Sibylle Berg Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

(44)

Lovelybooks Bewertung

  • 43 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 10 Rezensionen
(16)
(12)
(13)
(2)
(1)

Inhaltsangabe zu „Der Tag, als meine Frau einen Mann fand“ von Sibylle Berg

Was ist wichtiger - Sex oder Liebe?Chloe und Rasmus sind seit fast zwanzig Jahren verheiratet, und irgendwie ist alles bestens. Aber dass es nun einfach so weitergehen soll, ist auch nicht auszuhalten. Rasmus will es noch einmal wissen: eine neue Welt erobern, zeigen, was er kann. Chloe ist immer bei ihm. Bis sie Benny trifft und sich verliebt, wild und leidenschaftlich: nicht an morgen denken, Sex die ganze Nacht, noch einmal jung sein. Chloe erlebt den besten Sex ihres Lebens und Rasmus die größte Katastrophe. Sibylle Berg stellt die Frage, die alle Paare irgendwann beschäftigt: Ist Sex lebensnotwendig? Oder doch eher die Liebe?

Sehr schräg und eigenwillig und manchmal leicht verstörend, aber trotzdem interessant.

— miro76

Stöbern in Romane

Der gefährlichste Ort der Welt

Sollte man in der Schule als Lektüre behandeln! Bietet viel Diskussionsstoff!

cheshirecatannett

Das Licht der Insel

Ein abolutes Juwel, unbedingt lesen.

BrittaRuth

Der verbotene Liebesbrief

Ich konnte mich gar nicht mehr von diesem spannenden Roman losreißen

Buchherz13

Dunbar und seine Töchter

Leider etwas schwach

leserattebremen

Die Lichter von Paris

Schöne Reise ins Paris der 20er Jahre!

Nina_1986

Die Zweisamkeit der Einzelgänger

Ach, mein Herz... <3

PaulaAbigail

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Krisen überall

    Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

    dominona

    05. March 2017 um 12:04

    Man kann wirklich nur hoffen, dass man selbst im Alter nicht so sein wird. Ich mochte alle handelnden nicht, aber verstehe die ernüchternde Botschaft zum Thema Ehe, Begehren, Altern und Beziehungen. Die Autorin kann schreiben, teils sarkastisch - komisch, verbittert (oder realistisch, wie man es lesen mag) und direkt, was mir gut gefallen hat. Die Dreieckssituation hat mich oft amüsiert, wie auch die Schilderung von Sexszenen ( nicht weiter verwunderlich, denn die wenigsten können Sex so beschreiben wie er ist). Insgesamt sollte man sich als junger Leser von solcher Literatur nicht runterziehen lassen, sondern es als Alterserfahrungsbericht auffassen.

    Mehr
  • Kurzweilig und schmerzhaft - so wie das Leben und die Liebe

    Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

    rkuehne

    06. September 2016 um 22:27

    Mein erstes Mal mit Frau Berg, die ich bisher nur über ihre Twitter- und Spiegel-Online-Aktivitäten zu schätzen gelernt hab – und sicher nicht das letzte Mal. „Der Tag….“ ist ein großartiges Stück über das nahezu zwangsläufige Scheitern von Beziehungen, tragisch, schmerzhaft, sarkastisch und lustig. Jeder der einmal durch die Hölle der Betrogenen gegangen ist, wird sich in den wunderbaren Sätzen von Sibylle Berg schmerzhaft wiederfinden. Die Geschichte des Paares Rasmus und Chloe, stets in kurzen Anekdoten aus der jeweils persönlichen Sicht erzählt, ist kurzweilig und brutal – wie das Leben und die Liebe. Ich kauf mir sofort das nächste Buch von ihr.

    Mehr
  • Hilft Sex gegen die Angst vor dem Tod?

    Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

    Corsicana

    04. November 2015 um 18:36

    Rasmus und Chloe sind seit mehr als zwanzig Jahren ein Paar. Er ist Regisseur und war eine Weile lang sehr erfolgreich, jetzt ist der Erfolg vorbei und er hält sich mit obskuren kleinen Aufträgen über Wasser. Chloe ist die Frau an seiner Seite und hat ihr Leben rund um ihren Mann aufgebaut. Wohl deshalb, weil sie sich nicht begabt genug fand, um selbst etwas zu schaffen. Die beiden scheinen eigentlich ganz zufrieden mit ihrer Beziehung - der Sex ist ihnen jedoch im Laufe der Zeit abhanden gekommen - bzw. der Sex war für beide noch nie besonders gut in ihrer Beziehung. Und so leben und langweilen sich beide so nebeneinander her. Bis sie während eines ebenfalls langweiligen Auslandsaufenthaltes in einem  "Massagesalon" landen und Chloe sich in den "Masseur" verliebt, weil dieser in ihr ungeahnte Gefühle in sexueller Hinsicht auslöst. Es beginnt eine fatale Menage-a-trois.  Das hört sich wahlweise nach Spannung, Kitsch oder Erotik an. Ist es aber nicht. Sondern Sibylle Berg erzählt schonungslos, ohne Tabus, zynisch, analytisch und mit beißendem Spott. Und so gerät diese Geschichte zu einer tragisch-absurden Analyse des Lebensmodels der Bildungsbürger, die heute nur noch "Nicht-Reiche" sind und die grandios an ihren Ansprüchen scheitern. Und das Leben damit verbringen, Angst vor dem Tod zu haben und jedes kleine Detail ihres Verfalls zu dokumentieren (die Falten, die fahle Haut, der Haarausfall....). Und natürlich ist das Ehepaar kinderlos - mehr zufällig - aber in so viel Apathie und Verfall würde auch nichts Neues, Lebendiges passen.  Das alles erinnert ein wenig an Houellebecq. Der äußerliche Verfall, die absurden Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens, der destruktive Blick auf Sex. Das alles ist gut geschrieben und  trotz der eher schwierigen Protagonisten ganz gut zu lesen. Aber es lässt keine Freude aufkommen. Das ist aber sicher auch nicht gewollt. Und wenn jemand anhand der Inhaltsangabe jetzt denkt, dass Buch wäre eventuell erotisch - nein - das ist es nicht. Gar nicht.

    Mehr
  • Midlife crisis olé

    Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

    taigala

    20. September 2015 um 14:32

    Sie ist eigentlich mit ihrem Leben zufrieden. Und genau auf diesem eigentlich baut das Buch auf. Was wäre wenn, sich doch noch alles ändern würde, da doch noch ein anderer Mann in ihr Leben darf? Hiermit setzt sich das Buch auseinander - wie geht ein Ehepaar mit den Wünschen des etwas höheren Lebensalters um? Gemeinsam oder je allein? Gut zu lesen und wie auch die bisherigen von mir gelesenen Berg Bücher: Ziemlich krass, aufwühlend. Nicht unbedingt Strandlektüre.

