Sepp Mall Wundränder

(6)

Lovelybooks Bewertung

  • 4 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 4 Rezensionen
(3)
(2)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Wundränder“ von Sepp Mall

Ein Roman über die Verwicklung unschuldiger Menschen in politische Intrigen, Machtkämpfe, falsch verstandenen Patriotismus und irregeführte Kameradschaft. Als Hintergrund seiner Geschichte wählte der auch als Lyriker bekannte Südtiroler Autor Sepp Mall die Ereignisse der sechziger Jahre in Südtirol, als der Kampf um eine Autonomie in mehrere Anschlagserien gipfelte, bevor die italienische Staatsmacht zu Zugeständnissen bereit war. Mall erzählt abwechselnd aus der Perspektive eines kleinen Jungen, dessen Vater aus für ihn unerklärlichen Gründen verhaftet wird und später auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, und aus der Sicht einer jungen Frau, deren sprachgestörter Bruder Opfer eines mißglückten Bombenattentats wird. Auf diese Weise zeichnet er das dichte Bild einer Zeit, die bis in intimste Bereiche hinein von der Auseinandersetzung darüber bestimmt war, mit welchen Mitteln man sich gegen tatsächliche oder vermeintliche staatliche Unterdrückung zur Wehr setzen dürfe - ein Thema, das leider nichts von seiner Brisanz und Aktualität verloren hat. Der Autor liefert keine Interpretation von Ereignissen, um die es ihm auch nicht in erster Linie geht, er urteilt nicht, er gibt dem Leser die Chance, sich seine eigene Meinung zu bilden über die Motive und Absichten der Beteiligten, über Hintergründe und Auswirkungen, über verzweifelte Betroffene, über fassungslos Zurückgebliebene.

Stöbern in Romane

In einem anderen Licht

Wie viel gutes muss man tun, um Vergangenes wieder gut zu machen? - Eine bewegende Geschichte über Verrat und Trauer

lillylena

Töte mich

skurriles, humorvolles und literarisches Meisterwerk, ich kann es nur weiterempfehlen.

claudi-1963

Das saphirblaue Zimmer

Ein weiteres Jahreshighlight: spannend, geheimnisvoll und verwirrend - eine sehr komplexe Familiengeschichte. Für alle Fans von Teresa Simon

hasirasi2

Macadam oder Das Mädchen von Nr. 12

Macadam ist ein eine Sammlung von 11 berührenden Geschichten. Jede Geschichte handelt von einem anderen menschlichen Schicksal.

Die_Zeilenfluesterin

Acht Berge

Tolles Buch mit wunderschönen Worten geschrieben.

