Sibylle Berg Die Fahrt

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Inhaltsangabe zu „Die Fahrt“ von Sibylle Berg

„Sibylle Berg rettet mit literarischen Sprengsätzen Leben... Eine katastrophal brillante Komödiantin.“ (Süddeutsche Zeitung) Porno-Starlet Miki fährt nach Hongkong und wird Millionenerbin. Frank zieht es nach Shanghai, aber dann bleibt er doch lieber in Berlin. Peter ertrinkt fast in einem Tsunami. Dies ist ein Reiseroman mit vielen Helden. Ruhelos fahren die einen an fremde Orte, auf der Suche nach Glück, Sinn, Abwechslung. Die anderen bleiben, wo sie sind. Aber ob der Mensch ausgerechnet zu Hause glücklicher ist?

Wow! Hingerissen von Autorin, Plot, Stil und Umsetzung. Großartig! Süchtig machend. Weitab vom faden Einheitsbrei.

— thursdaynext
thursdaynext

Mein Lieblingsbuch. Punkt.

— SelmaNentwig
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    Die Fahrt
    thursdaynext

    thursdaynext

    28. August 2015 um 10:53

    Urlaub, dem Alltag entfliehen, neues, interessantes entdecken....Sibylle Berg ist ein Jahr lang durch unwirtliche Gegenden und Kontinente gereist um Recherchen zu betreiben. Weit gereist, viel Elend gesehen. Elend in den Entwicklungsländern, der Politik und den Gesellschaften. Elend und Verwirrung in den Köpfen der Menschen, der Reisenden auf der Suche, Wurzeln haben sie keine verspüren Sehnsucht danach, kaum wahrzunehmen diese Sehnsucht, überlagert vom Verdruss an Orten zu sein die sich irgendwann alle gleichen, umgeben von Menschen die sie langweilen, ermüden oder abstossen. Die alltägliche sich immer wiederholende Routine die das Leben der meisten Menschen in den Industrieländern prägt ist nicht das was sie wollten, welchem sie zu entfliehen versuchen, um festzustellen, dass Routine sich durch Hintertüren immer wieder einschleicht. Doch Einsamkeit und daraus resultierende Verzweiflung lauern immer im Hintergrund. Peter, zuerst Hotelier in Sri Lanka, angeödet von seinem Leben vom Tsunami zwangsbefreit und zu erneuten globetrotting verurteilt ist so einer. Ex-Weltenbummler, Hotelier, das Meer ist ihm zu warm, salzig und klebrig, Moskitos, die Nächte zu laut, die Gäste zuwider, der Kaffee „ein großer Dreck“ , der Neid unangenehm, das ewige Lächln der Bediensteten macht ihn agressiv, keinerlei interessante Erfahrungen mehr in Sicht. Der Tsunami spült ihn nach Deutschland. Dort ist er chancenlos, er reist weiter, lässt sich treiben. Wie alle Protagonisten Bergs auf der Suche, nach Glück und Sinn gehört er zu den Menschen deren Wege sich kreuzen und wieder verlieren... Feinstes Kunst - Handwerk wie die Autorin diese losen Lebenswege verknüft, zusammenführt und aufeinanderzufließen