Sepp Mall

 3.9 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor von Wundränder, Hoch über allem und weiteren Büchern.

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Cover des Buches Wundränder (ISBN:9783709974773)

Wundränder

 (8)
Erschienen am 14.05.2013
Cover des Buches Hoch über allem (ISBN:9783709972977)

Hoch über allem

 (3)
Erschienen am 18.10.2017
Cover des Buches Berliner Zimmer (ISBN:9783852187211)

Berliner Zimmer

 (1)
Erschienen am 26.01.2012
Cover des Buches Aus der neuen Welt (ISBN:9783708231518)

Aus der neuen Welt

 (0)
Erschienen am 13.10.2003
Cover des Buches Schläft ein Lied (ISBN:9783709971420)

Schläft ein Lied

 (0)
Erschienen am 10.10.2014
Cover des Buches Brüder (ISBN:9783709978788)

Brüder

 (0)
Erschienen am 19.01.2017
Cover des Buches Über beide Ohren (ISBN:9783708232188)

Über beide Ohren

 (0)
Erschienen am 10.11.2006
Cover des Buches Inferno Solitario (ISBN:9783708231013)

Inferno Solitario

 (0)
Erschienen am 11.04.2002

Neue Rezensionen zu Sepp Mall

Neu

Rezension zu "Hoch über allem" von Sepp Mall

Sensibles Kammerspiel
Thomas_Lawallvor einem Jahr

Was jetzt kommt, gehört nicht in eine Rezension. Üblicherweise. Zu persönlich und inkompatibel mit jeder Erwartungshaltung. Doch der Rezensent nimmt sich ja auch an anderer Stelle Dinge heraus, die sich nicht unbedingt gehören, und die sich nicht anpassen möchten. Alles ist möglich. Nur eines nicht mehr: Auf Bücher vom Haymon Verlag zu verzichten. 

Zwei Jahre hat er keine Bücher mehr des österreichischen Verlags gelesen, und das ist andererseits schon wieder gut so, denn jetzt weiß er definitiv, was ihm die ganze Zeit gefehlt hat!

Man schlägt nur die ersten Seiten des wie gewohnt auch formal perfekt gestalteten Buches auf, muss nur die ersten Zeilen lesen und schon ist es so, wie es immer war. Nämlich jedes Mal anders. 

Meistens jedoch wie auf einer Art Flughafen. Ganz normale Worte nehmen Anlauf, geben Gas und heben ab. Wie ein Kameraschwenk. Entweder über die Landschaft und die Welt oder eher nach innen gerichtet. Als ob man dabei wäre. Man fühlt sich angesprochen, freut sich, lacht und weint mit, bis man, wenn man Glück (oder Pech) hat, seine eigene Rolle in den Geschichten entdeckt ...

Was soll man überhaupt noch schreiben? Über den Inhalt darf nichts verraten werden. "Spoilern" nennt man das jetzt. Doch potentielle Leser/innen haben ein Recht zu erfahren, um was es in etwa geht und auf was sie sich einlassen. Ein Werk mit Substanz leidet sowieso nicht, wenn ein paar Sätze und Handlungsfetzen verraten werden.

"Hoch über allem" ist so ein Buch. Sepp Mall gestaltet den Einstieg mit sehr leichter Feder. Die Idylle in jener spontan gemieteten Ferienwohnung, kurz vor Weihnachten, scheint perfekt zu sein. Fast ein wenig zu perfekt, denn Jakobs Frau Irene wirft spontan erste Unsicherheiten in den Raum: "Man weiß nie, wie es weitergeht." 

Das sagt sie einfach so daher. Und doch sind es mitunter diese vermeintlich einfachen Formulierungen, die eine leichte Unruhe aufkommen lassen. Insbesondere wenn Jakob, der Psychologe, durchaus unsicher antwortet: "Wir sind diese Stille nicht mehr gewohnt." 

Das Kammerspiel um Jakob, Irene, deren Sohn Matthias und dessen Freundin Kristina sowie Irenes Mutter geht weiter, obschon sich ein leichtes Bröckeln der weihnachtlichen Harmonie anzudeuten scheint. Fast erschrickt man, als am Weihnachtsabend Jakobs Tochter Emma anruft, um der versammelten Runde mitzuteilen, dass irgend etwas mit ihrer Mutter passiert sei ... 