carathis

QualityLand

Kurzweilige Zukunftssatire

dowi333

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Schnittmengen

    Wundränder
    buchwanderer

    buchwanderer

    12. November 2015 um 08:44

    „Das Leben, das sind die anderen, die sich draußen bewegen, als wäre nichts geschehen.“ (S.134) Zum Inhalt: Es ist ein doppelter Handlungsstrang an dem Mall vor dem Hintergrund des „Südtiroler Freiheitskampfes“ in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts immer wieder Streiflichter auf die Familiengeschichte seiner beiden Erzähler fallen lässt. Aus der Sicht des jungen Paul, der in seiner kindlich naiven Art beginnt, die Sphären der Erwachsenen für sich zu entdecken und dessen Welt sich hauptsächlich um Anerkennung bei seinen Freunden, Fußball und ersten Kontakten mit Mädchen dreht, schildert der Autor den Blick eines de facto an der familiären Tragödie Unbeteiligten, den jedoch die Härte des Schicksals unvermittelt und mit voller Härte trifft. Pauls Vater wird aus für den Jungen unverständlichen Gründen inhaftiert. Selbst die Frage seiner italienischen Freundin Stella, ob denn sein Vater tatsächlich ein Verräter sei, kann Paul nur vollkommen befremdet verneinen; mit „politischen“ Dingen kenne er sich nicht aus, weiß nicht einmal was das denn sei, das „Politische“. Pauls Vater kehrt nach geraumer Zeit aus der Haft zurück, jedoch ist er nicht mehr der Mann den Paul kannte. Die lethargische, siechende, umweltverneinende Art des Vaters gipfelt in der Verzweiflungstat des Selbstmordes, in der Paul für sich ein davonlaufen sieht. Dies nicht einmal wertend, sondern fasst nüchtern konstatierend, zumal er mit seinem Freund ebensolche Pläne des „von-zu-Hause-Weglaufens“ des öfteren geschmiedet hatte, allerdings waren dabei Amerika oder Italien als Land des Fußballs ihr Ziel. Die zweite Erzählende Person ist Johanna, welche mit ihrem Bruder Alex vom elterlichen strengen zu Hause in die große Stadt zieht, um dort ein eigenständiges Leben aufzubauen. Von Kindesbeinen an war sie Alex‘ Stimme, der stark stottert, was ihn immer stärker isolierte. Erst in der Stadt beginnt Alex, der nun als Handwerker arbeitet, Freundschaften mit seinen Arbeitskollegen zu schließen und emanzipiert sich zusehends von seiner Schwester. Johanna, welche als Krankenschwester arbeitet, möchte ihrem Bruder den Freiraum nicht nehmen und lässt ihn gewähren. Sie lernt Erika, die Tochter von Alex’s Chef kennen, die ihrerseits eine innige Beziehung zu Alex aufbaut. Alex gerät mehr und mehr in politisch aktive Kreise, deren Fanatismus sich in Bombenanschlägen äußert, wobei er bei einem dieser Anschläge ums Leben kommt. Für Johanna, die von der Enthüllung des Doppellebens ihres Bruders vollkommen überrascht ist, zerbricht eine Welt und nur ihre Arbeit, sowie die Freundschaft zu Erika fangen sie in dieser Situation auf („Nie hätte ich Alex damit in Verbindung gebracht, er hatte seinen eigenen Krieg auszufechten, nicht den anderer.“ (S.55)). Immer wieder zieht sie Parallelen zwischen dem Kampf den Alex mit der Sprache, den Wörtern führte und dem des „Südtiroler Freiheitskampfes“. („Ich nahm meinen Mantel, zog die Schuhe an und hörte ihn kämpfen, seinen Befreiungskampf, seinen Silbenbefreiungskampf. Hörte ihn nach Luft reißen, nach Atem für seine Wörter…“ (S.147)). Fazit: Es ist Schulstoff, Geschichtsstoff, Zahlenwerk; jener „Freiheitskampf“, der Südtirols Geschichte mitgeprägt hat. Nüchtern lernbar, distanziert betrachtbar. So stellte er sich mir seinerzeit in der Schule dar. Mall’s Roman hingegen ist eine andere Geschichtsstunde. Jene in der Menschen von Entscheidungen betroffen sind, die ihr Leben auf den Kopf und in Frage stellen, die daran Zweifeln lassen, ob man je einen Menschen aus seiner Umgebung wirklich gekannt hat oder ob man der / die einzige sei, der / die kein zweites Leben abseits des realen Alltages führen würde. „Sensibel erzählt Sepp Mall von den Wunden, die der Konflikt entlang der Südtiroler Sprachgrenzen in den Familien geschlagen hat.“ (Umschlagtext) Nie wertend, stets beobachtend und doch ungemein einfühlsam, den Leser hineinziehend in eine atmosphärisch dichte, verwobene Melange aus Alltag, Doppelleben, privatem Scheitern und dem Leben trotzen, so kann man den Eindruck schildern den Mall’s Erzählung hinterlässt… vielleicht auch weil dieses Land und seine Leute über 12 Jahre mein zu Hause waren.

