Das Gen

von Siddhartha Mukherjee 
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Das Gen
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Helmut_B__Gohlischs avatar

Ich habe auch dieses Buch von Siddhartha Mukherjee verschlungen. Es liest sich wie ein toller Roman und bringt dabei soviel Wissen über uns.

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Äußerst informativ!

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Inhaltsangabe zu "Das Gen"

Großartig, fesselnd und folgenreich: Pulitzer-Preis-Träger und Bestseller-Autor Siddhartha Mukherjee erzählt meisterhaft die Geschichte der Entzifferung des Mastercodes, der unser Menschsein bestimmt. Das große Buch eines begnadeten Erzählers und Arztes, das gewaltige Panorama einer machtvollen Entdeckung.

Als Siddhartha Mukherjee seinen Bestseller 'Der König aller Krankheiten' beendet hatte, macht er sich auf eine Reise in die indische Heimat. Er besucht Cousin Moni, der an Schizophrenie leidet – wie auffällig viele seiner Verwandten. Fasziniert beginnt Mukherjee, sich mit der Geschichte der Gene zu beschäftigen: Von den Erbsenkreuzungen Mendels bis zur neuesten Genbearbeitungsmethode CRISPR schreibt Mukherjee den spannenden Roman einer wissenschaftlichen Suche und verwebt ihn mit der Geschichte seiner Familie. Packend und einzigartig.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596032358
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:768 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:27.02.2019

Rezensionen und Bewertungen

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    Kleine8310s avatar
    Kleine8310vor 5 Monaten
    Das Gen

    "Das Gen - Eine sehr persönliche Geschichte" ist ein Buch des Autors Siddhartha Mukherjee. In diesem Buch geht es aber nicht nur um die Genetik ansich, sondern der Autor lässt auch Anteile seiner Familiengeschichte einfliessen, die mehr sind als bloße anschauliche Beispiele. 

     

    Siddhartha Mukherjee befasst sich in dem Prolog, sechs Teilen und einem Epilog, mit der Genetik. Beginnend mit den ersten Entdeckungen und Wiederentdeckungen ab dem Jahr 1865, geht es in logischer und zeitlich korrekter Aufeinanderfolge um die Entschlüsselung der Vererbung und ihre Mechanismen, das Klonen und die Gensequenzierung und die Humangenetik. In den Teilen fünf und sechs befasst sich der Autor dann auch mit der Identität und der "Normalität" und lässt auch die neuesten Ergebnisse aus der Forschung nicht außer Acht. 

    Der Aufbau des Buches hat mir sehr gut gefallen. Der Autor schreibt flüssig und trotz fachlich anspruchsvoller Themen gut verständlich, sodass man auch ohne Vorwissen vieles aus dem Buch für sich mitnehmen kann. Besonders schön fand ich, dass es nicht nur geballtes Wissen beinhaltet, sondern auch einige persönliche Einflüsse aus dem familiären Umfeld des Autors eingeflochten werden. Das lockerte die fachlichen Themen auf empathische und anschauliche Weise auf und brachte auch eigene Gefühle und Gedanken von Herrn Mukherjee mit hinein, was alles zusammen ein wirklich stimmiges Bild ergeben hat. 


    Insgesamt fand ich das Buch wirklich spannend gemacht und es ist alles andere als ein trockenes Sachbuch. Als Leser/Leserin ist man nah an der Materie dran und kann mit dem Autor gemeinsam pro und kontra von den Anfängen der genetischen Forschung bis hin zu den neuesten Methoden betrachten. Super fand ich zudem, dass manches durchaus zum nachdenken anregt.


    Positiv: 

    * flüssiger, anschaulicher und gut verständlicher Schreibstil

    * interessante Themeninhalte mit persönlicher Note

    * spannend zu lesen

    * sehr guter, logischer Buchaufbau

    * es bleiben keine Lücken in der bisherigen Geschichte der Gen - Forschung, da der 

       Autor alle Bereiche mit profunden Wissen abzudecken weiß


    Negativ: 

    * nichts


    "Das Gen - Eine sehr persönliche Geschichte" hat mich durch die vielschichtige und schön aufgebaute Handlung überzeugt und mit der ansprechenden Erzählweise und den persönlichen Einflüssen des Autors begeistert. Dies ist ein Buch für jede/n, der/die sich näher mit dem Thema Gene befassen möchte und von staubtrockener Lektüre die Nase voll hat! Daher empfehle ich es sehr gerne weiter!

