Sibylle Berg Der Mann schläft - Hörspiel

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Inhaltsangabe zu „Der Mann schläft - Hörspiel“ von Sibylle Berg

Sibylle Berg erzählt eine moderne Liebesgeschichte und zugleich einen Abgesang auf das moderne Singleleben. Mit melancholisch-witzigem, illusionslosem, manchmal bösartigem Blick beschreibt sie eine Welt, in der man nur dann überleben kann, wenn man nicht ganz alleine ist.

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  • Rezension zu "Der Mann schläft" von Sibylle Berg

    Der Mann schläft - Hörspiel
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    16. September 2009 um 20:34

    Wenn die Welt sich einfach weiterdreht Der letzthin erschienene Roman von Sibylle Berg, „Der Mann schläft“, der für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert war - leider aber nicht auf die Short List gekommen ist, hat viele aufgeregte Stimmen zur Folge gehabt. In der Welt fragt sich Tilman Krause beispielsweise, „wer […] die Schmonzette von Frau Berg […] hineingeschmuggelt“ hätte. Ein rigoroses „Pfui!“ wirft er noch hinterher. Irisch Radisch stellt in ihrem Lesetipp auf der Homepage der Zeit den neuen Roman der Österreicherin als „eine Anleitung zum richtigen Lieben“ vor, mit dem nachdrücklichen Verweis auf die wunderbare Sprache von Sibylle Berg. Wahrlich: Bergs letzte Veröffentlichung lässt wirklich aufhorchen. Besonders auch in der Hörbuchbearbeitung, der Katja Riemann ihre Stimme geliehen hat. Ingeborg Bachmann hatte mit einem Hörspiel zum Thema Liebe in den 60ern großes Aufsehen erregt. Eine Liebesgeschichte moderner Art. „Der gute Gott von Manhattan“ heißt das Stück. 1957 hatte sie es geschrieben, ein Jahr später wurde es gesendet, später mit dem Preis der Kriegsblinden ausgezeichnet. Liebe in der Großstadt leuchtet Bachmann aus. Es ist die Liebesgeschichte von Jennifer und Jan, beide auf der Durchreise in New York. Hier gibt es eine Nebenhandlung, eine eigentlich Handlung auch: Der gute Gott von Manhattan wird angeklagt, er soll an dem Tod von Jennifer schuld sein. Die Liebesgeschichte geht also nicht gut aus. Bachmann schildert eine Liebe, die von Beginn an ihrem Ende geweiht ist. So auch Sibylle Berg. Zumindest in der Herangehensweise an die Geschichte, denn auch in „Der Mann schläft“ wird eine Liebesgeschichte aus dem Rückblick erzählt. Der Mann, der in der holzverarbeitenden Industrie beschäftigt ist, dieser Mann, den die Ich-Erzählerin immer nur ‚den Mann‘ nennt, er ist weg. Verschwunden. Und die Ich-Erzählerin, Mitte 40 und damit dem Vergehen geweiht, hat damit zu kämpfen, sichtlich. Vom Heute und vom Damals erzählt sie, das Ich. Das Damals war vor vier Monaten, vor dreieinhalb Monaten. So nähern sich Vergangenheit und Gegenwart in abwechselnder Schilderung durch die Augen der Verlassenen an. Und einen sich doch in einem gemeinsames Gefühl: diesem ewigen Misstrauen dem Leben gegenüber. In Bachmanns Hörspiel ist Jennifer die passive, die unterliegende Liebende. Auch Sibylle Bergs Ich-Erzählerin ist die Passive in diesem Stück, sie wird zurückgelassenen, in einem Urlaub auf einer chinesischen Ferieninsel. Und sie kann es nicht fassen, will es nicht akzeptieren. Dennoch: überrascht ist sie nicht. Aus den Betrachtungen, die aus dem Zusammenleben, das entsteht, sich findet und wieder verliert, modelliert sich ein polyphones Sprachgemälde, das immer wieder in seiner plötzlichen Ironie, seinem Sinn für den Humor des Alltäglichen überrascht. Katja Riemann gestaltet den Charakter der Ich-Erzählerin äußerst selbstkritisch und vor allem trostlos gleichgültig. Dem Leben gegenüber. Sich selbst gegenüber. Schonungslos. Ehrlich. Die Sprache von Sibylle Berg erkundet die Situationsgebundenheit des Lebens. Viel passiert nicht in dem Buch. Eine altbekannte Geschichte ist das Sich-Finden, dieser Liebesprozess. Auch die existenzielle Verlorenheit erscheint nichts Neues zu sein, aber Sibylle Berg findet einen behutsamen Weg der Darstellung, eine glaubhafte Nuance zwischen Traurigkeit und Zynismus. Man spürt auch den Drang der Autorin, die Schreibgründe, die Schreibwahrheit auszuloten. Nicht zuletzt ist die Ich-Erzählerin eine aus der schreibenden Zunft – sie verfasst Gebrauchsanweisungen. Die autobiographischen Linien sind vorhanden. Immer wird, wenn die Stimme von Katja Riemann etwas leiser wird, kurz stockt, einem Satz mit einem kleinen hinterher geworfenen ‚nicht‘ eine komplett andere Wendung gegeben wird, das Bild einer Frau aufgeworfen, die so ist wie sich Sibylle Berg auch selbst gern betitelt: ‚cute writer‘. Das Schreiben, natürlich, ein harter Prozess. Auch eine Lebensentscheidung, die mit Einsamkeit gepaart ist. Kafka beispielsweise stieß seine geliebten Wesen aus seinem Leben. Zweimal verlobt mit derselben Frau, löste er diese auch jedes Mal wieder. Als seine große, späte Liebe wird die Übersetzerin Milena Jesenská bezeichnet. Sie aber war verheiratet. Er entschied sich auch gegen sie. Er brauchte die Liebe dort nicht, wo er war. Denn er hätte nicht schreiben können. Kafka entschied sich für ein Leben mit der Literatur. Dass Liebe natürlich im Hier und Jetzt immer vorhanden ist, aber vor allem auch ein großes Thema literarischer Ausgestaltung, scheint selbstverständlich. Wie eine solche Darstellung gemacht ist, wie sich Liebe in der Gegenwart vorgestellt, wie sie literarisch geformt und erzählt wird, das ist interessant. So hat Ingeborg Bachmann in den 60ern eine wahrlich utopisch ausgestaltete Realität geliefert, in der bösartige Eichhörnchen als Informanten eine gewichtige Rolle spielen und so schafft es auch Sibylle Berg ihrem neuen Roman recht phantastisch anmutende Wendungen zu geben, eine Liebensgeschichte zu erzählen, die so alltäglich erscheint, wie man es sich nur vorstellen kann, aber getränkt ist von der Erfahrung für das Leben, dass so normal und verständlich nicht ist und nie sein wird.

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