Serhii Plokhy

 4,7 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor*in von Das Tor Europas, Der Angriff und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Serhii Plokhy, Jahrgang 1957, ist Professor für ukrainische Geschichte in Harvard und Direktor des dortigen Ukrainian Research Institute. Er ist Autor zahlreicher Bücher zur osteuropäischen Geschichte, darunter The Last Empire. The Final Days of the Soviet Union (2014), für das er den Lionel-Gelber-Preis erhielt, und Chernobyl. History of a Tragedy (2018), das mit dem Baillie-Gifford-Preis ausgezeichnet wurde. Auf Deutsch ist von ihm zuletzt Das Tor Europas. Die Geschichte der Ukraine (2022) erschienen.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Serhii Plokhy

Cover des Buches Das Tor Europas (ISBN: 9783455015270)

Das Tor Europas

 (5)
Erschienen am 03.09.2022
Cover des Buches Der Angriff (ISBN: 9783455015881)

Der Angriff

 (4)
Erschienen am 04.05.2023
Cover des Buches Die Frontlinie (ISBN: 9783498003395)

Die Frontlinie

 (1)
Erschienen am 19.05.2022
Cover des Buches Das Tor Europas (ISBN: 9783455015263)

Das Tor Europas

 (0)
Erschienen am 03.09.2022
Cover des Buches Chernobyl: History of a Tragedy (ISBN: 9780141988351)

Chernobyl: History of a Tragedy

 (0)
Erschienen am 31.01.2019

Neue Rezensionen zu Serhii Plokhy

Cover des Buches Der Angriff (ISBN: 9783455015881)
Federfees avatar

Rezension zu "Der Angriff" von Serhii Plokhy

Russlands Krieg gegen die Ukraine und die Folgen
Federfeevor 8 Tagen

Mich hat vor allem der Untertitel zum Lesen verlockt: 'Russlands Krieg gegen die Ukraine und seine Folgen für die Welt', denn wir brauchen uns nicht einzubilden, dass dieser Krieg weit weg ist und uns nichts angeht. Gut, dass ich das Buch 'in Papier' besitze, denn ich fand es schwierig zu lesen und habe zwei Anläufe gebraucht.

Warum? Mir war die Darstellung des Ablaufs zu detailliert, obwohl das natürlich eine wissenschaftlich korrekte Darstellungsweise ist, inklusive 94 Seiten Quellen-Nachweise. Aber allzu schnell wird das Bild diffus, wenn man sich in Einzelheiten verliert. Vielleicht verliert man dann auch LeserInnen, obwohl dies doch ein sehr wichtiges Buch ist. Ich glaube auch nicht, dass Plokhy es für die Fachwelt geschrieben hat, sondern für den interessierten Laien. Dann aber sollte man es so gestalten, dass man Leser und Leserinnen auch erreicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Plokhy das nicht im Sinn hatte, zumal er ein sehr persönliches, betroffenes Nachwort geschrieben hat.

Ich hätte mir eine stärkere Gliederung gewünscht, mehr Abschnitte, aussagekräftigere Überschriften an einigen Stellen und vielleicht auch Jahreszahlen am Rand, denn Plokhy greift immer wieder zurück, wenn er z.B. beschreibt, welche Verträge Russland nun schon wieder gebrochen hat. Denn das haben sie und nicht nur das. Die Lügerei und Verdrehung der geschichtlichen Tatsachen ist nicht nur entlarvend, sondern macht einen fassungslos. Man sollte es wissen.

Sehr interessant fand ich die Schlusskapitel, die das darstellen, was im Untertitel angekündigt wurde: die Folgen für die Welt, deren Entwicklung allerdings noch nicht absehbar ist: die Gratwanderung und Taktiererei Chinas, die Interessen der USA und das Verhalten des uneinigen Europa.

Trotz meiner Kritik ist dies ein lesenswertes Buch. Man sollte sich allerdings vorher eine detaillierte Karte ausdrucken (die im Buch geben nur einen groben Überblick) und sich mit einem Bleistift versehen, um aus den vielen Details das Wichtige für sich herauszufiltern. Ein Buch, das Arbeit macht, aber auch wertvoll ist.

