Shida Bazyar

 4 Sterne bei 289 Bewertungen
Autor*in von Drei Kameradinnen, Nachts ist es leise in Teheran und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Shida Bazyar, geboren 1988 in Hermeskeil, studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim und war, neben dem Schreiben, viele Jahre in der Jugendbildungsarbeit tätig. Ihr Debütroman »Nachts ist es leise in Teheran« erschien 2016 und wurde u.a. mit dem Bloggerpreis für Literatur, dem Ulla-Hahn-Autorenpreis und dem Uwe-Johnson-Förderpreis ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. »Drei Kameradinnen« folgte 2021 und stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Shida Bazyar

Cover des Buches Drei Kameradinnen (ISBN: 9783462003543)

Drei Kameradinnen

(176)
Erschienen am 08.09.2022
Cover des Buches Nachts ist es leise in Teheran (ISBN: 9783462050578)

Nachts ist es leise in Teheran

(97)
Erschienen am 07.09.2017
Cover des Buches Neue Schule (ISBN: 9783546100076)

Neue Schule

(1)
Erschienen am 29.11.2021
Cover des Buches Drei Kameradinnen (ISBN: 9783864847790)

Drei Kameradinnen

(15)
Erschienen am 31.08.2022

Neue Rezensionen zu Shida Bazyar

Cover des Buches Nachts ist es leise in Teheran (ISBN: 9783462050578)
dunis-lesefutters avatar

Rezension zu "Nachts ist es leise in Teheran" von Shida Bazyar

dunis-lesefutter
Wenn Traurigkeit Generationen überdauert

Schon seit das Buch „Nicht ohne meine Tochter“ erschien, hat es mich interessiert, was im Iran so schief gelaufen ist, warum ein Mullah Regime mit größtmöglicher Gewalt gegen sein eigenes Volk vorgeht und eine Revolution nicht gelingen kann. Gerade jetzt wieder steht dieses Land im Fokus. Während ich das schreibe, versinkt das Land im Chaos.


Behsad und Nahid sind aus dem Iran ins Exil nach Deutschland gegangen. Dort haben sie den Status politisch Verfolgter. Ihre beiden Kinder, Laleh und Mo sind zwar noch im Iran geboren, integrieren sich aber relativ schnell in das neue Land.


Aus der Sicht von fünf Protagonist*innen  wird hier die jüngste Geschichte des Irans vor dem Hintergrund einer Familie erzählt. Jedem wird ein Jahrzehnt zugeteilt, von 1979-2009 Von den Untergrungdtätigkeiten Besahds für kommunistische Organisationen im Iran über Nahid, die erst mit der deutschen Sprache kämpft, später studiert, aber immer wieder hofft, dass sie bald wieder nach Hause zurückkehren können, bis zu Laleh, die für ihre Eltern oft Verantwortung übernehmen muss, und die ihre Wurzeln stark spürt. Mo hat den meisten Abstand zu der Vergangenheit seiner Eltern. Und dann ist da noch Tara, das Kind, das in Deutschland geboren wurde und ein Leben führt, dass im Iran niemals erlaubt wäre


Shida Bazyar hat einen Text geschrieben, der seinen Protagonist*innen treu bleibt. Den Ton passt sie den Personen minimal an, hält sich aber strikt an eine literarisch, teilweise sogar poetische Erzählweise. Die Persönlichkeiten der Erzähler sind gut zu erfassen. Man ist ganz bei ihnen und ihrer Art, mit den Problemen und Emotionen umzugehen. Die historischen Ereignisse im Iran werden ganz nebenbei eingeflochten. Allerdings ist man ohne Vorwissen, vermutlich manchmal ohne Kontext und muss nebenbei googeln. In der persönlichen Geschichte der Protagonisten bleibt die ein oder andere Lehrstelle. Dabei fällt mir auf, dass mir die weiblichen Perspektiven besser gefallen haben als die männlichen. Mich hätte sehr interessiert, wie es Nahid und Laleh weiter ergangen ist. Aber endet, dass der Person zugeordnete Jahrzehnt, so erfährt man auch nicht mehr besonders viel über sie. Mir ist klar, dass die Autorin das genauso wollte. Für mich versickerte damit aber Substanz. 

