Dinge, die vom Himmel fallen

von Selja Ahava 
3,6 Sterne bei50 Bewertungen
Dinge, die vom Himmel fallen
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (30):
katzenminzes avatar

Tolle Sprache und eine kurios-traurig-schöne Geschichte mit kleinen Schwächen in der Umsetzung.

Kritisch (7):
naninkas avatar

Für mich abgesehen von ein paar Lichtmomenten kein Lesegenuss... schade, es hat so vielversprechend begonnen!

Alle 50 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Dinge, die vom Himmel fallen"

Sachen gibt es, die gibt es gar nicht. Einen Eisbrocken etwa, der mitten im Sommer vom Himmel stürzt und der achtjährigen Saara auf tragische Weise die Mutter nimmt. Wenig später widerfährt auch Saaras Tante Unwahrscheinliches, als sie zum zweiten Mal im Lotto gewinnt – und vor Schreck in einen dreiwöchigen Dornröschenschlaf fällt. Und dann ist da noch der Fischer aus Schottland, der wiederholt vom Blitz getroffen wird – und sein Schicksal dennoch immer wieder aufs Neue herausfordert.
Was passiert, wenn von einem Moment auf den anderen nichts mehr ist, wie es war? Wenn ein kleiner Zufall die ganze Welt ins Wanken bringt?
In ihrem prämierten neuen Roman erzählt Selja Ahava eine Geschichte von den unberechenbaren Launen des Schicksals, schmerzhaft und ehrlich, tröstlich und märchenhaft leicht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783866482425
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:208 Seiten
Verlag:mareverlag
Erscheinungsdatum:14.02.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 20.03.2017 bei steinbach sprechende bücher erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Phyrias avatar
    Phyriavor 7 Monaten
    Regt zum Nachdenken an, keine einfache Lektüre

    "Mein Vater versuchte immer, uns zu beschützen, aber das reichte am Ende nicht. Er hat sich zu sehr auf die Wände konzentriert und dabei den Himmel vergessen." S.81  


    Selja Ahava erzählt die Geschichte einer Familie dessen Leben von vielen, unwirklich erscheinenden, Ereignissen geprägt wird. Manchmal reicht eben nur ein Moment aus um das bisherige Leben auf den Kopf zu stellen. Und wie man damit umgeht ist bei jedem anders. 
    Saara ist 8 Jahre alt als ihre Mutter von einem Eisblock erschlagen wird, ihre Tante Annu gewinnt zwei Mal den Jackpot im Lotto. Es geht darum wie die beiden sowie Saara's Vater mit der ganzen Situation umgehen, denn wie wahrscheinlich ist es überhaupt, dass das Schicksal einen so trifft? Natürlich stellen sich die Protagonisten die Frage ob alles nur ein Zufall ist oder doch eine höhere Bedeutung hat. Und wie kann es sein, dass ein Mann vier Mal vom Blitz getroffen wird und es überlebt, was gibt er für eine Erklärung dafür? Ist es nur Pech? 
    Dieser Roman ist kurz und hallt dennoch lange nach. Wird zu Beginn noch aus der leicht kindlichen und doch auch erwachsenen und nüchternen Sicht von Saara erzählt, die mir mit ihrer Art einen anderen Blick auf die Welt gewährt, nimmt die Erzählkunst gegen Ende eine leicht düstere, erwachsene und melancholische Wendung an was auch am vorrübergehenden Perspektivwechsel liegt. 
    Es ist flüssig zu lesen, mit einigen märchenhaften Zügen versehen -die man jederzeit auf die Protagonisten beziehen kann- und die Erzählweise ist so gut, dass man es kaum schafft sich der ausbreitenden Hilflosigkeit zu entziehen die einen befällt. 
    Hat mir die erste Hälfte des Buches noch gut gefallen, wurde ich von der Entwicklung in der zweiten Hälfte regelrecht aufgewühlt. Der Zeitsprung um vier Jahre kam schnell, unvorbereitet und hat bei mir eher einen verwirrten Eindruck hinterlassen sowie noch mehr Fragen aufgeworfen. 
    Konnte ich am Anfang noch den Protagonisten folgen, sie teilweise verstehen, war mir auf den letzten Seiten vieles unerklärlich, weil sich gleichermaßen nichts und doch so vieles verändert hat womit ich mich nicht anfreunden konnte. Gerade was die Vater-Tochter Beziehung angeht und die neue Person in ihrem Leben. Es gibt nur wenige Dialoge und die meisten Gefühle der Charaktere kann man eher erahnen. Gerade bei Saara muss man zwischen den Zeilen lesen. 
    Und dennoch habe ich sehr gerne aus ihrer Sicht gelesen, habe mich einfach in den Erzählungen verloren. Sie ist solch ein kluges Kind, das mit seiner Trauer allein gelassen wird, weil die Erwachsenen zu sehr mit ihren eigenen Gedanken zu kämpfen haben. Man spricht zu wenig mit ihr, erklärt ihr nicht genug und bietet ihr keinen Halt was es mir erschwert hat die anderen zu mögen. Ich hätte nur zu gerne die ganze Geschichte aus ihrer Perspektive gelesen. 


