Als Leserin, die anspruchsvolle Literatur sehr schätzt, hat mich "Eine Art Bescherung" von Siegfried Lenz sofort für sich eingenommen. Die Sammlung umfasst neun Erzählungen, die allesamt zur Winter- oder Weihnachtszeit spielen und dennoch weit mehr sind als bloße „Festtagsgeschichten“. Siegfried Lenz schaut den Menschen sprichwörtlich „aufs Maul“ und legt dabei eine Tiefe frei, die mich oft länger über eine Szene nachdenken ließ, als die wenigen Seiten vermuten lassen.
Besonders gefallen hat mir, wie deutlich die Nachkriegsjahre in diesen Erzählungen spürbar werden. Zwischen einfachen Freuden und schweren Schicksalen entfaltet Lenz kleine Welten, die gleichzeitig witzig, schwermütig und voller feiner Beobachtungen sind. Seine Bilder sind außergewöhnlich – etwa wenn von betrunkenen Flößern erzählt wird, die ihre Kinder verwechselt haben. In solchen Momenten blitzt der für Lenz typische, leicht verschmitzte Humor auf, der sich nie aufdrängt, aber umso nachhaltiger wirkt.
Am Ende jeder Geschichte findet sich das Jahr der Erstveröffentlichung, von den 1950er bis in die 1960er Jahre. Das erleichtert die zeitliche Einordnung.
Ganz ohne Einschränkungen kam ich jedoch nicht durchs Buch: Immer dann, wenn Lenz in eine mir nicht geläufige – vermutlich norddeutsche – Mundart wechselt, musste ich mich bemühen, den Sinn zu erfassen. In der Geschichte "Die Breite der Wune" war das besonders stark spürbar. Viele Wörter waren mir schlicht unbekannt, sodass sich der Humor erst beim zweiten Lesen erschloss.
Der Anhang rundet das Buch sehr gelungen ab: Die Zeittafel zu Leben und Werk von Siegfried Lenz enthält einige überraschende Details, etwa dass er sein Studium vor allem durch Schwarzhandel finanzierte. Dazu kommen eine Übersicht seiner Auszeichnungen und Preise – ein informativer Bonus, der die Lektüre im besten Sinne vertieft.
Abschließend möchte ich auch die Gestaltung hervorheben: Das handliche Hardcover mit Leineneinband ist ausgesprochen hübsch und macht das Buch zu einem kleinen Schmuckstück im Regal. Insgesamt ist "Eine Art Bescherung" für mich eine lohnende, vielschichtige Winterlektüre, die Anspruch und Atmosphäre wunderbar verbindet.
























