Shaun Tan

 4.6 Sterne bei 168 Bewertungen
Autorenbild von Shaun Tan (© Allen and Unwin, Australia)

Lebenslauf von Shaun Tan

Der australische Schriftsteller und Illustrator Shaun Tan wurde 1974 in Fremantle, Western Australia geboren. In seinem bekanntesten Graphic Novel „The Arrival“, auf deutsch „Ein neues Land“, wird mit eindringlichen Bildern beschrieben, wie ein Familienvater in ein fremdes Land auswandert. Als Concept Artist war er an den Kinofilmen „WALL-E“ und „Horton hört ein Hu!“ beteiligt.

Neue Bücher

Geschichten aus der Vorstadt des Universums

Erscheint am 13.08.2020 als Hardcover bei Aladin in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH.

Alle Bücher von Shaun Tan

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Cover des Buches Ein neues Land9783551713780

Ein neues Land

 (50)
Erschienen am 30.06.2015
Cover des Buches Geschichten aus der Vorstadt des Universums9783551581983

Geschichten aus der Vorstadt des Universums

 (27)
Erschienen am 21.07.2008
Cover des Buches Die Fundsache9783551517258

Die Fundsache

 (17)
Erschienen am 21.08.2009
Cover des Buches Eric9783551555847

Eric

 (15)
Erschienen am 29.09.2011
Cover des Buches Der rote Baum9783551517784

Der rote Baum

 (10)
Erschienen am 14.03.2012
Cover des Buches Die Regeln des Sommers9783848900107

Die Regeln des Sommers

 (8)
Erschienen am 14.03.2014
Cover des Buches Reise ins Innere der Stadt9783848921188

Reise ins Innere der Stadt

 (4)
Erschienen am 28.09.2018
Cover des Buches Zikade9783848901630

Zikade

 (4)
Erschienen am 19.09.2019

Neue Rezensionen zu Shaun Tan

Neu

Rezension zu "Zikade" von Shaun Tan

Großartiges Werk zum Nachdenken und Philosophieren
EmmyLvor 5 Monaten

Zikade arbeitet seit siebzehn Jahren in einem Hochhaus. Dort hat sie einen einfachen Arbeitsplatz hinter grauen Stellwänden eines Großraumbüros. Von früh bis spät gibt sie monoton Daten in ein Computersystem. Sie arbeitet länger als ihre Kollegen, bekommt keinen Lohn und wohnt in einer Nische neben dem Büro. Obwohl Zikade mehr vollbringt als andere, ist sie den Schikanen von Firma und Kollegen hilflos ausgeliefert. Als sie in Rente geht kann Zikade endlich das graue Gewand der Monotonie ablegen.


Große, genau durchdachte Illustrationen, setzen die Welt von Zikade gekonnt in Szene. Ihr freudloses Dasein in der Welt der Menschen wird durch die ausschließliche Nutzung von Grau in sämtlichen Abstufungen verdeutlicht. Die triste, einsame, kalte und feindliche Umgebung wird beim Betrachten fast physisch spürbar. In jedem dieser grauen Bilder besteht der einzige farbige Fleck aus Zikades Köpfchen. Zwischen all der fantasielosen Eintönigkeit leuchtet ihr sattes Grün wie ein hoffnungsvoller Funken. Doch den nüchternen Kollegen ist der farbige Anblick von Zikade lästig. Sie passt nicht in ihre graue, uniforme Welt. Als Zikade in Rente geht, können die Menschen endlich auch den letzten Rest Farbe aus ihrer sterilen Umgebung entfernen. An diesem Tag streift Zikade ihre graue Uniform ab und entfliegt in eine farbenprächtige Zukunft. Die Seiten der Metamorphose kommen vollständig ohne Worte aus. Doppelseitige vollflächige Illustrationen beeindrucken hier mit ihrer komplexen Bildsprache.


Nur die einseitig vollflächigen Bilder wurden durch eine weiße Seite mit nur vier Zeilen Text ergänzt. Auch hier spiegelt sich die deprimierende Eintönigkeit. Jeweils links befindet sich die weiße Seite mit Text, rechts im Blickpunt des Betrachters das Bild. Drei Zeilen des Textes bestehen aus kurzen Sätzen ohne Artikel. In der vierten Zeile wird „Tack Tack Tack!“ wiederholt, um die stupide Arbeit und das ereignislose Leben von Zikade zu unterstreichen.