    "Manchmal fällt der Himmel herab, manchmal sinkt der Erdboden ein. Manchmal trifft einen ein so unfassbar es Glück, dass es schwer ist, damit weiterzulesen. Manchmal passiert etwas -nur ein einziges Mal-, aber man muss den Rest seines Lebens über das Warum nachdenken. Manchmal passiert nichts, und man denkt den Rest seines Lebens darüber nach, warum es nicht passiert ist." S.115 


    Ein Roman bei dem man unbedingt mitdenken muss, es ist keine leichte Kost sondern hat zumindest bei mir dazu geführt, dass ich mir auch um mein Leben und Sichtweisen Gedanken mache. 
    Er hat in mir verschiedene Gefühle hervorgebracht und ich kann versprechen, dass nichts in diesem Buch so kommt wie man es erwartet. Es überrascht, lässt viele Fragen aufkommen und ich komme nicht umhin auch einen Tag später über die Geschichte zu grübeln. 
    Und auch wenn es inhaltlich nicht immer mein Fall war so habe ich das Sprachliche mehr als genossen. Es gibt viele Sätze, die ich mir am liebsten niedergeschrieben hätte, weil sie aus so viel Wahrheit bestehen. 
    Es ist ein Buch das man gelesen haben muss um zu verstehen worüber es auch nur ansatzweise handelt. Eine Zusammenfassung reicht da ehrlich gesagt nicht aus, man muss es selber erleben. 
    Wenn man sich also nicht davor scheut ein Buch voller Melancholie zu lesen und anspruchsvolle Lektüre mag ist es auf jeden Fall einen Versuch wert. Von mir bekommt es 3,5 Sterne.  

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    czytelniczka73s avatar
    czytelniczka73vor einem Jahr
    Überraschend wie das Leben

    "Die Erwachsenen sagen die Zeit heilt alle Wunden,und damit ist gemeint,dass die Zeit vergeht und sich deswegen alles,was passiert,in Gedanken verwandelt und man sich immer schlechter daran erinnern kann.Wenn man sich dann nur noch ganz schlecht erinnert,ist die Wunde verheilt."


    Inhalt:

    "Sachen gibt es, die gibt es gar nicht. Einen Eisbrocken etwa, der mitten im Sommer vom Himmel stürzt und der achtjährigen Saara auf tragische Weise die Mutter nimmt. Wenig später widerfährt auch Saaras Tante Unwahrscheinliches, als sie zum zweiten Mal im Lotto gewinnt – und vor Schreck in einen dreiwöchigen Dornröschenschlaf fällt. Und dann ist da noch der Fischer aus Schottland, der wiederholt vom Blitz getroffen wird – und sein Schicksal dennoch immer wieder aufs Neue herausfordert.
    Was passiert, wenn von einem Moment auf den anderen nichts mehr ist, wie es war? Wenn ein kleiner Zufall die ganze Welt ins Wanken bringt?"


