Shahriar Mandanipur

 4.3 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Eine iranische Liebesgeschichte zensieren, Augenstern und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Shahriar Mandanipur

Shahriar Mandanipur, geboren 1957 in Schiras, ist einer der bekanntesten iranischen Autoren. Er studierte Politikwissenschaften und war Soldat im iranisch-irakischen Krieg. Für seine Werke hat er zahlreiche Preise gewonnen. Über zehn Jahre lang war er Chefredakteur der Literaturzeitschrift Asr-e Pandjshanbeh (»Donnerstagabend«), die 2009 aus politischen Gründen eingestellt wurde. Mehrere Gastprofessuren führen ihn immer wieder in die USA, wo er zeitgenössische iranische Literatur und Film unterrichtet.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Shahriar Mandanipur

Cover des Buches Eine iranische Liebesgeschichte zensieren (ISBN: 9783293407145)

Eine iranische Liebesgeschichte zensieren

 (9)
Erschienen am 01.08.2019
Cover des Buches Augenstern (ISBN: 9783293005570)

Augenstern

 (2)
Erschienen am 16.03.2020
Cover des Buches Censoring an Iranian Love Story (ISBN: 9780349121451)

Censoring an Iranian Love Story

 (0)
Erschienen am 28.01.2011

Neue Rezensionen zu Shahriar Mandanipur

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Rezension zu "Augenstern" von Shahriar Mandanipur

Maktub. Es steht geschrieben.
Almut_Scheller_Mahmoudvor 8 Monaten



Allein der Prolog ist faszinierend und ist das Entrée in eine andere Welt. Ist eine Konfrontation mit einer anderen Wahrnehmung von Gut und Böse.
Im Islam existieren neben dem Erzengel Gabriel (Dschibril), dem Überlieferer des Quran, und Israfil, dem Verkünder des Endes der Welt, die sog. Schreiber-Engel, Raqib und Atid, die jeden Menschen durch sein Leben begleiten und alles notieren, was er denkt und tut. Der gute Engel sitzt auf der rechten Schulter, der böse auf der linken. Ihre Aufzeichnungen werden beim Jüngsten Gericht gegeneinander abgewogen und entscheiden, ob der Gläubige im Paradies oder in der Hölle landet.


Die Engel beschreiben jeweils aus ihrer Sichtweise das Leben Amir Yaminis: auf drei Ebenen – das ausschweifende Leben des jungen Mannes, seine direkten Kriegserfahrungen im iranisch- irakischen Krieg von 1980-1988 und die Zeit danach: auf der Suche nach sich selbst und seinen verloren gegangenen Erinnerungen. Also das „wilde freie Leben“, die Fronterlebnisse und das Hier und Jetzt im Zuhause, durchsetzt mit Amirs eigenem Narrativ.


Er hat nicht nur einen Arm verloren, den linken, sondern auch seine große Liebe. Denn er kann sich weder erinnern, wann wie und wo er den Arm verlor noch an den Namen des Mädchens, das Mädchen, das er liebte, seinen „Augenstern". Er will sein Leben zurück, ohne diese Lücken im Kopf, er muss seinen Arm finden und den goldenen Reif daran, Beweis dafür, dass es „Augenstern“ wirklich gab und nicht nur ein Traumgespinst ist. Doch er erinnert sich im Reigen der eroberten Frauen noch nicht mal an ihr Gesicht, ihren Namen....


Nach den Wirren des Krieges war er in einer Irrenanstalt gelandet, wo ihn seine Mutter und seine Schwester Reyhaneh nach fünf langen Jahren durch Glück und Beziehungen fanden. Er kehrte nach Hause zurück, in das Anwesen seines großbürgerlichen Vaters Agha Hadschi. Eines Vaters, zu dem er nie eine Sohn-Vater-Beziehung aufbauen konnte. 



Er sieht aus dem Fenster seinen verrosteten Alfa Romeo und viele Episoden seines Lebens, das eines Schwerenöters und Müßiggängers der persischen Upper class zu Schah-Zeiten fließen an ihm vorbei. In der Dunkelkammer seines Gedächtnisses blitzen seine mannigfaltigen Eroberungen auf. Viele Passagen besingen fast orphisch die erotischen Momente, beatifzieren den Sexus. Und diese erotische Trunkenheit und die des Arak klingen wie ein Sirenengesang. Der Roman stellt das freie Leben der Schah-Zeit dem Leben in der Islamischen Republik gegenüber. Letztendlich aber sind beide ein Sinnbild für Heuchelei. Die vermeintliche Freiheit der Zeit vor Khomeini war ja nur eine Freiheit für die Reichen und Schönen und in vieler Hinsicht geprägt durch oberflächliche Exzesse. Für die einfachen Menschen gab es diese Freiheit nicht. Und die Religiosität der Islamischen Republik wird bestimmt von Anpassung an mittelalterliche Regeln, durch Unterdrückung von Menschen, von ihren Wünschen und Sehnsüchten. In beiden Systemen gab und gibt es Geheimdienste, die vor nichts zurückschrecken, seien es Folter oder Hinrichtungen.


Mehr als Amirs Erlebnisse an der Front und die Beschreibung der geopferten Menschenleben als Kanonenfutter hat mich die Szenerie der orgiastischen Wolllust seines Auspeitschers beeindruckt und die darin angesprochenen Motive eines Folterers. Es gab übrigens einen berühmten persischen Auspeitscher: König Xerxes, der das Meer am Hellespont mit 300 Peitschenhieben strafte, da es gewagt hatte, zwei Brücken zu zerstören.