Sepp Mall sammelt Augenblicke. Stellt das Leben auf Pause und filtert das Wesentliche heraus. "Man weiß nie, wie es weitergeht." Vor allem, wenn die Vergangenheit wieder die Oberhand gewinnt. Kann die Gegenwart gegen sie bestehen? Wird der Spagat gelingen? Der Autor schickt Vater und Tochter auf die Reise nach Südtirol, wo Emmas Mutter Marilyn im Krankenhaus liegt. 

Gleichzeitig ist es eine Reise in jene Tage, als es Emma noch nicht gab. Die beiden erleben jene Fahrt ins Ungewisse unter jeweils völlig anderen Vorzeichen. Diese zu einem sensiblen Portrait zwischenmenschlicher Fehlkalkulationen zu verweben ist Sepp Mall auf fast unspektakuläre Weise gelungen. 

Von Anfang an spielt er mit der Leserschaft und ihren Erwartungen. Die spannende Frage lautet: Kann die Geschichte ihrem Titel gerecht werden? Dieses großartige Kammerspiel gibt am Ende die Antwort.

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Rezension zu "Wundränder" von Sepp Mall

Schnittmengen
buchwanderervor 4 Jahren

„Das Leben, das sind die anderen, die sich draußen bewegen, als wäre nichts geschehen.“ (S.134)

Zum Inhalt: Es ist ein doppelter Handlungsstrang an dem Mall vor dem Hintergrund des „Südtiroler Freiheitskampfes“ in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts immer wieder Streiflichter auf die Familiengeschichte seiner beiden Erzähler fallen lässt. Aus der Sicht des jungen Paul, der in seiner kindlich naiven Art beginnt, die Sphären der Erwachsenen für sich zu entdecken und dessen Welt sich hauptsächlich um Anerkennung bei seinen Freunden, Fußball und ersten Kontakten mit Mädchen dreht, schildert der Autor den Blick eines de facto an der familiären Tragödie Unbeteiligten, den jedoch die Härte des Schicksals unvermittelt und mit voller Härte trifft. Pauls Vater wird aus für den Jungen unverständlichen Gründen inhaftiert. Selbst die Frage seiner italienischen Freundin Stella, ob denn sein Vater tatsächlich ein Verräter sei, kann Paul nur vollkommen befremdet verneinen; mit „politischen“ Dingen kenne er sich nicht aus, weiß nicht einmal was das denn sei, das „Politische“. Pauls Vater kehrt nach geraumer Zeit aus der Haft zurück, jedoch ist er nicht mehr der Mann den Paul kannte. Die lethargische, siechende, umweltverneinende Art des Vaters gipfelt in der Verzweiflungstat des Selbstmordes, in der Paul für sich ein davonlaufen sieht. Dies nicht einmal wertend, sondern fasst nüchtern konstatierend, zumal er mit seinem Freund ebensolche Pläne des „von-zu-Hause-Weglaufens“ des öfteren geschmiedet hatte, allerdings waren dabei Amerika oder Italien als Land des Fußballs ihr Ziel.

Die zweite Erzählende Person ist Johanna, welche mit ihrem Bruder Alex vom elterlichen strengen zu Hause in die große Stadt zieht, um dort ein eigenständiges Leben aufzubauen. Von Kindesbeinen an war sie Alex‘ Stimme, der stark stottert, was ihn immer stärker isolierte. Erst in der Stadt beginnt Alex, der nun als Handwerker arbeitet, Freundschaften mit seinen Arbeitskollegen zu schließen und emanzipiert sich zusehends von seiner Schwester. Johanna, welche als Krankenschwester arbeitet, möchte ihrem Bruder den Freiraum nicht nehmen und lässt ihn gewähren. Sie lernt Erika, die Tochter von Alex’s Chef kennen, die ihrerseits eine innige Beziehung zu Alex aufbaut. Alex gerät mehr und mehr in politisch aktive Kreise, deren Fanatismus sich in Bombenanschlägen äußert, wobei er bei einem dieser Anschläge ums Leben kommt. Für Johanna, die von der Enthüllung des Doppellebens ihres Bruders vollkommen überrascht ist, zerbricht eine Welt und nur ihre Arbeit, sowie die Freundschaft zu Erika fangen sie in dieser Situation auf („Nie hätte ich Alex damit in Verbindung gebracht, er hatte seinen eigenen Krieg auszufechten, nicht den anderer.“ (S.55)). Immer wieder zieht sie Parallelen zwischen dem Kampf den Alex mit der Sprache, den Wörtern führte und dem des „Südtiroler Freiheitskampfes“. („Ich nahm meinen Mantel, zog die Schuhe an und hörte ihn kämpfen, seinen Befreiungskampf, seinen Silbenbefreiungskampf. Hörte ihn nach Luft reißen, nach Atem für seine Wörter…“ (S.147)).

