Siegfried Lenz Landesbühne

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Inhaltsangabe zu „Landesbühne“ von Siegfried Lenz

Manchmal kann die Wahrheit nur erfunden werden ... Seltsame Dinge geschehen im Gefängnis Isenbüttel: Eine Gruppe Häftlinge nutzt einen Gastauftritt der Landesbühne, um im Theaterbus das Weite zu suchen. Selbst die Wächter halten die Fliehenden für die »Spaßmacher von der Landesbühne«. Kurz darauf feiert ein idyllisches Städtchen talentierte Schauspieler – die gar keine sind. Der ganze Ort wird zur Bühne, doch auch das schönste Stück geht einmal vorbei. Mit heiterer Leichtigkeit und würdevoller Eleganz erzählt Siegfried Lenz von der Freundschaft und davon, was die Phantasie vermag.

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  • eine ungewollte Komödie?

    Landesbühne

    dominona

    19. October 2014 um 21:50

    Da glückt der Ausbruch aus dem Gefängnis doch wirklich als die Insassen den Bus der Landesbühne während der Pause in Beschlag nehmen und für einige Tage sieht es so aus, als könnten die Insassen in Grünau ein geordnetes Leben beginnen ohne aufzufliegen... Der Leser schaut einem ehemaligen Deutschprofessoren über die Schulter sowohl in Freiheit als auch Haft. Die Erzählweise ist zwar typisch Lenz, also hin und wieder entrückt, erzeugt hier aber ein merkwürdiges Kabarett-Gefühl. So dachte ich beim Lesen, dass Türmen doch nie im Leben so leicht sein kann, alles so lasch organisiert wie ein Ausflug einer Wandertruppe. Immer wieder findet sich unterschwelliger Humor, doch alles in allem ist das Thema eher ungewöhnlich für Lenz, so uneingebettet mit wechselnder Beobachterperspektive - leider bei weitem nicht auf dem Level der "Schweigeminute".

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  • Ein enttäuschender Lenz

    Landesbühne

    knuddelbacke

    12. April 2014 um 10:15

    Im Gefängnis des kleinen Städtchens Isenbüttel, in Norddeutschland gelegen, teilen sich Clemens, der seine Studentinnen nach gelungenen Klausuren verführte und Hannes, der eine lange Zeit erfolgreich als falscher Polizist die Autofahrer um Bußgelder erleichterte, eine Gefängniszelle. Dem idealistischen Gefängnisdirektor sei Dank fährt eines Tages der Bus der Landesbühne im Gefängnishof Isenbüttels ein. Der Tag endet für einen Teil der Insassen allerdings nicht mit einem wohl gemeinten Stück Kultur, sondern völlig überraschend in der Freiheit. Gemeinsam mit einigen anderen Insassen sind Hannes und Clemens unter der Tarnhaube des Landesbühnen-Bus aus dem Gefängnis entflohen. Ihr erster Halt führt sie in das kleine Städtchen Grünau, in welcher der Bürgermeister , begeistert von dem Schauspiel der vermeintlichen Landesbühnen-Darsteller , eine ganze Kulturwoche unter Mithilfe der Landesbühne auf die Beine stellen möchte.  Die neue Novelle von Siegfried Lenz bietet mit dem Gefängnis Isenbüttel und  Gefängnisinsassen als Hauptcharakteren einen interessanten Ausgangspunkt. In dem Gefängnis geht es allerdings anders zu, als der Leser zunächst vermuten mag. Dort sitzen weder Schwerverbrecher , noch gibt es unsympathische und fiese Direktoren, ganz im Gegenteil: Die Charaktere strahlen vor Sympathie und Skurrilität, vor allem der Ich-Erzähler Clemens, der im Laufe seiner Professur seinen jungen und hübschen Studentinnen zum Examen verhalf, nachdem Sie mit ihm schliefen. Für mich persönlich enden hier allerdings auch schon die Vorzüge von Siegfried Lenz neuester literarischer Schöpfung. Bei allem was dann noch in dem 120 Seiten schmalen Bändchen folgt stellte sich mir permanenten die Frage, was der Autor mit seiner Novelle eigentlich sagen möchte.Für meinen Geschmack weist "Landesbühne" zu viele Facetten , auf zu wenig Seiten auf: Die Charaktere zeichnen sich vor allem durch kafkaeske Züge aus, wobei hingegen der Ausflug in das Ländliche Grünau nahezu einer Groteske gleicht.Da es sich allem Anschein nach , aber um eine Novelle handelt, stellt sich mir die Frage: "Warum"? . Was will Siegfried Lenz damit bezwecken?Ohne Erfolg habe ich nach einer tieferen Bedeutung gesucht, mir kamen dabei Ideen wie: Freiheit der Kunst, Freiheit des Individuums , Loblied auf die Freiheit und Freundschaft, und noch einiges mehr.Trotzdem hat sich mir abschließend leider nicht der Sinn des Schriftstückes erschlossen. Vielleicht hätten dem Werk einige Seiten mehr gut getan.So muss ich leider sagen, dass trotz Siegfrieds Lenz`klarem Schreibstil und melancholischen Klängen zu Ende der Handlung wenig bleibt. Was bleibt ist er Eindruck einer tiefen Freundschaft zwischen Hannes und Clemens, und deren besonderer Wert in einem Alltag zwischen Gefängniswänden und Gitterstäben. Das stellt sich mir unvermittelt nur eine Frage: Und das soll alles gewesen sein?

