Sherko Fatah Das dunkle Schiff

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Inhaltsangabe zu „Das dunkle Schiff“ von Sherko Fatah

Kerim, von Beruf Koch, macht sich aus dem irakischen Grenzland auf die beschwerliche und gefährliche Reise nach Europa. Er war unter Gotteskrieger geraten und mit ihnen durch das Land gezogen, bevor er sich entschied, vor ihrem Weg der Gewalt zu fliehen. Kerim versucht, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen, und findet in dem fremden Land seine erste Liebe. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht abschütteln. Seine Heimat fängt ihn wieder ein, als die Gotteskrieger ihn in Deutschland aufspüren und für seine Flucht bestrafen.

Das Buch verschafft einen guten Einblick in das Leben junger nach Deutschland flüchtender Menschen.

— Lena-Marie

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  • Sherko Fatah | DAS DUNKLE SCHIFF

    Das dunkle Schiff

    Bookster_HRO

    26. September 2017 um 15:43

    INHALT: Der junge Kerim wächst in einem kleinen Ort im Norden des Iraks als Sohn eines Restaurantkochs auf. Als der Zweite Golfkrieg seine Opfer auch in Kerims Familie findet, verliert er den moralischen Halt und ist leichte Beute für die Gotteskrieger, die im ganzen Land nach Verbündeten suchen. Nach vielen Monaten kehrt er abgemagert und völlig am Ende nach Hause zurück und plant umgehend seine Flucht aus dem Land. Nach Deutschland soll es gehen, zu Onkel Tarik nach Berlin. Eine gefährliche Reise über das Mittelmeer steht ihm bevor, in einem Schiff als blinder Passagier. Eine Reise, die ihn fast das Leben kostet. Als er nach endlosen Strapazen doch noch Berlin erreicht, muss er sich erst an das Leben im freien Europa gewöhnen, was ihm trotz der gewaltigen kulturellen Unterschiede gelingt, er findet sogar Freunde und seine erste Liebe. Aber auch hier, der Heimat nur scheinbar weit genug entfernt, lauert die Vergangenheit hinter allen Ecken. FORM: Fatahs Sätze sind klar strukturiert, ohne künstlerischen Firlefanz. Die Story ist ihm wichtiger als der Stil, was bei dem Thema auch sinnvoll ist. Mit schlichter Exaktheit führt er den Leser durch das bittere Leben seines Protagonisten, ohne mit dem moralischen Zeigefinger zu wedeln. Er zeigt einfach nur die Unterschiede und Gefahren eines Lebens zwischen den Kulturen auf. Der einzige stilistische Trick auf den er einige Male zurückgreift ist die Rückblende, die später offen gebliebene Fragen beantwortet. FAZIT: Jetzt, mittlerweile acht Jahre nach der Veröffentlichung, ist DAS DUNKLE SCHIFF aktueller denn je. Wenn auch die konkreten Gründe vieler heutiger Flüchtlinge andere sein mögen (Islamischer Staat, Bürgerkrieg in Syrien), kann man diesen Roman stellvertretend für die derzeitige Debatte anbieten. Der Wunsch nach einem Neuanfang in einem sicheren Land, die Überwindung alles zurückzulassen, die Entbehrungen während der Flucht, die Ängste und Sorgen nach der Ankunft, all diese Faktoren sind universell und werden in diesem Roman schon beschrieben. Auch die unfassbar dämlichen Vorurteile, die man hierzulande immer lauter vernimmt, sind nicht neu und werden bei Fatah behandelt: »[…] Hast du ein Handy?« Kerim verneinte. Ervin blickte sich verstohlen um. »Wenn du einmal eins hast, verstecke es. Mich hat mal hier vor dem Heim einer gefragt, wie ich mir so etwas als armer Flüchtling leisten könne.« (Seite 270) Ich bin fast geneigt, DAS DUNKLE SCHIFF als visionär einzustufen, auf jeden Fall kann es einen erheblichen Beitrag zur Wogenglättung leisten, wenn es diese PEGIDA-Esel einfach mal lesen würden … aber das ist hier nicht das Thema. Von mir gibt’s 5 Sterne! *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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  • Buch-Assoziationen - Bücher passend zu Substantiven, Adjektiven und Verben lesen!

