Sibylle Berg Der Mann schläft

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Inhaltsangabe zu „Der Mann schläft“ von Sibylle Berg

»Ein Plädoyer für mehr Gleichmut in der Liebe.« Kristina Maidt-Zinke in ›Die Zeit‹Eine Frau liebt einen Mann, weil der die Frau liebt. Was kann man sich Besseres wünschen? Doch die Welt kennt kein Pardon: Auf einer Reise nach China kommt der Mann gleich wieder abhanden, und man fragt sich, ob das mit rechten Dingen zugeht. Warum sucht man nach Veränderung, wenn man das Glück gefunden hat? Warum bleibt man nicht dort, wo man glücklich ist? Sibylle Berg erzählt eine moderne Liebesgeschichte und zeigt mit so melancholischen wie bösartigen Bildern eine Welt, in der man höchstens zu zweit überleben kann.»Zynisch, melancholisch und zart, ein in seiner messerscharfen, sich selbst niemals ausnehmenden Diagnosesucht brutal ehrlicher Roman.« Felicitas von Lovenberg in der ›FAZ‹

Wunderbare Sätze. Trockener Humor. Seelenverwandte.

— prueher

ist mir im moment etwas zu lakonisch und depressiv... lese es später weiter. das buch ist sehr schön geschrieben aber macht einen traurig...

— naninka

Sprachgewaltige, meisterhafte Beschreibung der Sinnlosigkeit des Daseins um sich vom Hochhaus zu stürzen. Leider nicht meins. :-)

— MayFlowers

Sybille Berg kann Menschen mit der Feder sezieren.

— Chahna

Wer Liebe so ohne Kitsch und doch so berührend beschreibt, dem gehört die schreibende Hand geküsst!

— Lara_B_Fritz

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  • Das Leben steckt voller Überraschungen

    Der Mann schläft

    Daphne1962

    16. August 2015 um 10:56

    Wo Bestseller drauf stand, war auch zum Glück Bestseller drin. Der Mann liebt die Frau. Die Frau liebt den Mann ebenso. Er ist groß und stark und sie kann sich an ihn anlehnen. Findet Geborgenheit bei ihm und die Sicherheit, das er abends im Bett neben ihr liegt. Das soll immer so bleiben. Denn lange war sie auf der Suche nach dem passenden "Deckel". Er ist allerdings 110 kg schwer der Mann, keine Schönheit, aber er ist da. Das zählt, egal, wo man mit ihm ist. Aber ihre ständige Antriebslosigkeit und ihre eigens empfundene Durchschnittlichkeit ständig präsent, steht ihr im Wege. Sie lebt inzwischen bei ihm im langweiligen Tessin, wo nur Rentner leben, die in der Stahlindustrie tätig waren. Der Gedanke im fast verlassenen Ort die Feiertage zu verbringen grault ihr schon im Schlaf. "Ich muss gelassener werden, denn mein Hass der Welt gegenüber ist der Welt egal" oder Ich werde immer mit mir zusammen sein, besser, ich versöhne mich mit mir".   Wegfahren ist eine gute Alternative zum Jahreswechsel. Nach China, weit weg. Nachdem sie sich dort in ihre Regelmäßigkeit in der Fremde eingerichtet hatten kommt ihr der Mann abhanden.   Boshaft ehrlich mit einer Prise Zynismus beschreibt die Frau ihre Erinnerungen, die der Gegenwart von Seite zu Seite näher kommt, um sich am Ende zu treffen. Man möchte sie retten aus ihrer auswegslosen Situation. Man hofft auf ein gutes Ende, man lebt die Sinnlosigkeit des Daseins mit.  Mich hat diese Autorin dermaßen überrascht mit diesem Roman, das ich einfach nur sagen kann "Muss man gelesen haben" sonst hat man was verpaßt. Allerdings nicht, wenn man gerade selbst am Abgrund steht.