    Mehr
  • Von Sex, Mittelmäßigkeit und Lethargie

    Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

    wandablue

    Von Sex, Mittelmäßigkeit und Lethargie. Mann und Frau, ein gelangweiltes Ehepaar der gehobenen Mittelklasse, betreten einen „Massagesalon“ in der Karibik. Sie haben es nicht direkt auf sexuelle Dienste abgesehen, sind aber vor lauter Langeweile offen. Was sie bekommen ist Sex und Opium. Wider Erwarten ist die Ehefrau, bis dato zufrieden mit ihrem Leben, von dem sexuellen Flash so mitgerissen, dass sie sich kurzfristig von ihrem Ehemann trennt, um mit dem Animateur Zeit zu verbringen und als der Rückflug nicht aufzuschieben ist, wünscht sie sich vom Universum, dass „Benny“ zu ihr kommt. Was auch passiert. Eine kuriose Menage à trois beginnt ... Sibylle Berg läßt Mann und Frau erzählen, die Autorin selbst tritt völlig in den Hintergrund. Dabei gelingt ihr in der Darstellung eine grandiose Unmittelbarkeit. Viel Handlung gibt es nicht, der Roman lebt von der Gedankenwelt. Mann und Frau haben Probleme mit dem Älterwerden, mit ihrer Rolle in der Gesellschaft und eine Scheißangst vor dem Tod. Dieser Angst vermögen sie nur eine einzige, ihnen bekannte Kraft entgegen zu setzen: Sex. Nachdem sie sich, wie vorauszusehen ist, in eine ausweglose Lage manövriert haben, entdecken sie, dass der Sinn des Lebens das Leben selber ist: Vielen Dank für das Leben! Vorhang fällt. Einige Zitate. „...einen Beruf als das zu sehen, was er ist: ein Zeitvertreib im Warten auf den Tod.“ „Es war mir komplett unverständlich, was Rasmus (Regisseur und Ehemann) auf den Proben tat. Es hatte viel mit Gebrüll zu tun. Rasmus schrie. Die Schauspieler schrien. Im Stück waren die Frauen oft nackt. Es wurde Rockmusik gesungen und dann waren auch die Männer nackt. Nacktheit war das Ding. Dann schrien alle.“ „Vielleicht kann man sich an jeden gewöhnen und ihn dafür lieben, dass er einen erträgt.“ „Ich will neu beginnen, alles anders machen. Ich will leben. Das war mir vorher, beim ständigen Kokettieren mit dem Ende, nicht so klar gewesen.“ Was ich an dem Roman mag, ist das Philosophische, ja, eigentlich das scheinphilosophische Denken der Protagonisten, das lapidar und unverschnörkelt, sogar deftig rüberkommt: Auf den Punkt! Die Protagonisten legen ihre Karten auf den Tisch. Das, was man nicht ausspricht, sie sprechen es aus. Und logisch: wer keinen höheren Sinn im Leben erkennen kann, muß sich der Verzweiflung ergeben. Radikal neue Erkenntnisse über das Leben gibt es aber nicht. Wie auch? Es gibt nichts Neues unter der Sonne! Was mir nicht passt, ist der Schluss. Im Schlussakt kommt auch Benny zu Wort. Ohne diesen Schlenker wäre das Büchlein fast perfekt, denn, obwohl ich seine (vermeintlichen) „Erkenntnisse“ nicht teile, konnte ich die Angst vor dem Tod riechen. Fazit: Klare Worte bei unklarer Gefühlslage. Kategorie: Moderne Literatur Verlag: Carl Hanser Verlag, 2015

    Mehr
    • 3
  • Gut zu lesen, aber stellenweise unerträglich provokativ

    Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

    variety

    Ich kannte bisher nur Kolumnen der Autorin. Nun wollte ich endlich einmal einen Roman von ihr lesen. Es wird wohl beim einen Versuch bleiben - denn was Sibylle Berg in diesen 250 Seiten offeriert, ist einerseits leicht zu lesen, aber (vor allem wahrscheinlich als Mann) schwer verdaubar und auf die Länge gesehen provokativ. Beispiele gefällig? "Die grauen Mäuse bleiben übrig. Sie werden hundert, auch wenn ich mich frage wozu." - "Männer begehren auch einen Hund, wenn sie in sexueller Laune sind." - "Ich habe keine Lust auf einen der beiden, ich habe, wenn ich ehrlich bin, selten Lust auf die Gesellschaft eines Mannes." Okay, dann lass es doch einfach. Ich habe auch keine Lust so etwas immer wieder zu lesen! Zum Inhalt: Eine "Ménage-à-trois" und Sex, Sex, Sex - eine Überdosis, die auch nicht gerade die Sinnlichkeit weckt.