lässt. Auch den Abstecher in die Abteilung lächerliche Lyrik für Einsame meistert sie mit Bravour. Miki das gealterte Porno- Starlet in New York, reich, einsam, motivationslos wartet darauf reich und gepflegt zu sterben: „Und der Nymphensittich dann- wenn man sich sowas leisten kann- der klebt seit Wochen auf dem Boden, dort klebt er fest an seinen Hoden. Da hab ich Uhu draufgestrichen, um dem Hund eins auszuwischen. Der sang so laut, die ganze Nacht, hat mich um meinen Schlaf gebracht. Mein Schlaf ist Gold, das sag ich dir, du festgeklebtes blödes Tier.“ Paul aus Berlin, pubertär, auf der Suche nach dem Ich, im Ablösungsprozeß zu seiner Mutter, die ihm hormonell bedingt fremd wurde, Vater nicht existent. Tausend Fragen, keine Antworten, kein Antrieb, lässt sich treiben, lernt ein Mädchen kennen, redet die Nacht hindurch „...dass er da lag und nicht mehr alleine war und so eine große Zärtlichkeit war in ihm, dass er nicht aufhören konnte zu lächeln.“ Helena, anfangs in Manaus, arbeitet um zu reisen, betreibt sanften Tourismus, folgt einem eingeborenen Goldsucher in den sie sich verliebte in den Dschungel, flüchtet ausgerechnet nach Bombay trifft dort Peter der sie aus Dreck und Elend rettet und reist mit ihm nach Kyrgyztan, immer mehr enttäuscht geht es weiter nach Krakau, dort trifft sie auf Olga die durch Heirat mit einem Westler auf ein besseres Leben hofft, mit der sie schließlich in Füssen in einer Kommune strandet. Berg beherrscht eine großartige Fähigkeit die Bandbreite der unterschiedlichsten Lebensentwürfe vor dem Leser auszubreiten. Von komisch, zynisch, kritisch, anprangernd bis unendlich sanft und zärtlich: „Es war sechs Uhr, die Vögel schon munter, der Tauin der Luft, und es war vielleicht der unendlichste Moment in Pauls Leben. Doch das wusste er zum Glück nicht. Wie hätte er sonst weiterleben können?“ Die Fahrt ist ein zenbuddhistisches Buch ohne einen Hauch Religion. Eine Schilderung verschiedenster Hoffnungen und Leben. Leben, das existiert, ohne zweite Chance, nur die kleinen Glücksmomente die gilt es zu finden um sich daran zu wärmen. Einsamkeit in dieser einmaligen Existenz die jedem von uns geschenkt, oder aufgebürdet wurde. Liebe die das Dasein bereichert. Ein Hippie- Zen- Buch voll rasanter Komik, tiefer Trauer, Überdruss und Chancenlosigkeit. Komödie, Tragödie, Satire und Gesellschaftskritik zugleich. Ein Meisterinnenwerk. ;) Auf dem Klappentext von Frau Bergs Roman Ende gut Zitat der Süddeutschen Zeitung urteilt: „Sibylle Berg ist eine der wenigen deutschsprachigen Autorinnen, für die es sich lohnt, eine Buchhandlung zu überfallen.“ Dem schließe ich mich uneingeschränkt an! Höchster Lesegenuß. 28 Dodos. Lesen!!!

