Senthuran Varatharajah

 3,8 Sterne bei 11 Bewertungen

Lebenslauf von Senthuran Varatharajah

Senthuran Varatharajah, geboren 1984 in Jaffna, Sri Lanka, studierte Philosophie, evangelische Theologie und vergleichende Religions- und Kulturwissenschaft in Marburg, Berlin und London. 2016 erschien sein Debütroman »Vor der Zunahme der Zeichen«, der mehrfach ausgezeichnet wurde. Senthuran Varatharajah lebt in Berlin.Literaturpreise:- 3Sat-Preis bei den 38. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt- Kranichsteiner Literaturförderpreis 2016- Bremer Literaturförderpreis 2017- Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis 2017- Rauriser Literaturpreis 2017

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Rot (Hunger) (ISBN: 9783103970753)

Rot (Hunger)

Erscheint am 23.02.2022 als Hardcover bei S. FISCHER.

Alle Bücher von Senthuran Varatharajah

Cover des Buches Vor der Zunahme der Zeichen (ISBN: 9783596033423)

Vor der Zunahme der Zeichen

 (8)
Erschienen am 26.09.2018
Cover des Buches Süßwasser (ISBN: 9783847906469)

Süßwasser

 (4)
Erschienen am 31.08.2018
Cover des Buches Rot (Hunger) (ISBN: 9783103970753)

Rot (Hunger)

 (0)
Erscheint am 23.02.2022

Neue Rezensionen zu Senthuran Varatharajah

Cover des Buches Süßwasser (ISBN: 9783847906469)lizlemons avatar

Rezension zu "Süßwasser" von Akwaeke Emezi

Faszinierend
lizlemonvor 3 Jahren

Ein Großteil der Geschichte spielt sich im Geist der jungen Nigerianerin Ada ab. Trotzdem ist „Süßwasser“ unheimlich lebendig und clever und schockierend. In Adas Kopf haust nicht nur ihre eigentliche Persönlichkeit, sondern auch sogenannte Ọgbanje. Dem Aberglauben nach handelt es sich dabei um tote Seelen, die sich in einem menschlichen Körper einnisten. Adas Eltern lassen die Tochter früh im Stich. Schon als Kind erlebt sie Gewalt und sexuellen Missbrauch. Für diese dramatischen Momente versuchen die Ọgbanje zu kompensieren, indem sie auf tragische Weise die Kontrolle über Adas Körper übernehmen. Ada erinnert sich hinterher entweder gar nicht mehr daran, was ihr zugestoßen ist, oder sie nimmt die Geschehnisse beinahe so distanziert wahr, als wären sie einer Fremden passiert. Die Ọgbanje versuchen einerseits Ada vor den psychologischen Auswirkungen des Erlebten zu schützen, folgen aber andererseits selbst einer niederen Motivation und führen Ada immer wieder absichtlich in gefährliche Situationen. Der Roman ist eine Art Coming-of-Age-Story: Wird Ada, während sie im Laufe der Geschichte erwachsen wird, die vielen Teile ihrer Persönlichkeit akzeptieren oder daran zugrunde gehen?  

 

Akwaeke Emezi erzählt „Süßwasser“ abwechselnd aus der Wir-Perspektive der Ọgbanje und der Ich-Perspektive einer Teilpersönlichkeit, die vor allem in sexuellen und gefährlichen Situationen zum Vorschein tritt und Ada lenkt. Ada selbst kommt dazwischen nur ganz kurz zu Wort. Das zeigt deutlich, dass sie keine richtige Kontrolle über ihr eigenes Leben hat. Der Wir-Erzähler spricht immer von „der Ada“, so als wäre sie ein Objekt, und beschreibt sie gnadenlos als „unsere kleine Fleischansammlung“ oder „einen Sack aus Haut“. Hier entsteht ein spannender Kontrast: Einerseits sind die Persönlichkeiten auf Adas menschlichen Körper angewiesen, um in dieser Welt existieren und handeln zu können. Andererseits haben sie keinen Respekt vor ihrem Körper und richten Ada physisch und psychisch zugrunde.

 

Ob man das Beschriebene nun als multiple Persönlichkeit oder als Ọgbanje bezeichnet, ist eigentlich egal. Auf beeindruckende Weise erkundet der Roman, was zu einer Identität gehört, welche Masken der Mensch trägt und wie er Erlebtes verarbeitet. Die psychologisch und emotional ausgefeilte Geschichte erzählt die Autorin mit ausdrucksstarken Metaphern, die sofort pulsierende Bilder im Kopf entstehen lassen. Emezis lustvoller, oft schonungsloser Umgang mit Sprache stürzt den Leser in einen faszinierenden Strudel aus Sinneseindrücken.