Was mich durch den Roman getragen hat, ist vor allem die Sprache. Die Innenansichten sind nicht ganz ohne Dialoge, doch tendenziell nimmt man an den Gedanken der Personen teil. Dabei macht sich eine Melancholie und Traurigkeit breit, die die ganze Tragweite von Flucht und Heimat Verlust deutlich macht. Man kann sich zwar in der nächsten Generation davon entfernen, aber man bleibt ein Zwitterwesen zwischen den Stühlen- obwohl man nach vorne schaut und sich der deutschen Kultur weitesgehend angepasst hat, zieht die Vergangenheit an einem. Erst wenn man das akzeptiert, fühlt man sich nicht mehr so zerrissen. Vieles konnte ich aus meiner eigenen migrantischen Vergangenheit wiedererkennen, besonders wenn die Besuche bei der Verwandtschaft beschrieben wurden.

Gefreut habe ich mich über die Leidenschaft die jeden einzelnen am Ende zu packen scheint. Auch wenn der Ausgang ungewiss war, so endet das Buch mit einem Fünkchen Hoffnung.


Ein gutes Buch, das mir gut gefallen hat, aber ab und an zu viele Lücken hinterließ, dafür aber literarisch Großartigkeit serviert. Ich empfehle das allen, die sich mit  der Geschichte des Irans und Heimatverlust beschäftigen möchten 

Cover des Buches Drei Kameradinnen (ISBN: 9783462003543)
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Rezension zu "Drei Kameradinnen" von Shida Bazyar

venenorojo
Tiefe Einblicke in die Vielseitigkeit des Alltagsrassismus

Dieser großartige Roman handelt von Kasih, Hani und Saya, drei Freundinnen mit Migrationshintergrund, die in dem selben Stadtteil groß werden, die seit ihrer Kindheit viel Zeit miteinander verbringen, engste Vertraute werden, sich in- und auswendig kennen. Drei Freundinnen mit unterschiedlichen Charakteren, mit verschiedenen Ansichten und Wünschen, die zusammen lachen und weinen. Eines verbindet die drei mittlerweile jungen Frauen mehr als alles andere: der Alltagsrassismus, dem sie ausgesetzt sind und ihre differenzierte Art, damit umzugehen.
Shida Bazyar zeigt die unterschiedlichen, oft subtilen oder auch gar nicht böse gemeinten, Facetten des Alltagsrassismus und die diversen Möglichkeiten, mit diesen umzugehen. Sie verleiht ihrer Erzählerin Kasih eine Stimme voller Inbrunst und Wut, warum Menschen aufgrund ihrer Herkunft ständig hinterfragt werden, ja selbst von Antifaschisten, denn wozu betont man eigentlich, dass man Antifaschist ist?! Müsste das nicht normal sein? Und immer wieder hebt sie eines hervor: Dass der wichtigste Halt in unserer heutigen Zeit bedingungslose Freundschaft ist.
Dieses Buch ist das Beste, was ich seit langem gelesen habe, und offenbart zum Ende neben einem alles in Frage stellenden Plot Twist auch einige weitere Überraschungen.
Für mich ist Shida Bazyars Roman das Buch des Jahres 2021!

Cover des Buches Drei Kameradinnen (ISBN: 9783462003543)
Josseles avatar

Rezension zu "Drei Kameradinnen" von Shida Bazyar

Jossele
Gut geeignet für eine Selbstreflexion, leider mit Katastrophenende

Shida Bazyar ist eine deutsche Autorin, deren Eltern aufgrund der Auswirkungen der iranischen Revolution 1987 aus dem Iran geflohen sind. Der Roman erschien 2021. Er handelt von drei Freundinnen mit Migrationshintergrund. Er erzählt ihre Geschichte beginnend in der Kinderzeit bis zu jenem Tag, an dem eine von Ihnen ein schreckliches Verbrechen begehen wird. Die Erzählweise ist nicht chronologisch linear, der Roman beginnt mit dem Anschlag und springt zwischen den einzelnen Zeiträumen hin und her. Die Ich-Erzählerin wirft ein besonderes Augenmerk auf die Auswirkungen des Migrationshintergrunds auf das Leben der Freundinnen, aufgrund dessen sie Dinge erleben, die deutsche Kinder zumindest zum Teil so nicht erleben werden.

