Seth J. Gillihan

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Sei dein eigener Therapeut

Sei dein eigener Therapeut

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Erschienen am 01.02.2018

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Rezension zu "Sei dein eigener Therapeut" von Seth J. Gillihan

Das Buch hält, was es verspricht. Natürlich im Rahmen des Möglichen
R_Mantheyvor 9 Monaten

Sein eigener Therapeut zu sein, ist ein Widerspruch in sich. Vielleicht mag das auf den ersten Blick nicht einfach zu verstehen sein. Aber nehmen wir mal an, jemand würde tatsächlich unter einer Panikstörung leiden. Was das bedeutet, kann man in diesem Buch nachlesen. Es hilft nichts, sich einreden zu wollen, dass solche Attacken rational unbegründeter Schein sind. Schließlich laufen sie real ab, kommen gewöhnlich aus dem Nichts und besitzen temporär zum Teil extreme körperliche Auswirkungen. Und obendrein lösen sie dabei auch noch Angst vor der nächsten Attacke aus, weil sie den Betroffenen völlig unerwartet treffen und bloßstellen können, wenn er sich gerade in der Öffentlichkeit aufhält. Eine Spirale, die sich immer schneller dreht und aus der man alleine eher selten einen Ausweg findet.

Auch Menschen, die sich in einer schweren Depression befinden, diese kaum noch aushalten können und deshalb lieber den Freitod suchen, brauchen unbedingt die direkte Hilfe eines kompetenten Therapeuten. Für solche Fälle kommt dieses Buch wahrscheinlich zu spät. Helfen kann es jedoch Menschen mit einer generalisierten Angststörung oder speziellen Phobien, solange diese noch durch den Betroffenen beherrschbar sind, selbst wenn es gelegentlich viel Kraft kostet. Manche Menschen wissen gar nicht, dass sie unter einer generalisierten Angststörung leiden. Deswegen findet man gleich zu Beginn einen hilfreichen Schnelltest. Glaubt man Statistiken, dann sind viel mehr Menschen von solchen Störungen betroffen als man glaubt.

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Zunächst macht der Autor klar, was man unter der sogenannten Kognitiven Verhaltenstherapie versteht und was sie leisten kann. Im zweiten Teil folgen dann die sieben Wochen Therapie, die der Titel verspricht. Tatsächlich geht der Autor dabei so vor, wie er es bei einer tatsächlichen Therapie mit einem direkten Gegenüber machen würde. Natürlich wird an dieser Stelle die Schwäche eines Buches offensichtlich. Es kann niemals einen Therapeuten ersetzen, weil es nicht auf den Leidenden eingehen kann, ihn nicht versteht und ihm keine Empathie entgegenbringen kann. Ein tatsächlicher Dialog findet nicht statt. Nur ein Selbstgespräch unter Anleitung dieses Buches kommt infrage. Der fehlende Zuspruch und die fehlende Kontrolle schränken von vorneherein die Erfolgsaussichten ein, machen sie aber nicht grundsätzlich zunichte. Sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen ist eben ungleich schwerer als fremde Hilfe zu haben.

Im Rahmen dieser Voraussetzungen handelt es sich jedoch bei diesem Ansatz um ein Buch der Extraklasse, denn selbst wenn es nicht so helfen kann, wie ein aktiver Therapeut, so bringt es doch erst einmal Klarheit darüber, was eigentlich in Kopf und Körper von Betroffenen abläuft und wie man gegensteuern kann. Das alles geschieht ohne großes fachspezifisches Kauderwelsch, sondern ganz direkt und praktisch.

In der ersten Woche geht es zunächst darum, herauszufinden, was eigentlich wirklich los ist. Dazu muss man eine Reihe von Fragen beantworten. Nachdem man das (auch für den späteren Gebrauch im Buch) fixiert und noch einmal durchgelesen hat, kommt man zur Formulierung von Zielen, die man am Ende der sieben Wochen erreicht haben oder wenigstens näher kommen sehen möchte.

Um diese Ziele erreichen zu können, braucht man einen Aktivitäten-Plan, der realistisch und detailliert sein muss. Sport und Bewegung sind dabei extrem wichtig, weil sie den eingefahrenen Gedankenkreislauf durchbrechen helfen können. In der dritten Woche geht es solchen Gedankenmustern an den Kragen. In einem ersten Schritt muss sie erst einmal überhaupt erkennen. Nun könnte man einwerfen, dass sich das alles wie eine 0815-Methode anhört. So ist es jedoch nicht. Der Autor stellt im Text immer zahlreiche Fragen an seine Leser und erzählt darüber hinaus die Geschichten einiger seiner Patienten. Das ist für Betroffene sehr hilfreich.

In der vierten Woche geht es darum, negative Gedankenmuster zu durchbrechen. Das geschieht nicht durch das Herunterbeten von Mantras oder sonstigem esoterischen Zeugs, sondern beispielsweise durch die Aufdeckung der blöden Tricks unseres Gehirns, das uns mit sogenannten Zuschreibungsfehlern (irrationales Denken) in die Irre führt und so erst die negative Spirale in Bewegung setzt, um sie dann immer schneller zu drehen. Wie auch schon vorher hat der Leser im Buch ständig Fragen zu beantworten oder seine Gefühle niederzuschreiben, damit er selbst sieht und nachlesen kann, was eigentlich in seinem Kopf passiert.

Danach geht es in der folgenden Woche um ein Zeit- und Aufgabenmanagement, das mit dem früher festgelegten Aktivitäten-Plan zusammengeführt wird und eventuelle Schwachstellen beheben kann und soll. Auch das klingt wie vieles, was man immer so liest, bleibt jedoch auch hier sehr konkret und praktisch. Natürlich trifft auch dies wieder den wunden Punkt, denn letztlich muss der Betroffene irgendwann doch selbst über seinen Schatten springen. Das wird insbesondere in der sechsten Woche von ihm verlangt, in der er sich seinen Ängsten stellen muss. Alleine ist das besonders schwer. Doch einen Versuch ist es allemal wert.

In der letzten Woche wird dann alles Bisherige zusammengeführt, was jedoch nur möglich ist, wenn man vorher den Anweisungen strikt gefolgt ist und sich schriftlich festgelegt hat. Im Rahmen der oben eingeschränkten Möglichkeiten scheint mir dieses Buch eine durchdachte und überzeugende Hilfe für Betroffene zu sein. Auch wenn es vielleicht nicht in den versprochenen sieben Wochen den völligen Erfolg bringt, so zeigt es auf jeden Fall an, wie die Kognitive Verhaltenstherapie vorgehen würde, wenn man sich tatsächlich einen Therapeuten sucht. Was das Buch aber auf jeden Fall leisten kann, Selbstehrlichkeit vorausgesetzt, ist für Betroffene ein viel besseres Verständnis ihres Leidens zu erzeugen.

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