Shaun Tan ist mit diesem Buch ein weiteres Meisterwerk gelungen. Es gibt unzählige Interpretationsmöglichkeiten, Gesprächsanlässe, Diskussionsansätze und philosophische Denkanstöße. Jede*r Leser*in bezieht die Metapher des Buches auf einen anderen Bereich seines/ihres Lebens. 


Ich habe das Buch mit einer 11. Klasse in Philosophie besprochen und im Deutschunterricht für Interpretation genutzt. Die Bandbreite unterschiedlicher Standpunkte und Ergebnisse war erstaunlich.


Dieses Werk liefert eine geniale Begriffserklärung für den Unterschied zwischen Existenz und Leben. Es greift u.a. die Themen Mobbing, Neid und Angst vor Andersartigkeit auf. Ebenfalls angesprochen wird die zunehmende Uniformierung der Gesellschaft, Abstumpfung bei Gewalt, Ausbeutung und das Wegschauen, wenn jemand Hilfe benötigt. Fast jede Seite beinhaltet bei genauerer Betrachtung das Potential zu einer gesellschaftskritischen Grundsatzdiskussion.


Kein Bilderbuch für Kinder aber ein großartiges Werk welches zum Nachdenken anregt und zum Philosophieren auffordert.

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Rezension zu "Zikade" von Shaun Tan

Für Erwachsene vielleicht ein Denkanstoß, für Kinder eine Katastrophe
R_Mantheyvor 5 Monaten

Um es gleich klar und deutlich zu machen: Meine Bewertung bezieht sich nur auf die Ausgabe als Kinderbuch. Immerhin für Fünfjährige. In der Produktbeschreibung des Originals heißt es bei Amazon: "Cicada by Shaun Tan is another picture book for older readers". Das ist klar und deutlich. Warum es in Deutschland als Kinderbuch erscheint, verstehe ich nicht. Die angegebene Zielgruppe ist mit diesem Buch völlig überfordert und wird es kaum verstehen. Wenn man sich das Buch angesehen hat, wird man das schnell begreifen.

Zikade arbeitet in einer tristen Bürowelt, schläft in einer Mauerritze und wird nie für seine Arbeit gelohnt. Im Gegenteil, auf ihr wird herumgetreten, obwohl sie mehr arbeitet als Menschen. Auch als ihr Pensionsalter erreicht ist, bekommt sie weder Dank noch Entlohnung. Aber dann steigt sie aufs Dach des Büroturms, schlüpft aus und fliegt in den Wald, wo sie sich dann über die Menschheit kaputtlacht. Als Erwachsener versteht man die Botschaft dieser, auch noch in merkwürdigem Deutsch formulierten, fast textfreien Geschichte sofort. Was aber sollen Fünfjährige denn damit anfangen?

Denen hat man vielleicht gerade noch die Märchen der Gebrüder Grimm vorgelesen. Wenn ich mich an meine Kinderbücher erinnere, dann war dort die Welt noch in Ordnung, auch wenn der Wohlstand noch weit entfernt lag. Heute leben Kinder, denen ein Buch zu diesem Preis geschenkt wird, sicher nicht in Armut. Aber in diesem Buch wird die Welt der Erwachsenen als grau und schrecklich dargestellt. Ja, man muss das so allgemein schreiben, denn schließlich lacht sich Zikade nicht über irgendwas kaputt, sondern gleich einmal über die Menschheit. Was soll also ein solches Buch im Kopf von Fünfjährigen bewirken? Freude an der Zukunft, Lust auf Mamas und Papas Arbeitswelt? Lust auf Schule, wo doch die Zukunft eh grau und öde ist?

Mehr muss man dazu wohl nicht sagen. Dass ich nicht nur einen Stern vergeben habe, liegt einfach daran, dass man dieses Buch als Bilderbuch für Erwachsene verstehen muss. Dann besitzt es eine einfache Botschaft und einen künstlerischen Wert. Aber auch nur dann.