    Die Verratenen

    Daniliesing

    Hallo ihr Lieben, gerade hatte ich spontan eine Idee und vielleicht haben ja ein paar Lust dabei mitzumachen! In diesem Thema soll in jeder Woche ein anderes Wort im Mittelpunkt stehen. Dieses Wort kann eigentlich jeder Art sein, egal ob Substantiv, Adjektiv, Verb, Farbe etc. - dabei ist nur wichtig, dass man dazu gut etwas assoziieren kann. Für die erste Woche, die am 3. Mai startet, gebe ich als Wort "Muster" vor. Wenn ihr Lust und Zeit habt, dann könnt ihr in dieser Woche ein Buch beginnen, das hierzu passt. Wie ihr das Wort "Muster" für euch interpretiert, bleibt euch dabei natürlich überlassen. Hat das Cover vielleicht ein bestimmtes Muster oder handelt eine Figur im Buch nach einem bestimmten Muster? Das vorgegebene Thema soll einfach als Anregung dienen, sich vielleicht mal ein passendes Buch vom Stapel ungelesener Bücher (= SuB) zu schnappen! Natürlich soll es viele verschiedene Wörter für Buch-Assoziationen geben - genauer gesagt für jede Woche eins! Wer hier gern mitmachen möchte, kann also direkt auch ein Wort vorschlagen. Die vorgeschlagenen Wörter würde ich einfach in der Reihenfolge eurer Anmeldungen oben für die einzelnen Wochen eintragen. Wer mitmachen möchte, muss das selbstverständlich nicht in jeder Woche tun, sondern ganz so, wie man Spaß daran hat. Wenn ihr euch über die Bücher, die ihr gerade zu einem bestimmten Assoziations-Wort lest, austauschen möchtet, dann tut das bitte immer im zugehörigen Unterthema oben. Einfach auf das Thema klicken und dort eure Beiträge schreiben :-) Falls ihr Fragen und Ideen habt, richte ich dafür auch ein extra Thema ein. Nun wünsche ich uns ganz viel Spaß!

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  • Rezension zu "Das dunkle Schiff" von Sherko Fatah

    Das dunkle Schiff

    leslie123

    01. September 2011 um 08:25

    Fatah erzählt die Geschichte eines Flüchtlings von seinem ärmlichen Leben bei seinen Eltern im iraktischen Grenzgebiet, seinen "Lehrjahren" bei einer islamistischen Gruppe, seine Flucht und sein Leben in einem Deutschland, in dem er seine Vergangenheit nicht loslassen kann.
    Wunderschöne und grausame Bilder, atemberaubend bis zum letzten Satz. Großartiges Buch!!!!