    Meinung:

    Ich hab nichts dagegen,wenn eine Geschichte bisschen skurril ist,solange sie inhaltlich was zu bieten hat,und auf dieses Buch trifft beides zu.Verworren und skurril,deswegen nicht ganz so einfach und flüssig zum lesen,aber gleizeitig klug und tiefgründig.Eine schöne Geschichte über das Leben,das einfach unberechenbar ist,mit allen seinen Zufällen und Schicksalschlägen und sogar mit dem Glück,das manchmal auch überfordern und in Schock versetzen kann.Vorallem zum Thema Verlust und Trauer sind in dem Buch viele kluge Gedanken zu finden.Das hat mir ,glaube ich,am meisten gefallen,dass die Geschichte zweifellos skurill ist,aber trotzdem auch realistisch und autenthisch bleibt,weil so vieles im Leben unerwartet kommt und uns einfach überfordert,wir aber beharrlich weiter machen.Ich kann mir vorstellen,dass bei diesem Buch die Meinungen weit auseinander gehen,weil es wirklich sehr speziel ist,mir hat es aber wirklich gut gefallen und bin auch froh es gelesen zu haben.

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    katzenminzes avatar
    katzenminzevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Tolle Sprache und eine kurios-traurig-schöne Geschichte mit kleinen Schwächen in der Umsetzung.
    Ein finnisches Märchen

    Ein finnisches Märchen

    Dinge die vom Himmel fallen ist ein schönes Buch, mit traurig-melancholischem Touch, einer kuriosen Geschichte und wirklich lesenswerten Passagen. Zu Beginn der Geschichte erzählt die achtjährige Saara aus ihrem Leben. Durch einen unglaublichen Zufall ist ihre Mutter gestorben und nun lebt sie mit ihrem komplett aus der Bahn geworfenen Vater bei ihrer Tante Annu. Und auch die Tante hat mit einem unglaublichen Zufall der ganz anderen Art zu kämpfen. Beeindruckend war, wie Saara erzählt. Die Mischung aus kindlichen Gedanken und einer Abgeklärtheit, die Erwachsene einem so jungen Mädchen oft nicht zutrauen hat mir sehr gut gefallen. Wie sie sich an ihre Mutter erinnert war ergreifend. Es gibt einige Stellen, an denen ich eine dicken Kloß im Hals hatte.

    So weit so schön. Mir hat nur die Richtung, in die sich die Geschichte entwickelt nicht Hundertprozentig gefallen. Plötzlich wechselt die Erzählperspektive und wir lesen einen Briefwechsel von Saaras Tante Annu und dem Schotten Hamish. Sie unterhalten sich über unglaubliche Zufälle. Auch das fand ich noch ganz schön - und vor allen Dinge unterhaltsam! Nur war es schade, das Saara und ihre Eltern so aus dem Fokus verschwunden sind. Noch weniger gefallen hat mir dann ein erneuter Perspektivwechsel zu einer bis dahin unbekannten Frau. Zwar sind wir damit auch zurück bei der mittlerweile 12 jährigen Saara und ihrem Vater, aber dass Saara von ihr konsequent als „das Mädchen“ tituliert wird, wollte sie mir ganz und gar nicht sympathisch werden lassen. Zum Schluss kehrt die Geschichte zwar wieder zu ihrer ursprünglichen Erzählerin zurück, aber die Wechsel hätte man sich in meinen Augen auch sparen und eine elegantere Lösung finden können.

    Trotzdem finde ich, dass Dinge die vom Himmel fallen vor allem wegen seiner Sprache und seiner speziellen Mischung aus schönen und traurigen Momenten ein lesenswerter Roman ist. Auch seine Länge ist sehr angenehm. Er mag etwas unbequem sein, weil er keine Antwort auf die Zufälle des Lebens bietet und einen gleichzeitig mit der Nase drauf stößt. Aber allein wegen Stellen wie dieser, hat mir das Lesen Freude bereitet:

    Mal kommt der Weltuntergang, mal bricht schlagartig das Paradies aus. Mal stirbt jemand so unbemerkt, dass man es gar nicht kapiert. Vielleicht versucht so eine Person dann, als Gespenst wiederzukehren und seine unfertigen Geschichten weiterzuerzählen. Obwohl sie eigentlich einfach nur fortgehen sollte. Am Straßenrand aussteigen und das Auto davonfahren lassen. Sich in Schwarz-Weiß verwandeln. Kleiner werden und die Zeitform ändern. - S. 202

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    Mary2s avatar
    Mary2vor einem Jahr
    Ein Roman wie ein modernes Gemälde

    Ein Roman über unvorhersehbare Dinge, die einfach passieren.

