Sepp Mall

 4,2 Sterne bei 44 Bewertungen
Autor*in von Ein Hund kam in die Küche, Wundränder und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Sepp Mall, 1955 in Graun (Südtirol) geboren, Studium in Innsbruck, lebt als Schriftsteller in Meran. Diverse Preise und Stipendien, u. a. Meraner Lyrikpreis, Staatsstipendium des österreichischen Bundesministeriums und Großes Literaturstipendium des Landes Tirol. Sein Roman »Wundränder« wurde 2005 zum »Innsbruck-liest«-Buch gewählt und ist heute Schullektüre. Zuletzt erschienen sein Roman »Hoch über allem« (Haymon 2017) und der Gedichtband »Holz und Haut« (Haymon 2020).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Sepp Mall

Cover des Buches Ein Hund kam in die Küche (ISBN: 9783701182862)

Ein Hund kam in die Küche

(25)
Erschienen am 14.08.2023
Cover des Buches Wundränder (ISBN: 9783852188751)

Wundränder

(12)
Erschienen am 02.11.2023
Cover des Buches Hoch über allem (ISBN: 9783709972977)

Hoch über allem

(3)
Erschienen am 18.10.2017
Cover des Buches Ein Hund kam in die Küche (ISBN: 9783312013456)

Ein Hund kam in die Küche

(2)
Erschienen am 28.01.2025
Cover des Buches Holz und Haut (ISBN: 9783709981078)

Holz und Haut

(1)
Erschienen am 11.11.2020
Cover des Buches Berliner Zimmer (ISBN: 9783852187211)

Berliner Zimmer

(1)
Erschienen am 26.01.2012

Neue Rezensionen zu Sepp Mall

Cover des Buches Wundränder (ISBN: 9783852188751)
Ellekenss avatar

Rezension zu "Wundränder" von Sepp Mall

Ellekens
Südtirol in den 1960er Jahren

„Wundränder“ von Sepp Mall, TB erschienen am 22.02.2011 beim Haymon Verlag ,176 Seiten 

Ich habe diesen Roman genau da gelesen, wo er auch spielt: In Südtirol! 

Es sind die 1960er-Jahre, die von politischen Spannungen und den Bombenanschlägen der sogenannten Südtiroler Freiheitskämpfer geprägt sind. In zwei Erzählsträngen wird stellvertretend für viele andere, von zwei Familien erzählt, auf deren Leben die politischen Ereignisse Auswirkungen hatte. 

Zum einen geht es um den 12-jährigen Paul, dessen Vater eines Tages für ihn ganz unerwartet inhaftiert wird. Er versteht die Welt nicht mehr, weiß nicht warum und sowohl seine ältere Schwester als auch seine am Boden zerstörte Mutter wollen es ihm nicht erklären. Auch sein bester Freund Herbert weiß es nicht, nur seine italienische Familie Stella fragt ihn einmal, ob Pauls Vater wirklich ein Attentäter sei. Als der Vater aus der Haft entlassen wird, ist dieser völlig verändert und geht nicht mehr aus dem Haus; die Familie wohnt mittlerweile im Stadtteil „Harlem“ wo überwiegend Italiener leben. Dieser Erzählstrang wird aus der Er-Perspektive erzählt. 

Zum anderen geht es um Johanna. Sie wächst mit Ihrem Bruder Alex auf einem Hof mit sehr autoritären Eltern auf. Da Alex stottert und vom seinem Vater deshalb immer wieder als Nichtsnutz brutal ausgeschimpft wird, stellt sich Johanna vor ihn, passt fast mütterlich auf ihn auf und wird seine Stimme. Zusammen verlassen sie ihr schreckliches Zuhause und ziehen in die Stadt, wo Johanna eine Ausbildung zur Krankenschwester beginnt und Alex einem Job im Handwerk nachgeht. Mehr und mehr baut sich Alex ein eigenes Leben auf, entgleitet seiner Schwester und führt ein Doppelleben. Dieser Teil ist aus der Sicht von Johanna in der Ich-Form geschrieben. 

Mal abgesehen, dass ich Romane mit geschichtlichem Hintergrund Südtirols sehr gerne mag (nicht zuletzt weil wir dort so gerne Urlaub machen) fand ich die ruhige und einfühlsame Sprache des Autors ganz toll und die Personen sehr nahbar. Er weist niemandem die Schuld zu, zeigt aber auf, wie Schweigen, Angst und Gewalt Familien zerstören können. 