     

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    Fornikas avatar
    Fornikavor 9 Monaten
    Das Gen

    Mukherjee arbeitet als Arzt, ist aber auch als Autor medizinischer Sachbücher erfolgreich. Er arbeitet im Bereich der Stammzellenforschung, hat neben dem beruflichen Interesse aber auch ganz persönliche Gründe für sein Interesse am menschlichen Genom: in seiner Familie treten gehäuft psychische Erkrankungen auf, Erkrankungen, die auch von genetischen Komponenten abhängig sind. Mukherjee nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Geschichte des Gens, der menschlichen DNA und durch die verschiedenen Labore und Forschungsstätten.

    Genetik fand ich schon immer sehr faszinierend und so war ich an „Das Gen“ natürlich mit hohen Erwartungen herangegangen. Enttäuscht wurde ich nicht. Der Autor schafft den Spagat zwischen komplexer Thematik und erzählenden Passagen. Sachverhalte werden klar erläutert (an manchen Stellen schadet etwas Vorbildung sicherlich nicht), und auch schwierigere Zusammenhänge werden sehr gut erklärt. Mukherjee startet mit der Geschichte und den Anfängen der Genforschung, ab einem gewissen Zeitpunkt gab es jedoch parallel sehr viele bahnbrechende Entdeckungen, sodass die Kapitel thematisch und nicht mehr chronologisch gestaltet sind. Zunächst etwas verwirrend, aber dank kurzer Rückblicke findet man sich als Leser dann doch schnell zurecht. Das Buch gibt einen sehr guten Abriss über Vergangenheit und Gegenwart, wirft aber auch einen Blick in die Zukunft auf die Möglichkeiten, aber auch die Verantwortung, die sich aus den neuesten Technologien ergeben. Ich habe an vielen Stellen Wissen aufgefrischt, aber auch sehr viel Neues und Spannendes dazugelernt. Ein wirklich informatives, dennoch recht locker geschriebenes Sachbuch, das ich jedem mit Interesse am Kern des menschlichen Seins ans Herz legen möchte.

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    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor 10 Monaten
    ‚Unsere Fähigkeit, menschliche Genome zu verstehen und zu manipulieren [...].'

    ‚Unsere Fähigkeit, menschliche Genome zu verstehen und zu manipulieren, verändert unsere Vorstellung davon, was es bedeutet, ‚Mensch‘ zu sein.‘ (Seite 28)

    Im Winter 2012 ist Siddhartha Mukherjee mit seinem Vater auf dem Weg von Delhi nach Kalkutta, um seinen Cousin Moni zu besuchen, der acht Jahre zuvor mit Schizophrenie diagnostiziert wurde. Aufgrund der familiären Häufung psychiatrischer Erkrankungen fragt sich Mukherjee, ob Moni vielleicht ein Gen oder mehrere Gene geerbt hat, die ihn anfällig dafür machten.

    ‚Das Gen‘ beschäftigt sich ‚mit Entstehung, Ausbreitung und Zukunft einer der wirkmächtigsten und gefährlichsten Ideen der Wissenschaftsgeschichte: des Gens, der Grundeinheit der Vererbung und sämtlicher biologischer Informationen‘.

    Das Buch ist chronologisch und thematisch gegliedert, beginnt bei Mendels Versuchen in der Mitte des 19. Jahrhunderts - geht jedoch auch zurück zu Denkern wie Aristoteles und Pythagoras - und endet in der Gegenwart bzw. mit Zukunftsvisionen.

    Von der ersten Seite an empfand ich das Buch als ausgesprochen spannend, was sicherlich auch an der Thematik des Prologs liegt, denn ich habe mich viele Jahre wissenschaftlich mit Schizophrenie auseinandergesetzt, so dass ich den Aufhänger sehr eingängig fand.