    Menschen sind zur falschen Zeit am falschen Ort – und das Leben ist für immer verändert.

    Saara – zu Beginn des Romans acht Jahre alt – muss erfahren, dass ihre Mutter von einem Eisbrocken im eigenen Garten erschlagen wurde.

    Der Vater, der seine Frau gefunden hat, wird traumatisiert und verfällt in eine anhaltende Depression. Selbst auf die Schafe ihrer Tante Annu ist kein Verlass – die Lämmer werden erwachsen und sogar geschlachtet.

    Das Buch ist in vier ungleiche Teile gegliedert. Zunächst erzählt Saara auf knapp 100 Seiten über ihren Verlust und die Erinnerungs-Bruchstücke, die sie mit ihrer Mutter verbinden. Ein melancholischer Abschnitt mit poetischen Anteilen. In wunderbaren Gedankensplittern zeichnet das Kind ein warmes Bild der verstorbenen Mutter. Märchen haben in der Mutter-Tochter-Beziehung eine wichtige Rolle gespielt.

    Ein unvorhergesehener doppelter Lotto-Gewinn wirft Saaras Tante Annu aus der Bahn. In einer intensiven Brieffreundschaft sucht sie im schottischen Fischer Hamish einen Vertrauten. Dieser hatte wunderbarerweise vier Blitzschläge überlebt – sein Umfeld jedoch isolierte diesen „Glückspilz“.

    Nach einem Zeitsprung ist Saara ein Teenager und ihr Vater hat eine neue Partnerin gefunden, die den dritten Abschnitt (30 Seiten) erzählt. Krista ist mit einer Schwangerschaft beschäftigt und dem Wissen um ein schweres Handicap ihres Babys. Die Beziehung zu Saara ist merkwürdig distanziert. Interessant ist Kristas Blickwinkel auf das Haus der Familie, in dem sich Jahre zuvor das Unglück ereignet hatte.

    Den letzten – schwer zugänglichen – Abschnitt erzählt wiederum Saara. Hier wird es noch einmal märchenhaft, ja mystisch.

    Saaras Blickwinkel spannt sich zwischen Weltuntergang und Paradies aus. Sie philosophiert über das Ende: „Wenn es keinen Schluss gibt, dann ist es auch keine richtige Geschichte.“ „Vielleicht sind Schlüsse in unserer Familie nie gut.“  Ein Gespenst (die Mutter?) erzählt nachts Märchen ohne passendes Ende.

    Auch der Roman endet auf den ersten Blick unbefriedigend. Die Geschichte der Hauptpersonen wird nicht zu Ende erzählt. Vieles bleibt offen – das Baby wird nicht geboren, Tante Annu ist im Ausland, der Vater zwar von der Depression geheilt, aber verändert, Saara ist verwirrt. Sicherlich ist das von der Autorin so beabsichtigt, aber es erscheint ungewohnt.

    Der Erzählstil ist wunderbar leicht und trotz des schwierigen Themas nicht unpassend.Die Gliederung des Buches in Abschnitte mit deutlichen Brüchen macht die Lektüre anspruchsvoll. Nicht jedes Stilmittel ist hier dem Leser sofort zugänglich.

    Meiner Meinung nach steckt im letzten, so schwierigen Abschnitt, sehr viel von der Botschaft des Buches und ich habe ihn sofort zwei Mal gelesen.

    Ohne etwas vorwegzunehmen: Es passiert noch etwas Unerwartetes, aber dieses Mal kommt es nicht vom Himmel sondern von der Erde.

    Eine klare Leseempfehlung für dieses Buch – sprachlich ein Genuss, aber anspruchsvoll. Ein bisschen wie ein modernes Gemälde, das als Kunst sofort bewundert wird, dessen Bedeutung sich jedoch erst bei längerer Betrachtung erschließt.

