sie zum zweiten Mal ihre Heimat in Anatolien, um bei ihrem Mann in Bremen zu sein. Obwohl sie schon vorher viele Jahre in Deutschland gewohnt hat, ist ihr das Land fremd geblieben. Sie beherrscht die Sprache nicht gut, hat Heimweh und Sehnsucht. Doch ihre Liebe, Wärme und Herzlichkeit konnte sie sich in all der Zeit bewahren, obwohl sie in ihrem Leben noch vor einige Prüfungen gestellt wird.

    "Wo noch Licht brennt" ist der Abschluss einer Trilogie, die sich jedoch auch ohne das Wissen der beiden Vorgängerbände lesen lässt.

    Meine Meinung:
    Mit dem dritten Teil der Reihe zu Gül ist Selim Özdogan ein ganz besonderes Buch gelungen. Es ist eine Geschichte, in der es um Leid, Trennung, Sehnsucht und Schmerz geht, aber auch um Liebe und Zusammenhalt. Eine Geschichte, die nicht nur das Leben einer fiktiven Figur beschreibt, sondern für viele Menschen türkischer Abstammung steht, die einst als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind und sich darin wiedererkennen können. Eine Geschichte, die weitgehend ohne Klischees auskommt und viele Zwischentöne kennt.

    Es geht um kulturelle Identität und um das Thema Heimat. Immer wieder dreht sich der Roman jedoch auch um andere zentrale Fragen des Lebens, die sich für viele Menschen stellen. Die Tiefgründigkeit der Schilderungen konnte mich sehr zum Nachdenken bewegen konnte, sodass das Buch wohl noch lange bei mir nachklingen wird.

    Auf eindrucksvolle Art werden die Gefühle und Gedanken der Protagonistin geschildert. Immer wieder sind die Melancholie und die "Variationen der traurigen Melodie" zu spüren, die Gül beschäftigen.  Besonders begeistert hat mich die Sprache, die eine dichte Atmosphäre schafft und die Innenwelt Güls so gut beschreibt, dass man sich ihr sehr nahe fühlt. Der poetische Erzählstil sorgt für eine emotionale Lektüre. Gut gewählte Metaphern, tolle Sprachbilder und wunderschöne Formulierungen machen das Lesen zu einem Hochgenuss und haben dazu geführt, dass mich die Geschichte sehr berühren konnte. Das hübsche Cover rundet Inhalt und Sprache ab.

    Mein Fazit:
    "Wo noch Licht brennt" gehört zu meinen Lesehighlights in der jüngsten Zeit. Es ist ein einzigartiges und ungewöhnliches Buch, ein leiser Roman, der berührt und verzaubert, wenn man sich auf diese besondere Geschichte einlässt. Darin heißt es: "Wer direkt ins Herz schauen kann, der liest das richtige Buch." Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

    Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde hier bei Lovelybooks erhalten.

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    -sabine-s avatar
    -sabine-vor einem Jahr
    Wo noch Licht brennt

    Es ist eine besondere Geschichte, die Selim Özdogan hier erzählt – und auch wenn es der Abschluss einer dreiteiligen Reihe ist, kann man sie gut ohne Vorwissen der anderen beiden Bücher lesen und genießen.

    Es ist eine Familiengeschichte, in deren Mittelpunkt Gül steht. Sie verlässt ein zweites Mal ihre Heimat Anatolien, um bei ihrem Mann Fuat in Deutschland zu leben – doch die Umstände führen dazu, dass sie sich weder hier noch dort wirklich wohl fühlt und sie sich so ständig auf der Suche nach sich selbst befindet.

    Es ist eindrucksvoll, wie der Autor die Gefühle und Gedanken einer türkischen Frau in Deutschland eingefangen hat und für mich steht Gül für eine ganze Generation und Kultur. Immer eher im Hintergrund und selten wirklich ihre eigene Meinung sagend, erduldet Gül vieles, wehrt sich nur selten und schluckt vieles runter – sicherlich spielt da ihre Persönlichkeit eine große Rolle, trotzdem aber erkennt man in ihr auch eine eigene Generation und die den Deutschen oft fremde Kultur.

