Serhij Zhadan Hymne der demokratischen Jugend

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Inhaltsangabe zu „Hymne der demokratischen Jugend“ von Serhij Zhadan

Seit einigen Jahren wimmelt es in der ukrainischen Metropole Charkiw von Leuten mit ausgefallenen Geschäftsideen und dem Gespür für Marktlücken. Die einen gründen die Bestattungsfirma „House of the Dead“ und blamieren sich mit ihren Power-Point-Präsentationen in Budapest. Andere widmen sich den „Besonderheiten des Organschmuggels“ und handeln an der EU-Außengrenze mit Visa und Prostituierten. Mit ihren genialen Einfällen besiegen sie ihre existentielle Verzweiflung – zumindest vorläufig. Serhij Zhadan, Chronist seiner Generation, erzählt von den Abenteuern der Transformationszeit: aggressiv, temporeich und witzig. „Die Geschichten sind so halsbrecherisch und komisch, so wahnwitzig, traurig und temporeich, dass einem beim Lesen schwindlig wird.“ Ilma Rakusa, Neue Zürcher Zeitung

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  • Rezension zu "Hymne der demokratischen Jugend" von Serhij Zhadan

    Hymne der demokratischen Jugend
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    19. October 2009 um 08:32

    Über die glorreichen Tage der Transformationszeit - Perestroika á la Ukraine Was passiert, wenn siebzig Jahre Sozialismus und Kommunismus durch nichts Greifbares ersetzt werden? Dann hat man den härtesten Kapitalismus, den man sich vorstellen kann. Charkiw, die ost-ukrainische Metropole ist eine durchwegs neu-kapitalistische Stadt, in der die täglichen Veränderungen so vehement sind, dass einem sehr bald die Übersicht zu entgleiten droht. Der 1974 in Starobilsk (Gebiet Luhansk) geborene und auch in seiner Heimat erfolgreiche Autor Serhij Zhadan lebt und schreibt in dieser Stadt. Nach "Depeche Mode", "Anarchy in the UKR" und einem Lyrikband erschien "Hymne der demokratischen Jugend" im Suhrkamp Verlag. Mustergültig übersetzt, lässt der Autor ein skurriles, dem westlichen Leser wahrscheinlich sehr fremdes Bild einer Gesellschaft entstehen, die versucht, sich in ihrer neuen, scheinbar weder durch Gesetze noch moralische Schranken gebundenen Umgebung zurechtzufinden. In der ersten von sechs Erzählungen versucht eine Gruppe junger "Unternehmer", den besten Schwulenklub der Stadt zu gründen, nur um festzustellen, dass ihre Ideen mit der Publikumsorientierung in Charkiw nicht kompatibel ist. Sie schlittern von einem Malheur ins nächste; und auch wenn sie immer wieder aufstehen und weitermachen, so ist ihre Aussicht auf Erfolg doch so gering, dass einem die Gruppe junger Männer schon leid tut. In "Ballade von Bill und Monika" berichtet der Ich-Erzähler von der Liebesbeziehung seines Freundes Kaganowitsch, dessen Leid damit begann, dass seine Freundin der Meinung war: "(...) es sei an der Zeit, ihre Beziehung auf eine feste Grundlage zu stellen, sie waren doch schon drei Monate zusammen, und nichts passierte außer Sex in Suff". Mit den Worten "Die Brüder Coen - Ethan und Joel - haben mir beigebracht, keine Angst vor Blut zu haben" beginnt die Erzählung "Vierzig Waggons usbekische Drogen", die einen jungen Verwandten der Oschwanz-Brüder, die übrigens auch in anderen Erzählungen dieses Buches ihr Unwesen treiben, durch verschiedene Abenteuer schickt, durch die er wie ein Elefant im Porzellanladen trampelt, mit schlafwandlerischer Sicherheit für inkorrekte und peinliche Wendungen, so, wie seine Rede vor Budapester Bestatter-Publikum auf einer geistlichen Tagung. Der Versuch, ihn zu rehabilitieren, scheitert an den Versuchungen Evas. In "Besonderheiten des Schmuggels von inneren Organen" ist eine dekadent-schwarze Liebesgeschichte der Auslöser für ein Traktat über illegale Prostitution und die Beschaffung von illegalen Aufenthaltsgenehmigungen für die EU. Morbide, dunkle Szenen gelingen hier, die schon fast berührend schön sind. "Lass den Priester nur reden, das Lustigste kommt zum Schluss" beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, einen Pornofilm staatlich fördern und diesen dann auch noch in staatlichen Filmstudios drehen zu lassen, während die letzte Erzählung "Metallist nur für Weiße" die Problematik der verschiedenen in der ehemaligen Sowjetunion, konkret hier in der Ukraine, konzentrierten Anzahl von Nationalitäten und der Resultate eines übermäßigen Alkoholkonsums erforscht. Serhij Zhadan schreibt rasant, manchmal in einem Stil, der mit mitunter sehr witzigen, nur durch Kommata voneinander abgetrennten Dialogen durch die Geschehnisse in Charkiw führt. Alkohol fließt in Strömen, Drogen sind allgegenwärtig, Sex bzw. die Lust auf Sex dominiert das Geschehen, und peinliche Situationen wechseln sich schwungvoll ab. "Hymne der demokratischen Jugend" ist ein kurzweiliger Lesespaß, ein morbides, von schwarzem Humor und voller unmoralischer Gedanken strotzendes Lesevergnügen, das dem Leser hie und da etwas dick aufgetragen entgegenbrettert, aber auch ein schonungslos interessantes Bild einer Gesellschaft im Umbruch zeichnet. Das Buch lässt auf eine Entwicklung hoffen, die, mit mehr Tiefe und literarischer Kraft gepaart, ganz Großes von diesem Autor erwarten ließe. (Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at)

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