    Mehr
  • Rezension zu "Wundränder" von Sepp Mall

    Wundränder
    Bellexr

    Bellexr

    06. April 2011 um 19:19

    Ausgegrenzt . Eines Morgens ist Pauls Vater nicht mehr da. Er wurde verhaftet. Warum, dass weiß der 12-jährige Paul nicht und keiner der Erwachsenen erzählt ihm etwas genaues. So macht sich Paul selbst so seine Gedanken und redet mit seinem besten Freund Herbert darüber. Die junge Johanna zieht mit ihrem stark stotternden Bruder Alex vom Berg hinunter in die Stadt. Dort macht sie eine Ausbildung als Krankenschwester und auch Alex findet sehr schnell eine Anstellung. Sehr fürsorglich kümmert sich Johanna um ihren jüngeren Bruder, liest ihm jeden Wunsch von den Augen ab. Bis Alex eines Tages anfängt, eigene Wege zu gehen. Wege, die Johanna unbekannt sind und die ihr Angst machen. . Anhand dieser beiden Schicksale erzählt Sepp Mall die Unterdrückung, unter denen sich die Südtiroler gegenüber den Italienern ausgesetzt fühlen. Der Roman spielt im Jahr 1966, wo Südtirol bereits seit bald 50 Jahren Italien zugeteilt ist und so lange leiden die Südtiroler schon unter der polizeilichen Willkür, staatlicher Unterdrückung und der Ausgrenzung durch die Süditaliener. Solange rebellieren sie aber auch schon dagegen und Terrorakte sind keine Seltenheit. In dieser Zeit wachsen die Protagonisten auf, Kontakte mit Italiener sind verpönt, man bleibt unter sich. . Sehr eindringlich, nachdenklich und gefühlvoll beschreibt der Autor diese beiden Familienschicksale, die sich mit Sicherheit so oder zumindest so ähnlich abgespielt haben können. Zumindest mag man dies glauben, denn seine Schreibweise wirkt sehr authentisch und beispielhaft. . Anhand kurzer Kapitel wechselt Sepp Mall immer wieder zwischen den beiden Geschichten, wobei er die Geschichte von Paul aus Sicht einer dritten Person erzählt und Johanna ihre Geschichte selbst erzählen lässt. So wirken beide Schicksale sehr nahegehend, berühren einen und man fühlt regelrecht ihren Schmerz und ihre Angst, zumal man sich bei Beiden schon recht bald vorstellen kann, wie ihre Geschichte enden wird. Zum Schluss verknüpfen sich die beiden Schicksale sogar noch auf eine sehr traurige Art und Weise. . Fazit: Ein sehr eindringliches, gefühlvolles, nachdenkliches Buch, für das man sich wirklich ein wenig Zeit nehmen sollte und das ein Thema aufgreift, dass immer noch aktuell ist.

    Mehr
  • Rezension zu "Wundränder" von Sepp Mall

    Wundränder
    sarahsbuecherwelt

    sarahsbuecherwelt

    04. April 2011 um 11:22

    Ein Stück Tiroler Geschichte erwartet den Leser von Sepp Malls Werk „Wundränder“. Der Autor, der dieses Buch seinem Vater gewidmet hat, erzählt abwechselnd die bewegenden Geschichten des 12jährigen Paul, der seinen Vater auf tragische Weise verliert, und einer jungen Frau Johanna, deren sprachbehinderter Bruder Alex Opfer eines Bombenattentates wird. Deutlich zeigt Sepp Mall an diesen beiden Schicksalen wie sich die Tiroler gegen die staatliche Unterdrückung zur Wehr gesetzt haben. Die Thematik „Südtiroler Freiheitskämpfe“ war mir bis zu diesem Buch völlig fremd. Ich wusste weder etwas über die Zeit, noch die Gründe für diese Freiheitskämpfe. Aus diesem Grund musste ich mich vorab erstmal mit diesem Thema beschäftigen. Schließlich wollte ich vorab etwas mehr über diese Situation erfahren. Viele werden sicherlich den Kopf schütteln, ich persönlich hätte es jedoch einfacherer gefunden, wenn der Autor den nachfolgenden Generationen die Problematik der Freiheitskämpfe in einem Vorwort erklärt hätte. So wurde ich ohne Informationen in die Schicksale von Paul und Johanna geworfen. Beide Schicksale werden aus der Ich-Perspektive beschrieben und ließen mich als Leser in eine völlig Fremde, beängstigende Welt voller Tränen, Angst, Schmerz und Hoffnung eintauchen. Konflikte, Emotionen und die entstandenen Wunden in den Familien; die Suche nach den Gründen und der Zugehörigkeit, all dies arbeitet Sepp Mall in seinem Werk auf. Um den historischen Hintergrund und die Gefühle der betroffenen Personen an Hand dieser zwei Schicksale deutlich zu beschreiben, setzt der Autor auf einen bildhaften, authentischen Stil, der unter die Haut geht. Kurze Kapitel stellen kleine Erinnerungen dar und lassen den Leser nur schwer zur Ruhe kommen. Die emotionalen Wunden, welche die Südtiroler Bevölkerung in dieser Zeit erlebt hat, werden lebendig vermittelt. Es sind zwei Schicksale, die so manchen Leser zu Tränen rühren werden. Oftmals bekam ich das Gefühl, dass der Autor seine Erfahrungen, Gedanken und Erlebnisse aus dieser Zeit in die Geschichten einfließen lässt. Erfahrungen, die aussagen, dass ein Kind von den Eltern nicht richtig aufgeklärt wird und die ganze Situation gar nicht begreifen kann. Empfehlen kann ich das Buch jeder Person ab 14 Jahren, die sich für die Thematik interessiert. Durch die anschauliche und authentische Darstellung eignet sich die vorliegende Lektüre hervorragend für den Schulunterricht. Es vermittelt einen wichtigen geschichtlichen Aspekt und verwendet dabei einen interessanten Stil.