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  • Rezension zu "Die Fahrt" von Sibylle Berg

    Die Fahrt
    Jetztkochtsie

    Jetztkochtsie

    01. September 2012 um 12:01

    Ich muß gestehen, bei mir kam zeitweise ein gewisser Überdruss auf. Zwar schreibt Berg wie immer fesselnd, bewegend, emotional und gemein, aber hier konnte mich irgendwann das ganze Elend nicht mehr wirklich interessieren. Zu banal wurden die Leben dieser Menschen, zu wenig nahe ging mir all das, das so wenig mit meiner Welt zu tun hatte, so wenig meinen Dunstkreis berührt. Klar, hier und dort ein kleines Aaaaha, so einen kenn ich auch, aber dann doch wieder das Abdriften in seltsame, mir nicht immer verständliche Sphären. Grundsätzlich fände ich dieses Buch sicherlich gut, da ich aber die besseren Werke von Frau Berg kenne, kann ich eine gewisse Enttäuschung nicht verbergen, andererseits war ich vielleicht auch nicht in der richtig melancholisch weltschmerzigen Stimmung für das Buch. Wer weiß das schon. Fazit also, lesesnwert, aber sicherlich kein Muß!

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  • Rezension zu "Die Fahrt" von Sibylle Berg

    Die Fahrt
    mrpeng

    mrpeng

    24. July 2011 um 08:19

    In dem Buch werden Lebensgeschichten von unterschiedlichen Menschen, in unterschiedlichen Teilen dieser Welt erzählt. Ungewöhnlich ist die Form. Unvermittelt brechen sie irgendwo ab, aber später scheint das Leben dieser vielen verschiedenen Typen doch weiterzugehen. Damit hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten und habe das Buch bald wieder weggelegt. Hinter zusammenhanglosen Geschichten wollte ich nicht auf der Jagd sein. Nach vielen Monaten habe ich das Buch – eigentlich aus Mangel an Gelegenheiten (ich lebe im Ausland) – wieder zur Hand genommen. Die auseinander gerissenen Geschichten kannte ich ja nun schon, doch dann fiel mir etwas anderes auf: Diese Frau knallt dem Leser die Wörter wie Peitschenhiebe mit einer Nonchanlance, ja, fast einer Schnodderigkeit, einer scheinbaren Egalheit um Ohren und trifft doch präzise die tiefgründenden Gedankengänge dahinter, die voller Schrecknisse und Verzweiflung sind, und die die ganze leidvolle Ausweglosigkeit der menschlichen Existenz aufzeigen. Je mehr ich las, umso begeisterter wurde ich. Da drückt jemand aus, was dir schon lange im Kopf herum ging, dachte ich. Ein sehr reifes Buch, ein sehr hintergründiges Buch, ein stilistisch exzellentes Buch, ausdrucksstark, wortgewaltig, treffgenau und zeitweilig mit gewollter Derbheit. Ein sprachliches Meisterwerk! Von den Geschichten hätte ich mir mehr Konsistenz erhofft. Ich möchte die Autorin zu diesem außerordentlichen Buch beglückwünschen! Den Kommentar von SV, der sich mit seiner Rezension mehr Mühe gegeben hat als ich, kann ich mit jedem Wort unterschreiben! Sehr gut!

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  • Rezension zu "Die Fahrt" von Sibylle Berg

    Die Fahrt
    sumsidie

    sumsidie

    03. June 2010 um 22:25

    Zahlreiche Menschen sind in diesem Buch unterwegs und suchen einen Ausweg aus der Einsamkeit, den Sinn des Lebens, Hoffnung oder sonst irgend so etwas. Für 2-3 Seiten befindet sich der Leser mit der jeweiligen Person an einem exotischen Ort, aber es könnte auch eine langweilige deutsche Kleinstadt sein. Alle Personen, egal welchen Alters und welchen Geschlechts erscheinen einem wie die selbe depressive Person, die in den letzten Wochen mal seicht mit dem Gedanken eines Selbstmords gespielt hat. Das Buch zieht sich zäh dahin und die Gedanken wiederholen sich. Es ist nicht ganz klar ob das von der Autorin gewollt ist oder nicht.

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  • Rezension zu "Die Fahrt" von Sibylle Berg

    Die Fahrt
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. June 2009 um 12:53

    Ich habe "Die Fahrt" sehr gerne gelesen und zu jeder Zeit war der rote Faden da, der mich weiterlesen ließ und der das Ganze sehr interessant machte. Es entwickelt sich ein Sog und ich wollte unbedingt wissen, wie es mit jeder einzelnen Person weitergeht. ** Der Leser begleitet sehr viele Menschen rund um den Erdball. Alle Menschen, so verschieden sie auch sind, haben eines gemeinsam: Sie suchen DEN Ort, der ihnen Glück bringen soll. Sie suchen das Glück, einen Sinn im Leben und auf dieser Reise ist jeder von ihnen auf sich allein gestellt und doch werden die Zusammenhänge im Laufe der Lektüre immer klarer, denn alle Menschen sind auf irgendeine bestimmte Art miteinander verbunden. Das einzige, was mich störte war, dass sich die inneren Stimmen aller Menschen glichen; ich konnte hier keinen Unterschied feststellen, was ich schade fand. Ich mochte es sehr, das Böse und Sarkastische und doch in vielen Gedanken WAHRE, welches Frau Berg uns in diesem Buch serviert. In vielen Gedanken erkenne ich mich wieder; Frau Berg ist eine Meisterin, die hoffentlich ihren Biß behält und weiter begeistert. ** Ingesamt hat mir "Die Fahrt" sehr gut gefallen und ich würde dieses Buch weiter empfehlen, aber sicher nicht jedem ;).