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    miro76vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Typisch finnisch schräg, aber auch nachdenklich und inspirierend!
    Zufall oder Schicksal?

    „Was passiert, wenn von einem Moment auf den anderen nichst mehr ist, wie es war? Wenn ein kleiner Zufall die ganze Welt ins Wanken bringt?“      (Klappentext)

    Die Welt wird für Saara und ihren Vater nie mehr die gleiche sein, als sie ihre Mutter tot auf der Veranda finden. Ein Eisbrocken, der sich von einem Flugzeug löste, hatte sie erschlagen. Dieser absurde Tod ist zu schwer zu begreifen.

    Gleichzeitig wird die Welt von Saara‘s Tante Annu erschüttert, als sie mit denselben Zahlen ein zweites Mal im Lotto gewinnt. Auch ihr Schock sitzt tief und sie fällt erst mal für drei Wochen in einen komatösen Zustand.

    „Man kann um einen echten Menschen herum eine Linie ziehen, so wie Poirot es tut, wenn eine Leiche auf dem Boden liegt. Der Tod ist leichter zu verstehen, wenn er Ellbogen und Kniekehlen und seinen Platz auf dem Fußboden hat. (…) Ein bisschen wie bei einem Lottogewinn, den man leichter begreifen könnte, wenn er ein Haufen Geld wäre. Aber Erinnerungen haben keinen Körper.“             (S. 27)

    Während sich Saara und ihr Vater durch die Trauer zurück ins Leben kämpfen, beginnt Annu einen Briefwechsel mit einem Mann, der vier Mal von einem Blitz getroffen wurde. Seine Einsichten helfen Annu mit dem Zufall zurechtzukommen.

    Selja Ahava erzählt diese Geschichte in drei Abschnitten. Den ersten Teil lesen wir aus der Sicht von Saara, die sich in Bruchstücken an ihre Mutter erinnert und langsam ein Bild ihres Familienlebens entstehen lässt.

    Der zweite Teil ist der Briefwechsel zwischen Annu und dem irischen Fischer. Zwischen den beiden entspinnt sich eine wunderschöne Freundschaft und sie können sich gegenseitig Halt geben.

    Der dritte Teil fällt für mich etwas aus der Reihe. Ich habe ziemlich lange gebraucht, um die Erzählstimme festzumachen. Dieser Teil wird von Saaras neuer Stiefmutter erzählt, die ein Kind bekommt, das ebenfalls vom Zufall bestraft wurde.

    Oder sind das alles die Launen des Schicksals? Diese große Frage bleibt im Raum stehen.

    Die ersten zwei Drittel des Buches haben mir sehr gut gefallen. Die Autorin schafft es gut, sich den Erzählstil eines Kindes anzueignen. Und der Abschnitt mit dem Briefwechsel lockert die Geschichte ungemein auf. Die Thematik ist ja keine einfache Kost. Einziger Wehrmutstropfen ist für mich der letzte Abschnitt. Für mein Gefühl hat die Autorin mit diesem weitern Schicksalsschlag den Bogen überspannt. Das war für mich nicht mehr ganz stimmig. Deshalb gibt es einen Stern Abzug.

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    Fornikavor einem Jahr
    Zufälle gibt's

    Die 8-jährige Saara verliert ihre Mutter an einem strahlenden Frühsommertag; sie wird von einem Eisbrocken erschlagen, der sich von einem Flugzeug löste. Saara trauert, doch in ihrer Trauer fragt sie sich auch immer wieder: was sind Zufälle? Was wäre passiert, wenn ihre Mutter nur einen Meter weiter links gestanden hätte, wenn sie später in den Garten gegangen wäre oder es geregnet hätte? Auch Saaras Tante ringt mit dem Zufall, denn sie hat im Lotto gewonnen. Zweimal. Ein Fischer wird vom Blitz getroffen. Wieder. Und wieder. Und wieder…