    Ich selbst habe mich in meinem Forschungsleben kaum mit Genetik beschäftigt und kenne viele der im Buch erwähnten Fakten und Hintergründe höchstens ansatzweise aus dem Biologieunterricht, der allerdings schon eine Weile zurück liegt. Trotz meines Neueinstiegs ins Thema Genetik und meines Laienwissens, das ich dazu habe, habe ich Mukherjees Ausführungen jederzeit sehr gut folgen können.

    Durch seinen lebendigen Schreibstil, die detaillierten Schilderungen der Orte, Personen, Situationen und Ereignisse macht die Lektüre zudem viel Spaß und ist so unterhaltsam wie ein Roman.

    Alles zusammen hat dazu geführt, dass ich auf jeder Seite etwas Neues gelernt habe und sich die mehr als 600 Seiten zudem sehr flüssig und schnell lesen.

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    gstvor einem Jahr
    Was bestimmt über die Entwicklung des Menschen, seine Schwächen und Stärken?

    Genforschung ist heute in aller Munde. Doch was wird hier untersucht, was bewirken die Erkenntnisse der Wissenschaftler – außer Protesten gegen Genmanipulation? Wer mehr darüber erfahren will, dem kann ich das Buch „Das Gen“ von Siddharta Mukherjee empfehlen. Der als begnadeter Erzähler bekannte Arzt (er erhielt 2011 den Pulitzer Preis für sein Buch „Krebs – Der König aller Krankheiten“) setzt sich auf über 600 Seiten mit der Genforschung auseinander: angefangen von den ältesten Wissenschaftlern, die noch glaubten, dass eine Mutter nur die Hülle zum Wachsen der Frucht vorgibt und das väterliche Sperma für das Aussehen des Kindes verantwortlich ist, durchwandert der Leser dieses Buches die geschichtliche Entwicklung über Mendels erste Experimente an Erbsen bis zu den neuesten Erkenntnissen, welches Gen für welche Krankheit verantwortlich ist.

    Der Autor, der viele sehr persönliche Anekdoten aus seiner Familie mit einfließen lässt, hat das Buch in sechs Teile und unterschiedliche Forschungsetappen gegliedert. Dabei erfährt der Leser, dass ein Cousin von Darwin bereits im 19. Jahrhundert überlegte, ob man das menschliche Erbgut zum Wohle der Menschheit manipulieren könne. Auch die unter Hitler durchgeführte „Rassenhygiene“, die Genetik des „lebensunwerten Lebens“ wird beleuchtet. Die Mühsal der Experimente, von ergebnislosen Versuchen geprägt und vom Kampf zwischen der Natur und den Nerven der Wissenschaftler, wird nicht ausgespart – immerhin gab es in der Forschung immer wieder herbe Rückschläge.

    Besonders interessant empfand ich den sechsten Teil des Buches, in dem es um die Zukunft und die Ethik der Genforschung geht. Sicher gibt es für den wissenschaftlich nicht Vorgebildeten einige Hürden beim Lesen zu überwinden (die aber durch das Glossar teilweise geglättet werden), dafür können aber diejenigen, die noch tiefer in die Materie einsteigen wollen, in dem umfangreichen Anhang und der Bibliographie genug Anregungen zur weiteren Wissensvertiefung finden. Ein Register, wo welche Stichworte im Buch zu finden sind, ergänzt das umfangreiche Werk.

    Gut gefallen hat mir folgendes Zitat: „Ein Kuchen entwickelt sich aus Zucker, Butter und Mehl, die zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Mengenverhältnis und bei der richtigen Temperatur zusammenkommen. Ebenso entwickelt sich die menschliche Physiologie aus bestimmten Genen, die in der richtigen Reihenfolge am richtigen Ort mit anderen Genen zusammenwirken. Ein Gen entspricht einer Zeile in einem Rezept für einen Organismus. Das menschliche Genom ist das Rezept für die Entwicklung eines Menschen.“ (Seite 268)

    Kommentare: 3
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    Wedmas avatar
    Wedmavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Unterhaltsam, anschaulich erzählt über gen. Forschung seit Mendel bis zur Gegewart. Auch ethische Fragen wurden gestellt! Sehr Lesenswert!👍
    Ein sehr aufschlussreiches, spannendes, gekonnt geschriebenes Werk.