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  • Der Wunsch von Zweisamkeit

    Der Mann schläft

    dicketilla

    02. March 2014 um 12:30

    Eine Frau , um die Vierzig , in der Ich Form erzählend ,liebt einen Mann ,weil er sie liebt . Kaum noch auf eine Partnerschaft hoffend , ist sie froh , dass neben ihr dieser Mann liegt . Dieser Sinn , nicht allein zu sein und so den Dingen der bösen Welt gemeinsam trotzend , schützend gegenüber stehend .. Dieser Roman ist sehr melancholisch geschrieben . Aber von einer sehr beeindruckenden Sprache . Die Geschichte beginnt auf einer kleinen Insel in der Nähe von Hongkong , mit rückblickender Erzählweise . Der Man schläft lautet ihre Erklärung , wenn nachgefragt .Dabei ist er vor Tagen verschwunden, Ihr Suchen , von der Polizei nicht erstnehmend und für sie erfolglos blieb . Wo doch genau diese Zweisamkeit für sie so ersehnt war . So zeichnet sie uns ein Bild der Einsamkeit , den Wunsch nicht allein zu sein , etwas in Jemanden zu hinterlassen , Da gewesen zu sein . So wird der Verlust des Mannes mit dem Verlust des Lebensglücks gewertet . Mich hat dieses Buch sehr traurig und nachdenklich gemacht . Bei Amazon steht bei einigen Rezensionen , dass wer unter depressiven Neigungen leidet , dieses Buch nicht lesen sollte . Alle Anderen es unbedingt lesen sollten . Dem kann ich nur zustimmen ! Sibylle Berg ist ein Buch voller Sarkasmus , aber auch vieler Weisheiten gelungen . Es macht nachdenklich und verwöhnt uns mit einer tollen Sprachvielfalt

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  • Rezension zu "Der Mann schläft" von Sibylle Berg

    Der Mann schläft

    Thaila

    22. March 2012 um 08:17

    Die namenlose Hauptfigur dieses Romans ist eine ältere Frau. Von der Liebe ist sie gründlich enttäuscht. In ihren Affären mit jüngeren Männern ist sie immer wieder verlassen worden. Sie hat die Menschen gründlich satt, als sie dem Mann begegnet. Auch er bleibt namenlos, ist immer nur der Mann. Er ist weder schön, noch leidenschaftlich, sondern ebenso wie die Frau der Geschichte ziemlich träge. Der Mann schläft, wie schon der Titel sagt. Aber für die Frau ist er genau der Mann, den sie braucht. Seine Selbstzufriedenheit gibt ihr Sicherheit. Und dann verschwindet er plötzlich auf einer Reise auf einer südchinesischen Insel spurlos ohne eine Nachricht zu hinterlassen und die Frau ist vollkommen verstört. Sybille Bergs Roman erzählt sehr klug über die Liebe, auch wenn sie dieses Wort nicht einmal benutzt. Die Liebe muss kein loderndes Feuer sein, sondern ist manchmal ganz unspektakulär oder wie die Frau es ausdrückt: "Sie war alt genug zu wissen, dass es ein großen Glück ist, jemanden zu treffen, den man so sehr mag, dass er einen nicht nervt." Diesen Satz habe ich mir dick angestrichen, denn ich finde ihn seiner Schlichtheit absolut zutreffend. Seltern hat ein Buch die Ereignisarmut einer erfüllten Beziehung so gefeiert. Auch die Erzählweise des Romans ist interessant, nach und nach setzt sich die Lebensgeschichte der Frau zusammen. Leider trägt Sybille Bergs Erzählung nicht über die Länge des Romans. Eine Erzählung wäre vielleicht angemessener gewesen. So wiederholen sich die Erkenntnisse der Protagonisten, ihr Menschenüberdruss und ihr Bedürfnis nach Ruhe immer und immer wieder, bis man ihrer ebenso überdrüssig ist wie sie den Menschen. Auch die etwas absurde Handlung auf der chinesischen Insel kann darüber nicht hinweghelfen. So fand ich die zweite Hälfte des Romans schlicht langweilig. Da ich Euch ja schlecht raten kann, den Roman nur halb zu lesen, kann ich keine uneingeschränkte Leseempfehlung geben. Wen jedoch die Liebe interessiert, die Frage wie und warum Beziehungen funktionieren (oder eben auch nicht), dem bieten Sybille Berg eine originelle, kluge Perspektive auf dieses Thema.

