Shumona Sinha

 3,7 Sterne bei 36 Bewertungen
Autor von Erschlagt die Armen!, Kalkutta und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Shumona Sinha

Shumona Sinha, geboren 1973 in Kalkutta, lebt seit 2001 in Paris und studierte Literaturwissenschaft an der Sorbonne; ab 2009 war sie als Dolmetscherin für Asylsuchende tätig. Nach der Veröffentlichung von »Erschlagt die Armen!« 2011 (dt. 2015) verlor sie ihre Arbeit bei der französischen Migrationsbehörde, der Roman wurde mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet, die deutsche Ausgabe mit dem Internationalen Literaturpreis 2016. Ihr dritter Roman »Kalkutta« (dt. 2016) wurde ebenfalls vielfach ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Shumona Sinha

Cover des Buches Erschlagt die Armen! (ISBN: 9783894018207)

Erschlagt die Armen!

 (20)
Erschienen am 26.08.2015
Cover des Buches Das russische Testament (ISBN: 9783960542605)

Das russische Testament

 (4)
Erschienen am 06.09.2021
Cover des Buches Staatenlos (ISBN: 9783960540472)

Staatenlos

 (4)
Erschienen am 06.09.2017
Cover des Buches Kalkutta (ISBN: 9783960540106)

Kalkutta

 (5)
Erschienen am 24.08.2016
Cover des Buches Erschlagt die Armen! (ISBN: 9783423147064)

Erschlagt die Armen!

 (3)
Erschienen am 22.03.2019
Cover des Buches Assommons les pauvres! (ISBN: 9782757829981)

Assommons les pauvres!

 (0)
Erschienen am 13.09.2012

Neue Rezensionen zu Shumona Sinha

Cover des Buches Erschlagt die Armen! (ISBN: 9783894018207)Catastrophias avatar

Rezension zu "Erschlagt die Armen!" von Shumona Sinha

Von menschlichen Zugvögeln und dem leidbringenden Asylsystem
Catastrophiavor einem Jahr

"Also mussten sie die Wahrheit verstecken, vergessen, verlernen und eine neue erfinden. Die Märchen der menschlichen Zugvögel. Mit gebrochenen Flügeln und schmierigen, stinkenden Federn. Mit Träumen traurig wie Lumpen." 


"Erschlagt die Armen"  ist Polemik und tiefster Einblick ins Innenleben einer tief gespaltenen Person. Shumona Sinha erschafft mit einer unglaublich poetischen Sprache ein vernichtendes Bild des europäischen Asylsystems. Ähnlichkeiten mit ihrer Protagonistin, die selbst aus Indien stammt und nun als Übersetzerin bei der französischen Asyöbehörde arbeitet, hat sie reichlich, und deshalb sollte die Prosa nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um ein ziemlich realistisches Bild handelt, das Sinha hier entwirft. Denn die Protagonistin, die es - mindestens aus der Perspektive ihrer nach Frankreich flüchtenden Landsleute - "geschafft" hat, hat sich damit auch verändert, hat sich entfernt, hat die leidvollen Geschichten, die oft genug mit Lügen gespickt sind um die Chancen auf Asyl durch noch mehr Leid zu erhöhen,  schon tausendmal gehört und stumpft ab. So sehr, dass sie sich in Polizeigewahrsam wiederfindet, da sie einen indischen Migranten angegriffen hat. 

Nun muss sie sich damit auseinandersetzen,  was sie dazu gebracht hat.  Kritik richtet sie dabei an so ziemlich alle: Unmenschliche Asylgesetze, leichtgläubige Beamt*innen, aus Verzweiflung lügende Asylsuchende, die sie als Frau mitunter gar nicht erst ernst nehmen und nicht zuletzt sich selbst.

Dass Sinha nach Veröffentlichung des Romans ihren Job bei der französischen Asylbehörde verloren hat, spricht in dem Kontext Bände.  Ein beeindruckendes Buch, das ebenso beeindruckend von Lena Müller übersetzt wurde. Erschienen ist es 2015  und gewann sehr zu Recht 2016 den Internationalen Literaturpreis.