     Selja Ahava hat mit „Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm“ ein hervorragendes Debut abgeliefert. Für mich kommt ihr zweites Buch nicht an den Erstling heran, sie zeigt aber auch mit diesem Werk, dass sich nachdenklich und schräg nicht ausschließen müssen. Die Geschichte der kleinen Saara ist berührend und gefühlvoll geschrieben, trotzdem konnte ich mich nicht so richtig einfinden. Im Verlauf wechseln Perspektive und Stil, doch richtig gut hat mir eigentlich nur Saaras Sicht der Dinge gefallen. Die ist keine typische Achtjährige und hat mich manches Mal zum Schmunzeln gebracht. Ahava schlägt einen melancholischen Ton an, der überzeugt. Märchenhafte Elemente gesellen sich zu der schrägen, aber realistischen Geschichte; nicht immer klappt das Zusammenspiel. Zum Ende hin verliert die Story für mich immer mehr, sodass mein Fazit eher gemischt ausfällt. Ein Buch, das ein bisschen sperrig ist und bei mir leider nicht ins Schwarze getroffen hat.

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    ulrikerabes avatar
    ulrikerabevor einem Jahr
    Behutsam und tröstend

    Saara ist acht Jahre alt, als ihre Mutter stirbt, erschlagen von einem Eisbrocken, der losgelöst von einem Flugzeug einfach vom Himmel fiel. Mit ihrem Vater zieht sie zu ihrer Tante Annu, die nun schon zum zweiten Mal den Haupttreffer beim Lotto erzielt.
    Selja Ahava erzählt ganz behutsam, was passiert, wenn der Zufall das Leben berührt, aus der Bahn wirft, verändert.
    Sie lässt Saara viel über die Zeit und die Erinnerung nachdenken, über die vielen kleine Teilchen, die bleiben, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Die Teilchen, die blieben, während der Mensch dahinter schmerzlich fehlt.
    Ein Mann wird viermal vom Blitz getroffen, die Erde verschluckt einen Schlafenden, ein Baby wächst ohne Beine im Bauch der Mutter, Lots Frau erstarrt zur Salzsäule, weil sie nicht hätte hinsehen dürfen. Kommen wir alle ins Paradies, wenn wir nur alle die richtigen Nachrichten hören würden? Und manchmal wächst ein Apfelbäumchen dort, wo niemand damit rechnet.
    Manche Dinge geschehen, einfach so, zur falschen Zeit, am falschen Ort, weil wir hinsehen, nicht zuhören, den Bus versäumen und an der falschen Stelle stehen. Die Welt dreht sich weiter, die Zeit bleibt nicht stehen.
    Dinge, die vom Himmel fallen ist ein ganz zartes Buch über Trauer, Heranwachsen, Liebe, über die Hilflosigkeit, welche das Schicksal so mit sich bringt und wie wir damit umgehen können. Aber auch über den Willen weiter zu gehen, nach vorn zu schauen, neu zu beginnen.

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    Petriss avatar
    Petrisvor 2 Jahren
    Dinge, die es nicht geben dürfte

    Erwartungen:
    Manchmal ist es für einen Roman gar nicht von Vorteil, wenn man mit großen Erwartungen an die Lektüre geht. In diesem Fall hatte mich der erste Titel der Autorin begeistert mit seiner schönen Erzählweise, dem berührenden Thema und der poetischen Sprache, der mare Verlag zählt zu meinen Lieblingsverlagen und das Cover fand ich unglaublich schön. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen.

    Geschichte:
    Es gibt Dinge, die dürfte es nicht geben. Solche, die vom Himmel fallen und einem Kind die Mutter rauben, solche, die Glück bringen, wie wiederholte Lotto-Gewinne und solche, die einfach unglaublich sind, wie Menschen, die öfter als einmal im Leben vom Blitz getroffen werden. Und darum geht es. Wie das Leben weitergeht nach solchen Zufällen, was sie verändern oder auch nicht. Das wird hier sehr schön erzählt, nicht linear, sondern in Sprüngen, aus unterschiedlichen Perspektiven. Ich musste ein wenig an eine Collage denken oder auch an den Flickenteppich der Tante, gewebt aus Saaras alter Kinderkleidung.

