Siegfried Hetz

 4,2 Sterne bei 6 Bewertungen

Lebenslauf von Siegfried Hetz

M.A., 1954 in Piesendorf geboren, hat in Mainz und München Germanistik, Philosophie und Publizistik studiert. Er ist Autor und Herausgeber von Büchern zu literatur- und kulturhistorischen Themen. Als leidenschaftlicher Landschafts-Flaneur hat er die fünf Salzburger Bezirke und Teile Bayerns als Wanderer und Fußgänger in über 300 Tourenvorschlägen vermessen und beschrieben.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Zwischen den Welten (ISBN: 9783702510046)

Zwischen den Welten

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Neu erschienen am 01.03.2021 als Hardcover bei Verlag Anton Pustet Salzburg.

Alle Bücher von Siegfried Hetz

Cover des Buches Wo Dollfuß baden ging (ISBN: 9783702508906)

Wo Dollfuß baden ging

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Erschienen am 12.09.2018
Cover des Buches Regenwandern (ISBN: 9783702508203)

Regenwandern

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Erschienen am 24.05.2016
Cover des Buches Zwischen den Welten (ISBN: 9783702510046)

Zwischen den Welten

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Erschienen am 01.03.2021
Cover des Buches Erlebnis Salzburger Land Band 2: Pinzgau (ISBN: 9783702506438)

Erlebnis Salzburger Land Band 2: Pinzgau

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Erschienen am 01.04.2011
Cover des Buches Erlebnis Salzburger Land Band 4: Pongau (ISBN: 9783702506711)

Erlebnis Salzburger Land Band 4: Pongau

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Erschienen am 01.07.2012
Cover des Buches Erlebnis Salzburger Land Band 5: Tennengau (ISBN: 9783702506865)

Erlebnis Salzburger Land Band 5: Tennengau

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Erschienen am 09.01.2013
Cover des Buches MARCO POLO Reiseführer Österreich (ISBN: 9783829728577)

MARCO POLO Reiseführer Österreich

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Erschienen am 28.02.2019

Neue Rezensionen zu Siegfried Hetz

Cover des Buches Zwischen den Welten (ISBN: 9783702510046)Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Zwischen den Welten" von Siegfried Hetz

"Habe ich bestanden?"
Bellis-Perennisvor einem Monat

Siegfried Hetz ist vielen Lesern als Autor zahlreicher Reiseführer durch das Land Salzburg bekannt.  

Diesmal hat er sich, nach Engelbert Dollfuss, wieder einer umstrittenen Persönlichkeit Österreichs angenommen: Dr. Burghard Breitner, seines Zeichens Mediziner, der von einem Teil der Bevölkerung als „Engel von Sibirien“ verehrt wurde und es dennoch, trotz jüdischer Herkunft, nicht geschafft hat, sich vom nationalsozialistischen Gedankengut zu befreien. 

Wer ist er nun dieser Dr. Breitner?  

1884 in Mattsee, dessen „Geschichte eine Geschichte von braunen Bonzen in herrschaftlichen Villen ist“ (© Siegfried Hetz/2016) geboren, studiert er Medizin und rückt begeistert 1913 in den Balkankrieg ein. Schon nach wenigen Tagen an der Front landet er „unverwundet“ in russischer Kriegsgefangenschaft. Dies ist nach seinen Ehrbegriffen eine Schande. In einem sibirischen Lager leistet medizinische Hilfe, soweit das mit den beschränkten Mitteln möglich ist. Erst 1920 wird er aus dem Kriegsgefangenenlager entlassen und kehrt in ein völlig anderes Österreich zurück.  

Bereits 1932 tritt er der NSDAP bei, die er nach deren Verbot 1934 wieder verlässt. 1939 wird er wieder in die Partei eintreten. Dieser Ein- und Austritt sowie der Wiedereintritt wirft ein schräges Licht auf Breitner. Vor allem, wenn man weiß, dass niedrige Mitgliedsnummern während der NS-Zeit (und auch später) eine große Bedeutung haben. Wobei es verwunderlich ist, dass er wieder in die Partei aufgenommen worden ist. Um eine große Karriere zu machen, benötigt er den „großen Ariernachweis“, den er nicht beibringen kann. Ganz im Gegenteil, er sollte 1938 gemäß des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (1933)“ mit nur 54 Jahren in den Ruhestand geschickt werden. Durch Intervention wird er 1941 „deutschblütigen Personen“ gleichgestellt und sofort eingezogen. In diversen Lagern ist er an Menschenversuchen beteiligt.  