    Mehr
    • 4
  • Mal wieder deutsche Literatur gelesen …

    Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

    steffeinhorn

    Vor ein paar Jahren hatte ich entschlossen, Bücher zu schreiben und vor meinem vierzigsten Geburtstag auf eine bedeutende Buchmesse in Deutschland eingeladen zu werden. Die Erfahrungen, die ich auf der Leipziger Buchmesse im März 2015 gemacht habe, haben mir in aller erster Linie gelernt, dass man sehr vorsichtig sein sollte, wenn man Wünsche formuliert und wenn man das schon wagt, dann muss man dabei sehr genau sein und wenn möglich, das Wenigste dem Zufall überlassen. Erfahrungen müssen gemacht werden und anschließend geht man die Dinge anders an. Eine sehr erfrischende Erfahrung auf der Leipziger Buchmesse war meine kurze Begegnung mit Sybille Berg. Ich war schon seit einiger Zeit von ihren bestechenden Texten und Bemerkungen im Internet begeistert, und da ich mich mit verträumten Augen im März auf dem Stand des Verlags einer meiner Lieblingsschriftsteller verirrt hatte (Peter Handke – Suhrkamp Verlag – oder eben Carl Hanser Verlag ... ), wurde das neuste Buch von Sybille Berg hoch gefeiert und ich habe die nette Verkäuferin gefragt, ob die Autorin noch anzutreffen sei. Ja, sagte die, in der Nähe des 3Sat-Fernsehen-Stands. Ich bin sofort dorthin geeilt und habe mich riesig gefreut, ihr wirklich zu begegnen. Einfach ein paar Worte austauschen, von wegen, ich würde schon länger in Frankreich leben und es sei gar nicht so einfach mit den Deutschen, sie könnte das gut verstehen. Sie hat mir das Buch signiert und ich habe es kürzlich auf meine Reise in den Süden von Frankreich mit heller Begeisterung gelesen. Ich habe mich entschlossen, eine neue Webseite zu erstellen, und meine Präsenz im Netz nach meinem Belieben zu handhaben. Das Bewerten von Büchern im Netz finde ich abartig. Da werden kreuz und quer von irgendwelchen Menschen Punkte vergeben oder Kritiken geschrieben, wozu soll das gut sein? Ich gebe jedem Buch, welches ich zu Ende gelesen habe 5 Sterne, was lange nicht bedeutet, dass ich es gut gefunden habe. Allein der Respekt dafür, dass da einer den langen Weg zu einer nennenswerten Veröffentlichung geschafft hat, verlangt nach 5 Sternen, alles andere dürft von Normalos nicht bewertet werden. Aber ich schreibe mir meine Gedanken zu diversen Büchern gerne auf, damit ich sie später nachlesen kann. Was habe ich also nach dem Lesen von dem Buch von Sybille Berg empfunden? „Der Tag, als meine Frau einen Mann fand“ bringt genau auf dem Punkt, warum ich mich aus diesem Land zurückgezogen habe. Da erzählt die Autorin haargenau das Leben von einem deutschen Paar, kinderlos, aus dem Mittelstand, gehobenen Mittelstand, anmaßend, von sich selbst überzeugt, die Kultur in andere Länder überbringen zu müssen, als stünde Deutschland noch immer im Mittelpunkt des Geschehens. Ich denke, so etwas kann man nur glauben, wenn man in Deutschland lebt und nichts anderes kennt. Das Merkwürdige an dieser Geschichte ist, wie sich die Protagonisten selbst verachten, missachten, sich selbst zu kennen glauben und dabei völlig daneben liegen. Sie bewerten alles und jeden und wollen Sex, obwohl sie denselben insgeheim verabscheuen. Am Ende des Buches wird sehr klar deutlich, dass für diese Leute die heile, enge Welt doch wieder zu funktionieren scheint und ihnen im Grunde ganz egal ist, welche Menschen verenden und welche am Leben bleiben. Im Grunde genommen sind die Hauptpersonen in diesem Roman gegen Leben, Liebe und Abenteuer im universellen Sinne geimpft und genau das ist es, warum ich nie Heimweh habe. Merkwürdig ist doch, dass so ein messerscharfes Buch wie dieses so hoch gefeiert wird. Soll das bedeuten, dass die Leute, die das lesen, Lust auf eine Veränderung haben? Sind sie dazu imstande? Ehrlich gesagt ist das mir momentan gleichgültig, mittlerweile denke ich mir meine Geschichten und Texte in Französisch aus und versuche sie so genau wie möglich in Deutsch auszudrücken. Ob das immer gelingt, ist eine andere Frage. Ich weiß nur, dass ich mit Menschen, die sich selbst so verachten und hassen, wie Sybilles Protagonisten, nicht gut klarkommen kann. In diesem Sinne: Hut ab vor diesem schriftstellerischen Meisterwerk und Danke für das Lesevergnügen! Was meine Texte anbetrifft – je vous emmerde !