Fazit: Es ist Schulstoff, Geschichtsstoff, Zahlenwerk; jener „Freiheitskampf“, der Südtirols Geschichte mitgeprägt hat. Nüchtern lernbar, distanziert betrachtbar. So stellte er sich mir seinerzeit in der Schule dar. Mall’s Roman hingegen ist eine andere Geschichtsstunde. Jene in der Menschen von Entscheidungen betroffen sind, die ihr Leben auf den Kopf und in Frage stellen, die daran Zweifeln lassen, ob man je einen Menschen aus seiner Umgebung wirklich gekannt hat oder ob man der / die einzige sei, der / die kein zweites Leben abseits des realen Alltages führen würde. „Sensibel erzählt Sepp Mall von den Wunden, die der Konflikt entlang der Südtiroler Sprachgrenzen in den Familien geschlagen hat.“ (Umschlagtext) Nie wertend, stets beobachtend und doch ungemein einfühlsam, den Leser hineinziehend in eine atmosphärisch dichte, verwobene Melange aus Alltag, Doppelleben, privatem Scheitern und dem Leben trotzen, so kann man den Eindruck schildern den Mall’s Erzählung hinterlässt… vielleicht auch weil dieses Land und seine Leute über 12 Jahre mein zu Hause waren.

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Rezension zu "Wundränder" von Sepp Mall

Rezension zu "Wundränder" von Sepp Mall
Bellexrvor 9 Jahren

Ausgegrenzt
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Eines Morgens ist Pauls Vater nicht mehr da. Er wurde verhaftet. Warum, dass weiß der 12-jährige Paul nicht und keiner der Erwachsenen erzählt ihm etwas genaues. So macht sich Paul selbst so seine Gedanken und redet mit seinem besten Freund Herbert darüber. Die junge Johanna zieht mit ihrem stark stotternden Bruder Alex vom Berg hinunter in die Stadt. Dort macht sie eine Ausbildung als Krankenschwester und auch Alex findet sehr schnell eine Anstellung. Sehr fürsorglich kümmert sich Johanna um ihren jüngeren Bruder, liest ihm jeden Wunsch von den Augen ab. Bis Alex eines Tages anfängt, eigene Wege zu gehen. Wege, die Johanna unbekannt sind und die ihr Angst machen.
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Anhand dieser beiden Schicksale erzählt Sepp Mall die Unterdrückung, unter denen sich die Südtiroler gegenüber den Italienern ausgesetzt fühlen. Der Roman spielt im Jahr 1966, wo Südtirol bereits seit bald 50 Jahren Italien zugeteilt ist und so lange leiden die Südtiroler schon unter der polizeilichen Willkür, staatlicher Unterdrückung und der Ausgrenzung durch die Süditaliener. Solange rebellieren sie aber auch schon dagegen und Terrorakte sind keine Seltenheit. In dieser Zeit wachsen die Protagonisten auf, Kontakte mit Italiener sind verpönt, man bleibt unter sich.
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Sehr eindringlich, nachdenklich und gefühlvoll beschreibt der Autor diese beiden Familienschicksale, die sich mit Sicherheit so oder zumindest so ähnlich abgespielt haben können. Zumindest mag man dies glauben, denn seine Schreibweise wirkt sehr authentisch und beispielhaft.
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Anhand kurzer Kapitel wechselt Sepp Mall immer wieder zwischen den beiden Geschichten, wobei er die Geschichte von Paul aus Sicht einer dritten Person erzählt und Johanna ihre Geschichte selbst erzählen lässt. So wirken beide Schicksale sehr nahegehend, berühren einen und man fühlt regelrecht ihren Schmerz und ihre Angst, zumal man sich bei Beiden schon recht bald vorstellen kann, wie ihre Geschichte enden wird. Zum Schluss verknüpfen sich die beiden Schicksale sogar noch auf eine sehr traurige Art und Weise.
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Fazit: Ein sehr eindringliches, gefühlvolles, nachdenkliches Buch, für das man sich wirklich ein wenig Zeit nehmen sollte und das ein Thema aufgreift, dass immer noch aktuell ist.

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