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  • Rezension zu "Der Mann schläft" von Sibylle Berg

    Der Mann schläft

    Eric_Hegmann

    01. June 2011 um 16:36

    Sibylle Berg schreibt einfach grandios. Als Fan der ersten Hälfte ihres "Ende gut" hat mir "Der Mann schläft" wegen seiner kompakteren Geschichte (auch wenn die wundervoll zeitlich zerhackt erzählt wird, aber dadurch eine packende Dramaturgie erhält) mehr gegeben. Etwas Sinn fürs Misanthropische und die Fähigkeit zur Selbstironie sollten Leser mitbringen, denn die Autorin spielt mit diesen Mitteln richtig groß auf.

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  • Rezension zu "Der Mann schläft" von Sibylle Berg

    Der Mann schläft

    WinfriedStanzick

    26. May 2011 um 14:28

    Man hat die 1962 in Weimar geborene Schriftstellerin Sibylle Berg einmal die "Hasspredigerin der Single-Generation" genannt und ihr schon damals mit dieser Bezeichnung großes Unrecht getan. Sie hat in ihren früheren Büchern nichts anders getan, als immer wieder die Sinnlosigkeit des Daseins zu beschreiben, sich dagegen gewehrt mit den Mitteln der Sprache. Und wie für so viele andere bitter am Leben verzweifelte Autoren vor ihr, war ihr das Schreiben, die Literatur sozusagen der letzte Sinn-Rettungs-Acker in einer von ihr und entsprechend auch von ihren Romanprotagonisten als sinnlos und leer empfundenen Welt. In ihrem neuen Roman "Der Mann schläft" ist sie etwas ruhiger geworden. Zwar ist der lesenswerte Roman immer noch voller bitterböser Bilder und sie kann es auch hier nicht lassen, immer wieder mit bissigen Nebenbemerkungen auf die Sinnlosigkeit des Daseins hinzuweisen, und dennoch spielt sie erstmals auf ihrem literarischen Klavier auch andere, teilweise sogar symphonisch klingende Melodien, manchmal sogar regelrechte Liebeslieder, voller Leidenschaft und Schwung. Sie erzählt die Geschichte der 40-jährigen Ich - Erzählerin. Nach vielen unbefriedigenden und nicht selten auch sehr befremdenden kurzen Affären, lernt sie eines Tages "den Mann" kennen: "Es stört mich nicht, so weit weg von zu Hause zu sein. Es gibt kein Zuhause mehr. Jeder Ort, an dem ich mich aufhalte, ist gleich. Jeder Ort, an dem der Mann nicht ist." Man spürt: diese Frau ist über beide Ohren verliebt. Attraktiv ist er nicht der Mann, 110 Kilo bringt er auf die Waage mit seinem schwammigen Körper. "Er ist nicht das, was man gemeinhin als Kleinod" bezeichnet". Vielleicht sind es gerade die bisher von ihr so hochgehaltenen Eigenschaften bei Männern, die diesem Mann fehlen, und ihn deshalb für sie so besonders machen. Melancholisch und eher pessimistisch bleibt Sibylle Bergs Protagonistin aber trotz der sie durchflutenden Liebe, wenn sie sich und ihren Lover beschreibt als "zwei mit der gleichen Müdigkeit und dem Wunsch nicht allein zu sterben." Als die beiden auf einer südchinesischen Insel vor Hongkong Urlaub machen, kommt der Mann nach einem Einkauf nicht zurück. Er bleibt verschwunden. Die Ich-Erzählerin sucht ihn verzweifelt, immer mehr und täglich tiefer in eine schwere Depression rutschend. Sie kann sich nicht von der Insel lösen, und verbringt ihre Tage, herumlaufend nach dem Man zu suchen. Sibylle Berg hat den Roman in zwei Erzähl- und Zeitebenen geteilt. In der einen beschreibt sie die Gegenwart, in der anderen lässt sie die Erzählerin sich erinnern, bis im letzten Kapitel die beiden Ebenen zusammenfließen. Ein anspruchsvolles Buch, ein Stück geradezu existenzialistischer Literatur, die sich nach wie vor weigert, irgendetwas als einen unser Leben tragenden Sinn anzuerkennen, und selbst die Liebe dafür nicht wirklich geeignet hält. Vor dem Lesen in eigenen trübsinnigen Stunden wird daher gewarnt.