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  • Sanfter Blick in eine kleine Welt

    Landesbühne

    BeaMilana

    "Manchmal kann die Wahrheit nur erfunden werden", und von dieser erzählt uns der Ich-Erzähler Clemens (ein Professor, der gegen Liebesdienste die hübschesten Studentinnen durch das Examen brachte und deshalb im Knast sitzt): Ein Trupp Gefängnisinsassen flieht mit dem Bus der Landesbühne aus der Gefängnisanstalt Isenbüttel und landet in Grünau, einem Provinzkaff, mitten in den Vorbereitungen des jährlichen Nelkenfestes. Die Häftlinge werden von den Bewohnern, allen voran der Bürgermeister samt Dorfprominenz, mit offenen Armen empfangen, da man sie für Schauspieler hält – mit ihrer Hilfe ließe sich das kulturelle Schaffen ihres Städtchens hervorheben. Der Slogan "Phantasie an die Macht" bewegt die Gemüter. Die Presse erscheint und das provinzielle Leben gerät für ein paar Tage in turbulente Fahrwasser, bevor es wieder in ruhigere zurückfindet."Landesbühne" ist eine kurze, ungewöhnliche Parabel über Freundschaft und Menschlichkeit und ein Beispiel dafür, wie wenig Worte es braucht, um all die herrlichen Figuren vor uns zu sehen und an den Episoden ihres Alltags mit stiller Bescheidenheit und stetem Schmunzeln teilzunehmen. Es ist auch das sanfte Gemüt oder der sanfte Blick des Autors, der diese Novelle so charmant und liebenswert macht und ihr viel Licht einhaucht. "... dass man nicht über sich oder anderes schreiben kann, ohne etwas über sich selbst preiszugeben." Lenz Werke begleiten mich seit meiner Jugend und erfüllen mich bis heute mit großer Freude. Das liegt nicht nur an seiner präzisen und dichten Erzählweise, sondern auch an der thematischen Bandbreite. Dafür danke ich ihm.

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  • Rezension zu "Landesbühne" von Siegfried Lenz

    Landesbühne

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. September 2011 um 16:49

    Eine schöne Geschichte, eine Parabel über die Freundschaft. Mit nur 119 Seiten ist der Roman in kurzer Zeit zu lesen und man findet sich sowohl schnell, als auch gut in den Schreibstil des Autors hinein. Ich schätze Siegfried Lenz als Autor sehr und mir gefiel auch dieses Buch von ihm sehr gut. Die Geschichte ist weder kompliziert, noch zu einfach. Einfach nur schön... :]

  • Rezension zu "Landesbühne" von Siegfried Lenz

    Landesbühne

    Gospelsinger

    31. May 2011 um 11:55

    Wer sitzt schon gern im Knast? Es ist also kein Wunder, dass einige Insassen der Haftanstalt Isenbüttel den Auftritt einer Theatergruppe zum Anlass nehmen, sich deren Bus zu schnappen und aus der Anstalt auszubrechen. Einige Orte weiter geraten sie auf ein Stadtfest, werden für die Theatergruppe gehalten, äußerst herzlich aufgenommen und zum Bleiben genötigt. Einige der entflohenen Häftlinge sehen dort die Chance auf ein normales Leben, auf ein Versteck in der Öffentlichkeit, und versuchen, sich zu integrieren. Aber kann das gutgehen, ohne dass sie von der Polizei entdeckt werden? Können Freundschaft, Humor und die Kraft der Phantasie die Wirklichkeit besiegen? Man merkt beim Lesen, dass es Siegfried Lenz Spaß gemacht haben muss, dieses leicht anarchistisch angehauchte Buch zu schreiben. Und den Spaß hat man auch beim Lesen dieser unterhaltsamen Geschichte, die in dem ganz eigenen Stil geschrieben ist, den ich an Siegfried Lenz so liebe.