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  • Rezension zu "Die Fahrt" von Sibylle Berg

    Die Fahrt
    SV

    SV

    30. April 2008 um 17:37

    Einen kleinen Glücksmoment Ein Vogel, aus dem Nest gefallen, er kann nicht mehr fliegen, Frank, sieht ihn in einem Busch, bleibt stehen, Ruth kommt dazu, sie weichen einer Frau mit Kinderwagen aus. Frank und Ruth reden die ganze Nacht, Frank meint, dass Ruth vielleicht seine Frau sein könnte, aber sie fliegt am nächsten Tag nach Israel, will dort Jakob treffen. Jakob will in einen Kibbuz. Und auch die Geschichte der Kinderwagenfrau wird weitererzählt. So verschränkt und weitererzählt werden die Geschichten – ein Reigen von Geschichten eigentlich, jedes Kapitel nur einige Seiten lang. Los Angeles, Hongkong, Sri Lanka, Island, Comer See, Amazonasgebiet – überall in der Welt sind die Figuren im Roman von Sybille Berg unterwegs. Auch einige Menschen aus den Gegenden, in die gereist wird, bekommen ihre Geschichte: Bangladesch, Kyrgyztan, Bayreuth – Slumbewohner, heiratswillige Frau, Hotelangestellte: Man denkt Reisen ist das Thema, aber noch mehr geht’s um den Grund für das Reisen. Einige der Personen reisen, weil man’s so tut, aus dem reichen Deutschland kommend, einige suchen, einige reisen aus Langeweile, einige um sich selbst zu entkommen, einige um sich zu finden. Sybille Berg nimmt ihren Handelnden, und den Lesern, jede Illusion, zeigt völlig schonungslos Realität hinter den vorgeschobenen oder nicht hinterfragten Gründen. Sie zeigt die Veränderungen, die das Altern in den Menschen bewirken, den Verfall, den Verlust von Wichtigkeiten, die sich als nur scheinbare Wichtigkeiten herausstellen. Sie spricht über Armut in der Welt, materielle bei den einen, geistige, emotionale bei den anderen. Sie legt jedes Klischee, das sie finden kann, bloß, sie schält die Illusionsschichten ab und zeigt was bleibt. Der Verlag sagt, dass Frau Berg selbst lange Zeit herumgereist ist, an die Orte ihrer Handlung. Garniert ist das Buch mit unscharfen schwarz-weiß Fotos, die immer eine ganze Seite für sich bekommen, obwohl sie nur einen kleinen Raum bedecken. Die Erzählungen werden, immer eingeleitet vom Namen der Person, um dies geht und dem Handlungsort, nur von einigen Leerzeilen getrennt, fortgesetzt. So dass also den Bildern, so viel weißen Platz wie sie um sich haben, viel Bedeutung zukommt, die Bilder im Kopf des Lesers ergänzt werden können, müssen, sollen. Es sind keine freundlichen oder erfreulichen Szenerien die geschildert werden. Menschliches Verhalten, bestehend aus Dummheit, Gier, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, und alles sehr deutlich gesagt, vielleicht manchmal übertrieben scheinend, vermutlich genau so überall auf der Welt jederzeit zu beobachten. Frau Berg lässt manchen ihrer Figuren einen kleinen Glücksmoment, eine kleine Hoffnung. Anders als Philip Roth etwa, der seine Geschichten bis zur Schmerzgrenze, bis zum kaum Erträglichen intensiv schreibt und keine Gnade gewährt, gibt Frau Berg manchmal einer melancholischen Hoffnung nach und lässt etwa Frank fröhlich, mit Morphium versehen und einer Frau neben sich, sterben. Niki findet einen Ort in einer jüdischen strenggläubigen Siedlung, sie wird ihren Reichtum aufgeben, schwarze Gewänder tragen, nach strengen Regeln leben – aber nicht mehr allein sein. Kleine Hoffnungen sind das und lässt man sich drauf ein, können tatsächlich heftige Gemütsbewegungen nicht vermieden werden. Ein äußerst intensives, erschreckendes, ein bisschen hoffnungsvolles Buch. Bilder, Szenen, Gedanken, die bleiben werden. Jedes Wort ist wahr, auch wenn es übertrieben ist, wenn es groteske Übertreibung ist, weiß man, dass es so ist, dass Menschen und Leben und alt werden und hilflos in der Welt stehen, ob auf Reisen oder festgehalten am grauenhaftesten Ort der Armut, festgehalten in der dumpfesten Gedankenlosigkeit, so ist. Sie sollte jeden Preis bekommen, der machbar ist, für ihren Mut so zu schreiben: mit Gewicht und Bedeutung, lebendig und treffend.

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