    Mehr
  • Rezension zu "Wundränder" von Sepp Mall

    Wundränder
    Birgit_M

    Birgit_M

    06. September 2010 um 00:01

    Neulich habe ich „Wundränder“ von Sepp Mall, aus dem Regal genommen, ein Buch, das dort schon seit einiger Zeit, nein eigentlich sogar schon seit einigen Jahren meiner harrte. Um genau zu sein, habe ich es seit 2005, als es im Rahmen der Aktion „Innsbruck liest“ 10’000mal in der Innsbrucker Innenstadt verteilt wurde, wobei eines dieser Gratisexemplare an mich ausgeteilt worden war. Und so schaffte es das Buch dann zwar in mein Bücherregal, jedoch nie auf meine Leseliste. Ich erinnere mich, es einige Male in der Hand gehalten zu haben und doch jedes Mal einem anderen Buch den Vorzug gegeben zu haben. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich es mir nicht selbst ausgesucht hatte. Ich hatte nicht die übliche Sensation verspürt, wenn ich ein Buch aus dem Regal in der Buchhandlung ziehe, um es stolz zur Kasse zu tragen und dann ungeduldig im nächsten Café aus seiner Plastikummantelung zu befreien und meinen Namen auf die erste Seite zu schreiben. Wahrscheinlich hatte mich damals auch einfach das Thema nicht sonderlich angesprochen. Ich empfinde der gesamten Thematik gegenüber einen gewissen Over-load. Als Tiroler wird man von Kindesbeinen an mit dem Südtirol-Konflikt konfrontiert, angefangen von der Teilung Tirols nach dem ersten Weltkrieg, den Freiheitskampf in den frühen 1960er Jahren, die so genannten „Bumser“, die darauf folgende Autonomiebewegung und die Schutzmachtstellung Österreichs. Das war eigentlich nie etwas, von dem ich auch noch in Büchern lesen wollte. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, wie man einen solch groben Stoff in einen Roman verwandeln, aus so rohen Menschen wie uns Tirolern, geschweige denn den Südtirolern mit ihrer noch um einiges gröberen Sprache, Romanhelden formen könnte. Kurz, ich habe „Wundränder“ sicher duzende Male in der Hand gehalten und das Buch immer wieder ins Regal zurück gestellt. Mit der Zeit hatte ich es wohl auch schlicht vergessen. Ein Fehler, wie ich eingangs schon zugeben muss. Sepp Mall schreibt in seinem Buch von Paul, dessen Vater eines Tages nicht mehr nach Hause kommt, weil er, wie Paul dann erfährt, im Gefängnis sitzt. Der Vater kommt zwar nach einiger Zeit wieder frei, jedoch hat sich das Leben der Familie bereits grundlegend verändert. Von der schönen Wohnung in einem anständigen Viertel der Stadt mussten die Mutter, Paul und seine grosse Schwester Maria in eines der grossen Mietshäuser, auch Kondominium genannt, umziehen. Um die Familie durchzubringen musste die Mutter ausserdem eine Stelle als Putzfrau annehmen. Immer öfter ist nun Onkel Anton, ein Freund des Vaters, da, um der Mutter zu helfen, wie er es nennt. Er fährt sie am Besuchstag zum Vater ins Gefängnis, hilft der Mutter bei der Übersiedelung, steckt ihr manchmal Geld zu und tröstet sie, wenn sie traurig ist. Und die Mutter ist oft traurig und weint. Aber