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Cover des Buches Vor der Zunahme der Zeichen (ISBN: 9783100024152)vivreavecdeslivress avatar

Rezension zu "Vor der Zunahme der Zeichen" von Senthuran Varatharajah

Vor der Zunahme der Zeichen | Buchbesprechung
vivreavecdeslivresvor 4 Jahren


Ich brauchte ein wenig Zeit um mich zu fassen, zu begreifen und zu verstehen, was dieses Buch überhaupt aussagen will. Was es für eine Bedeutung für mich hat. Ich kann es immer noch nicht. Ich weiss nicht, was ich aus dem Buch mitgenommen habe, oder was ich mitnehmen soll. Ich bin  einfach zum Entschluss gekommen, dass ich das Buch noch einmal lesen muss. Ich bin vielleicht einfach nicht genau in der richtigen Stimmung gewesen um das Buch zu lesen. Ich habe es zu schnell gelesen. Es hat auf mich gewirkt - definitiv. Die Geschichten zwischen Senthil und Valmira waren so wunderschön zu lesen. Ich bin ihren Worten verfallen und habe sie in mich aufgenommen. Die Geschichten übers Ankommen und Fremdsein in einem Land, in dem man nicht wirklich willkommen scheint, ist auf eine ganz spezielle Weise ganz schön dargestellt werden. Die Geschichten sind so Detail getreu und einfühlsam. Es gefiel mir. Doch das Buch beginnt und hört gleich auf. Es gibt keinen Spannungsbogen - das Buch hat keine Einleitung oder einen Schlussteil. Es hat nur das dazwischen, keinen roten Faden. Im Fokus liegen die Worte und die dahinter steckende Lebensstory. Ich wurde verzaubert, aber ich frage mich trotzdem, ob ich den grösseren Sinn dahinter nicht verstanden habe. Ich frage mich, ob ich schlicht und einfach nicht in der Fassung war, alles so zum verstehen, wie ich es hätte sollen. Ich kann gar nicht mehr zum Buch sagen. Ihr müsst es selber lesen und bitte bitte, lasst mich wissen, was ich beim Lesen verpasst habe, was ihr daraus mitgenommen habt, oder ob es euch genau gleich erging wie mir. Ich habe gesucht, aber ich habe eben immer noch das Gefühl etwas im Buch übersehen zu haben. Das Lesen war trotzdem wunderschön, hat mich ganz entspannt und in mir eine innere Ruhe ausgestrahlt von der ich gar nicht wusste, dass ich sie habe. Sehr philosophisch und sehr auf Worte fokussiert. Kein Buch für Zwischendurch, sonst sitzt es nicht. Ich werde es noch einmal lesen und dann hoffentlich etwas schlauer sein. Ich bin nämlich ziemlich ratlos.
http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/06/vor-der-zunahme-der-zeichen-buchgedanken.html

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Cover des Buches Vor der Zunahme der Zeichen (ISBN: 9783100024152)hannipalannis avatar

Rezension zu "Vor der Zunahme der Zeichen" von Senthuran Varatharajah

Ein schönes Buch über ein sehr aktuelles Thema
hannipalannivor 6 Jahren

Senthil Vasuthevan schreibt Valmira Surroi auf Facebook an: "dein profil erschien gerade am rand, gelistet unter den personen, die ich vielleicht kenne, du kamst mir vertraut vor". Aus dieser Nachricht entspinnt sich eine großartige Unterhaltung, die die beiden über sieben Tage hinweg über den Chat des sozialen Netzwerks führen. Von den Überlegungen, woher man sich kennen könnte, wo man sich hätte begegnet sein können, welche gemeinsamen Bekanntschaften man hat, gelangen sie in ein Gespräch über ihre Familien und die Flucht aus den Heimatländern ihrer Eltern – sie stammt aus dem Kosovo, er aus Sri Lanka – und die Lebensumstände dort. 

Wie Ping-Pong-Bälle spielen sie sich Geschichten aus ihren Kindheiten im 'Asyllandheim‘ zu, und über das Ankommen und nicht angekommen sein. Hauptsächlich, und das macht dieses Buch so besonders, geht es um die Sprache und ihre Wirkung, das Ausgesprochene, Ungesagte und die Sprachlosigkeit. Ich mag es, wie der Autor mit der Sprache spielt, Mehrdeutigkeiten erkennt und aufdeckt: “Ich wusste noch nicht, dass ausweisen beides heißen kann, dass es bedeutet, dass wir unsere Identität durch ein Stück Plastik oder Papier beweisen, und dass es bedeutet, dass wir ein Land verlassen müssen, und vielleicht sind diese Bedeutungen nicht weit voneinander entfernt, ich bin mir nicht sicher.“. 

Sein Erzählton ist stellenweise fast schon lyrisch: "'Wir müssen uns zwischen den Zeilen und Zeichen erraten‘ - 'wir werden uns zwischen den zeilen und zeichen verraten‘“. Dieses Buch zu lesen war ein sprachlicher Hochgenuss. Und dieser Stil rundet die Geschichte, die erzählt wird, fast schon perfekt ab. Dieses eigentlich harte Thema wird so sanft, so still und so gut geschildert, ist so leicht zu lesen. Ich musste öfters schmunzeln, aber auch hin und wieder ordentlich schlucken. 

Senthuran Varatharajah hat meiner Meinung nach ein grandioses Debüt abgeliefert, das ich allen ans Herz lege: Lest es.

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