    Mehr
    • 2
  • Liebe: 0 – Begehren: 1

    Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

    bookscout

    11. June 2015 um 20:43

    Seit gut zwanzig Jahren sind Chloe und Rasmus verheiratet. Sie kennen einander, sind vetraut in ihrem Handeln, Denken, Atmen, die Beziehung gibt ihnen Sicherheit, ist ihr Hafen. Sie lieben einander. Was macht es da schon, dass ihnen entlang des Weges das Begehren, der sexuelle Trieb, der ehrlicherweise nie alldominierend war, schrittweise abhanden gekommen sind? Chloe unterstützt Rasmus in seinem verzweifelten Streben nach Erfolg als Regisseur und Intendant, reist mit ihm sogar in ein Dritte-Welt-Land, wo er sich alsbald schmerzlich eingestehen muss, dass die pubertierend-lustlose Dorfjugend westlichem Alkohol wesentlich mehr zugetan ist als westlicher Lyrik. Kurz bevor das vom Leben gezeichnete Paar desillusioniert die Heimreise antritt, lernt Chloe in einem zwielichtigen Massagestudio Benny kennen. Jung, kräftig, mit wilden roten Locken und einer unbändigen sexuellen Gier, wie sie sie bei Rasmus nie kennengelernt hat, bedient Benny sämtliche gängigen Klischees. Chloe verbringt einige Tage mit Benny, ein verzweifelter Versuch, ihre verlorene Jugend zurückzuholen, einmal noch begehrt zu werden, unersättlich, schamlos und ohne Skrupel. Die Rückkehr in die Heimat, zusammen mit Rasmus, stürzt Chloe in eine zerstörerische Depression, sie macht ihren Mann für den Verlust verantwortlich, hasst ihn, träumt, ihn zu zerstören. Doch da, mitten in der schwärzesten Stunde, steht Benny plötzlich vor der Türe, selbstvergessen, unbekümmert und in voller Blüte seiner Jugend und Manneskraft... "Der Tag, als meine Frau einen Mann fand" ist vollkommen anders als ich es erwartet hatte. Eine Geschichte, die nahezu alltäglich beginnt, mit jeder umgeblätterten Seite jedoch immer verrückter wird. Unzählige Bücher habe ich gelesen über verheiratete Frauen, die sich zwischen ihrem Gatten und einem Lover entscheiden müssen, doch noch keines über eine, die fortan den jugendlichen Geliebten in ihrem bildungsbürgerlichen Luxus-Apartment auf dem skandinavischen Designersofa vergenusszwergelt, während sich der Angetraute nebenan schlaflos im Ehebett wälzt. Und es kommt noch besser, soviel sei verraten. Den ein oder anderen Twist hält Sibylle Berg in Petto, während Chloe und Rasmus abwechselnd, in kurzen Kapiteln, mit flapsigen Überschriften und provokanter Diktion ihr Innerstes mehr und mehr offenlegen. Streckenweise hat mich die Geschichte richtiggehend angewidert, das gebe ich zu. Vermutlich hätte ich das Buch auch noch vor einigen Jahren, in meinen Zwanzigern, entrüstet beiseite gelegt und mich ereifert über lebenslange Treue und exklusive, unbefleckte Liebe. Heute bin ich erwachsener, um einige Erfahrungen reicher und um so manche Illusion ärmer, ich weiß, dass ein Leben lang sein und im Laufe einer Beziehung viel passieren kann. Wer ist schließlich perfekt? Natürlich, Sibylle Berg provoziert, sie treibt das Spiel auf die Spitze, testet, wie weit sie gehen kann, was ihre Charaktere aushalten, bevor sie erschöpft auf den Theaterbrettern zusammensinken. Das wäre aus meiner Sicht in der Intensität gar nicht nötig gewesen, der Plot, die Psychologie der Charaktere sind auch ohne übermäßige Provokation stark genug. Nichtsdestotrotz regt Berg damit zum Nachdenken an, stößt den Leser mit der Nase auf die schmerzhafteste aller Fragen: Wie würde ich handeln, wäre ich sie – oder er? Wie sehr möchte ich gefallen, bin ich abhängig von der Bestätigung anderer? Wie weit würde ich gehen für den Kick, für das Adrenalin, für das Sich-Spüren? In Anbetracht all dessen: 3,5 Sterne.