Diese Beteiligung an NS-Verbrechen wird ihm 1946 (wie schon 1938) abermals den Lehrstuhl für Chirurgie an der Universität Innsbruck kosten. Er behauptet,  

„Das nationalsozialistische Regime hat mich in seinen führenden Vertretern keineswegs als Gesinnungsgenossen gewertet. Ich war nur geduldet, von Vielem ausgeschlossen, in nichts gefördert.........In dem Bewusstsein, kein Parteimitglied zu sein und keins sein zu wollen, sah ich mich als unentwegter Österreicher, der die nationalsozialistischen Doktrinen schärfstens abgelehnt hat, nicht bemüssigt, auch nur in Nebensächlichkeiten meine Person politisch bemerkbar zu machen.“(S.131)

 Die schriftlichen Beweise über seine Mitgliedschaft in der NSDAP wiegen schwer. Und dann geschieht das, was häufig passiert: Man sieht letztendlich darüber hinweg. So kommt es, dass Burghard Breitner 1951 als Kandidat des „Verbandes der Unabhängigen“ (VdU) als Gegenkandidat zu Theodor Körner (SPÖ) und Heinrich Gleißner (ÖVP) zur Wahl des Bundespräsidenten aufgestellt wurde.  

1956 stirbt Burghard Breitner, der sich Zeit seines Lebens auch als Dichter verstanden hat. 

Meine Meinung: 

Der Text auf der Rückseite des Buches fasst die ambivalente Persönlichkeit des Burghard Breitners recht gut zusammen: 

"Habe ich bestanden?" Die bange Frage stand brennend über seinem Leben und ist in seinen Grabstein gemeißelt. Deutschnational bis in die Knochen, jüdischer Abstammung, Nietzsche verfallen und von Otto Weiningers Geschlecht und Charakter aufgerüttelt – ständig bewegte sich Burghard Breitner zwischen den Welten. Dem Rot-Kreuz-Gedanken über 50 Jahre aufs Innigste verbunden, schaffte er es dennoch nicht, sich vom menschenverachtenden System des Nationalsozialismus ausreichend zu distanzieren.“ 

 Autor Siegfried Hetz gelingt es, durch seine akribische Spurensuche ein plastisches Bild dieses Mannes zu zeichnen und die Widersprüche seiner Person heraus zu arbeiten.  

Fazit: 

Das Buch ist nicht ganz einfach zu lesen, was vor allem an der kleinen Schrift liegt. Zahlreiche Fotos und Faksimiles ergänzen diese Biografie. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

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Cover des Buches Wo Dollfuß baden ging (ISBN: 9783702508906)Sikals avatar

Rezension zu "Wo Dollfuß baden ging" von Siegfried Hetz

Wichtiges Erinnerungsdokument
Sikalvor 3 Jahren


 „Vergessen können ist das Geheimnis ewiger Jugend. Wir werden alt durch Erinnerung.“ (Erich Maria Remarque)

 

Das Buch „Wo Dollfuß baden ging“ ist das Ergebnis der Bildungswoche Mattswe 2016. Unter dem Titel „Erinnern“ sollte der Fokus auf die Jahre 1920 bis 1945 gelegt werden, wobei der Erinnerungsbogen noch weiter zurück in die Vergangenheit gespannt wurde. Archive wurde durchforstet, Bilder, Dokumente und vieles mehr gesichtet. Viele Zahlen, Daten und Fakten sowie Fotos und auch persönliche Geschichten wurden in dem Buch zusammengefasst. Doch es wurde auch immer wieder ein Bezug aus der Vergangenheit zur Gegenwart hergestellt, was mir sehr gut gefallen hat.

 

Der Fremdenverkehrsort Mattsee rühmte sich bereits 1921 „judenfrei“ zu sein. Dieser „Status“ wurde sogar mittels Plakaten beworben. Zimmervermieter, welche auch Juden ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellten, wurden von dem Ortsvorsteher unter Druck gesetzt.

 

Trotzdem hat auch der Komponist Arnold Schönberg mit Anhang im Juli 1921 noch eine Unterkunft für einen ganzen Sommer lang ergattert. Doch musste er bereits nach drei Wochen sein Domizil aufgeben und nach Traunkirchen übersiedeln. In Mattsee wurde er dermaßen unter Druck gesetzt, dass er quasi die Flucht ergriff. Auch die finanziellen Einbußen (Zimmer und Klavier für Monate gemietet) werden in persönlichen Briefen von Schönberg hervorgekehrt.

