Shlomo Sand Die Erfindung des jüdischen Volkes

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Inhaltsangabe zu „Die Erfindung des jüdischen Volkes“ von Shlomo Sand

Gibt es ein jüdisches Volk? Nein, sagt der israelische Historiker Shlomo Sand und stellt damit den Gründungsmythos Israels radikal in Frage. Vertreibung durch die Römer? Exodus? Rückkehr nach 2000 Jahren ins Land der Väter? Alles Erfindungen europäischer Zionisten im 19. Jahrhundert, schreibt Sand in seinem aufsehenerregenden Buch, das in Israel und Frankreich zum Bestseller wurde und heftige Kontroversen ausgelöst hat.

Provokant & informativ, aber unbedingt lesenswert!

— Sokrates

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  • Nationales Selbstbild auf dem Prüfstand

    Die Erfindung des jüdischen Volkes

    Sokrates

    06. September 2014 um 18:09

    Interessant, wenn auch politisch provokanter Lesestoff: der in Tel Aviv lehrende Professor für Geschichte Shlomo Sand beschäftigt sich im vorliegenden Buch mit der Frage, ob es „das“ jüdische Volk gab und – wenn ja – wie hieb- und stichfest die Belege für die Inanspruchnahme des heutigen Territoriums „Israel“ für dieses Volk sind. Ausgehend von der Feststellung, wonach für Sand jüdische Geschichtsschreibung in Israel immer pro-nationalistisch ist, stellt er fest, dass historische Forschung bislang immer der zionistischen Idee verpflichtet war. Ergebnis war eine ethnozentristische Geschichtsschreibung, die gegensätzliche Quellen entweder nicht wahrnahm oder hieraus gewonnene Erkenntnisse nicht reflektiert wurden. Angehende israelische Forscher würden so unter einem nationalistischen Weltbild geprägt, dass bestimmte Erklärungsmodelle ignoriert. In gleicher Weise würde das offizielle Selbstbild Israels verfahren: es steht bis heute – scheinbar - unzweifelhaft fest, dass das „jüdische Volk“ ein „Volk“ ist; Sand hingegen weist nach, dass es das „eine“ jüdische Volk schlichtweg nicht gibt, sondern dass es sich vielmehr aus einer Vielzahl unterschiedlicher Ethnien rekrutiert, die im Laufe der Geschichte den jüdischen Glauben angenommen oder auch wieder abgelegt haben. So gab es auch jüdisch regierte oder zumindest dominierte Königreiche in Osteuropa, deren Existenz bis heute wenig erforscht und in falscher Art und Weise reflektiert – nämlich unzureichend – wird. Für Sand folgt aus dieser unvollständigen und tendenziösen Kreation eines nationalen Selbstbildes, betrieben seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, unter dem allgemeinen Einfluss nationalistischer Bestrebungen in der europäischen Kultur des 19. Jahrhunderts, ein eigensinniges Selbstbild, das heute das israelische dominiert und insbesondere für den interkulturellen Dialog im Nahen Osten spätestens seit der Staatsgründung Israels fatale Konsequenzen zeitigt. Das Buch wirft provokante Fragen auf; es rührt auch an grundlegenden politischen Problemen und es stellt letztendlich auch die Frage, ob nicht zunächst zur Lösung des Israel-Palästina-Konfliktes eine weltanschauliche Neustrukturierung erforderlich ist, damit Frieden in der Region einziehen kann. Hierbei sollten auch Selbst- und Fremdbilder der dort zusammenlebenden Kulturen tief hinterfragt werden. Hierzu liefert Shlomo Sand sehr viel Material. 

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