    Mehr
  • Was braucht der Mensch. Sex oder Liebe? "Der Tag, als meine Frau einen Mann fand"

    Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

    thursdaynext

    26. April 2015 um 19:12

    „Wir waren wie ihr, möchte ich heute glücklichen Liebespaaren zurufen. Und sie würden sich küssen, wie wir damals, und denken: Diese Alten diese negativen Alten, und sich ewig fühlen wie wir damals.“ Cloe und Rasmus, seit zwanzig Jahren verheiratet. Sie lieben sich. Rasmus, Regisseur, einst erfolgreicher „ Junger Wilder“ mittlerweile in Vergessenheit geratenener intellektueller, erfolgloser Künstler. Chloe, die ihn einst verehrte mittlerweile bemuttert. Am Leben hält. „Wir haben den Grad an Symbiose erreicht, wo man sich verloren fühlt, wenn der andere nicht da ist.“ Rasmus versucht wieder Fuß zu fassen in einem Drittweltland ein künstlerisches Theaterprojekt aufzuziehen. Irritiertenderweise sind seine freiwilligen Laienschauspieler wenig bei der Sache. Die Texte deutscher Heroen, wie Goethes Worte, sitzen nicht, „Die Welt ist ein Sardellensalat; er schmeckt uns früh, er schmeckt uns spat. Zitronenscheiben ringsumher, dann Fischlein, Würstlein, und was noch mehr in Essig und Öl zusammengerinnt Kapern, so künftige Blumen sind- man schluckt sie zusammen wie ein Gesind.“ das Projekt kommt nicht voran. Die Bevölkerung hätte lieber westliche Konsumartikel als künstlerische Selbstverwirklichung. Der Dramaturg muss sein unlustiges Ensemble mit Freibier ködern... Das Begehren kam beiden mit dem Thrill abhanden, war von Chloes Seite von beginn an eher geistiger Natur. Die Jahre haben Spuren in der Beziehung hinterlassen. Chloes Beuteschema sind junge Männer, Rasmus Körperlichkeit erträgt sie. Gutmütig, doch unwillig. Begeisterung beim Sex fehlt beiden. Die geistige Anziehung und das Paargefühl hält die beiden zusammen. Ist das Liebe? Die kurzen Kapitel samt Überschriften haben es in sich. Überhaupt fasst sich die Autorin in ihrer Prosa erfrischend kurz aber knackig. Sie ist seziert diese Beziehung derart authentisch und schonungslos, dass es eine wahre Freude, wenn auch zuweilen extrem deprimierend ist. Da sitzt jeder Satz und trifft exakt in’s Schwarze. Schwarz sehen auch die Protagonisten, wenn sie an das nahende Alter denken. Mitvierziger die mit Grauen dem Verfall entgegensehen, ohne Ablenkung, oder Hoffnungsschimmer durch Kinder denen sie beim Aufwachsen und Leben zuschauen können. Völlig aufeinander fixiert ist dieses Paar. Im ewiggleichen Trott gefangen, dabei meist nicht unzufrieden. Sie genügen sich. Ihre beiderseitige Ablehnung des Mittelklassespießerdaseins um sie herum ist Ihnen Hobby und Verbindung genug. Dazu noch ihr beiderseitiges Interesse an Rasmus’ Wohlergehen... Da lernt Chloe Benny kennen. Eine Amour Fou beginnt. Rasmus, der das Singledasein verabscheut, den neue Liebschaften nicht locken, sitzt aus. Beobachtend, abwartend, nachsinnend. „Ich freu mich an Chloes Gesicht. Sie versucht die Informationen zu verarbeiten, um ihren Urlaubsflirt einzuordnen. Verdammt der Dildo kann ja sprechen. mag sie denken.“ So nennt Sibylle Berg ein Kapitel auch: Rasmus ist dankbar. „Ich lebe Offenheit. Ich bin der Migrationsbeauftragte in meinem Mittelklasselebensentwurf. Ich bin beschwingt von meiner eigenen Toleranz, und dafür kann ich Benny nicht ausreichend danken.“ Erfrischend wie die Autorin diese Paarbeziehung bloßlegt. Stilistisch grandios ausgeführt wie sie jeweils die Protagonisten gedanklich zu Wort kommen lässt. Reduziert, schlicht und gerade deswegen derart genial ausgeleuchtet. Und HALLELUJA, da geht es mit erbarmungslos intelligentem Witz direkt zur Sache. Großartig diese Autorin. Allein der Titel ist ein kleines Gesamtkunstwerk mit seiner alles und doch nichts verratende Aussage. Eine deutsche Schriftstellerin wohlgemerk, wenn auch emigriert in die Schweiz. Hier dürften sich die vom Feuilleton hochgelobten neuen deutschen Langweilerautoren gerne dicke Scheiben abschneiden. Intellektuelle Selbstbeweihräucherung und lähmend langweilige Nabelschau, die Anspruch und Relevanz verdeutlichen soll fehlt hier gänzlich. Frau Berg legt offen, zieht blank und sticht elegant mit feiner, fieser, teils vergifteter Klinge. TOUCHÉ! Jeder der in einer langjährigen Beziehung lebt dürfte sich hier teils wiederfinden. Jeder der die Jugend hinter sich gelassen hat sich angesprochen fühlen. Das schmerzt, wäre fast unerträglich zynisch, wenn es nicht durch diesen hintersinnigen, sardonischen Humor permanent aufgelockert werden würde. Für mich ganz klar ein Lesehighlight 2015, Anwärter auf den Dodo Award und der erste aber beileibe nicht letzte Roman dieser faszinierenden Autorin.

