Sevgi Soysal

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Autor*in von Vor dem Morgengrauen.

Lebenslauf

Sevgi Soysal (1936–1976) wurde in Istanbul geboren und wuchs als Tochter eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter in Ankara auf. Dort studierte sie Archäologie und hörte an der Uni Göttingen Vorlesungen in Theaterwissenschaft. Ihr vehementer Einspruch gegen soziale Ungerechtigkeit, die Ungleichheit der Geschlechter und den Militarismus in der Türkei nach dem Putsch von 1971 brachten ihr Gefängnis und Verbannung ein, doch das hielt sie nicht vom Schreiben ab. Unter anderem wurde sie 1974 mit dem renommierten Orhan-Kemal-Preis ausgezeichnet. Ihre feministisch geprägten Bücher sind moderne Klassiker und werden international wiederentdeckt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Sevgi Soysal

Cover des Buches Vor dem Morgengrauen (ISBN: 9783895612473)

Vor dem Morgengrauen

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Erschienen am 20.03.2025

Neue Rezensionen zu Sevgi Soysal

Cover des Buches Vor dem Morgengrauen (ISBN: 9783895612473)
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Rezension zu "Vor dem Morgengrauen" von Sevgi Soysal

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Facettenreiches Gesellschaftsportrait

Die Bücher von Sevgi Soysal gelten als moderne Klassiker und zeichnen sich durch ihren feministischen und politischen Einschlag aus. Für mich war es das erste Buch der Autorin und es hat mich absolut überzeugt. 

Die Geschichte spielt in Adana Anfang der 70er Jahre, einer Zeit, in der die Regierung der Türkei faschistisch geprägt und stark vom Militär beeinflusst war. Die Handlung des Buches spielt sich innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums ab, nämlich einer Nacht: In den Abendstunden kommt es zu einer Razzia im Haus von Ali, wo sich seine Neffen Hüseyin und Mustafa, Oya, eine politische Aktivistin in Verbannung, der Mann seiner Schwägerin Zekeriya und sein Nachbar Erkem zum Abendessen versammelt haben. Außerdem anwesend sind auch seine Frau Gülşah und ihre Schwester Ziynet. Der Polizist Abdullah verhaftet alle Männer und Oya, obwohl keine Beweise gegen sie vorliegen, und bringt sie auf die Polizeiwache, wo sie von seinem Vorgesetzten Zekai Bey verhört werden. Das Buch endet mit dem Morgengrauen. 

Was mich besonders beeindruckt hat, ist der Stil des Romans. Trotz der reduzierten Handlung, fand ich ihn sehr fesselnd, da eine Vielzahl an Perspektiven dargestellt wird. So werden Ereignisse der Nacht oft aus der Sicht unterschiedlicher Figuren dargestellt und durch den auktorialen Erzählstil erhält man beim Lesen auch Einblicke in die unterschiedlichen Denkweisen. Daraus ergibt sich ein starkes, facettenreiches Gesellschaftsportrait, das zwar von einer gewissen historischen Einordnung profitiert, aber auch für sich gesehen sehr aussagekräftig ist. Nicht zuletzt werden viele universelle Themen angeschnitten, u. a. die Frage nach Gerechtigkeit und Schuld in einem korrupten Justizsystem, die Möglichkeiten und Grenzen von politischem Aktivismus, Klassenunterschiede die Stellung der Frau und die Verantwortung gegenüber der Familie. 

Ich habe auf jeden Fall sehr viel für mich mitnehmen können und möchte daher eine große Leseempfehlung für dieses großartige Buch aussprechen – vor allem für all jene, die gerne politisch-feministische Literatur lesen. 

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