Dabei ist der Titel „Wundränder“ so passend, denn Wunden heilen zwar, hinterlassen aber Narben.

Ein kurzer Roman, intensiv und bedeutsam, wird nicht mein letzter von Sepp Mall sein. Große Leseempfehlung!


Cover des Buches Ein Hund kam in die Küche (ISBN: 9783701182862)
Karola_Dahls avatar

Rezension zu "Ein Hund kam in die Küche" von Sepp Mall

Karola_Dahl
Keine leichte Unterhaltung!

Der Titel «Ein Hund kam in die Küche» ist die erste Zeile eines Kinderliedes mit grausamem Inhalt. Auch das zweite Kinderlied «Maikäfer flieg» mit ernstem Inhalt ist sicher manch Nachkriegsgeborenem noch bekannt. Rohe Gewalt, Brutalität und fehlende Empathie werden als Schrecken dieses Krieges eingebaut.

Geschichtlich interessant ist die Südtiroler "Option", ein Stück Zeitgeschichte über die Auswanderung vom faschistischen Italien ins nationalsozialistische Deutschland, um von "Volksdeutschen" zu "Reichsdeutschen" zu  werden.  Alle deutschsprachigen Familien im Südtirol mussten sich im Zuge dieser Option, die 1939 zwischen Hitler und Mussolini verhandelt wurde, entscheiden. Aus der Perspektive des 11-jährigen Jungen Ludi liest man über den Verlust und die Trauer über seinen jüngeren, behinderten Bruder Anton, Hanno gerufen. Neben der traurigen, feinfühligen Geschichte zweier Brüder, betroffen von Euthanasie im 3. Reich, geht es um den Verlust seiner jeweiligen Freundschaften  und um Heimweh. Spätestens nach den Enthüllungen des traumatisierten Vaters nach Kriegsende wird das Dilemma, eine ideologisch falsche Entscheidung als Erwachsener 1942 getroffen zu haben, überaus deutlich und glaubhaft beschrieben. Auch der Umgang mit Fremden wird  authentisch geschildert.

Ein überaus kraftvoller und zugleich berührender Roman über dunkle Kapitel deutsch-italienischer Geschichte.       

Cover des Buches Ein Hund kam in die Küche (ISBN: 9783312013456)
Buchkomets avatar

Rezension zu "Ein Hund kam in die Küche" von Sepp Mall

Buchkomet
Bedrückend

„Ein Hund kam in die Küche“ ist kein lauter, dramatisch inszenierter Roman über die NS-Zeit – gerade deshalb trifft er so stark. Sepp Mall erzählt aus der Perspektive des elfjährigen Ludi, der 1942 mit seiner Familie Südtirol verlässt und ins Deutsche Reich umsiedelt. Die sogenannte „Option“ zwingt sie zu dieser Entscheidung – doch statt Sicherheit bringt sie Leid.

Schon zu Beginn wird der behinderte Bruder Hanno in einer „Nervenheilanstalt“ untergebracht. Was Ludi nicht weiß, er wird seinen Bruder nie wiedersehen. Er versteht nicht, was mit ihm passiert, doch für die Leser:innen ist klar: Euthanasie, Mord im Namen der Ideologie. Diese kindliche Unwissenheit wird zum emotionalen Kern der Geschichte. Was Ludi nicht versteht, schwebt als beklemmendes Wissen zwischen den Zeilen.

Die Verluste reißen nicht ab: Der Vater zieht in den Krieg, die Mutter zerbricht an der Situation, Ludi bleibt allein in einer fremden Umgebung. Seine Versuche, die Erwachsenenwelt zu begreifen, wirken hilflos und machen das Grauen nur noch spürbarer. Politik, Krieg, Propaganda – für das Kind bleibt alles abstrakt, doch der Schmerz ist real.

Die Stärke des Romans liegt in der schlichten, klaren Sprache. Keine großen Erklärungen, keine inszenierten Dramen – genau dadurch wirkt alles umso härter. Ludi spricht mit seinem toten Bruder, sucht Halt im Unbegreiflichen, während um ihn herum die Welt auseinanderfällt.

Der Titel verweist auf ein Kinderlied – ein bitterer Kontrast zum Grauen, das Ludi erlebt. Der Roman wird so zu einem eindringlichen Mahnmal darüber, was es bedeutet, als Kind in einer Welt aufzuwachsen, in der Ideologien wichtiger sind als Menschlichkeit. Keine große Geste, kein lautes Mahnmal – sondern ein stilles, schmerzhaft ehrliches Zeugnis. 

10/10 Leseempfehlung!

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