  • Rezension zu "Das dunkle Schiff" von Sherko Fatah

    Das dunkle Schiff

    Steerpike

    02. September 2008 um 11:55

    Kerim wächst im Irak der Kuwaitkrise als ältester Sohn eines nominell alevitischen, de facto aber atheistischen Restaurantbesitzers auf. Erzählt wird seine Lebensgeschichte, in der er zunächst ein verhätschelter und übergewichtiger Stammhalter ist. Nachdem aber sein Vater aus recht undurchsichtigen Gründen von den Handlangern Saddams ermordet wird, muss Kerim das Restaurant übernehmen. Das tägliche Einerlei hat er schnell satt. Er träumt davon, es seinem Onkel Tarik gleichzutun und nach Deutschland auszuwandern. Die Gelegenheit dazu ergibt sich unter eigenartigen Umständen: Als er auf dem Weg zu seinen Großeltern ist, wird er eines Tages von islamistischen Fundamentalisten gekidnappt, denen er sich nach kurzer Gefangenschaft halb aus Angst, halb aus Faszination anschließt. Es folgt eine Zeit, von der die Leser erst nach und nach erfahren, am Ende löst sich Kerim jedoch von den "Gotteskriegern" und nicht nur das, er stiehlt ihre gesamte Barschaft, als sie während einer Razzia durch die Amerikaner im allgemeinen Tumult kurz unbeaufsichtigt ist. Ausgestattet mit diesem kleinen Vermögen kehrt er zunächst zu seiner Familie zurück und nimmt das Geschäft wieder auf, doch längst ist in ihm der Entschluss gereift, mit Hilfe des gestohlenen Geldes die Auswanderung nach Deutschland zu bezahlen. Ich hatte von Sherko Fatah bis zu seiner Nominierung zum diesjährigen Deutschen Buchpreis nichts gehört, dabei ist "Das dunkle Schiff" nicht der erste Roman, mit dem er Aufsehen erregt. Bereits 2001 erhielt er für seinen Erstling "Im Grenzland" den Aspekte-Literaturpreis. "Das dunkle Schiff" geistert als moderner Abenteuerroman mit all seinen Varianten durch die Feuilletons: Da ist die Rede vom Schelmenroman, gar vom Entwicklungsroman, kaum eine Tradition scheint zu gewaltig für dieses Buch. Tatsächlich ist "Das dunkle Schiff" ein süffig zu lesender, dabei formell nicht wahnsinnig innovativer Roman über die Lebensgeschichte eines Emigranten. Abgesehen von den Rückblenden in Kerims Zeit bei den "Gotteskriegern" wird hier schön chronologisch ein Leben erzählt. Und ich möchte behaupten, das wäre nicht weiter interessant - wäre da nicht die Hauptfigur. Kerim ist kein Schelm, er ist auch kein "Wilhelm Meister", wenn sein Leben auch ein bewegtes ist. Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass es im Roman keine Entwicklung gibt, die gibt es in Hülle und Fülle, und sie ist beileibe nicht nur äußerlich. Doch Kerim wird vom dicken, feigen Kind zum dicken, feigen und frustrierten Erwachsenen, zum dünnen, gläubigen Erwachsenen, zum Auswanderer, zum naiven Opfer der eigenen Passivität. Und auch das trifft es nicht vollkommen, denn Kerim ist bis zu seinem 22. Lebensjahr weitaus aktiver und wagemutiger als der durchschnittliche Mitteleuropäer. Er hat auch viel mehr erlebt und viel mehr Verantwortung getragen. Er hat sich auch verändert. Das Geheimnis der Figur liegt aber in ihrer Gewöhnlichkeit. Kerim ist eigentlich ein Spießer, Antrieb seiner Handlungen ist eine diffuse Feigheit und das fast vegetative Interesse am eigenen Vorteil. Das Buch ist in fünf Teile unterteilt und in jedem der Teile macht sich Kerim eines feigen Verrats schuldig - nicht böswillig, einfach aus Schwäche und Selbstschutz, doch nichtsdestoweniger folgenreich für die Opfer (und für den Leser) von großer Abscheulichkeit. Man ist an solche Protagonisten nicht gewöhnt. Man ist an die Helden und an die Feigen, an die Schwachen und an die Berechnenden gewöhnt, aber nicht an die Gewöhnlichen, die in Situationen geraten, in denen für Moral kein Platz ist, und die ihr Leben, nachdem sie moralisch eklatant gefehlt haben, vielleicht auch nur aus einer Laune heraus, einfach weiterleben und das immer noch als ganz normale Menschen: Fatah zeigt in unglaublich geschickter Weise, auf welcher "moralischen" Grundlage Menschen gewöhnlich handeln. Das Großartige an dem Buch ist, dass Kerim trotz seines oft haarsträubenden Verhaltens nie unsympathisch wirkt. Das gelingt durch die klare und lapidare Erzählweise Fatahs, der die Lesenden mit Kerim in gewisse Situationen führt, in denen für lange Reflexion meist keine Zeit bleibt. Die Verfehlungen werden aus dem Bauch heraus begangen und später nicht einmal verdrängt, sondern durchaus als Verfehlungen akzeptiert. Weder Figur noch Leser sehen eine wirkliche Alternative zu diesem Handeln. Fatah gelingt auf diese Weise der Entwurf eines unglaublich memorablen Charakters. Gerade deshalb überzeugt mich das Ende des Buches nicht, das sich von seiner Hauptfigur passagenweise entfernt und hier oft hölzern und unbeholfen wirkt. Allerdings sehe ich die Schwierigkeit, in die der Handlungsverlauf eine so spontan angelegte Figur bei diesem Ende führen muss. So halte ich den fünften Teil des Buches zwar nicht für glücklich, aber immerhin für konsequent. Und da ich hier nicht alles verraten kann, gilt: selber lesen. Ohne die Konkurrenz schon gelesen zu haben, wünsche ich Sherko Fatah das Vorrücken auf die Shortlist am 17. September.

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