Die Autorin deutet bestimmte Sachverhalte nur an, ohne sie direkt anzusprechen, jedoch so deutlich, dass im Grunde jeder, der einigermaßen informiert durchs Leben geht, den echten Sachverhalt erkennen kann. So lebt die Ich-Erzählerin in Berlin, die angesprochene Partei mit großen Erfolgen in den „Ostländern“ ist die AfD und die Gruppe, deren Chats eine von ihnen liest, ist der Nationalsozialistische Untergrund (NSU), wobei eben alle drei Einzelheiten nicht konkret benannt werden. Das kam mit anfangs etwas seltsam vor, dient aber vielleicht dem Ansinnen der Autorin, den Leser zum intensiven Mit- und Nachdenken zu bewegen. Die Herkunft der drei Freundinnen bleiben hingegen fast vollkommen im Dunkeln. Nur „fast vollkommen“ deshalb, weil Sayas Tanten Kopftücher tragen und deshalb klar ist, dass sie aus dem muslimischen Raum kommen und Hani und ihre Eltern vor einem Krieg geflohen sind, was die Herkunft auch ein wenig einschränkt.

Zwischendurch macht die Autorin auch ein paar sarkastisch-witzige Anmerkungen, z.B. als sie Kasih sagen lässt „Leute reden ja oft wie Kolumbus, wenn sie im Urlaub mal was Neues gesehen haben.“ (KiWi Tb, 3. Aufl. 2024, S. 166) oder wenn sie sich darüber lustig macht, wie oft der Leser in die Wikipedia schaut (ebd., S. 280/281).

Beim Titel habe ich mich gefragt, ob er an das Buch „Drei Kameraden“ von Erich Maria Remarque erinnern soll, ob das Zufall ist oder ob sie suggerieren will, dass die drei Freundinnen sich quasi in einem Krieg befinden.

Immer wieder wird der Leser durch die Erzählerin auch direkt angesprochen, wobei sie durchblicken lässt, dass sie ihn für jemanden ohne Migrationshintergrund hält, der sich im Allgemeinen zu wenig Gedanken macht. Das Verdienst der Autorin ist es wohl, glaubhaft deutlich zu machen, dass der Blick einer von Rassismus Betroffenen auf das Phänomen immer ein anderer sein und bleiben wird als der einer „Weißen“, so wohlmeinend die auch sein mag. Dabei ist mir die Tonlage bisweilen jedoch zu belehrend und überheblich geraten. Als Leser bekommt man ein bisschen zu sehr vermittelt, eh keine Ahnung zu haben.

Insgesamt ein Buch, das zum Nachdenken, auch über die eigene Wahrnehmung anregt, wobei ich stellenweise auch das Gefühl hatte, dass mancher Sachverhalt auch zu schnell und ungeprüft in einen migrantischen Zusammenhang gestellt wird. Es lohnt jedoch jederzeit, sich diese Gedanken zu machen und die eigenen Vorurteile zu überprüfen. Doch leider reißt die Autorin das gedankliche Gebäude, das sie den Leser erbauen ließ, dann mit dem Hintern wieder ein, indem sie auf den letzten Seiten ein verwirrendes Ende anfügt, dessen Sinn sich nicht erschließt. Da endet der Roman dann plötzlich einen Tag früher, sinnfrei und lediglich verwirrend. Auf diese Weise zeigt sie höchstens an, dass man nicht ernst nehmen muss, was sie schreibt, weil sowieso alles anders war. Ärgerlich! Zwei Sterne.

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