Shahak Shapira Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen!

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Inhaltsangabe zu „Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen!“ von Shahak Shapira

Ein saukomisches, todernstes Buch über Deutsche, Juden, Muslime – und einen Nazi mit Wolfgang-Petry-Frisur. In der Neujahrsnacht 2015 wurde ein junger Israeli in der Berliner U-Bahn angegriffen, nachdem er sich mit einer Horde angelegt hatte, die antisemitische Parolen grölte. Ein Mediengewitter war die Folge, PEGIDA solidarisierte sich, aus Israel kam die Empfehlung, in die Heimat zurückzukehren. Aber Shahak Shapira wehrte sich weiter: Rassismus sei immer schlimm, egal gegen wen, im Übrigen fühle er sich in Berlin pudelwohl. Danach war die Hölle los, Fernsehstationen und Zeitungen weltweit berichteten, es hagelte Lob und Kritik. Nun schreibt Shahak über sein Leben: schaurig lustig über seine Jugend als Jude im tiefsten Sachsen-Anhalt, ergreifend über die Geschichte seiner Familie und nachdrücklich in seiner Botschaft: dass alle Menschen in Frieden zusammenleben können, wenn sie nur wollen. Und dass jeder selbst entscheidet, ob er ein rassistisches Arschloch ist oder nicht.

Zum Lachen, zum Weinen, zum Nachdenken. Ein sehr modernes Buch, welches meines Erachtens unterhaltsam und wichtig zugleich ist.

— mirius_black
mirius_black

s Schnoddrig? Ja, schon . Aber es spricht ein Teenager, und was er sagt trifft den Nagel auf den Kopf. Bei allem Ernst: amüsant.!

— Alice-33
Alice-33

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    Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen!
    Rabentochter

    Rabentochter

    07. June 2017 um 12:02

    Bei einem Buch über einen Israeli, der in Laucha seine Jugend verbrachte und so neben Nazis groß wurde, bieten sich als Überschrift für diese Rezension etliche schlechte Juden- und Naziwitze an, die ich uns allen ersparen möchte. Wer jetzt dennoch Judenwitze hören möchte, der sollte mal ins Buch schauen, denn Shapira brint gefühlt jeden Judenwitz, der sich auch nur ansatzweise anbietet. Muss man mögen – ich fands witzig und konnte teilweise sehr herzlich lachen und das nicht nur aufgrund der Judenwitze. Shapira schreibt mit viel Humor, beschreibt Personen und Situationen sehr bildlich und kommt dadurch sehr sympathisch, ehrlich und authentisch rüber. Er beschreibt sein Leben in Israel und was in Deutschland folgte. Man hat nicht das Gefühl, dass er Dinge beschönigt oder unnötig dramatisiert, sondern glaubt ihm die Dinge, die er aus seiner Sicht schildert. Auch die – wirklich beeindruckenden – Lebensläufe seiner beiden Opas spart er nicht aus. Gerade diese beiden Lebensgeschichten schildert er ernst und ohne unnötige unpassende Witze. Das ist an dieser Stelle auch gar nicht nötig, da die Erlebnisse für sich sprechen. Auch mit sich und seiner Vergangenheit ist er sehr ehrlich, beschönigt wieder nichts, vor allem sich nicht. Und auch der Vorfall in jener Silvesternacht in der Berliner U-Bahn, der ihn bekannt machte, wird diskutiert mit all seinen positiven und negativen Konsequenzen. Fazit: Sympathischer Typ – tolles Buch. Bulbul.

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  • frecher Spott mit ernsten Wurzeln

    Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen!
    derMichi

    derMichi

    03. June 2017 um 17:14

    Es ist schon fast eine heilige Pflicht zum Thema Stellung zu beziehen. In Shapiras Fall ist es auf den ersten Blick absolut nachvollziehbar. Er, der sich trotz Neonazis, Prügel und Pegida in Deutschland außerordentlich wohlfühlt, hat definitiv einiges zu sagen. Wer mit dem Wissen um die jüngere deutsche Geschichte aufgewachsen ist, dürfte jedoch schwer schlucken, wenn er scheinbar flapsige Witze über den Holocaust macht. Seine Blondheit? "Wasserstoff statt Zyklon B" in der Gaskammer, was sonst. Natürlich ist das eine Art mit dem Grauen in der eigenen Familiengeschichte umzugehen, ohne sich davon überwältigen zu lassen und eine überspitzt-genervte Antwort auf dämliches Nachfragen. Also lieber alleine lesen und wenn dann heimlich lachen.Jenseits davon ist das Buch aber tatsächlich weitgehend humorvoll bis unterhaltend und trotzdem nie banal. Die Außenansichten auf urdeutsche Angewohnheiten wie Grönemeyer und Fußball-Fanatismus lesen sich höchst amüsant. Shapiras Erlebnisse im Provinzkaff Laucha entlarven Großmäuler, die eine Welt verbessern wollen, die sie nie gesehen haben und auf alles einprügeln, was ihren Horizont übersteigt. Eingestreute Peniswitze suggerieren Rotzigkeit, schießen aber übers Ziel hinaus. Etwas unter der Gürtellinie lächerlich zu machen, das ist fast schon das Niveau der hier Kritisierten.Und es klingt im ersten Moment ein wenig nach Selbstdarstellung à la Jan Böhmermann. Darf man sowas schlechtfinden? Leisten Shapira und Kollegen nicht vielmehr einen verkappten Dienst am Vaterland, indem sie Populismus und Nazitum verhöhnen? Kann schon sein. Nur ist das nicht jedermanns Geschmack.Wenigstens erweist sich der Autor als konsequent genug, um sich selbst ebenfalls gehörig auf die Schippe zu nehmen. Eine gesunde Einstellung, sich trotz aller entsprechenden Erlebnisse nicht zur moralischen Instanz aufzuschwingen. Niemand kommt hier gut weg und natürlich erscheinen viele Punkte im Rückblick durchaus logisch. Als Absolvent diverser Akademien der Werbebranche versteht er es, die Pointen und biografischen Exkurse so zu setzen, dass man doch bis zum Ende weiterlesen will, um sein abschließendes Urteil zu erfahren. Und das klingt durchaus hoffnungsvoll.Seitenzahl: 240Format: 13,5 x 21 cm, KlappenbroschurVerlag: Rowohlt Polaris

