Shobha Rao

 5 Sterne bei 2 Bewertungen

Lebenslauf von Shobha Rao

Shobha Rao emigrierte im Alter von sieben Jahren mit ihrer Familie aus Indien in die USA und lebt heute in San Francisco. Sie arbeitete lange als Rechtsanwältin im Bereich häuslicher Gewalt und vertrat insbesondere Opfer mit Migrationshintergrund. Raos Debütroman »Mädchen brennen heller« (»Girls Burn Brighter«, 2018) rangierte in den führenden Bestenlisten der USA. Zuvor erschien ihr Band mit Kurzgeschichten (»An Unrestored Woman«, 2016). Shobha Rao ist Preisträgerin des Katherine Anne Porter-Preises und wurde von T. C. Boyle für die Anthologie »The Best American Short Stories 2015« ausgewählt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Shobha Rao

Cover des Buches Mädchen brennen heller (ISBN:9783906903125)

Mädchen brennen heller

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Erschienen am 01.09.2019
Cover des Buches Girls Burn Brighter (English Edition) (ISBN:9780349006857)

Girls Burn Brighter (English Edition)

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Erschienen am 06.03.2018
Cover des Buches Girls Burn Brighter (ISBN:9781250074256)

Girls Burn Brighter

 (0)
Erschienen am 06.03.2018

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Rezension zu "Mädchen brennen heller" von Shobha Rao

Indien, wie es viel zu selten in der Literatur vorkommt
nocheinbuchvor 2 Monaten

Das südwestliche Indien mit seinen mal staubtrockenen, unglaublich erhitzten, mal von Regengüssen völlig zermatschten Böden, die das Barfußlaufen erzwingen. Barfuß zum Sari-Webstuhl, zum Tee mit der möglicherweise zukünftigen Schwiegerfamilie, barfuß durch den Morast der absoluten Armut, der lebenzerstörenden Mitgiftpolitik, der Unterwelt voller geschasster Mädchen - Frauen werden sie kaum, derart giftig durchtränkt sie ihr gottgegebenes Schicksal in niedriger Kaste.

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“Flammen, Flammen rings um dich, die deine eben erst entstandenen Brüste auffressen, deinen eben erst blutenden Körper. Und Flammenmeere, weit wie die Welt. Die darauf warten, dich zu vernichten, dich zu Asche zu machen - und selbst der Wind, sogar der Wind, meine Kleine, schaut dir beim Brennen zu, will es, weht über dich hinweg und durch dich hindurch. Verstreut dich, weil du ein Mädchen bist und weil du Asche bist."

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Mädchen wie die Weberin und Halbwaise Purnima und die Müllsammlerin Savita, 16 und 17, deren Perspektiven in Shobha Raos Debütroman “Mädchen brennen heller” abwechselnd in den Vordergrund treten, wobei eine sehr fließende, teils poetische Sprache die dunklen Gräben der erzählten Abgründe überbrückt. Auch wäre das nicht nur die beiden von Geburt an begleitende Verständnis des weiblichen Körpers als Ware unerträglich ohne ihre tiefe Freundschaftsliebe zueinander sowie den sequenziell angelegten, recht abenteuerlichen Storyverlauf, ausgekleidet mit dem Mut und der Zuversicht ihres jeweils aufkeimenden identitären Bewusstseins.

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Bis in die USA gelangen Purnima und Savita, längst wieder voneinander getrennt, bis dort zieht sich der Handel mit Körpern, ihren Funktionen und Kräften und verbietet somit die Gewohnheit, Dritte-Welt-Zustände auszublenden. Denn: Sie kehrt vor unserer Haustür - manchmal buchstäblich, das versteht jetzt allerdings nur, wer "Mädchen brennen heller" liest, wer in diese reale, lodernde und doch eiskalte, aber vor allem würdelose Hölle voller inhumaner Despotie blickt.

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Ein nicht ganz perfekt ausgereiftes Debüt, das mich allerdings völlig in Beschlag nahm und infolgedessen mir andere Zeitungsmeldungen als gewohnt ins Auge stachen.

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Rezension zu "Mädchen brennen heller" von Shobha Rao

man darf die Augen nie verschließen
aus-erlesenvor 4 Monaten

Es beginnt so zärtlich. Purnima wurde nach dem Mond benannt. Ein zärtlicher Name für ein zartes Geschöpf. Doch schon die Antwort des Vaters, warum die Erstgeborene denn diesen Namen bekam, lässt das Unheil in weiter Ferne erahnen: Einer Prophezeiung nach würde dann ein Sohn geboren. Und der ist in der indischen Gesellschaft mehr wert! Da muss man erstmal schlucken. Nicht zum letzten Mal in diesem Buch von Shobha Rao. 

Purnima ist die Älteste, muss im Haushalt und bei der Arbeit helfen - Purnimas Familie gehört zur Weberkaste. Und irgendwann, bald, wird sie heiraten. Sie wird verheiratet werden. Denn Heirat bedeutet einen Esser weniger in der Familie. Besonders, wenn der Esser eine Frau, ein Mädchen ist. 

Purnimas Mutter ist krank. Krebs. Sie wird bald sterben. Die Hochzeit wird aus allen Gründen, außer menschlichen, notwendiger denn je. Ebenso wird eine Haushaltshilfe benötigt. Diese steht eines Tages in der Gestalt von Savita auf der Schwelle. Nur ein oder zwei Jahre älter als Purnima. Ihr Name bedeutet Sonne. Sonne und Mond- so unzertrennlich miteinander verwoben wie die beiden Mädchen, jungen Frauen. Savita ist die Rettung für Purnima. Sie zeigt ihr wie man sich aufdringlichen jungen Männern – die ja mehr wert sind – erwehren kann. Savita ist der Rettungsanker, den sich Purnima nicht einmal im Schlaf hätte vorstellen, hätte wünschen können. 

Doch das Schicksal schlägt einmal mehr erbarmungslos zu. Savita von einem Tag auf den anderen nicht mehr da. Purnimas Leben scheint nun vorgezeichnet zu sein. Nach und nach findet Purnima heraus, was passiert ist. Eine abscheuliche Tat ist Savita widerfahren. So unwirklich, dass es kaum fassbar ist, was Shabha Rao da beschreibt. 

Wer immer noch in der romantischen Vorstellung der indischen Gesellschaft lebt, dass hier alles in Harmonie verharrt, wird einen Denkzettel fürs Leben bekommen. Das Kastensystem erlaubt kaum Ausbrüche, geschweige denn Aufstiege. Mädchen stehen im Ehrenranking so weit hinten an, dass sie kaum existent erscheinen. Männer sind, egal welcher Kaste sie angehören, in jedem Belang überlegen. Dass Shabha Rao ihre Heldin Purnima den Ausbruch wagen lässt – Purnima sucht besessen nach Savita, reist durch Indien bis ans andere Ende der Welt – ist eine Revolution in der indischen Literatur. Armut und Missbrauch gehören in Purnimas Kreisen zum Alltag. Die allgegenwärtige Gewalt, das bedrückende Leben in unmenschlichen Verhältnissen sind das Salz in der Suppe dieses erstklassigen Romans. Der Kampf Purnimas gegen diese Regeln machen daraus ein schmerz- und schmackhaftes Mahl.


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