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Cover des Buches Der Angriff (ISBN: 9783455015881)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Der Angriff" von Serhii Plokhy

Eine unbedingte Leseempfehlung
Bellis-Perennisvor 4 Monaten

Seit über 500 Tagen tobt der Krieg in der Ukraine. Eine „Invasion, die Putin als „Militäroperation“ bezeichnete und die nur ein paar Tage oder höchstens ein paar Wochen dauern sollte, wurde zum größten konventionellen Krieg in Europa seit 1945.“ 

Die Nachrichten sind voll von ausländischen Expertenberichten und voll von Propaganda beider Seiten. Nun kommt

mit Serhii Plokhy ein ukrainischer Historiker zu Wort, der die schwierige aktuelle Lage der Ukraine, die nicht erst am 24. Februar 2022 begonnen hat, sehr gut beurteilen. Wie schon in seinem 2022 erschienen Buch „Das Tor Europas. Die Geschichte der Ukraine“ stellt der Autor und Historiker die Fakten des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine in 13 Kapiteln, wenn auch mit viel Herzblut, aber dennoch sachlich dar: 

  • Der Kollaps eines Imperiums
  • Demokratie und Autokratie
  • Nukleare Implosion
  • Das neue Osteuropa
  • Der Eröffnungszug: die Krim
  • Aufstieg und Fall von »Neurussland«
  • Putins Krieg
  • Vor den Toren Kiews
  • Ostfront
  • Das Schwarze Meer
  • Gegenoffensive
  • Die Rückkehr des Westens
  • Die Hinwendung nach Asien

 

Der Epilog lässt leider für einen baldigen Frieden oder zumindest einen Waffenstillstand wenig Hoffnung. Die Kritik am lethargischen Westen, der sich von Putins Russland an der Nase herumtanzen ließ und lässt, ist wohl berechtigt.  

Ergänzt wird die Darstellung durch zahlreiche Landkarten sowie Zitate, die für uns ziemlich schräg klingen. 

„So verglich sich Putin nicht nur mit sowjetischen Führern wie Nikita Chruschtschow, , sondern auch mit den russischen Kaisern Peter I. von Russland, Alexander II. von Russland und Kaiserin Katharina II. von Russland. Deren Büsten und Porträts fanden ihren Weg in Putins Vorzimmer im Kreml, und sein Pressesprecher Dmitri Peskow, Dmitri bescheinigte seinem Vorgesetzten ein großes Interesse an Geschichte. »Putin liest ständig«, verriet Peskow einmal, »vor allem über die Historie Russlands. Er verschlingt Memoiren, die Erinnerungsbücher historisch bedeutsamer russischer Staatsmänner.« Während des Corona-Lockdowns 2020/21 hat Putin „Über die historische Einheit von Russen und Ukrainern“ (Essay 2021) sich zweifellos noch mehr in die Geschichtslektüre vertieft. Und er las nicht nur, sondern griff auch selbst zur Feder.“ (siehe Kapitel 7)

 

Dieses Buch entstand zwischen März und Dezember 2022, im ersten Jahr des von Russland als „Militäroperation“ apostrophierten Angriffskrieg gegen die Ukraine. Es ist nicht klar wann und wie er enden wird. Es ist unklar, welche tiefgreifenden Änderungen auf die Ukraine, Europa und die übrige Welt zukommen werden.  

“Die Weltordnung, die am Morgen des 24. Februar 2022 existierte, als Russlands Invasion begann, hat den Angriff überstanden, aber in dem umfassenden russisch-ukrainischen Krieg ist der sich abzeichnende Trend hin zu ihrer Transformation so deutlich zutage getreten wie nie zuvor. Statt den Weg zu der multipolaren Welt zu bahnen, auf die Russland seine Hoffnungen setzte, hat der Konflikt eine Rückkehr zur bipolaren Welt des Kalten Krieges vorgezeichnet, deren Zentren nun nicht mehr Washington und Moskau, sondern Washington und Peking heißen werden.“ 

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.  

Über den Autor (Quelle: Verlag/vlb) 

Serhii Plokhy, Jahrgang 1957, ist Professor für ukrainische Geschichte in Harvard und Direktor des dortigen Ukrainian Research Institute. Er ist Autor zahlreicher Bücher zur osteuropäischen Geschichte, darunter The Last Empire. The Final Days of the Soviet Union (2014), für das er den Lionel-Gelber-Preis erhielt, und Chernobyl. History of a Tragedy (2018), das mit dem Baillie-Gifford-Preis ausgezeichnet wurde. Auf Deutsch ist von ihm zuletzt „Das Tor Europas. Die Geschichte der Ukraine (2022)“ erschienen. 

Fazit: 

Diesem Sachbuch, das die komplexe Materie „Angriff auf die Ukraine“ sachlich und sehr gut verständlich erklärt, gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung. 