    Gül ist eine liebenswerte Frau, die ein großes Herz hat, aber dennoch immer still und leise wirkt, nur selten aus sich herausgeht – mir war sie an vielen Stellen zu still und zu rücksichtsvoll und manches Mal hätte ich sie gerne geschüttelt, dass sie was sagt und nicht einfach nur ihr Leid erträgt. Der Leser erhält viele Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt, bei einigen anderen Figuren hätte ich mir das auch gewünscht. Zwar sind auch sie gut gezeichnet, bleiben aber hinter Gül eher blass und erwecken manchmal den Eindruck, ein Klischee zu erfüllen.

    Beeindruckt haben mich die Sprache und der Stil, mit dem die Geschichte erzählt wird. Die Atmosphäre ist sehr dicht, fast durchweg melancholisch und bedrückend – an manchen Passagen konnte ich das kaum aushalten, weil es so wenig Freude und Glück in Güls Leben gibt und ich wirklich mit ihr gelitten und gefühlt habe. Erst ganz zum Schluss hatte ich das Gefühl, dass auch ein bisschen Sonnenschein in ihr Leben zieht, vorher war es trist, voller Wolken und Dunkelheit. Diese erdrückende Stimmung wurde wirklich fantastisch eingefangen – dabei bleibt der Schreibstil gut zu lesen, auch wenn es manchmal verwirrend war, in welchem Land die Geschichte gerade spielt und wie viel Zeit vergangen ist. Es gibt Zeitsprünge in die Vergangenheit, aber auch nach vorne – und hier wurden oft auch schon mal einige Jahre übersprungen. Zum Glück lösen sich diese Fragen nach wenigen Absätzen auch wieder auf, trotzdem musste ich an vielen Stellen erst kurz innehalten und überlegen, wo und wann die Geschichte gerade spielt.

    Das Buch besticht durch seine Sprache und hat interessante Einblicke in das Leben einer türkischen Frau und Familie in Deutschland gegeben – mir war es insgesamt zu düster und melancholisch, etwas mehr Lebensfreude hätte ich mir für Gül gewünscht. Ich gebe dieser Geschichte 3,5 von 5 Sternen und empfehle es allen denen, die sich für andere Kulturen und eine außergewöhnliche Geschichte interessieren.

    Mein Fazit
    Eine interessante, aber auch bedrückende Geschichte einer türkischen Frau in Deutschland – sprachgewaltig werden die Gedanken und Gefühle der sympathischen, aber sehr in sich gekehrten Protagonistin erzählt. An vielen Stellen war es mir zu bedrückend, und ich hätte mir etwas mehr Lebensfreude gewünscht – trotzdem fesselt das Buch und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Ich gebe ihm 3,5 von 5 Sternen.

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    Marie-Enterss avatar
    Marie-Entersvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ruhig, poetisch und kraftvoll leuchtend: Eine auf ganz besondere Weise berührende Lebens- und Familiengeschichte
    Wo Glauben, Leben, Liebe und Zuversicht zuhause sind, da brennt Licht ...

    Zum Inhalt:

    Selim Özdogan erzählt in dem Roman „Wo noch Licht brennt“ die Geschichte der Türkin Gül, beginnend in ihren mittleren Lebensjahren bis ins Alter. Die wichtigsten Ereignisse aus dem Leben der jüngeren Gül sind präsent, sodass Leser*innen zum Verständnis die ersten beiden Bände der Trilogie um Gül nicht kennen müssen. In diesem dritten Teil stellt sich Gül ihrem Mann Fuat und auch ihrer Tochter Ceyda zuliebe erneut dem Leben in Deutschland. Es ist der zweite Versuch, in der Fremde heimisch zu werden. Der erste scheiterte vor Jahren, Gül kehrte in die Türkei zurück. Doch Gül und Fuat haben sich entfremdet, Gül findet heraus, dass er eine Affäre mit einer deutschen Frau hatte. Sie behält das Wissen für sich, aus Trauer und Verzweiflung entstehen in ihr neue, kämpferische Gefühle – sie will bleiben. Zu dieser Entscheidung steht sie gegen alle inneren und äußeren Widerstände, und der Autor lässt die Leser*innen teilhaben am Fluss ihres Lebens – betrachtend, zurückschauend und ganz nah an Gül und ihrem Denken und Tun.