 

Es war klar, dass in Mattsee nur mehr „Deutscharier“ gewünscht waren. Besonders zwei aus der Geschichte bekannte Persönlichkeiten verlegten ihren Sommerurlaub nach Mattsee: Seys-Inquart sowie Engelbert Dollfuß. Wobei die Geschichte rund um Dollfuß‘ Aufenthalt durchaus Unterhaltungswert hat – sein Ziel ist es, schwimmen zu lernen, um Benito Mussolini zu beeindrucken, der ihn zu einem Strandurlaub eingeladen hatte.

 

Auch 1945 war es in Mattsee durchaus noch spannend, immerhin wurde die ungarische Stephanskrone vom Faschistenführer Ferenc Szálasi in Mattsee versteckt.

 

Das Buch stellt ein wichtiges Zeitdokument dar, gibt einen guten Einblick in diese turbulente Zeit. Für Geschichtsinteressierte ein informatives Werk, welches auf jeden Fall 5 Sterne verdient hat.

 

 

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Cover des Buches Wo Dollfuß baden ging (ISBN: 9783702508906)Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Wo Dollfuß baden ging" von Siegfried Hetz

Eine Sommerfrische der besonderen Art ...
Bellis-Perennisvor 3 Jahren

Antisemitismus ist keine Erfindung der Nazis. Diese Geisteshaltung zieht sich seit Jahrhunderten durch die Geschichte.

 

Am Bespiel der Fremdenverkehrsgemeinde Mattsee wird gezeigt, wie handfeste wirtschaftliche Interessen und politische Ausgrenzung ineinanderfließen.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen, wie jene des Salzkammergutes, brüstet sich Mattsee bereits 1921 „judenfrei“ zu sein. Das kurbelt den Fremdenverkehr an, weil viele Deutschnationale lieber „unter sich“ sein wollen.

 

Der letzte jüdische Sommergast in Mattsee ist der Komponist Arnold Schönberg, der samt Familie und Entourage, der auch einige seiner Schüler angehören, im Juli 1921 hier auf Sommerfrische weilt. Er wird während seines Aufenthaltes bedroht und mehr oder weniger des Ortes verwiesen. Vermietern, die an Juden vermieten wird unverhohlen mit nachhaltigen Konsequenzen gedroht, sodass sich niemand mehr traut, jüdische Gäste aufzunehmen.

 

Ab 1927 nimmt das Ehepaar Seyß-Inquart in Mattsee Quartier, ein paar Jahre später, auch Bundeskanzler Engelbert Dollfuß. Er will in der beschaulichen Atmosphäre schwimmen lernen, weil in Benito Mussolini zu einem Adria-Aufenthalt eingeladen hat.

 

Meine Meinung:

 

Das Buch besteht aus mehreren Teilen und ist das Ergebnis der „Bildungswoche Mattsee 2016“, das unter dem Motto „Erinnern“ stand.

 

Zu Beginn liest es sich ein wenig trocken. Wie eine Dorfchronik enthält es eine Fülle von Zahlen, Daten und Fakten. Doch dann werden Augenzeugenberichte, Dokumente und die eine oder andere Anekdote eingeflochten. Eine Vielzahl von Bildern ergänzt diese Dokumentation.

 

Interessant ist die starke familiäre Verflechtung einiger Einwohner mit der Familie Göring. Gleich zwei Dorfgrößen sind jeweils mit einer Schwester Görings verheiratet.

 

Doch nicht nur die Darstellung des inneren Mattsees, hat mir sehr gut gefallen. Der Herausgeber eröffnet dem Leser auch den Blick für die österreichische Innenpolitik. Die Klimm- und Winkelzüge des Ständestaates sind gut herausgearbeitet.

 

Sehr interessant, weil fast schon komisch, ist die Geschichte rund um die ungarische Stephanskrone, die der geflüchtete ungarische Faschistenführer Ferenc Szálasi heimlich an den Mattsee bringt. Die Stephanskrone ist (gemeinsam mit den anderen Reichsinsignien) quasi die Legitimation der Herrschaft von Ungarn. Wer sie in Händen hält, ist „König von Ungarn“.

 

Fazit:

 

Das Buch bietet einen guten Einblick in die Zeit vor 1938. Dieses Ergebnis der „Bildungswoche Mattsee 2016“ kann ich nur empfehlen. Gerne gebe ich 5 Sterne.

 


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