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Rezension zu "Zikade" von Shaun Tan

Großartiges, sozialkritisches Bilderbuch für alle ab 12 Jahren
Brigitte_Wallingervor 8 Monaten

Leselevel: ♦♦◊◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦◊◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: Erwachsene und Teenager ab 12 Jahren

32 Seiten, gebundene Ausgabe um € 17

Themen: Büroarbeit, moderne Arbeitswelt, Gefühlskälte, Mobbing, Migranten, Migration, Zugehörigkeit, Demütigung

Der berühmte australische Illustrator, Autor und Oscar-prämierte Filmemacher Shaun Tan beschäftigt sich in seinem neuen Bilderbuch Zikade erneut mit Zugehörigkeit und Migration. Seine ergreifende Graphic Novel Ein neues Land ist vielen von Euch sicher ein Begriff.

Zikade ist ein bildgewaltiges Meisterwerk rund um den eingewanderten Büroangestellten Zikade, der trotz fleißigen Bemühens und korrekter Arbeit stets gedemütigt wird. Ein letzter Mobbingakt bei Rentenantritt treibt ihn auf das Dach des Bürohochhauses; er blickt in den Abgrund. Gebannt blättert man um und rechnet mit dem Schlimmsten, doch die steingraue Hülle der Zikade spaltet sich und eine orange-rote Zikade fliegt gen Himmel: „Alle Zikaden fliegen zurück in den Wald. Denken manchmal an die Menschen. Müssen dann lachen. Tack Tack Tack!“

Eike Schönfeld hat dieses Bilderbuch grandios übersetzt. Sein großer Verdienst liegt darin, die Geschichte in einfacher und dennoch poetischer Sprache auszudrücken, und zwar nicht auf Hochdeutsch, sondern in gebrochenem „Migrantendeutsch“, das nur allzu leicht in vorurteilsgeladene, dem Lächerlichen preisgegebene Sprache hätte abdriften können.

Dass Shaun Tan ursprünglich aus der Science-Fiction-Ecke kommt, merkt man seinem dystopischen Bilderbuch durchaus an. Die Illustrationen in _Zikade_ lassen einen an Gregor Samsa (aus Franz Kafkas „Die Verwandlung“) und „Bartleby der Schreiber“ (von Herman Melville) denken. Auch Zikade ist verzweifelt, fühlte sich fremd inmitten der anderen Büromenschen, ausgeschlossen. Die erbarmungslose Gefühlskälte der Bürowelt wird durch das dominante Grau der Bilder betont. Steingraue Mauern allerorten, bis sich die feurige Zikade von ihrer grauen Hülle löst und losfliegt, zusammen mit unzähligen anderen Zikaden, in den grün-orangen, paradiesischen Wald. Shaun Tan hat sich übrigens für diese Bilder eine Skulptur mit beweglichen Gliedern gebaut, die er dann bewegte und fotografierte. Erst danach begann er mit dem Malen, wie der Guardian hier berichtet.

Dieses Bilderbuch liest sich wie ein Gedicht, und am Ende des Buches wird auch ein Gedicht von Matsuo Bashō zitiert: „Stille… / das Sirren der Zikaden sickert ein / in den Fels“. Im Buch wird der umgekehrte Prozess beschrieben: Die Zikade löst sich aus der felsgrauen Stille des Bürokomplexes und fliegt surrend zurück in den Wald. Ein faszinierendes, beeindruckendes und bewegendes Werk!

Shaun Tan wurde 1974 im australischen Fremantle geboren. Seine Familie stammt aus Malaysia. Er ist Illustrator und Schriftsteller, arbeitete unter anderem mit an den Trickfilmen Horton hört ein Hu! und WALL E – Der Letzte räumt die Erde auf (beide 2008). 2009 erhielt er für seine Graphic Novel Ein neues Land den Deutschen Jugendliteraturpreis, 2010 für seinen Kurzfilm Die Fundsache den Oscar, 2011 zeichnete man ihn mit dem Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis aus. Die Liste seiner Auszeichnungen scheint endlos.

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