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  • Rezension zu "Der Mann schläft" von Sibylle Berg

    Der Mann schläft

    DieBuchkolumnistin

    27. February 2010 um 09:16

    Die Ich-Erzählerin ist über Vierzig und hat sich schon soviele Eigenheiten angewöhnt, dass das Verbandeln sicher nicht mehr leicht fällt. Aber wie heißt es so schön kitschig und eigentlich gar nicht zu diesem Roman passend: "Wo die Liebe eben hinfällt!" Und so passiert sie eines Tages einfach zwischen der Frau und dem Mann, den sie da zufällig trifft und sie lieben sich einfach, raufen sich und ziehen zusammen. Die Frau ist so überrascht über ihr Glück, dass sie fast schon täglich Panik hat, dass sie sich alles nur einbildet - vielleicht doch wieder nur eine geistige Wirrung von ihr? Aber nein, die Beziehung existiert und der Mann ergänzt und perfektioniert ihr Leben viele Monate lang. Nach knapp vier Jahren beschließen sie Veränderung, ein Urlaub soll es sein und auf einer chinesischen Insel wollen sie ihr Winterquartier beziehen. Doch als ob die Frau es herbei gefürchtet hätte, ihr Mann verschwindet bei einer täglichen Besorgung und damit verschwindet auch das Glück wieder aus dem Leben der Frau... Man mag Sibylle Berg misanthropisch schimpfen, sie verweigert sich dem Kitsch und gibt lieber ehrliche und einfallsreiche als werbeeffektive Interviews. Aber genau diese Eigenschaften machen diesen Roman so besonders, denn ihre Sätze wecken im Leser sämtliche Emotionen. Zusätzlich macht die Abwechslung der Zeiten im Buch die Geschichte spannend, denn bis zuletzt hofft man auf ein Happy End und will dieser störrischen Frau ihren Mann wiedergeben. Ich werde diesen Roman nicht das letzte Mal gelesen haben, denn auf jeder Seite ist noch soviel Neues zu entdecken und sind soviele Sätze auswendig zu lernen, die mir am liebsten selbst eingefallen wären. "Der Mann schläft" hat die Nominierung für den Deutschen Buchpreis (Longlist) mehr als verdient - volle Punktzahl für dieses tolle Buch!

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  • Rezension zu "Der Mann schläft" von Sibylle Berg