    Sprache:
    Selja Ahavas Sprache würde ich als ruhig und poetisch beschreiben. Sie wird nie kitschig, berührt aber mit ihren Worten. Wunderbar passt ihre Sprache zum Erzählten. Man taucht in sie ein und will das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

    Fazit:
    Trotz hoher Erwartungen alles andere als eine Enttäuschung, ganz im Gegenteil. Ein Roman, der mich berührt hat, den ich mit Freude gelesen habe und den ich auch gerne weiterempfehle. Wiedermal ein wunderbares Buch aus dem Hause mare!

    Kommentare: 1
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    Federfees avatar
    Federfeevor 2 Jahren
    Zu skurril, zu verworren, zu viele Zufälle


    Leider habe ich zu diesem Buch keinen Zugang gefunden. Dabei hat mir Ahavas Buch 'Der Wal ...' sehr gut gefallen: https://www.lovelybooks.de/autor/Selja-Ahava/Der-Tag-an-dem-ein-Wal-durch-London-schwamm-1077404822-w/

    Was dort gut zur dementen Anna passte, fand ich hier an den Haaren herbeigezogen. Sowohl die sich häufenden Zufälle als auch die Personencharakterisierungen, die mir völlig unglaubwürdig erschienen. Die Handlung wird zum Ende hin verworrener und für mich bleiben zu viele Fragen offen. Schade.
    2 1/2 Sterne

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    StefanieFreigerichts avatar
    StefanieFreigerichtvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: melancholisches ruhiges Buch über die Wechselfälle des Lebens - und wie wir meist versagen im Umgang damit
    Von den Wechsel“fällen“ des Lebens

    S. 114 „Wenn ich den Laden betrete, erinnert sich jeder Kunde daran, dass uns zu jeder Zeit der Himmel auf den Kopf fallen kann.“ so schreibt Hamish an Tante Annu. Alle, alle in diesem Buch, machen diese Erfahrung persönlich. „Dinge, die vom Himmel fallen“ ist nicht nur der Titel – da kommen in der Handlung Eisklumpen herunter oder Blitze, letztere sogar mehrfach. Menschen sterben – oder eben nicht, nie dadurch, andere werden wie vom Blitz getroffen durch einen Lottogewinn, den Verlust eines geliebten Menschen oder durch die für sie selbst schwer nachvollziehbare Tatsache, trotz allem, was vom Himmel herunter kommt, immer noch am Leben zu sein.


    „Wenn ich den Laden betrete, erinnert sich jeder Kunde daran, dass uns zu jeder Zeit der Himmel auf den Kopf fallen kann.“ Auch das ist eine Tatsache – was noch nicht für die Charaktere des Buchs an sich ein Problem ist, wird dazu durch die Menschen um sie herum. Da sind die überforderten Lehrer, die die Mitschüler eines plötzlich mutterlosen Mädchens Bilder ihrer Ängste malen lassen, mit denen sie dann selbst nichts anzufangen wissen. Da sind die Nachbarn, die ausweichen, von Vorsehung sprechen oder Strafe. Die anderen Schwangeren scheinen Angst vor einem Überspringen von Unglück zu haben – Menschen lassen andere Menschen schlicht im Stich - teils sicherlich ohne Not, teils, weil sie es wie der in Depressionen versinkende Vater im Moment nicht vermögen. „Wenn ich sage, meine Mutter beugt sich übers Bett, ist sie hier bei mir. Wenn ich sage, sie beugte sich übers Bett, bewegt sie sich schon weg. Mein Vater redet nicht über sie, weil er es nicht schafft zu sagen, sie beugte sich übers Bett. Er kann über Mama nicht in der Vergangenheit sprechen.“ S. 27 Selbst einem kleinen Mädchen schaut hier niemand in die Augen.


     Warum? Ist es das Gefühl des Versagens? Vielleicht ist das ein Teil davon, so wie Saara über Pekka sagt: „Mein Vater versuchte immer, uns zu beschützen, aber das reichte am Ende nicht. Er hat sich zu sehr auf die Wände konzentriert und dabei den Himmel vergessen.“ S. 81 Aber das wird nicht der einzige Grund sein, das Buch regt zum Nachdenken an. Während die ersten Ereignisse eher herausfordern dazu, auf die „Wunder“, die unwahrscheinlichen Ereignisse verzichten zu wollen, wird aus Kristas Situation heraus genau so ein Wunder wider besseres Wissen herbei gesehnt.