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  • Rezension zu "Landesbühne" von Siegfried Lenz

    Landesbühne

    Boris

    08. May 2011 um 16:18

    Der Erzähler im Buch ist Literaturprofessor mit Schwerpunkt "Sturm und Drang". Sturm und Drang kann man vom über 80 jährigen Siegfried Lenz sicher nicht erwarten, aber so biedermeierlich wie diese Erzählung muss es auch nicht sein.

  • Rezension zu "Landesbühne" von Siegfried Lenz

    Landesbühne

    WinfriedStanzick

    20. April 2011 um 13:31

    Im hohen Alter ist der Schriftsteller Siegfried Lenz zu einem absoluten Meister der Novellen geworden. Neben seinen Romanen waren es schon immer seine Erzählungen, die seinen Ruhm und seinen Ruf begründeten, doch die letzten beiden ragen für mich sprachlich und thematisch noch heraus. 2008 hatte er in seiner Novelle "Schweigeminute" die Liebesgeschichte einer Lehrerin mit ihrem Schüler erzählt und gezeigt, wie die Lebe gerade durch den Tod unsterblich wird, und damit Marcel Reich- Ranicki zu dem Urteil herausgefordert, das sei "vielleicht sein schönstes Buch." Die neue Novelle wählt einen ungewöhnlichen Schauplatz als Ausgangspunkt. Im Gefängnis der norddeutschen Provinzstadt Isenbüttel begegnen sich der Ich-Erzähler Clemens, der als Professor sich von Studentinnen mit Liebesnächten für bestandene Examina entlohnen ließ, und Hannes, der an den Ausfallstraßen Hamburgs als verkleideter Polizist über lange Zeit erfolgreich schnellen Autofahrern Bußgelder ohne Beleg abknöpfte, bis auch er entdeckt wurde und im Knast landete. Als eines Tages ein Bus der Landesbühne in den Gefängnishof einfährt, weil der rührige Gefängnisdirektor Karl Tauber etwas für die Kultur seiner Insassen tun will, reift in Hannes ein genialer Plan. Zusammen mit einem ehemaligen Schiedsrichter, der Spiele en masse verschoben hatte und dabei reich geworden war, gelingt es einer Gruppe von Gefangenen, darunter auch Clemens und Hannes, den Bus der Landesbühne sozusagen zu kapern und mit ihm zu fliehen. Sie landen in Grünau, wo man gerade dabei ist, das jährliche Nelkenfest vorzubereiten. Als die Bürger den Bus mit der Aufschrift "Landesbühne" sehen, "konnte ich beobachten, wie ein Tumult entstand, ein Freudentumult, immer wieder hörte ich den Ruf: ,Landesbühne, das ist die Landesbühne, die Landesbühne ist zu unserem Fest gekommen!'" Hannes begreift die Gunst der Stunde sofort, ordnet das Bleiben der Flüchtenden an, und da erscheint auch schon "ein untersetzter, silberbärtiger Mann, Jens Uhlenkopp, der Bürgermeister von Grünau." Er glaubt die Story sofort, wittert kulturelle Morgenluft für seinen Ort und hofiert in affektierter Weise die für Schauspieler gehaltenen Knackis. Alle möglichen kulturellen Aktivitäten sollen sie initiieren, der Bürgermeister sieht sein Kaff schon bald als eine Art regionales Kulturzentrum. Es ist köstlich zu lesen, wie Siegfried Lenz da durchaus wohlwollend die Chuzpe der Knackis und die Eitelkeiten der Provinz- und Lokalpolitik beschreibt. Als auch der Intendant der Landesbühne und der Gefängnisdirektor auftauchen, weiß man nicht mehr, ob man da gerade als Leser mit einer grandiosen Inszenierung konfrontiert ist. Auch die Gefangenen sind unsicher. Werden sie wieder zurückgebracht nach Isenbüttel ? Am Ende bleibt die Geschichte von Clemens und Hannes, zwei Männern, wie sie ungleicher nicht sein können, zwischen denen sich eine außergewöhnliche Freundschaft entwickelt. Ein schönes, lebendig geschriebenes Buch, das in einer wertvollen Leinenausgabe ediert wurde.

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  • Rezension zu "Landesbühne" von Siegfried Lenz

    Landesbühne

    Geisterhoernchen

    13. July 2010 um 22:39

    Nette kleine Novelle in der es um Gefängnisinsassen geht, die das Gefängnis fliehen und dann Theater spielen.