    Klappentext fasst den Inhalt prima zusammen: „Warum sind wir so, wie wir sind? Was ist in der Familie angelegt, was erworben? Was können wir selbst bestimmen?

    Großartig, fesselnd und folgenreich: Pulitzerpreisträger und Bestseller-Autor Siddhartha Mukherjee erzählt meisterhaft die Geschichte der Entzifferung des Mastercodes, der unser Menschsein bestimmt. Das große Buch eines begnadeten Erzählers und Arztes, das gewaltige Panorama einer machtvollen Entdeckung.
    Als Siddhartha Mukherjee seinen Bestseller »Der König aller Krankheiten« beendet hatte, machte er sich auf eine Reise in die indische Heimat. Er besucht Cousin Moni, der an Schizophrenie leidet – wie auffällig viele seiner Verwandten. Fasziniert beginnt Mukherjee sich mit der Geschichte der Gene zu beschäftigen: Von den Erbsenkreuzungen Mendels bis zur neuesten Gen-Bearbeitungs-Methode CRISPR schreibt Mukherjee den spannenden Roman einer wissenschaftlichen Suche und verwebt ihn mit der Geschichte seiner Familie. Packend und einzigartig.“

    Zum Autor: „Siddhartha Mukherjee ist Krebsforscher und praktizierender Onkologe. Er ist Assistenzprofessor an der Columbia University und arbeitet am New York Presbyterian Hospital. Mukherjee studierte an der Stanford University, der University of Oxford, der Harvard Medical School und ist ein Rhodes Scholar. Regelmäßig veröffentlicht er Artikel in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften. Für ›Der König aller Krankheiten‹ erhielt er 2011 den Pulitzer-Preis. Mit seiner Frau und den gemeinsamen Töchtern lebt er in New York.“

    Auf rund 643 Seiten reinen Textes, chronologisch gegliedert in 6 Teile:

    Teil 1 Die „fehlende Vererbungslehre Die Entdeckung und Wiederentdeckung der Gene (1865-1935)

    Teil 2 „In der Summe der Teile gibt es nur die Teile“ Die Entschlüsselung der Vererbungsmechanismen

    Teil 3 „Die Träume der Genetiker“ Gensequenzierung und Klonieren (1970-2001)

    Teil 4 „Der Mensch ist erstes Ziel der Wissenschaft“ Humangenetik (1970-2005)

    Teil 5 Hinder den Spiegeln Die Genetik der Identität und „Normalität“ (2001-20015)

    Teil 6 Post-Genom Die Genetik des Schicksals und der Zukunft (2015-…)

    samt Prolog und Epilog, plus Glossar 4 S., Chronologie 2 S., Anmerkungen/Quellen 51 S., Bibliographie 30 S., Register 19 S. u. Danksagung erzählt S. Mukherjee, gekonnt und spannend, die Geschichte der Genforschung von Mendel bis heute. Dabei gibt es auch eine ganz persönliche Seite: der Autor versucht zu verstehen, was die Erkrankungen an Schizophrenie seiner Onkel väterlicherseits für ihn, seiner Kinder und Kindeskinder bedeuten. Ob er davon ausgehen soll, dass auch er und/oder die Kinder früher oder später die bekannten Symptome zeigen und nach und nach der Krankheit, die in den Genen seiner Familie verankert zu sein scheint, erliegen werden. Sein Vater erkrankte mit 82, der Autor fragt sich, ob auch er sich darauf vorbereiten sollte oder gibt es noch Möglichkeiten, dies zu umgehen, vllt ist es so, dass die Gene nicht alles entscheiden. Der Autor spricht offen über solchen Dinge, die man sonst nicht unbedingt an die Öffentlichkeit trägt. Er stellt Fragen, die viele Menschen in seinem Alter bewegen: Sorge um älter werdenden Eltern, um die heranwachsenden Kinder, denen man gute, lebenswerte Zukunft ermöglichen möchte.