     Selja Ahava hat keinen leichten Text geschrieben, auch wenn er nicht kompliziert zu lesen ist. Der Ton ist melancholisch, Stil und Perspektive wechseln – von der Sicht der kleinen mutterlosen Saara über den Briefroman zwischen ihrer Tante und dem Fischer Hamish zu Krista, der neuen Partnerin von Vater Pekka und wieder zurück zum Teenager Saara. Die Wechsel schaffen dabei ebenso Distanz wie die märchenhaften Einschübe und Traumsequenzen, regen mich aber zum eigenen Nachdenken an wie der nicht eindeutige Text. Die irgendwie sowohl parallel als auch komplementär verlaufenden Ereignisse verschränken sich beim genauen Hinsehen an mehr Stellen, als man zuerst sieht. Kein leichtes Thema, Erwachsene machen hier häufig keine gute Figur, das Kind Saara stellt sich seinen Ängsten und Nöten meist unmittelbarer. Ein ungewöhnlicher Text, der die Bereitschaft voraussetzt, sich ihm öffnen zu wollen.


    Ähnliches Thema, ausschließlich aus der Sicht des allein gelassenen Partners und autobiographisch: https://www.lovelybooks.de/autor/Tom-Malmquist/In-jedem-Augenblick-unseres-Lebens-1436814038-w/rezension/1433180434/1433179358/

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    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    Mare_Verlags avatar
    Liebe Lovelybooks-Leserinnen und Leser,

    unser Frühjahrsprogramm 2017 läuten wir mit dem neuen, zauberhaften Roman der finnischen Autorin Selja Ahava ein: Dinge, die vom Himmel fallen erscheint am 14. Februar und wir verlosen hier exklusiv 30 Vorab-Leseexemplare.

    Zum Buch:
    Sachen gibt es, die gibt es gar nicht. Einen Eisbrocken etwa, der mitten im Sommer vom Himmel stürzt und der achtjährigen Saara auf tragische Weise die Mutter nimmt. Wenig später widerfährt auch Saaras Tante Unwahrscheinliches, als sie zum zweiten Mal im Lotto gewinnt – und vor Schreck in einen dreiwöchigen Dornröschenschlaf fällt. Und dann ist da noch der Fischer aus Schottland, der wiederholt vom Blitz getroffen wird – und sein Schicksal dennoch immer wieder aufs Neue herausfordert. Was passiert, wenn von einem Moment auf den anderen nichts mehr ist, wie es war? Wenn ein kleiner Zufall die ganze Welt ins Wanken bringt? In ihrem prämierten neuen Roman erzählt Selja Ahava eine Geschichte von den unberechenbaren Launen des Schicksals, schmerzhaft und ehrlich, tröstlich und märchenhaft leicht.

    Hier geht's zur Leseprobe.


    Möchtest Du zu den 30 Vorablesern gehören?* Dann bewirb Dich und beantworte bis zum 1. Februar die folgende Frage:

    In dem Roman Dinge, die vom Himmel fallen wird das Leben der Protagonistin Saara von Zufällen – im positiven wie auch im negativen Sinn – bestimmt. Ist Euch schon einmal etwas so Unerwartetes passiert, das Euer ganzes Leben auf den Kopf gestellt hat?

    Wir warten gespannt auf Eure Antworten und freuen uns auf zahlreiche Bewerbungen!

    Euer mareverlag


    *Bedingung ist, dass Ihr euch zeitnah am Austausch in allen Leseabschnitten beteiligt und abschließend eine Rezension zum Buch schreibt.
    alascas avatar
    Letzter Beitrag von  alascavor 2 Jahren
    Hier nun endlich meine Rezension, die auch auf Amazon und Was liest du erscheinen wird: https://www.lovelybooks.de/autor/Selja-Ahava/Dinge-die-vom-Himmel-fallen-1356989592-w/rezension/1437105694/ Danke an den Verlag für ein ungewöhnliches Buch von einer sehr eigenwilligen Autorin! Ich bin schon jetzt gespannt auf ihr nächstes und werde sicher bald mal "Der Wal, der durch London schwamm" lesen.
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