  • Rezension zu "Landesbühne" von Siegfried Lenz

    Landesbühne

    Nicole_Rensmann

    15. February 2010 um 19:33

    Erster Satz: »Schau dir das an, Professor«, sagte mein Zellengenosse, »komm her und schau dir das an.« Die erzählende Ich-Person – der Professor – beschreibt sein Leben im Knast, vor allem aber das seines Mitinsassen Hannes. Beide sitzen wegen kleinerer Delikte im Gefängnis. Als ein Bus mit der Schauspieltruppe der »Landesbühne« in den Hof des Gefängnisses einfährt, verändert sich das Leben zahlreicher Insassen schlagartig, denn sie tauschen ihr Leben und somit ihre Strafe, mit dem der Schauspieler, besteigen den Bus und fahren geradewegs in die Freiheit und somit in das kleine Dörfchen Grünau, wo sie für Aufsehen und Begeisterung sorgen und dem Ort Leben, Kultur und neue Ideen schenken. Doch wie lange werden Hannes, der Professor und ihre Kumpanen unentdeckt bleiben? Auf der »Landesbühne« wird ein teils ernstes, teils heiteres und ironisches Stück über Wahrheit und Betrug aufgeführt. Siegfried Lenz erzählt von einem Rollentausch, der missglücken muss, alles andere wäre nahezu unpassend. Aus den Geschehnissen und Begebenheiten ziehen die Protagonisten ihre Lehren, die als beginnende Weisheit bezeichnet werden könnte. Das Gefühl der Freiheit und die Angst, entdeckt zu werden, bewegen sich jedoch nur an der Oberfläche und so fehlt es der Geschichte an intensiveren, ausgeprägten Momenten, die eine Novelle von Siegfried Lenz ausmacht. Dennoch: Eine stellenweise tiefgründige Lektüre, die zum Nachdenken anregt – über die Leichtigkeit des Betrugs und den Sinn sich in Geduld zu üben. Besonderes Zitat (S. 52) : »Phantasie an die Macht!« Siegfried Lenz Landesbühne Hoffmann und Campe Hardcover mit Schutzumschlag ISBN 978-3-455-04282-5 120 Seiten 17.00 € Der Roman ist auch für 20,- € als Audiobuch erhältlich. (c) Nicole Rensmann http://www.blog.nicole-rensmann.de/?p=4992

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  • Rezension zu "Landesbühne" von Siegfried Lenz

    Landesbühne

    Gert

    08. February 2010 um 19:03

    Eine herrliche Geschichte über den Besuch eines Landestheaters in einer Strafvollzugsanstalt, bei der einige Häftlinge die Gelegenheit nutzen, mit dem Bus zu fliehen.
    Natürlich kommen sie zurück und es wird am Ende über den Begriff "Freiheit" sinniert.
    Wiedermal ein wunderbares Buch, typische Lenz'sche Charaktere und eine etwas
    spinnerte Geschichte. Aber sehr humurvoll geschrieben-natürlich.

  • Rezension zu "Landesbühne" von Siegfried Lenz

    Landesbühne

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    02. December 2009 um 20:05