    Warum mich diese Geschichte so bewegt hat:

    Ich kenne wenige Bücher, in denen dem Inneren so viel Raum gegeben wird. So eine Ruhe und Kraft in der Sprache, kein hastiges Abhaken von Charakteren, keine aufgesetzte Dramaturgie. Was mir an der Erzählweise so gefällt, ist, dass die Jahre zwischen den Seiten einfach so vergehen, wie im Leben. Denn wenn man mit Abstand auf die Jahre zurückschaut, ist alles ein Fluss, hier ein Erzählfluss, eine Lebensbetrachtung in Gegenwartsform. Jahre werden übersprungen, aber das ist ja auch in der eigenen Erinnerung so, was bleibt, sind einzelne Inseln im Zeitenfluss. Immer wieder geht es um die wichtigen Fragen des Lebens, um die Bedeutung der Familie, immer wieder um Entscheidungen oder auch verpasste Chancen. Selbst wenn man wie ich mit Gottvertrauen nicht viel anzufangen weiß, erschließt sich Güls Stärke, die in einem festen Glauben verankert ist, wobei der Autor hier keine Vorgaben bezüglich der Religion macht. Für mich war Gül ganz klar eine tiefgläubige Muslima, nachdem sie noch in größter Not Gott dankte und nach Schuld für Krankheit und Tod suchte. Für mich trägt sie auch aus diesem Grund ein Kopftuch – aber das alles steht nirgendwo und kann auch völlig anders interpretiert werden. Eine weitere Besonderheit der Erzählweise ist das Fehlen jeglicher Zeitangaben. Nur aus dem Kontext lässt sich das jeweilige Jahr mehr oder weniger genau erschließen, wie beispielsweise aus dem Mauerfall, dem teuren Telefonieren von Telefonzellen ins Ausland, durch die Währung Deutsche Mark und Euro, durch die ersten Handys, durch das Internet. Gül kommt zuletzt im digitalen Zeitalter an und findet Gefallen an den Möglichkeiten der sozialen Medien.

    Meine Empfehlung: 

    Dieses Buch ist keine leichte Kost, es erfordert Konzentration und die Bereitschaft, sich auf die besondere Erzählweise einzulassen. Beides lohnt sich, denn allein die Mischung aus Sachlichkeit und trotzdem emotionaler Sprache mit poetischen Bildern ist einzigartig und erzeugt eine besondere Stimmung. Für mich war es eine echte Entdeckung in diesem Jahr – unfassbar, dass ich Autor und Werk noch nicht kannte. Weil ich mehr über Güls Kindheit und Jugend in Anatolien, über Fuat und die familiären Entwicklungen erfahren möchte, werde ich im Anschluss Band 1 „Die Tochter des Schmieds“ und Band 2 „Heimstraße 32“ lesen.

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    Leyla1997s avatar
    Leyla1997vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Diesen wundervoll geschriebenen Roman kann ich nur empfehlen!
    Diesen wundervoll geschriebenen Roman kann ich nur empfehlen!

    Kurze Zusammenfassung der Handlung: Dieser Roman erzählt die bewegende Geschichte der Hauptprotagonistin Gül, die von der Türkei nach Deutschland umzieht, um hier bei ihrem Mann leben zu können. Eine Geschichte voller Weltschmerz und Familien(un)glück mit einem wunderschönen lyrischen Schreibstil des Autors.

    "Es gibt zwei große Fehler, die man in seinem Leben machen kann: Der erste ist die Heimat zu verlassen, der zweite ist zurückzukehren." - Zitat aus Seite 230

    Besonderheiten am Schreibstil des Autors: Oberflächlich möchte ich anmerken, dass es keine gewohnten Anführungszeichen, zur Kennzeichnung der wörtlichen Rede, gibt. Diese werden stattdessen mit einem Bindestrich getrennt, was für mich und den normalen Leser eine große Umstellung bedeutet. Zwar wären mir Anführungszeichen lieber gewesen, aber das war in erster Linie etwas, woran ich mich recht schnell gewöhnen konnte. Inhaltlich kann ich sagen, dass der Roman sehr gefühlvoll geschrieben ist. Nicht selten hatte ich ein trauerndes Gefühl und auch minutenlang nach dem Lesen der Seiten habe ich über Gül und ihre Geschichte nachgedacht.