    Im Teil 5 wird die Familiengeschichte besonders interessant, da neue Details, weil eng mit der Geschichte Indiens verbunden. Man erfährt über die Eltern des Autors, die aus ost- und westbengalischen Familien kamen, welche Unterschiede es da gab, wie die Mutter einen aufstrebenden, zugewanderten Habenichts geheiratet und in Delhi ihr Glück gefunden hat, während ihre Zwillingsschwester einen gut situierten Anwalt geheiratet und nach Kalkutta gegangen war, doch immer ärmer und verhärmter, ganz wie die alte Stadt, wurde. Die Vergleiche, die der Autor bei den Zwillingen anstellt, die Ähnlichkeiten und Unterschiede, sind toll beobachtet und sehr lesenswert. Dieser Part des Buches wurde schon fast wie ein guter Familienroman erzählt. Daher stimmt es die Zeile, die Andrew Solomon in Washington Post über das Buch schrieb: »Meisterhaft aufgebaut, wunderbar erzählt (…) Mukherjee ist ein Genie darin, zutiefst menschliche Geschichten hinter abstrakten Ideen zu entdecken.«

    So viele Aspekte des Lebens durch das Prisma der Gen-Thematik beleuchtet worden, dass man immer weiter gespannt die Seiten blättert, da die Fragen ggf. auch einen selbst betreffen.

    Aufschlussreiche Ausführungen zu IQ (Intelligenzquotient) und seiner Entstehung und Handhabe findet man im Teil 5. Fragen wie „Ist allgemeine Intelligenz erblich?“ werden besprochen und mit den Ergebnissen der wissenschaftlichen Untersuchungen illustriert.

    Auch auf Krebs als Erbkrankheit kommt Mukherjee zurück, insb. über die Frauen mit Brustkrebs in mehreren Generationen und ob es unbedingte Notwendigkeit gibt, vorbeugend operativ einzugreifen.

    Ausflüge in die Geschichte, mehrmals zum 2.ten Weltkrieg, sind sehr interessant, da der Blickwinkel der Genetik spannende neue Details ermöglicht, z.B.: dass sich der Hungerwinter in den Niederlanden 1944-45 auf die vermehrten Fälle der Herzkreislauferkrankungen und Fettleibigkeit der nachfolgenden Generationen ausgewirkt hat. In 1990-ger Jahren konnten die Wissenschaftler den großen Hunger in den Genen der jüngeren Generationen quasi ablesen. Er hat sich dort sozusagen festgeschrieben. Ähnliches gibt es auch in anderen Fällen.

    Auch Fragen genetischer Auswahl wurden besprochen: vom ersten Mal als sich eine Frau in USA 1973 gegen das Kind mit Down Syndrom entschieden hat bis zu den Möglichkeiten, die heute der Wissenschaft zur Verfügung stehen, auf genetischer Ebene das Genom zu verändern und einen genmanipulierten Menschen zu erzeugen.

    Toll fand ich, dass der Autor zu seinen Ausführungen oft auch Gegenmeinungen präsentiert hat. So wirken seine Darstellungen differenziert statt besserwisserisch und dogmatisch, und geben dem eigenen Nachdenken, ggf. den Diskussionen mit Freunden und Familie viel reichhaltigen Stoff.

    Auch dass er gelegentlich Parallelen zu den bekannten Fabeln zieht, z.B. über das Streben mancher nach ewiger Jugend, wenn er über die neusten Erkenntnisse der Wissenschaft spricht, verleiht dem Ganzen Tiefe und erhöht auch den Unterhaltungsfaktor. Das Lesen dieses Buches ist vielmehr ein Dialog, bei dem man auf einer Augenhöhe aktiv und gerne mit dabei ist.

    Zugegeben, manchmal geht Mukherjee schon tief in die Materie hinein, Besprechungen der Gensequenzen und deren austauschbaren Teile fühlen so manche Seite. Dies passiert aber nicht ohne Grund. Möglichst detailliert möchte der Autor argumentieren, seine Gedanken in all ihrer Genauigkeit an die Leser bringen und sie überzeugen. Das gelingt ihm auch wunderbar.

    Insb. im letzten Teil kommt Mukherjee auf die ethischen Aspekte der Genforschung zu sprechen, wobei er auch in den früheren Kapiteln immer wieder darauf zurückkam. Er warnte z.B. vor dem leichtfertigen Umgang mit Epigenetik und kam so auf die Ethik zu sprechen.

