Shumona Sinha

 3,6 Sterne bei 40 Bewertungen
Autor*in von Erschlagt die Armen!, Das russische Testament und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Shumona Sinha, geboren 1973 in Kalkutta, lebt seit 2001 in Frankreich. An der Sorbonne schloss sie ihren Magister in Literaturwissenschaft ab. Sie ist Herausgeberin mehrerer Lyrikbände auf Bengalisch und Französisch. Ihr Roman »Erschlagt die Armen!« (2011, dt. 2015) wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, 2016 erhielten Shumona Sinha und Lena Müller den Internationalen Literaturpreis für Roman und Übersetzung. 2016 und 2017 erschienen die Romane »Kalkutta« und »Staatenlos«.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Shumona Sinha

Cover des Buches Erschlagt die Armen! (ISBN: 9783894018207)

Erschlagt die Armen!

 (22)
Erschienen am 26.08.2015
Cover des Buches Das russische Testament (ISBN: 9783960542605)

Das russische Testament

 (5)
Erschienen am 06.09.2021
Cover des Buches Kalkutta (ISBN: 9783960540106)

Kalkutta

 (5)
Erschienen am 24.08.2016
Cover des Buches Staatenlos (ISBN: 9783960540472)

Staatenlos

 (4)
Erschienen am 06.09.2017
Cover des Buches Erschlagt die Armen! (ISBN: 9783423147064)

Erschlagt die Armen!

 (4)
Erschienen am 22.03.2019
Cover des Buches Assommons les pauvres! (ISBN: 9782757829981)

Assommons les pauvres!

 (0)
Erschienen am 13.09.2012

Neue Rezensionen zu Shumona Sinha

Cover des Buches Das russische Testament (ISBN: 9783960542605)

Rezension zu "Das russische Testament" von Shumona Sinha

Zwei Frauen, zwei Länder und die Kraft der Literatur
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

„Sie entdeckte die aufregende Grenze zwischen Wirklichkeit und Erfindung, zwischen dem, was geschrieben steht und dem, was noch geschrieben werden wird, die Lust am Unvollendeten.“ (Zitat Seite 33)

 

Inhalt

Tanias Vater ist Buchhändler in Kalkutta und verkauft internationale Literatur, die ins Bengali übersetzt worden war. Da ihre Mutter sie ablehnt, zieht sich Tania schon in ihrer Kindheit in die Welt der Bücher zurück. Immer wieder sind es Bücher von russischen Autoren und in jedem der Bücher findet sie die Adresse der Verlage Raduga und Progress, Subowski Bulvar, Moskau. Als Studentin beginnt Tania mit genauen Recherchen auf den Spuren des Raduga Verlages und des Verlegers und Schriftstellers Lew Kljatschko. Am Institut für russische Sprache und Literatur lernt sie Russisch und schreibt einen Brief an die Adresse des Verlages. Doch der Verlag musste schon 1930 unter Stalin schließen, Lew Kljatschko starb nur wenige Jahre später. Der Brief jedoch gelangt nach Boston, zur Enkelin des Verlegers. Diese schickt den Brief weiter an ihre Großmutter Adel, die in einem Altersheim in St. Petersburg lebt. „Ich weiß nicht, wie mich diese junge Frau ausfindig gemacht hat. Ich bin erstaunt über die Entschlossenheit, mit der sie über drei Kontinente hinweg die unsichtbaren und meist längst vergessenen Punkte verbunden hat.“ (Zitat Seite 11, 12)

 

Thema und Genre

In diesem Roman geht es um Unterdrückung, Politik und den Wunsch nach Freiheit gegen alle Widerstände. Vor allem jedoch geht es um Bücher und die Kraft der Literatur.

 

Charaktere

Zwei Frauen und ein Mann: was sie trennt ist mehr als ein halbes Jahrhundert und mehr als sechstausend Kilometer Luftlinie. Auch die unterschiedlichen, persönlichen Erfahrungen mit der Ideologie des Kommunismus trennen die Welten dieser Menschen, denn Adels freidenkender Vater riskierte unter der Zensur und den Bespitzelungen der Stalinzeit sein Leben, Tania dagegen schloss sich als junge Studentin in Kalkutta den Aktivisten der kommunistischen Studentenbewegung an. Was sie eint, sind Bücher, die Liebe zur Literatur, Maxim Gorki und die Suche nach einem freien, selbstbestimmten Leben.

 

Handlung und Schreibstil

Dieser Roman erzählt zwei voneinander unabhängige Geschichten. Eine Geschichte schildert die Kindheit und Jugend Tanias in den 1980er Jahren in Kalkutta, die personale Erzählform stellt Tania in den Mittelpunkt. In der zweiten Geschichte schildert die Russin Adel Kljatschko als Ich-Erzählerin ihr Leben, vor allem jedoch ihre Erinnerungen, in deren Mittelpunkt die Geschichte ihres Vaters steht. Die Sprache der Autorin ist lebhaft, eindrucksvoll und präzise.

 

Fazit

Eine ungewöhnliche Geschichte, getrennt durch ein halbes Jahrhundert und mehr als sechstausend Kilometer, verbunden durch die Liebe zur Literatur und den Wunsch nach persönlicher Freiheit.