    Gesamtbewertung: Das ist ein besonderer Roman, der mich durch seine Tiefgründigkeit überzeugen konnte. Gül ist eine Frau die selbst durch die vielen Rückschläge, die sie erleiden musste, immer nach vorne geschaut und weitergemacht hat. Sie hat wahrhaft kein einfaches Leben und trotzdem besitzt sie eine unglaubliche Charakterstärke. Wirklich beeindruckend und dafür beneide ich sie. Gegen Ende des Romans wusste ich, dass ich auch die zwei Vorbände lesen möchte, da mich der Schreibstil des Autors und die Hauptperson Gül so sehr überzeugen konnten. Auch gibt es viele andere bemerkenswerte und auch weniger erfreuliche Personen, dessen Lebenslagen wir kennenlernen dürfen. Auch diese haben mich begeistern können und trotz der vielen Protagonisten, sind die meisten mir ans Herz gewachsen.

    Mein Fazit: Diesen wundervoll geschriebenen Roman kann ich in seiner Einmaligkeit nur empfehlen!

    Anmerkung: Bei diesem Band handelt es sich um den dritten Teil einer Trilogie, die unabhängig zu den anderen Bänden gelesen werden kann.

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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Viel Weisheit, viel Philosophie, der Glaube an Gott und Vertrauen ins Leben. Eine emotionale Familiengeschichte mit Tiefgang. Wunderschön.
    Die vielen Variationen einer traurigen Melodie

    „Es wird nicht leicht werden, doch die Wege am Horizont sehen immer steinig aus. Wenn man erst mal dort ist, findet sich immer etwas, das einem hilft, einen Fuß vor den anderen zu setzen.“

    Inhalt

    Die Türkin Gül ist ihrem Mann erneut nach Deutschland gefolgt, nachdem sie bereits einmal dort war und wieder in die Türkei zurückkehrte. Eine Tochter lebt in der Heimat, die andere im ach so modernen Deutschland und versucht dort ihr Glück. Fuat, Güls Mann identifiziert sich nicht mit dem Land, für ihn geht es in erster Linie um die Möglichkeit Geld zu verdienen und seinen Lebensstandard zu erhöhen. Doch in Deutschland ist es für Türken nicht so leicht, dass Geld wird ihnen nicht hinterhergeworfen und sie müssen entweder schwer arbeiten oder sich ins kleinkriminelle Milieu flüchten. Die Ehe der beiden hat schon so manchen Sturm überlebt, auch wenn immer Gül diejenige ist, die zurücksteckt und ihrem Mann den Rücken stärkt, selbst wenn dieser es ihr nicht dankt. Erst als der Ruhestand naht, wird sich Gül bewusst, dass Deutschland keine wirkliche Alternative für ein zufriedenstellendes Leben im Alter ist und sie macht sich wieder auf die Reise in die Türkei, selbst wenn ihre Heimat nicht mehr das bietet, was sie ihr vor Jahren versprochen hat. In der Erinnerung sind es die Menschen, die ihr etwas bedeuten und denen sie nun gern wieder nahe sein möchte …

    Meinung

    Dieser Familienroman lässt das Herz seiner Leser höherschlagen, weil er so intensiv und eindringlich die Gefühlswelt seiner Protagonisten aufleben lässt. Stimmungen, Gedankengänge und Emotionen werden eingefangen, betrachtet und wieder losgelassen. Das Leben selbst scheint der Schreiber zu sein und man hat den Eindruck, sich in sämtliche Belange und Schicksalsschläge hineinversetzen zu können und ähnlich wie die Erzählerin aus dem tiefen Tal der Verzweiflung immer wieder nach oben an die Oberfläche gelangen zu können. Selim Özdogan schafft hier ein Band zwischen den Personen, welches mit Liebe geknüpft, mit Tränen beweint und mit Hoffnung erfüllt ist. Dabei schlägt er die leisen Töne an, die sich immer mit den Überlegungen seiner Protagonisten kreuzen und doch eine universelle Wucht haben.