 

 

Kommentare: 3
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Cover des Buches Der Angriff (ISBN: 9783455015881)
wandablues avatar

Rezension zu "Der Angriff" von Serhii Plokhy

Der hoffentlich letzte Kampf um Souveränität in Europa
wandabluevor 4 Monaten

Was für eine Frechheit, reines imperiales Machtstreben als kurzfristige Militäroperation zu bezeichnen und die Benennung „Krieg“ im eigenen Land zu verbieten. Mit Serhii Plokhy, kommt endlich einmal ein ukrainischer Historiker zu Wort und sagt ganz im Gegenteil: „Die Invasion, die Putin als „Militäroperation“ bezeichnete und die nur ein paar Tage oder höchstens ein paar Wochen dauern sollte, wurde zum größten konventionellen Krieg in Europa seit 1945.“ Dort stehen wir nun also und hören, wie Plokhy erkärt, wie es dazu kommen konnte und wie alles hoffentlich enden wird. Gut?
Aber selbst wenn sich die Hoffnungen der Ukraine auf unangefochtene Souveränität nicht erfüllen, hat Russland sich entlarvt. Es wird schwierig werden, die Welt davon zu überzeugen, dass man seiner Regierung/Regime trauen kann. 

Plokhy schreibt in absolut verständlicher Form von dem Angriff Russlands auf die Ukraine, den in der Ukraine kaum einer für möglich gehalten hat, auch Wolodymyr Selenskyj nicht, obwohl mehrfach von den Amerikanern vorgewarnt. Plokhy erzählt von den ersten Tagen und Wochen, von dem Entsetzen, von den Gräueltaten der Russen, von ihren falschen Erwartungen, von dem Leiden der Bevölkerung, vom tapferen Widerstand des ukrainischen Militärs und Paramilitärs, von den Massenfluchten.
Wie konnte dies alles geschehen, dieser Brudermord? Wird doch von Putin, dem alleinigen Aggressor, die Ukraine häufig als Brudervolk benannt und die gemeinsame Geschichte betont; aber wiederum spricht Putin dem Land wiederholt die Berechtigung, ein eigenständiger Staat zu sein, ab. Nationalistische Bestrebungen gab es in der Ukraine aber von jeher, selbst damals, als die ukrainische Sprache verboten war und Veröffentlichungen in ukrainischer Sprache schwer bestraft wurden, wenn sie überhaupt möglich waren.

Nach Gorbatschow musste sich die Sowjetunion neu ordnen, oder das, was von ihr übrig war. „Im November 1988 erklärte Estland als erste Sowjetrepublk seine Souveränität.“ 1991 stimmte die Mehrheit der Ukrainer für die Unabhängigkeit. Selbst in Russlands Herzen gab es Bestrebungen nach mehr Demokratie, bevor Jelzin 1993 sein eigenes Parlament unter Beschuss nehmen ließ. In Russland geht es nie ohne Gewalt ab. Und Moskau will nicht begreifen oder einsehen, dass niemand freiwillig auf seinem Schoß sitzt. Wen es nicht mit Waffengewalt in Schach hält, der läuft davon und das so schnell wie möglich.

Der Verfasser erzählt und erklärt mit Herzblut. Er macht deutlich, dass sich die Welt verändert hat und Moskau sich nicht mehr alles erlauben kann. Er sagt aber auch, dass es ein Fehler der freien Welt war, auf die Annexion der Krim bloß mit lauwarmen Worten zu reagieren, nur um Russland nicht zu erzürnen, denn, „mit der Annexion der Krim wurden Imperialismus und Nationalismus zu zentralen Elementen und Triebkräften der russischen Außenpolitik“. Ebenso war es ein krasser Fehler, der Ukraine auf dem Bukarest-Gipfel 2008 den Weg in die Nato zu verweigern, denn dadurch war die Ukraine, die zuvor auf ihr Atomwaffenarsenal verzichtet hatte, schutzlos. Doch die Souveränität der Ukraine ist wichtig für Europa und für den Frieden in der ganzen Welt. Plokhy stellt natürlich auch dar, wie sich China positioniert, wie die USA, wie Indien, der ferne Osten, die europäischen Länder - und erklärt auch warum.
Man kann in einer Rezension das Gesamtgeschehen nicht zusammenfassen, dazu ist es zu komplex. Man kann höchstens das Faß anstechen. Fest steht, die Weltordnung ist dabei, sich zu verändern und wir sollten uns durch Zeitunglesen und Sachbuch so umfassend informieren wie möglich. Weil es uns alle angeht. Serhii Plokhy endet mit den Worten: „Unter enorm hohen Kosten und mit einem gewaltigen Blutzoll ihrer Bürger beendet die Ukraine die Ära russischer Dominanz in einem großen Teil Osteuropas und stellt Moskaus Anspruch auf die Vormacht im restlichen postsowjetischen Raum infrage.“ 


Fazit: Serhii Plokhys „Der Angriff“ zeichnet sich durch Allgemeinverständlichkeit aus, Zahlen und Fakten sind unvermeidlich, vor allem, wenn der Autor auf einzelne Militäraktionen kommt, aber er erklärt auch vieles, so, dass man den skrupellosen Angriff auch dann versteht, wenn man kein Historiker ist. 

Von mir gibt es eine Leseempfehlung! 

Kategorie: Sachbuch. Politik. Geschichte.
Verlag: Hoffmann & Kampe, 2023

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