Weniger ist tatsächlich mehr, wenn man es richtigmacht
In der Wirtschaft (und im Zeitmanagement) dürfte mittlerweile die „Pareto-Regel“ des „80-20“ durchaus breit bekannt sein.
Eine immer und immer wieder durch die Prüfung der Praxis gestützte Regel, dass „20 Prozent der Kunden 80 Prozent des Ertrages liefern“ und „80 Prozent der Kunden für die restlichen 20 Prozent zeichnen.
Wichtig also, nicht nur im Geschäftsleben, sondern ebenso leicht auf den normalen Alltag zu übertragen, ist es somit, zwischen beiden Gruppen von „Ertragsbringern“ unterscheiden zu lernen.
Und ein zweites tritt hinzu, was ebenso für das Wirtschaften wie für das ganz normale Leben gilt.
„Gut ist besser als perfekt“.
Man könnte sagen, wenn 20 Prozent meiner Handlungen 80 Prozent des Ertrages bringen, und das gut ist, dann benötige ich 80 Prozent mehr an Energie, um es ganz perfekt hinzubekommen“.
Wer alles also „ganz perfekt machen will“ (100 Prozent geben) und zudem das Wichtige nicht vom Dringlichen und die „wichtigen“ Dinge nicht von den „eher zweitrangigen“ Dingen (um die man sich kümmert, wenn man noch Zeit und Energie übrig hat) unterschieden kann, der landet in einem Hamsterrad von fast unüberschaubaren Aufgaben, Ansprüchen und Anforderungen, die alle ohne qualitative Unterscheidung vor Augen stehen.
Genau in dieses Wissen, was oft so wenig umgesetzt wird, bindet Wasmund ihre Überlegungen und vielfachen praktischen Hinweise ein.
„Stress ist steuerbar“ und es kann nicht gut für den Menschen sein, sich in einer „To-Do-Listen-Welt“ soweit zu erschöpfen, dass für die schönen (und wichtigen! Dinge“ so gut wie kaum mehr Zeit bleibt oder am Ende des Tages nur noch Erschöpfung das Leben bestimmt.
Ein Plädoyer vor allem gegen (ungesteuertes) „Multitasking“, das viel zu oft vor allem auf den Erwartungen anderer beruht und nur selten wirklich einen Widerhall in der eigenen Person und eine Befriedigung für die eigene Person in sich trägt.
Und auch wenn „Betriebsamkeit“ zunächst beruhigt, das Gefühl vermittelt, wichtig zu sein, gebraucht zu werden, dies führt nur kurzfristig zu einem „guten Gefühl“. Wie es aber sein kann, von den unüberschaubar vielen Aufgaben des Tages sich „genau eine“ herauszusuchen. Wenn man, auch anhand dieses Buches durchaus in guter Form, gelernt hat, „die eine Aufgabe herauszufiltern, die zu erledigen den meisten Nutzen bringt.
Dabei geht es Wasmund weniger um reine “Effektivität“, sondern um „persönliche Befriedigung“, die durchaus, gewusst wie, verbunden werden kann mit einem klaren, sachlichen Weiterkommen und am Ende des Tages sogar noch viel Zeit übriglässt, um sie mit den angenehmen und wichtigsten Dingen des Lebens zu verbringen, mit den persönlichen Bindungen und Beziehungen.
Denn am Ende des Tages kann jeder Leser, bei einem ruhigen Nachdenken, der Grundthese Wasmunds zustimmen.
Dass die wirklich gelungenen Projekte und Beziehungen im eigenen Leben jene sind, mit denen man sich innerlich wirklich verbunden fühlt und die man tief bejaht. Man muss nicht immer „noch mehr“ schaffen, um zum Erfolg (wie immer der auch individuell definiert wird) zu gelangen, sondern die Kunst ist, das „wirklich Wichtige“ zu tun.
Hier nun die Spreu vom Weizen zu trennen, dazu bietet dieses Buch vielfache Anregungen und Hinführungen, die durchgehend praktisch am Leben orientiert sind. Denn auch das stimmt, es traut sich nur kaum jemand vor lauter Verunsicherung: „Der Instinkt zeigt, wo es langgeht, das System liegt (meist) falsch“.
Sicher ergeben sich für den in diese Richtung bereits kundigen Leser nicht unbedingt neue Erkenntnisse, dennoch ist es von Gewinn, wieder und noch einmal komprimiert und bestens verständlich daran erinnert zu werden, wie sehr auch man selbst dazu neige, ein „(0-20“ Leben zu führen (mit all den hetzenden Begleiterscheinungen und dem ständigen Gefühl, zu kurz gegriffen zu haben) und wie wenig umsteuern im Kern notwendig ist, zu einem „20-80“ leben zu gelangen, wenn man bereit ist, für eine kurze Zeit das Gefühl zu ertragen, „ständig was vergessen zu haben“ und es eben „nicht perfekt, sondern gut“ zu machen gedenkt.
Der Erfolg und das Wohlbefinden wird es einem danken. Denn einen „einfacheren als den schweren Weg“ zu wählen ist vielleicht (und auch nur) ideologisch schwierig, im Leben selbst sind auf diese Weise die besten (und meisten) Erfolge zu erlangen.