auch der Vater ist nicht mehr derjenige, der er einmal war. Nach seiner Entlassung sitzt er meist teilnahmslos schweigend in der Küche der neuen Wohnung und beobachtet den um ihn herum ablaufenden Alltag. Oft zieht er sich in das Elternschlafzimmer zurück, er schläft viel und verlässt die Wohnung kaum. Er verfällt zusehends und in Pauls Schule geht das Gerücht um er sei aus dem Gefängnis entlassen worden, weil er seine Kameraden verraten habe. In Erikas Fall ist es ihr kleiner Bruder. Alex, dem das Sprechen so grosse Probleme bereitet, der stottert, und der deshalb oft lieber schweigt. Aber sie Erika versteht ihn, ohne Worte, hat ihn immer verstanden, schon früher, am elterlichen Hof weit oben am Berg. Sie hat ihn verteidigt und beschützt, wenn der Vater die Worte wieder aus ihm herauspressen wollte. Sie war seine Stimme gewesen, gemeinsam hatten sie die Strenge des Vaters ertragen. Gemeinsam waren sie schliesslich auch in die Stadt gegangen, wo Maria eine Ausbildung zur Krankenschwester anfing und Alex eine Stelle in einer Tischlerei besorgte. Während Erika sich um den gemeinsamen Haushalt kümmert, im Krankenhaus arbeitet und fleissig auf ihre Prüfungen lernt, kapselt sich Alex immer mehr von ihr ab. Er trifft sich häufig mit seinen Arbeitskollegen und schliesslich nimmt er sich sogar ein Zimmer in der Stadt. Erika fühlt, wie sich eine Barriere zwischen ihnen bildet, sie dringt nicht mehr zu ihrem Bruder durch. Sie vermag es nicht mehr in seinem Blick zu lesen. Und schliesslich kommt der Tag, an dem man ihr die schreckliche Wahrheit überbringt. Alex ist tot. Er starb beim Versuch eine selbstgebaute Bombe an ein italienisches Kriegerdenkmal anzubringen. Erika kann es zunächst nicht fassen, erst nach und nach erschliesst sich ihr die Wahrheit über Alex’ Abwesenheit der letzten Zeit, seinen Rückzug vor ihr, die Entfernung, die sich zwischen ihnen aufgebaut hatte. In beiden Fällen beschreibt Sepp Mall das Geschehen aus der Perspektive eines unbeteiligten und ahnungslosen Familienmitglieds. In unnachahmlich einfühlsamer Weise beschreibt er das Unwissen um das Treiben des Vaters, bzw. des Bruders und den Schock bei der Entdeckung der Wahrheit. Dadurch, dass er sich dem Thema von der Seite der unbeteiligten Familienmitglieder nähert, dass er nicht versucht zu entschuldigen oder Erklärungen zu finden, schafft er es, ein so schwieriges Thema ohne historischen Pathos zu erzählen. Gleichzeitig urteilt er nicht, er lässt Pauls und Erikas Geschichten für sich sprechen und verwebt am Ende geschickt seine beiden Handlungsstränge. Dabei behält seine Sprache immer einen gewissen poetischen Ton. Vieles lässt er nur anklingen, belässt es bei einer Andeutung und überlässt es dem Leser seiner Schlüsse zu ziehen. Damit gelang ihm ein wirklich schönes und ergreifendes Buch über einen wichtigen Teil der Südtiroler Geschichte ohne jemals in die Trivialität abzugleiten oder auch nur in die Nähe patriotischer Eindimensionalität zu geraten.

    Mehr