Cover des Buches Erschlagt die Armen! (ISBN: 9783894018207)
Catastrophias avatar

Rezension zu "Erschlagt die Armen!" von Shumona Sinha

Von menschlichen Zugvögeln und dem leidbringenden Asylsystem
Catastrophiavor 3 Jahren

"Also mussten sie die Wahrheit verstecken, vergessen, verlernen und eine neue erfinden. Die Märchen der menschlichen Zugvögel. Mit gebrochenen Flügeln und schmierigen, stinkenden Federn. Mit Träumen traurig wie Lumpen." 


"Erschlagt die Armen"  ist Polemik und tiefster Einblick ins Innenleben einer tief gespaltenen Person. Shumona Sinha erschafft mit einer unglaublich poetischen Sprache ein vernichtendes Bild des europäischen Asylsystems. Ähnlichkeiten mit ihrer Protagonistin, die selbst aus Indien stammt und nun als Übersetzerin bei der französischen Asyöbehörde arbeitet, hat sie reichlich, und deshalb sollte die Prosa nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um ein ziemlich realistisches Bild handelt, das Sinha hier entwirft. Denn die Protagonistin, die es - mindestens aus der Perspektive ihrer nach Frankreich flüchtenden Landsleute - "geschafft" hat, hat sich damit auch verändert, hat sich entfernt, hat die leidvollen Geschichten, die oft genug mit Lügen gespickt sind um die Chancen auf Asyl durch noch mehr Leid zu erhöhen,  schon tausendmal gehört und stumpft ab. So sehr, dass sie sich in Polizeigewahrsam wiederfindet, da sie einen indischen Migranten angegriffen hat. 

Nun muss sie sich damit auseinandersetzen,  was sie dazu gebracht hat.  Kritik richtet sie dabei an so ziemlich alle: Unmenschliche Asylgesetze, leichtgläubige Beamt*innen, aus Verzweiflung lügende Asylsuchende, die sie als Frau mitunter gar nicht erst ernst nehmen und nicht zuletzt sich selbst.

Dass Sinha nach Veröffentlichung des Romans ihren Job bei der französischen Asylbehörde verloren hat, spricht in dem Kontext Bände.  Ein beeindruckendes Buch, das ebenso beeindruckend von Lena Müller übersetzt wurde. Erschienen ist es 2015  und gewann sehr zu Recht 2016 den Internationalen Literaturpreis.

Cover des Buches Das russische Testament (ISBN: 9783960542605)
whatklarareadss avatar

Rezension zu "Das russische Testament" von Shumona Sinha

Eine fesselnde und schnelllebige Geschichte
whatklarareadsvor 3 Jahren

Tanias Vater ist Buchhändler im Kalkutta, ihre Mutter wünschte, Tania wäre nie geboren. Gefangen zwischen der Gewalt der Eltern, die sie nicht richtig lieben können, und den Büchern ihres Vaters flieht Tania sich schnell in jede Geschichte, die sie finden kann, jede Erzählung, die nicht die ihres eigenen Lebens ist.

In Tanias Fall bedeutet das die Entdeckung der russischen Literatur, die sich im Laden ihres Vaters bis unter die Decke stapelt und einst ein zeichen der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Indien und der Sowjetunion war. Schnell entbrennt in ihr eine Liebe für Russland und seine Schriftsteller, und für den Verlag Raduga, deren Ursprüngen sie unbedingt auf die Spur kommen möchte. Raduga wird ihr Leitstern, ihr Wegweiser heraus aus der kleinbürgerlichen Welt Indischer Slums, der sie längst entwachsen ist.


Doch was ist Hoffnung wert? Und was passiert, wenn sie sich an eine gescheiterte Utopie klammert?


In vorstichtiger und schnelllebiger Prosa erzählt Shumona Sinha von Idealen und deren Zerrüttung, und verdeutlich uns einmal mehr, welch zerstörerische emotionale Folgen der Zerfall der Sowjetunion, des großen Kommunistischen Traums für Millionen von Menschen hatte.


Dabei fühlt man sich als Leser schnell selbst, als würde man sich an eine Felswand klammern, die unter den eigenen Fingern zu Staub zerfällt. Die Nacktheit der Sprache in diesem Buch lässt die Geschichte zerrissen wirken, seitenweise führt uns eine Ich-Erzählerin im absoluten Schnelldurchlauf durch die Geschichte Russlands des gesamten 20. Jahrhunderts. Tania ist eine sympathische Protagonistin, man fühlt und leidet mit ihr, doch am allerliebsten würde man einfach gerne mehr Zeit mit ihr verbringen, mehr über ihre Gefühle lesen, sie besser verstehen, ihre Freundin werden.


All das lässt die Kürze des Buches leider nicht zu, was mich Stellenweise wirklich sehr gestört hat.


Besonders schön hingegen ist die Entdeckung Russlands als Hoffnungsträger für die Jugend Indiens in den späten 1900ern, eine Geschichte, die noch nicht oft genug erzählt wurde und jedes Bisschen Aufmerksamkeit verdient. Der Blick in das Leben junger Studenten in Kalkutta ist in diesem Buch zart, menschlich, liebevoll.


Was mir hier zu sagen bleibt ist: Ich hätte gerne mehr davon gehabt. Mehr Zeit in diesem Buch, mehr Zeit mit den Protagonisten, mehr Zeit für ein rundes Ende. Doch was geschrieben ist, ist gut, und ist es in jedem Fall wert, von euch gelesen zu werden.


Klara over and out.

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