Schon seit das Buch „Nicht ohne meine Tochter“ erschien, hat es mich interessiert, was im Iran so schief gelaufen ist, warum ein Mullah Regime mit größtmöglicher Gewalt gegen sein eigenes Volk vorgeht und eine Revolution nicht gelingen kann. Gerade jetzt wieder steht dieses Land im Fokus. Während ich das schreibe, versinkt das Land im Chaos.
Behsad und Nahid sind aus dem Iran ins Exil nach Deutschland gegangen. Dort haben sie den Status politisch Verfolgter. Ihre beiden Kinder, Laleh und Mo sind zwar noch im Iran geboren, integrieren sich aber relativ schnell in das neue Land.
Aus der Sicht von fünf Protagonist*innen wird hier die jüngste Geschichte des Irans vor dem Hintergrund einer Familie erzählt. Jedem wird ein Jahrzehnt zugeteilt, von 1979-2009 Von den Untergrungdtätigkeiten Besahds für kommunistische Organisationen im Iran über Nahid, die erst mit der deutschen Sprache kämpft, später studiert, aber immer wieder hofft, dass sie bald wieder nach Hause zurückkehren können, bis zu Laleh, die für ihre Eltern oft Verantwortung übernehmen muss, und die ihre Wurzeln stark spürt. Mo hat den meisten Abstand zu der Vergangenheit seiner Eltern. Und dann ist da noch Tara, das Kind, das in Deutschland geboren wurde und ein Leben führt, dass im Iran niemals erlaubt wäre
Shida Bazyar hat einen Text geschrieben, der seinen Protagonist*innen treu bleibt. Den Ton passt sie den Personen minimal an, hält sich aber strikt an eine literarisch, teilweise sogar poetische Erzählweise. Die Persönlichkeiten der Erzähler sind gut zu erfassen. Man ist ganz bei ihnen und ihrer Art, mit den Problemen und Emotionen umzugehen. Die historischen Ereignisse im Iran werden ganz nebenbei eingeflochten. Allerdings ist man ohne Vorwissen, vermutlich manchmal ohne Kontext und muss nebenbei googeln. In der persönlichen Geschichte der Protagonisten bleibt die ein oder andere Lehrstelle. Dabei fällt mir auf, dass mir die weiblichen Perspektiven besser gefallen haben als die männlichen. Mich hätte sehr interessiert, wie es Nahid und Laleh weiter ergangen ist. Aber endet, dass der Person zugeordnete Jahrzehnt, so erfährt man auch nicht mehr besonders viel über sie. Mir ist klar, dass die Autorin das genauso wollte. Für mich versickerte damit aber Substanz.
Was mich durch den Roman getragen hat, ist vor allem die Sprache. Die Innenansichten sind nicht ganz ohne Dialoge, doch tendenziell nimmt man an den Gedanken der Personen teil. Dabei macht sich eine Melancholie und Traurigkeit breit, die die ganze Tragweite von Flucht und Heimat Verlust deutlich macht. Man kann sich zwar in der nächsten Generation davon entfernen, aber man bleibt ein Zwitterwesen zwischen den Stühlen- obwohl man nach vorne schaut und sich der deutschen Kultur weitesgehend angepasst hat, zieht die Vergangenheit an einem. Erst wenn man das akzeptiert, fühlt man sich nicht mehr so zerrissen. Vieles konnte ich aus meiner eigenen migrantischen Vergangenheit wiedererkennen, besonders wenn die Besuche bei der Verwandtschaft beschrieben wurden.
Gefreut habe ich mich über die Leidenschaft die jeden einzelnen am Ende zu packen scheint. Auch wenn der Ausgang ungewiss war, so endet das Buch mit einem Fünkchen Hoffnung.
Ein gutes Buch, das mir gut gefallen hat, aber ab und an zu viele Lücken hinterließ, dafür aber literarisch Großartigkeit serviert. Ich empfehle das allen, die sich mit der Geschichte des Irans und Heimatverlust beschäftigen möchten

