     Er fordert „ein Manifest – oder zumindest eine Art Reiseführer -  für eine postgenomische Welt… das Genom ist ein Prüfstein unserer Fehlbarkeit und Wünsche… Was wir in unser Genom hineinlesen und schreiben sind unsere Schwächen, Wünsche und Ziele. Es ist die menschliche Natur.“ S. 638. Dreizehn Klauseln schlägt er hier vor.

    Epilog ist keineswegs zu vernachlässigen. Es fängt mit dem Zitat, wie auch jedes Kapitel, das mit schönen, sehr treffenden Zitaten geschmückt und ergänzt wurde, aus einem Sanskrit-Gedicht: „Zeig mir, dass du die Noten eines Liedes teilen kannst; Aber zuerst zeige mir, dass du unterscheiden kannst, was sich teilen lässt und was nicht.“ Und endet mit: „ Unser Genom… ist das Menschlichste, was wir besitzen. Es treuhänderisch zu verwalten ist vielleicht der ultimative Test für die Erkenntnis und das Urteilsvermögen unserer Spiezies.“ S.656. Insofern stimmt auch der Satz von Boston Globe zu diesem Werk: „»Wer wissen will, was es bedeutet, Mensch zu sein, sollte dieses Buch lesen.«

    Fazit: Ein sehr aufschlussreiches, gekonnt geschriebenes Werk, das nicht nur eine Fülle spannender Informationen liefert, sondern auch vorzüglich unterhält und zum Nachdenken/Diskutieren anregt.

    Für junge Menschen, die sich für Biologie, Biochemie und ähnl. Fachgebiete interessieren oder gar zu studieren begonnen, ist „Das Gen“ von S. Mukherjee ein Must read.  Aber auch für andere (naturwissenschaftlich) interessierte Leser ist es eine spannende und intelligente Lektüre. Viele Schicksale von Menschen mit Erbkrankheiten wie Huttington, Mukoviszidose, Down Syndrom, uvm. laufen vorm inneren Auge ab. So bekommt man eine bessere Sicht auf solche Menschen, kann mehr Verständnis aufbringen, besser damit umgehen, wenn man sie im Alltag trifft.

    Das Buch ist auch schön gestaltet: Festeinband, in Rot, Umschlagblatt mit in Goldfarbe gestalteten Buchstaben „Eine sehr persönliche Geschichte“, Lesebändchen ebenfalls in Rot. In der Mitte gibt es drei Seiten mit Fotos auf Glanzpapier.

    Fünf wohl verdiente Sterne und eine klare Leseempfehlung!

    Danke an S. Fischer Verlag, da er dieses tolle Buch dem deutschen Leser zugänglich gemacht hat. Danke auch an die Übersetzerin Ulrike Bischoff, die es aus dem Englischen prima übertragen hat.


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    Helmut_B__Gohlischs avatar
    Helmut_B__Gohlischvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Ich habe auch dieses Buch von Siddhartha Mukherjee verschlungen. Es liest sich wie ein toller Roman und bringt dabei soviel Wissen über uns.
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    Bergbarons avatar
    Bergbaronvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Äußerst informativ!
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    H
    Hydrantvor einem Monat
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    Kaivaivor 5 Monaten
    jolie95s avatar
    jolie95vor 10 Monaten

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    Leicht verständlich und unterhaltsam, aber ohne grobe Vereinfachungen [.], gewürzt mit einer Prise Humor und jeder Menge Fantasie.

    [Das] persönliche Engagement sorgt dafür, dass sich das Buch streckenweise liest wie ein Krimi.

    eine wichtige, fast essenzielle Lektüre [.] ›Das Gen‹ ist ein spannendes Werk der Aufklärung zu einem noch von Mythen geprägten Thema.

    Viel angenehmer und unterhaltsamer als mit diesem Buch kann man in der Wissenschaft und Bioethik nicht auf dem Laufenden bleiben.

    ein Plädoyer für das Unnormale, für die Mutanten, die wir letzten Endes alle sind. In Zeiten der Gendiagnostik ist dieses Plädoyer dringend notwendig.

    übersichtlich und zugleich umfassend

    Spannend, anregend - und niemals trivial. [.] Mukherjee arbeitet wie ein Romanautor. Er erzählt Geschichten von Menschen.

    ein einzigartiges Wissenschaftsepos

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