    Das Besondere an diesem Buch sind die vielen philosophischen Betrachtungen, ein tief verankertes Glaubensbekenntnis und ein unerschütterliches Vertrauen in das Leben und die unermesslichen Prüfungen, die sich über alle Jahrzehnte erstrecken. Das vorherrschende Gefühl der Melancholie und Traurigkeit, lässt den Leser nicht los, es zieht ihn hinein in die unveränderlichen Ereignisse und Verfehlungen, die den Weg der handelnden Personen immer wieder kreuzen. Doch man möchte kein Mitleid empfinden, weil eine andere Botschaft im Raum steht. Gerade die Aussage, dass Leben so anzunehmen, wie es ist, nicht mit den Gegebenheiten zu hadern und auch im Angesicht der größten Prüfung aufrecht zu stehen, drängen sich dem Leser regelrecht auf.

    Fazit

    Ich vergebe 4,5 Lesesterne (aufgerundet 5) für diesen ausgewogenen, tiefsinnigen Familienroman, der sich nicht nur mit kulturellen Unterschieden und dem Gefühl der Heimatlosigkeit auseinandersetzt, sondern dessen Hauptaugenmerk auf der Akzeptanz beruht. Zu erkennen und zu verstehen, wie andere denken, fühlen und handeln und im gleichen Atemzug zu wissen, dass es niemals die eine richtige Lösung, die eine korrekte Entscheidung geben wird, dass ist es, was mir der Text vermitteln konnte. Ich spreche eine Leseempfehlung für all jene aus, die differenzierte Familiengeschichten mögen, die gerne über Verhaltensweise reflektieren und deren Herz am rechten Fleck sitzt. Ein wunderschönes Buch für alle, die die Fallstricke des Lebens kennen und in ihrer Ansicht bestärkt werden wollen, dass es Licht am Ende des Tunnels geben wird.

     

    Kommentare: 4
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    Inara_8s avatar
    Inara_8vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Die bewegende Geschichte einer starken Frau und ihrer Familie. Ein besonderes Buch mit wunderschöner Sprachwahl. Sehr zu empfehlen !
    Die Sehnsucht und Zerrisenheit zwischen zwei Welten

    Inhalt:

    Gül verlässt zum wiederholten Male ihre alte Heimat in der Türkei und reist nach Deutschland zu ihrem Mann Fuat und ihrer Tochter Ceyda. Dort angekommen erwartet sie eine böse Überraschung. Es ist lange nicht alles so wie es scheint und ihrer Ehe ist deutlich von Rissen gezeichnet. Auch bei ihren Kindern verläuft nicht alles nach Plan und Gül hat immer wieder aufs Neue mit Enttäuschung, Trauer und Kummer zu kämpfen. Immer wieder reist sie in ihre alte Heimat um auch dort ihrer Familie beizustehen. Nirgendwo fühlt sie sich zuhause und richtig angekommen. Eine starke Frau, zerrissen zwischen zwei Welten.

    Mein Eindruck:

    Eine sehr bewegende Familiengeschichte, die mir besonders gut gefallen hat.

    Gül, eine unheimlich starke Frau, deren Leben meist von Trauer, Leid und Sorgen begleitet wird. Es ist bewundernswert, wie sie ihr Leben meistert und mit all' dem Kummer und Ängsten umgeht und dabei nicht müde wird anderen Menschen eine Stütze zu sein.

    An manchen Abschnitten ist die Trauer und Melancholie zwar regelrecht erdrückend, da man das Gefühl hat, dass weder Freude noch Glück in Güls Leben vorgesehen sind, aber es ist im Gegensatz dazu umso schöner mitzuerleben, welche enorme Entwicklung Gül auf ihrem Lebensweg durchläuft. Der Weg einer Frau, die viel Mut und eine starken Persönlichkeit besitzt.

    Besonders gut hat mir die Sprachwahl an diesem Roman gefallen, ist sie doch wunderschön poetisch und emotional. Gerade die Wortwahl und die sehr schön formulierten Textpassagen haben mein Herz berührt und diesen Roman zu etwas besonderem gemacht. Besonders dadurch war Gül einem sehr nahe. Man fühlte wirklich mit ihr und konnte sich sehr gut in ihre Lage hineinversetzen.

    Besonders interessant zu erfahren war, mit welchen Problemen und Situationen gerade auch Fremde in Deutschland zu kämpfen haben. Man bekam einen sehr guten Einblick in Güls Familie und ihr Leben mit all' den Schwierigkeiten, Ängsten und Problemen - in der neuen sowie in der alten Heimat.