Nach erfolglosem Suchen und Streifen durch Teheran, meist von Reyhaneh unterstützend begleitet, begibt sich Amin mit Sergeant Pourpirar auf die irrwitzige Suche, seinen linken Arm zu finden. Er muss sich mit eigenen Augen überzeugen, ob der goldene Verlobungsring, den er mit „Augenstern“ für sie beide gekauft hatte, wirklich existierte oder nur ein kafkaesker Streich seines angeschlagenen Gedächtnisses war. Die beiden finden den Arm und den goldenen Ring, Amir findet Hanna, zumindest die Erinnerung an sie, an sie, die so ganz anders war als seine vorherigen Gespielinnen. Und die sich ihm entzog, weil sie von einer politischen Mission erfüllt war.






Politisches vermischt sich mit Erotischem, wobei mich die Erotika irgendwann langweilten, zudem es eine männliche Erotik ist, die ich als Leserin nur bedingt nachvollziehen kann. Aber vielleicht ist gerade diese Überbetonung der männlichen Libido ein gekonnt eingesetztes Stilmittel, um die Welt des prallen Lebens, der Grausamkeit und der Sinnlosigkeit eines Krieges und die Welt der Traumata miteinander auszusöhnen.


Wundervoll poetische, fast sinnliche Naturbeschreibungen runden diese seltsamen Schreiber- Engel-Berichte ab. Oftmals jedoch verwirrend, vielleicht zu vielschichtig in seinen erzählerischen Ebenen? Aber hilfreich, um die Zerrissenheit Irans und seiner Menschen zu verstehen?
Ein lesenswertes Buch, das mich nachdenklich zurück lässt


Ist Amir ein Kandidat für das Paradies oder für die Hölle, wenn er vor dem Jüngsten Gericht stehen wird?


Und was die Schreiber-Engel wohl über einen selbst aufschreiben?


Maktub.



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Rezension zu "Augenstern" von Shahriar Mandanipur

Poetische Epos, das zu Tränen rührt
aus-erlesenvor 9 Monaten

Nichts ist mehr wie es einmal war. Damals als er in den Krieg zog, den Krieg gegen Irak. Er, Amir, auf iranischer Seite. Der Irak unter der Führung eines gewissen Saddam Hussein wird vom Westen mit Waffen unterstützt, um dem neuen Gottesstaat Iran den Garaus zu machen … was seit einem Jahrhundert immer wieder und fortwährend geschieht, aber niemals endgültig zu Erfolg führt. Die iranische Bevölkerung wurde Jahrtausende von einem Schah mit Folter und Bespitzelung unterdrückt. Jetzt hält eine Schar religiöser Führer das Land mit Folter und Bespitzelung im Schwitzkasten. Doch Amir zieht mit Begeisterung in den Kampf.

Momentan muss er nicht mehr an der Front kämpfen. Ein Arm fehlt ihm, genauso die Erinnerung an das, was einmal war. Reyhaneh ist an seiner Seite. Sie liebt ihn, doch die Zweifel an seiner Aufrichtigkeit nagen an ihr. Auf seinen Schultern – und darin liegt die Einzigartigkeit dieses Romans – leben, schreiben, lasten zwei Engel. Einer links, einer rechts. Sie notieren alles aus seinem Leben. Das haben sie auch schon vor dem Krieg getan. Ihre Niederschriften sind Amirs Gedächtnis. Doch die Engel spielen ihm immer wieder einen Streich. Da ist hinter einem dichten Schleier, der nur vage Andeutungen durchlässt diese Frau. Ein wildes Ding. Sie nimmt sich, was sie braucht. Auch von Amir. Er kann es ihr nicht geben. 

Viel klarer sind dagegen die Kriegserinnerungen. Granaten, di in zerfetzten Körpern stecken und ihre Arbeit nicht verrichten, dennoch ihr Ziel erreichten. Widerwärtiger Gestank und poetische Träume lassen in Amir zwei Herzen schlagen. Nicht immer im Gleichklang. 

Und zwischendrin das, was selbst Europäer immer wieder von einer fremden Welt schwärmen lässt. Die Basare des Landes. Das funkelnde Gold. Für Amir hat es eine tiefere Bedeutung. Das Gold, das so strahlend und funkelnd das Gesicht der geheimnisvollen Frau erleuchten lässt. 

Shariar Mandanipur schafft eine geheimnisvolle Welt, die so real ist, dass man sich in ihr heimisch fühlt. So greifbar die Gedanken Amirs sind, so unnahbar sind im Gegenzug seine Erinnerungslücken. Man fiebert mit dem Protagonisten mit und wünscht ihm so sehr, dass seine Welt wieder in die richtigen Bahnen gelenkt wird, obwohl man weiß, dass dies mit großen Opfern verbunden ist. Liebesgeschichte vs. Kriegstrauma? Oberflächlich gesehen, ja! Doch hinter der Fassade des Bösen wartet ein Zaubergarten mit duftenden Blüten und wohlschmeckenden Früchten, die dem Leser das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. 


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Rezension zu "Eine iranische Liebesgeschichte zensieren" von Shahriar Mandanipur

Leben mit der Zensur
PaulTemplevor 4 Jahren

Wie sieht der Alltag in einem Land aus, welches Demokratie nur marginal zulässt und anstatt dessen Willkür und Zensur als Grundpfeiler der Regierung eingerichtet hat? Dem Autor gelingt der Spagat, dem bedrückendem Leben im Iran unter Ahmadinedschad eine heitere und ironische Note zu verleihen, indem er dem Leser an der Konzeption seines Liebesromans teilhaben lässt. Sein fiktiver Roman wird an vielerlei Stellen durch den Autor unterbrochen, an denen er die Handlung kommentiert, mögliche Probleme mit der Zensur thematisiert und dem Leser dadurch einen umfassenden Einblick in den strengen und gefährlichen Alltag im Iran gibt.

Definitiv eine Leseempfehlung!

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