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  • Rezension: "Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen!" (S. Shapira)

    Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen!
    Anchesenamun

    Anchesenamun

    20. September 2016 um 10:27

    Über dieses Buch bin ich ganz zufällig gestolpert. Juden, Holocaust, Antisemitismus - ja, darüber habe ich schon einiges gelesen. Aber ein aktuelles Buch eines jungen Israelis, der in Deutschland lebt und das ganze Thema äußerst humorvoll betrachtet, das hat mich natürlich sehr gereizt. Ich mag Humor, und ich mag es, wenn man schwierige Themen mit Witz bzw. Ironie anpackt. Nun erzählt uns der Autor also aus seinem Leben. Mit 12 Jahren zog er aus Israel zusammen mit Mutter und jüngerem Bruder zum neuen Partner der Mutter in das sächsische Kaff Laucha, in dem Zusammengehörigkeit groß geschrieben wird. Vor allem in der NPD, die hier sogar im Stadtrat vertreten ist. Besonders präsent ist hier Lutz Battke, der Bezirkskaminkehrer und Fußballtrainer. (Falls nicht bekannt, bitte googeln, denn schon rein optisch ist der Mann ein Gedicht.) "Zum Glück" sieht Shahak Shapira gar nicht so aus, wie man sich den typischen Juden vorstellt: Statt dunklen Haaren mit Seitenlöckchen und einer großen Hakennase, ist er blond und blauäugig. Und wer nicht glaubt, dass er, der optische Arier, wirklich Jude ist, kriegt folgende Erklärung: "Ja, pass auf, die haben uns damals Wasserstoff statt Zyklon B in die Gaskammer geblasen." Nicht jeder kann mit solchen Sprüchen umgehen. Aber genau da liegt der Reiz von Shapiras Humor. Darf man über sowas lachen, vor allem als Deutscher? Also ganz ehrlich: Ich find's witzig. Klar gibt es Grenzen des guten Geschmacks, aber hier gilt: Der Autor ist selbst Jude, der darf das! Und wir dürfen darüber lachen. So einfach ist das. Shapira berichtet von seiner Jugend im braunen Kaff, in dem die jüdischen Zuwanderer mit Argwohn betrachtet werden. Integration fällt unter diesen Bedingungen nicht leicht, aber Familie Shapira gibt ihr Bestes und macht sich Deutschland zur zweiten Heimat. Doch auf Probleme wegen seiner Herkunft stößt der Autor auch noch als Erwachsener. In der Silvesternacht 2014/2015 dann der traurige Höhepunkt: Er wird von judenfeindlichen Arabern verprügelt. Seitdem steht er in der Öffentlichkeit, distanziert sich jedoch ausdrücklich von jeglichem Muslim-Bashing, denn Antisemiten gibt es überall. Und wie schon im Klappentext so schön gesagt: Man entscheidet unabhängig von seiner Herkunft und Religion, ob man ein rassistisches Arschloch sein will oder nicht. Neben eigenen Erlebnissen verarbeitet der Autor auch die Geschichte seiner beiden Großväter. Der eine kämpfte im Warschauer Ghetto als Kind ums nackte Überleben und verlor im Holocaust seine Familie. Der andere Großvater war Amitzur Shapira, ein israelischer Leichtathletik-Trainer, der bei der Geiselnahme israelischer Sportler durch palästinensische Terroristen während den Olympischen Spielen in München 1972 ums Leben kam. In diesen Geschichten hat Humor nicht immer Platz, und so sind diese Kapitel vielleicht für manchen Leser ein Stilbruch, zu ernst, zu tragisch. Ich denke aber, bei dieser Thematik muss man auch nichts schönreden und nicht an unnötigen Stellen noch mit dem Hammer Lustigkeit hineinprügeln.  Mein einziger Kritikpunkt: Auf ein paar Erzählungen hätte ich persönlich verzichten können, z. B. das leidige Thema "Frauen", bei denen Shapira irgendwie keinen Schlag hatte. Missglückte Dates und Tinder-Erlebnisse - ja, ganz nett zu lesen, aber irgendwie nicht so ganz passend und auch recht belanglos. Ansonsten aber erzählt der Autor mit Witz und Charme, bringt auch den einen oder anderen derben Spruch. Für spaßbefreite Menschen ist dieses Buch vermutlich nicht das Richtige. Hier werden zwar auch mal zwischendurch Fakten präsentiert (z. B. über den Nahostkonflikt), aber es geht natürlich in erster Linie um persönliche Erlebnisse und Empfindungen. Und die gibt der Autor auf humorvolle Weise unterhaltsam wieder.

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