    Ab und zu hatte ich zwar ein wenig Schwierigkeiten, den Aufenthaltsort von Gül und ihrer Familie nachzuvollziehen. Dies wurde jedoch ein paar Zeilen später direkt aufgelöst.

    Mein Fazit:

    Ich kann diesen Roman euch nur wärmstens ans Herz legen. Gerade den Lesern, die auf der Suche nach einem besonderem Buch sind, kann ich diesen Roman empfehlen. Ist er doch geprägt von einer poetischen Sprachwahl, die einem sehr berührt. Man hat das Gefühl, dass die wunderschönen Worte den Protagonisten direkt aus dem Herzen sprechen.

    Dickes Kompliment an den Autor – ein wirklich toller Roman.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Einladung zur Leserunde

    Hallo liebe Leserinnen und Leser,

    hiermit möchte ich euch herzlich einladen zur Leserunde von „Wo noch Licht brennt“. Bewerbt euch hier vor dem 6. August und gewinnt eines von 20 Freiexemplaren!

    „Wo noch Licht brennt“ ist ein Roman, in dem es um Trennung geht, um die damit verbundene Sehnsucht und den Schmerz. Ein Buch voller Melancholie, doch die Melancholie ist ein Teil der Liebe und hier hilft die Warmherzigkeit der Hauptfigur Gül, dass sie nie zu schwer wird.

    Ein Roman, in dem es um Familie geht, den Halt, den man dort findet und das Leid, das sie verursachen kann. Ein Roman, der einen auch herausfordern kann, den eigenen Partner mit anderen Augen zu betrachten. Ein Buch, in dem ich versucht habe, möglichst nahe am Innenleben der Protagonistin zu sein.

    "Wo noch Licht brennt“ ist der letzte Teil einer Trilogie, die mit "Die Tochter des Schmieds" begann und mit "Heimstrasse 52" weiterging. Er kann - wie die anderen beiden Teile auch - sehr gut allein gelesen werden.


    Kurzinhalt

    Es gibt drei Möglichkeiten, dem Leben zu begegnen: dulden, kämpfen, fliehen. Nach acht Jahren in der Türkei verlässt Gül zum zweiten Mal ihre anatolische Heimat in Richtung Deutschland: Um wieder bei ihrem Mann Fuat zu sein, und um noch einmal Fuß zu fassen in einem Land, das ihr eine bessere Zukunft verspricht, obwohl es ihr stets fremd geblieben ist. Heimweh und Sehnsucht hat sie gelernt zu erdulden, indem sie ihrer Umwelt immer liebevoll und voller Akzeptanz begegnet. Mit ihrer Herzlichkeit und Wärme berührt Gül jeden - über die Grenzen kultureller und sozialer Konventionen hinweg.

    Es ist das Leben einer beeindruckenden Frau, das Selim Özdogan mit viel Gefühl und Poesie, aber ohne Sentimentalität schildert. Ein Leben, das geprägt ist von Melancholie und Trennung ebenso wie von Warmherzigkeit und Anteilnahme.


    Ich freue mich darauf, eure Lesarten kennenzulernen.



    Alle Infos zum Buch: https://goo.gl/dL5GXw

    Hier geht’s zur Leseprobe: http://b2l.bz/5aID3B

    Zur Leserunde

    Weitere Informationen zum Buch

    Pressestimmen

    "Selim Özdogan setzt mit seinem neuen Roman einer ganzen Generation von Frauen, die man hier wie dort oft übersieht, ein liebevolles Denkmal. Gül hat viele Namen und Gesichter."
    Nürnberger Nachrichten, Steffen Radlmaier

    "berührend"
    WDR, Christoph Ohrem

    "Pure Lebenserfahrung zwischen den Kulturen."
    Buchkultur, Helmuth Schönauer

    "Özdogan – er erhielt soeben den wohldotierten „Literaturpreis Hohenems für deutschsprachige Autoren nichtdeutscher Muttersprache“ – hat mit diesem Roman ein wichtiges Buch geschrieben, denn es erzählt uns vom Innenleben einer fremden Lebenswelt. Von Heimat und Fremde und Zukunft auch. Ohne Sentiment und ohne Schwafelei. Einfach gelungen!"
    Buchkultur, Horst Steinfelt

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