    Mehr
  • Jeder Satz ein Treffer!

    Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    07. April 2015 um 16:51

    Dies ist der erste Roman, den ich von Sibylle Berg gelesen habe und es wird sicher nicht der letzte sein. "Der Tag, an dem meine Frau einen Mann fand" fasst den Inhalt des Textes im Titel schon sehr gut zusammen. Rasmus und Chloe sind die Hauptfiguren des Romans und seit 20 Jahren ein Paar. Sie bezeichnen sich als intellektuell und führen eine harmonische Beziehung, die auf gegenseitige, eher liebevoll platonisch-geistige Notwendigkeit zu beruhen scheint, wäre da nicht das Ungleichgewicht im gemeinsamen Sexualleben. (Apropos, das Buch sollte nur in die Hand nehmen, wer sexuell aufgeschlossen bzw. unerschrocken ist.) Das Bedürfnis nach Sex und diverse Sexpraktiken, ob allein, zu zweit, zu dritt, homo oder hetero, spielen eine große Rolle und werden schonungslos, aber dafür wie mir scheint umso ehrlicher, d.h. authentischer beschrieben. Nichts mit geschöntem Perfektionismus oder Problem-Retuschierung alla Photoshop-Generationen. Hier wird offen, ehrlich und direkt über sexuelle und vor allem auch menschliche "Abgründe" geschrieben. Generell ist der Ton der Figuren, die aus wechselnden Perspektiven ihre Gedanken schildern, daher eher ein aggressiver. Man wird häufig mit erbarmungsloser Selbsterkenntnis konfrontiert, die mich persönlich aber sehr gefesselt hat, weil Sibylle Berg darin eine ganze Generation, ein ganzes deutsches/westlich zivilisiertes Volk in den Beichtstuhl zerrt. Jeder Satz ist voll von gefühlter und gelebter Zwiespältigkeit und trifft damit häufig genau ins Schwarze. Selbstkritik, Beziehungskritik, Gesellschaftskritik, aber auch Systemkritik bestimmen das Denken der Figuren und sind in Zeiten der vollführten Doppelmoral vieler Menschen und Regierungen brandaktuell. Dabei gerät der eigentliche Inhalt der Erzählung, die (Selbst-)Zerstörung von Individuen in einer scheinbar kaputten Welt, sogar fast in den Hintergrund, wird zweitrangig gegenüber der Form und Sprache, die so voller Prägnanz und Wahrheit steckt, dass diese dem Leser unmittelbar ins Gesicht gepfeffert wird. Man kann gar nicht aufhören, den emotionalen Gedankenströmen der Hauptfiguren zu folgen. Man spürt Wut, Ekel, Trauer, Enttäuschung, die sich aus Ohnmacht und Selbstmitleid speisen, aber auch Dankbarkeit, Willensstärke und in kleinen Momenten auch Harmonie und Glück. Bei Rasmus sind seine Emotionen stets begleitet von einer Ruhe und irgendwie resignierten Gelassenheit, die angenehm ist, wohingegen Chloe getrieben ist von innerer Unzufriedenheit und sexueller Begierde. Aus diesem Spannungsfeld heraus entwickelt die Autorin eine packende Geschichte über den Versuch einer funktionierenden Ehe in Zeiten einer zusammenbrechenden Wertegesellschaft.