    Der Mann schläft

    Inishmore

    24. November 2009 um 17:11

    Die namenlose Erzählerin, die die besten Jahre schon hinter sich gelassen hat findet entgegen aller Erwartungen doch noch das, das sie für schier unmöglich hielt: die Liebe zu einem Mann. Zumindest solange, bis der ebenfalls namenlose Mann eines Tages spurlos verschwindet und die Erzählerin mit ihrer schlimmsten Furcht, der Angst vor dem Alleinsein, konfrontiert wird. "Der Mann schläft" ist keine leichte Lektüre. Bergs Sprache ist treffsicher und fein, wenn auch teilweise etwas veraltet und starr. Schonungslos deckt sie die größten Ängste und Miseren ihrer Figuren auf, die allesamt am Leben gescheitert zu sein scheinen und nun nur noch auf ein baldiges Ende ihrer Existenz hoffen. Dabei bekommt die ganze Welt durch die zynische Stimme der Erzählerin ihr Fett weg, und zwar ordentlich. Alles ist erbärmlich und albern. Jeder Versuch sich von der Masse abzuheben schon vorher zum Scheitern verurteilt. Und genau das ist es, was das Buch stellenweise seltsam leer erscheinen lässt. Denn die Tiraden der Erzählerin, ihre Panik und Wut, wiederholen sich von Kapitel zu Kapitel, so dass die mitunter wundervollen Untertöne -die Beziehung der Erzählerin als Gegenmodell zu dem, was allgemein durch die Medien als erstrebenswert angepriesen wird - unter dem schier grenzenlosen Zynismus und der Resignation verloren gehen. Die Lektüre ist, um die Stimmung der Protagonistin aufzugreifen, "ermüdend". Dreihundert Seiten Roman sind zu viel für das, was Sibylle Berg transportiert. Eine Novelle oder Erzählung hätte der Geschichte vermutlich besser getan.

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  • Rezension zu "Der Mann schläft" von Sibylle Berg

    Der Mann schläft

    HeikeG

    13. September 2009 um 13:20

    Eine gewisse Niedlichkeit . "Es stört mich nicht, so weit weg von zu Hause zu sein. Es gibt kein Zuhause mehr. Jeder Ort, an dem ich mich aufhalte, ist gleich. Jeder Ort, an dem der Mann nicht ist." Diese Worte der 40-jährigen Ich-Erzählerin in Sibylle Bergs jüngstem - für den Deutschen Buchpreis 2009 nominierten - Roman, zeugen von einem großen Verlust, der ihr widerfahren ist, dem Verlust eines geliebten Menschen. . "Es kann alles vorbei sein in der nächsten Sekunde, oder noch schlimmer: Es kann alles genauso weitergehen." Berg schildert in "Der Mann schläft" eine Liebe, die "ruhig und still verlief, die freundschaftlich war und eine gewisse Niedlichkeit ausstrahlte". Der Duktus der 1962 in Weimar geborenen und heute in Zürich lebenden "Hasspredigerin der Single-Generation" der vergangenen Jahre ist ruhiger und milder geworden. Aber auch wenn das Buch einen melancholischen Grundtenor aufweist, webt die Autorin viele bitterböse Bilder und Bonmots, gewürzt mit sarkastischen Seitenhieben auf die Sinnlosigkeit des Daseins und gezielten Schlägen gegen die Gesellschaft in ihren literarischen Teppich ein ("Es gab wohl nur wenige Tiere, die so von der Brillanz ihrer Meinung überzeugt waren wie der Mensch und die mit solcher Vehemenz ihre Dummheit verteidigten." oder "Gibt es einen größeren Witz als den Menschen? Emotionale Krüppel in abstoßenden Hüllen, der Welt, dem Rudel, dem Wetter, den Gewalten hilflos ausgeliefert, torkeln wir durch ein Dasein, das an Lächerlichkeit nicht zu überbieten ist. All unsere ernsthaften Versuche, die Welt zu verstehen, charakterlich integere Personen zu werden, Besitz anzuhäufen, die Umwelt zu retten, Doktortitel zu erwerben, enden mit verschissenen Windeln im Altersheim."). . Nach zu vielen befremdlichen, kurzen Liebesgeschichten, lernt sie - das schwache "Zitat früherer Attraktivität" - eines Tages "den Mann" kennen. "Ich nannte ihn nur 'der Mann', damit er nicht verschwinden würde, da sich doch meist alles, dem man einen Namen gibt, entfernt." Er vermittelt ihr endlich das Gefühl angekommen und aufgehoben zu sein, "zwei mit der gleichen Müdigkeit und dem Wunsch, nicht allein zu sterben". Derweil ist er nicht einmal attraktiv mit seinem 110 Kilo massigen und trägen Körper, den roten Haaren. Er entspricht kaum dem, "was man gemeinhin als Kleinod bezeichnete". Aber vielleicht waren es gerade seine fehlenden Eigenschaften - sich nicht in Stereotypen auszudrücken oder in irgendeinem Bereich als besonders befähigt herauszustellen - die sie "beeindrucken". "Ich hätte überall mit ihm sein können. Und ohne ihn nirgends." Ein Gefühl der stillen Perfektion macht sich die nächsten Jahre breit. "Ich war satt." . Doch bei einem Urlaub auf einer südchinesischen Insel vor Hongkong kehrt der Mann nach einem Einkauf nicht mehr zurück und bleibt auch im weiteren Handlungsverlauf verschwunden. Die Protagonistin, die ihn überall verzweifelt sucht, verliert sich zunehmend in einer schweren Depression. Doch die Insel mag sie nicht verlassen. Tag für Tag läuft sie die gleichen Wege, starrt auf das graue Meer und verliert sich in Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit dem Mann. . Sibylle Berg hat einen sehr erstaunlichen, elegisch-schwungvollen Roman geschrieben. Lebensklug und resigniert, liebevoll und böse zugleich, durchzogen mit einem feinen Humor changieren gleich mehrere Stimmungen im Buch. Manchmal meint man nahezu in einer Lücke zwischen zwei Gedanken hängenzubleiben. Nicht detailliert und wortreich, sondern still und entrückt, aber trotzdem mit unglaublichem Tiefgang sinniert die Autorin über das Leben in all seinen Vielfältigkeit. Dabei wechselt sie zwischen den Zeitebenen, berichtet in kurzen Sequenzen vom Alltag der Frau, unterbrochen durch Erinnerungen an das Leben davor. Sie lässt in ihrem raffiniert komponierten Roman zwei Zeitebenen aufeinander zulaufen, bis die erinnerte Vergangenheit mit dem letzten Kapitel die erzählerische Gegenwart erreicht. Das Lesen verlangt eine erhöhte Konzentration, die jedoch allemal lohnenswert ist, um die vielen kleinen Finessen zwischen den Zeilen zu entdecken. Und vielleicht wird die Protagonistin letztendlich doch noch mit einem Happy End belohnt. . Fazit: "Der Mann schläft", Sibylle Bergs wundervolle Liebesgeschichte, durchsetzt mit gewohnt bissigen, lakonischen und zynischen Lebensbetrachtungen voller Weisheit, ist ein starkes und pointiert geschriebenes großes Stück existenzieller Literatur.

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  • Rezension zu "Der Mann schläft" von Sibylle Berg

    Der Mann schläft

    Greta

    21. May 2009 um 15:08

    "Sie hatten ausnehmend neutral schmeckende Speisen zubereitet, und ich wurde mit jedem Bissen, den ich nahm, ein Stück tiefer in meinen Körper gezogen, an einen Ort, an dem ein Brunnen auf einer Lichtung stand und eine alte Frau mit Spinnrad saß und mit dem Kopf wackelte. " . "Liebesbeziehungen sind nicht dazu da, mit unserem Seelenpartner über Kultur zu reden, sondern einzig, um berührt zu werden, und das möglichst mit wenig Unterbrechungen. " . "Diese große verständliche Unmöglichkeit, Liebe als das zu beschreiben, was sie im guten Falle ist und was ausschließlich mit Bären in Höhlen zu tun hat." . "Dass es hauptsächlich meint, neben einem anderen zu gehen, zu liegen oder zu stehen, wenn man davon spricht, sein Leben miteinander zu verbringen, ist ein Umstand, der in der Weltliteratur kaum Erwähnung findet."

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