Sidney Iwens

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Der Himmel so düster

Der Himmel so düster

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Erschienen am 14.06.2010

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Rezension zu "Der Himmel so düster" von Sidney Iwens

Rezension zu "Der Himmel so düster" von Sidney Iwens
C-Avor 8 Jahren

Am Ende bleibt eine Frage: Wie groß muss der Wille zu leben sein, um zu überleben?
Der jüdische Shaike ist 17 Jahre alt, als er aus seiner Stadt in Litauen fliehen muss, weil die Nazis kommen. Er läuft in zwei Tagen 200 km, zum großen Teil barfuß, wird gefangen genommen, überlebt Gefängnisse, Ghettos und Arbeitslager. Er leidet Hunger, erlebt Exekutionen und wahllose Gewalt. Und dennoch schafft er es immer wieder, im letzten Moment zu entkommen.
Wir alle kennen die Tatsachen, die Zahlen, die Bilder. Das besondere an der Beschreibung eines Einzelschicksals wie Shaikes ist, zu sehen, wie auch unter den widrigsten Umständen Alltag entsteht, Freundschaften, Rangeleien, die erste Liebe. Zwischen Erschießungen und Mangel zeigt sich auch immer wieder Hilfsbereitschaft und echte Nächstenliebe, manchmal aus Richtungen, aus denen man sie nicht erwartet. Gefangene teilen das wenige, was sie haben, miteinander, Aufseher riskieren ihr Leben, um den Gefangenen das Dasein ein wenig leichter zu machen. Auch wenn das Überleben hin und wieder unmöglich scheint, mangelt es doch nicht an etwas Entscheidendem: Leben.
Sidney Iwens Tagebuch beschreibt nüchtern die harte Zwangsarbeit und die Tötungen und mangelt nicht an Witz, auch wenn das Lachen oft im Halse stecken bleibt. Es ist kein Witz, als Iwens die Bedeutung der Kartoffel in seinem Leben hervorhebt, unsere reiche europäische Speisekarte macht es uns nur schwer, diese Bedeutung zu erkennen.
Der Himmel so düster ist ein Buch, das das Lesen schwerfallen lässt, das mit dem Lesen aufhören jedoch auch, ein Buch, das man nicht so schnell aus der Hand legt und nicht so schnell aus dem Kopf bekommt. Und am Ende bleibt ein Gefühl der Scham, nicht als Deutsche, Antisemitismus ist kein rein deutsches Phänomen, die Scham, Mensch zu sein, und ein schlechtes Gewissen für jeden Kummer, den ich je gehabt habe. Gegen diese Erzählung verliert jeglicher Kummer seine Daseinsberechtigung. Und es bleibt die Frage, wie wertvoll das Leben ist, wenn für das reine Überleben ein so hoher Preis bezahlt werden kann.

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