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Cover des Buches Das russische Testament (ISBN: 9783960542605)whatklarareadss avatar

Rezension zu "Das russische Testament" von Shumona Sinha

Eine fesselnde und schnelllebige Geschichte
whatklarareadsvor einem Jahr

Tanias Vater ist Buchhändler im Kalkutta, ihre Mutter wünschte, Tania wäre nie geboren. Gefangen zwischen der Gewalt der Eltern, die sie nicht richtig lieben können, und den Büchern ihres Vaters flieht Tania sich schnell in jede Geschichte, die sie finden kann, jede Erzählung, die nicht die ihres eigenen Lebens ist.

In Tanias Fall bedeutet das die Entdeckung der russischen Literatur, die sich im Laden ihres Vaters bis unter die Decke stapelt und einst ein zeichen der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Indien und der Sowjetunion war. Schnell entbrennt in ihr eine Liebe für Russland und seine Schriftsteller, und für den Verlag Raduga, deren Ursprüngen sie unbedingt auf die Spur kommen möchte. Raduga wird ihr Leitstern, ihr Wegweiser heraus aus der kleinbürgerlichen Welt Indischer Slums, der sie längst entwachsen ist.


Doch was ist Hoffnung wert? Und was passiert, wenn sie sich an eine gescheiterte Utopie klammert?


In vorstichtiger und schnelllebiger Prosa erzählt Shumona Sinha von Idealen und deren Zerrüttung, und verdeutlich uns einmal mehr, welch zerstörerische emotionale Folgen der Zerfall der Sowjetunion, des großen Kommunistischen Traums für Millionen von Menschen hatte.


Dabei fühlt man sich als Leser schnell selbst, als würde man sich an eine Felswand klammern, die unter den eigenen Fingern zu Staub zerfällt. Die Nacktheit der Sprache in diesem Buch lässt die Geschichte zerrissen wirken, seitenweise führt uns eine Ich-Erzählerin im absoluten Schnelldurchlauf durch die Geschichte Russlands des gesamten 20. Jahrhunderts. Tania ist eine sympathische Protagonistin, man fühlt und leidet mit ihr, doch am allerliebsten würde man einfach gerne mehr Zeit mit ihr verbringen, mehr über ihre Gefühle lesen, sie besser verstehen, ihre Freundin werden.


All das lässt die Kürze des Buches leider nicht zu, was mich Stellenweise wirklich sehr gestört hat.


Besonders schön hingegen ist die Entdeckung Russlands als Hoffnungsträger für die Jugend Indiens in den späten 1900ern, eine Geschichte, die noch nicht oft genug erzählt wurde und jedes Bisschen Aufmerksamkeit verdient. Der Blick in das Leben junger Studenten in Kalkutta ist in diesem Buch zart, menschlich, liebevoll.


Was mir hier zu sagen bleibt ist: Ich hätte gerne mehr davon gehabt. Mehr Zeit in diesem Buch, mehr Zeit mit den Protagonisten, mehr Zeit für ein rundes Ende. Doch was geschrieben ist, ist gut, und ist es in jedem Fall wert, von euch gelesen zu werden.


Klara over and out.

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Cover des Buches Das russische Testament (ISBN: 9783960542605)yellowdogs avatar

Rezension zu "Das russische Testament" von Shumona Sinha

Aufwachsen in Kalkutta
yellowdogvor einem Jahr

Shumona Sinha ist seit ihrem Roman Erschlagt die Armen eine der aufregendsten Stimmen der französischsprachigen Literatur. Das liegt zum Teil auch an ihrem Background. Sie ist in Kalkutta geboren und Kalkutta spielt auch in diesem Roman eine Rolle, genauso wie Russland.

Da ist Tania, die in Kalkutta aufgewachsen ist und da ist eine 80jährige Frau in Sankt Petersburg. In ihrem Part ist sie Icherzählerin.

Tania hat eine schwere Kindheit, da ihre Mutter sie schlägt. Trost findet sie immer nur in Büchern. Dieser literarische Bezug ist klug eingesetzt und trägt zu Tanias Entwicklung als tragende Figur bei.

Ob und wann diese beiden Figuren aufeinandertreffen sei hier noch nicht verraten.

Die Handlung klingt komplex, ergibt sich beim Lesen aber sehr gut.

Die sprachlichen Qualitäten des Romans sind außerordentlich. Die Autorin vermag es, die Emotionen der Figuren zu vermitteln.

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