    Mehr
  • Lesemarathon zu Ostern vom 3. - 6. April 2015

    Panthertage - Mein Leben mit Epilepsie

    Daniliesing

    Ostern rückt immer näher und damit ein schönes, verlängertes Wochenende um mal wieder richtig viel zu lesen! Wir zumindest finden, dass das die perfekte Gelegenheit für einen Lesemarathon ist, bei dem wir uns so richtig Zeit für all unsere tollen Bücher nehmen. Wir freuen uns schon sehr und sind natürlich dabei - ihr auch? Was ist ein Lesemarathon? Bei unserem Lesemarathon kommen wir hier vom 3. - 6. April (Karfreitag bis Ostermontag) zusammen und tauschen uns darüber aus, welche Bücher wir gerade lesen. Der Lesemarathon ist die perfekte Gelegenheit, um sich mal wieder ganz bewusst Zeit fürs Lesen zu nehmen und das gleich für mehrere Tage. Sonst kommt ja doch immer wieder was dazwischen und plötzlich hat man die schöne Lesezeit mit Putzen, Fernsehen usw. verbracht. Natürlich müsst ihr nicht die gesamten 4 Tage durchlesen, sondern es ist so gedacht, dass jeder mitmachen kann, wann und wie er möchte. Hier haben wir dann einen gemeinsamen Platz, an dem wir uns über unsere Lesefortschritte und die gelesenen Bücher austauschen können. Wie kann man mitmachen? Jeder ist herzlich willkommen hier jederzeit mitzumachen. Einfach drauflosschreiben und dabei sein - wir freuen uns über jeden, der uns ein kleines oder auch großes Stück unseres Lesemarathons begleiten möchte. Für die Abwechslung zwischendurch, werden wir hier im Zeitraum der 4 Tage kleine Fragen oder Aufgaben stellen, bei denen ihr gern mitmachen könnt. Natürlich ist das kein Muss, aber es macht immer wieder viel Spaß, auf diese Weise andere Leser kennen zu lernen, neue Bücher zu entdecken und sich sein eigenes Leseverhalten näher anzuschauen. Selbstverständlich könnt ihr gern auch über eure Blogs und Social Media Kanäle teilnehmen. Verwendet hierbei bitte den Hashtag #lblm - so können wir unsere Beiträge leicht wiederfinden. Jetzt heißt es nur noch, ein paar Tage warten und schon ist unser Lesemarathon da. Wir freuen uns auf viele spannende, berührende, lustige und einfach nur schöne Lesestunden mit euch! PS: Vielleicht wundert ihr euch, warum wir unseren Lesemarathon gerade zum Buch "Panthertage" angelegt haben? Wir möchten euch dieses Buch gern als persönliche Leseempfehlung ans Herz legen. Die Autorin Sarah ist eine ehemalige Kollegin von uns und hat hier fast 4 Jahre mit uns zusammen gearbeitet. Wir sind ganz begeistert von ihrem Buch und sehr stolz! Vielleicht sucht der ein oder andere von euch ja noch passenden Lesestoff?

    Mehr
    • 734
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks