Selma Lagerlöf Christuslegenden

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Inhaltsangabe zu „Christuslegenden“ von Selma Lagerlöf

Ihre ‘Christuslegenden’ hat Selma Lagerlöf auf einer Palästinareise 1899/1900 gesammelt und zusammen mit Erinnerungen an ihre geliebte Großmutter niedergeschrieben. Mit ihrer bildhaften Sprache formt die Schöpferin des ‘Nils Holgersson’ bekannte Geschichten aus der Bibel zu zeitlos schönen Lesestücken. Einfache Menschen begegnen hier Jesus, und sie spüren, ohne von seiner Bedeutung als Sohn Gottes zu wissen, die von diesem besonderen Menschen ausgehende Kraft. So kreisen die Legenden um Fragen des Glaubens, der Barmherzigkeit, der Wunder und der Liebe.

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  • Die heilige Nacht

    Christuslegenden

    Günter-ChristianMöller

    22. December 2014 um 11:30

    Selma Lagerlöf – Christuslegenden In meiner Kindheit und Jugend wurde im Familienkreis zu jedem Weihnachtsfest eine Geschichte von Selma Lagerlöf vorgelesen. Oft war es etwas aus dem Buch ‚Christuslegenden‘. Die Geschichten und Legenden sind wahrscheinlich schon uralt, aber sie wurden von Selma Lagerlöf in wunderschöne Worte und passende Abschnitte gefaßt. Sie handeln von Trost, Barmherzigkeit und Liebe, aber auch von Gewalt, Grausamkeit und Niedertracht. Vom Kampf zwischen Gut und Böse. Nicht alle Geschichten haben den Weg zu meinem Herzen gefunden. Doch eine Geschichte hat sich mir unauslöschlich eingeprägt, in dem ein Weg zum Erkennen von Menschlichkeit beschrieben wird. Es ist ‚Die heilige Nacht‘: Als dieser Hirt, der ein so böser, mürrischer Mann war, dies alles sah, begann er sich bei sich selbst zu wundern: ‚Was kann dies für eine Nacht sein, wo die Hunde die Schafe nicht beißen, die Schafe nicht erschrecken, die Lanze nicht tötet und das Feuer nicht brennt?‘ Er rief den Fremden zurück und sagte zu ihm: ‚Was ist dies für eine Nacht? Und woher kommt es, dass alle Dinge dir Barmherzigkeit zeigen?‘ Da sagte der Mann: ‚Ich kann es dir nicht sagen, wenn du selber es nicht siehst.‘ Und er wollte seiner Wege gehen, um bald ein Feuer anzünden und Weib und Kind wärmen zu können. Aber da dachte der Hirt, er wolle den Mann nicht ganz aus dem Gesicht verlieren, bevor er erfahren hätte, was dies alles bedeute. Er stand auf und ging ihm nach, bis er dorthin kam, wo der Fremde daheim war. Da sah der Hirt, dass der Mann nicht einmal eine Hütte hatte, um darin zu wohnen, sondern er hatte sein Weib und sein Kind in einer Berggrotte liegen, wo es nichts gab als nackte, kalte Steinwände. Aber der Hirt dachte, dass das arme unschuldige Kindlein vielleicht dort in der Grotte erfrieren würde und obgleich er ein harter Mann war, wurde er davon doch ergriffen und beschloss, dem Kinde zu helfen. Und er löste sein Ränzel von der Schulter und nahm daraus ein weiches weißes Schaffell hervor. Das gab er dem fremden Mann und sagte, er möge das Kind darauf betten. Aber in demselben Augenblick, in dem er zeigte, dass auch er barmherzig sein konnte, wurden ihm die Augen geöffnet und er sah, was er vorher nicht hatte sehen, und hörte, was er vorher nicht hatte hören können. Er sah, dass rund um ihn ein dichter Kreis von kleinen, silberbeflügelten Englein stand. Und jedes von ihnen hielt ein Saitenspiel in der Hand und alle sangen sie mit lauter Stimme, dass in dieser Nacht der Heiland geboren wäre, der die Welt von ihren Sünden erlösen solle.

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