Die Idee zu einem Kannibalen, der in Zürich und Umgebung sein Unwesen treibt, hat mir an sich gut gefallen. Leider ist die Geschichte für meinen Geschmack nicht gut umgesetzt worden. Die ersten beiden Seiten waren vielversprechend. Danach geht es ziemlich naiv und unglaubwürdig weiter.
Kommissar Aemisegger ist angeblich schon seit Jahrzehnten im Polizeidienst. Außerdem ermittelt er bei der Mordkommision. Soweit ich weiß, ist Zürich kein Kuhdorf. Insofern wundert es mich sehr, dass Aemisegger so ein Drama um ein paar Menschenknochen im Wald macht. Sowas hätte er ja noch nie erlebt!
Überhaupt wird Kannibalismus behandelt, als wäre es eine nagelneue Erkenntnis, über deren Existenz man noch nie etwas gehört hat. Erst nach Detektivin Fuchs' ausführlichen Internetrecherchen bei Wikipedia und Co. kommt dieses Grauen ans Tageslicht.
Ich hatte nach 1/3 nochmal bei Amazon vorbeigeschaut. Nur eine negative Bewertung, die anderen begeistert. Also weiterlesen ...
Der Autor versucht, die Zubereitung von Menschenfleisch als ekelig darzustellen, schafft es aber nicht, Spannung oder Ekel durch Sprache aufzubauen. Andauernd diese Wiederholungen. Es wird bloß geschildert, wie der Kannibale kocht. Außer müde "das war wie im Horrorfilm"-Vergleiche ohne weitere Ausführungen erfährt man nichts weiter. Nicht einmal, wie es wohl schmeckt. Auf Dauer ist da die Luft heraus.
Interessant waren die Anspielungen auf das Ritual, an dem angeblich mehrere Personen teilnehmen. Leider wird das im Laufe der Handlung fallen gelassen und stattdessen darf der Kannibale seitenweise schwadronieren, was vermutlich beim Leser einen Schauer über den Rücken laufen lassen sollte. Die Zielgruppe ist offensichtlich nicht der geneigte Krimi-/Thriller-Leser.
Die Dialoge finde ich extrem holprig. Zum Beispiel gibt es ständig wiederholende Konstruktionen mit "XY, sagen Sie?" und "Sie sagen XY?". Die plötzlichen Erkennisse aus den Dialogen zwischen Polizei und Detektivin sind unglaubwürdig. Es kommen nach Wochen plötzliche Einfälle, die einem Durchschnittspolizisten schon nach 10 Minuten eingefallen wäre: zum Beispiel nach ähnlichen Fällen in der Schweiz und Umgebung zu suchen, wenn der Täter unbekannt ist und man nicht mehr weiter weiß.
Erfreulicherweise wurde der Text anscheinend rechtschreibgeprüft. Doch können solche Programme nicht Grammatik und Stil verbessern. Dafür hätte es dringend ein Korrektorat gebraucht. Ebenso hätte dem Roman ein Lektorat gut getan.
2 Sterne für eine gute Idee mit Potential, deren Umsetzung leider nicht gelungen ist. Insgesamt habe ich ca. 3h zum Lesen gebraucht und konnte den Roman nicht an einem Stück lesen, weil er mich einfach nicht gefesselt hat.
Gut gemeint, aber leider nicht gut umgesetzt