    Rollen sind dafür da, um sie zu spielen, sie auszufüllen. Ob nun täglich oder in gut gewählten Abständen. Manche Rolle kann einen nur für jene Zeit verändern, ein anderer nimmt vielleicht dadurch sogar eine andere Lebenshaltung an. Manchmal wird die Rolle einem auch aufgedrängt, in der Gunst einer ganz bestimmten Stunde. So oder ähnlich geht es den Helden in Siegfried Lenz’ neuen Buch „Landesbühne“. Denn was geschieht, wenn Gefangene das Gastspiel eines Theater nutzen, um selbst zu Schauspielern zu werden und eine Flucht nicht nur nach vorn, sondern aus den engen Mauern der Haftanstalt erfolgt? DIE BUSFAHRT IN DIE FREIHEIT Clemens und Hannes teilen sich eine Zelle im Gefängnis in Isenbüttel. Beide Männer mussten den Weg hinter Gittern durch Lappalien antreten. Der eine schleifte als Professor seine schönen Studentinnen gegen eine spezielle Form der Hingabe durch die Prüfungen, der andere hielt als „verkleideter“ Polizist Autofahrer an, um das Bußgeld gleich vor Ort und natürlich in bar einzufordern. Eines Tages gastiert die Landesbühne in der Justizvollzugsanstalt. Mit einem Bus kommen die Schauspieler und die Kulisse in den Knast gefahren. Gezeigt werden sollte das Stück „Das Labyrinth“, in dem sich alles um eben ein Labyrinth und das Verlaufen in desgleichen dreht. Eine Pause nutzen die Gefangenen, darunter Clemens und Hannes, um mit Hilfe des Busses aus dem Gefängnis zu fliehen. Einsteigen, losfahren und dann geht es ab durch das große Tor, das während der letzten Wochen und Monate ein unüberwindliches Hindernis galt. Man wird auch noch freundlich durchgewunken. Nach einer Fahrt kommt der Bus in die kleine Stadt Grünau und genau in der Zeit des Nelkenfestes, das als Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Stadt gilt. Die Aufschrift auf dem Bus weist dessen Insassen nun als Schauspieler aus und die Gefangenen müssen wohl oder übel ihre neuen Rollen besetzen und gut spielen. Während einige weiter die Flucht angetreten sind, nutzen andere die Gunst der Stunden, um sich zu profilieren, in dem sie das Leben in der Stadt mächtig aufwirbeln, sei es durch Pläne für eine Volkshochschule, einem Fußballturnier oder einem Heimatmuseum. Kultur kommt in die Stadt, und für diese besondere Leistung werden die Ex-Gefangenen mit ihrem Eintritt in ein anderes Leben auch geehrt. Doch jedes Spiel findet ein Ende. Auch dieses der Häftlinge, die entdeckt und wieder in ihre „alte Heimat“ gebracht werden. Ein erneutes Gastspiel der richtigen Landesbühne mit dem bekannten Stück „Warten auf Godot“ weckt vor allem Hannes aus seiner neuerlichen Resignation. EIN POSSENSPIEL Nach seinen Büchern „Schweigeminute“ und „Arnes Nachlass“, die in den vergangenen Jahren von Lenz erschienen sind, wagt sich der bekannte deutsche Autor auf ein anderes Spielfeld. Während die beiden genannten Werke einen intensiven melancholischen Ausdruck haben, erscheint sein neuester Streich eher wie ein gerissenes Possenspiel mit stetigem Augenzwinkern. Schon allein die Geschichte fände – würde sie wirklich einmal real stattfinden – auf der Panorama-Seite großer Zeitungen sicherlich reichlich Platz und ist Ausdruck für die Haupteigenschaft einer Novelle, eine ungewöhnliche Begebenheit oder Begegnung turbulent zu erzählen. Denn der Ausbruchsversuch, der auch glückt, geschieht auf verblüffende Art und Weise. Justizvollzugsbeamte werden genarrt – nur durch einen Bus auf dem ein Name steht, der für Respekt sorgt. Da können die strengen Sicherheitsbestimmungen schon einmal kurzzeitig außer Acht gelassen werden. Erzählt wird diese Geschichte aus dem Blickwinkel von Clemens, jenem Literaturprofessor, der wegen seiner Studien vor allem über die Zeit des Sturm und Drang als Experte gilt. Sein Werk über die Epoche ist ein Standardwerk. Trotzdem berichtet der Wissenschaftler weniger in einem angestaubten Ton mit Sätzen so lang wie Bandwürmern, vielmehr sind seine Beobachtungen mit sehr viel Liebe zu den einzelnen Personen ausgestaltet, von dem Anstaltsleiter über die „Gefährten“ und seine „wiedergefundenen“ Studentinnen bis hin zu Grünaus Bürgermeister. Das bedeutet vor allem, dass diese eine spezielle Ironie beinhaltet, die dem Leser ungemein Vergnügen bereitet. Doch trotz dieser herrlich humorvollen Szenerie und der Ausgestaltung der Figuren, findet sich an einigen Stellen auch ein recht nachdenklicher Ton. So zieht sich Hannes nach der Wiedereinweisung wieder in sein eigenes Schneckenhaus zurück, wie während der Zeit vor der Flucht, als er nahezu den halben Tag auf der Pritsche verschlafen hat. Vor allem, als sich der Mitgefangenen Bolzahn in seiner Zelle erhängt, wird Hannes seelisch erschüttert. Bolzahns Suizid ereignet sich, als sein Wunsch, die Flucht als Neubeginn in Dänemark zu nutzen, nicht mehr erfüllt werden kann. Viel könnte man nach der Novelle über den Hintergrund der Geschichte nachdenken, über das Leben hinter Gittern, wo übrigens wirklich Schauspieler gastieren, sogar in einigen Gefängnissen Gefangene selbst Stücke auf die Bühne bringen. Vielleicht spielt Lenz auch auf die Frage an, was würde geschehen, wenn man jenen, eher ungefährlichen Inhaftierten eine besondere Aufgabe an einem anderen, nahe gelegenen Ort gibt. Ist es für sie eine Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen, Ideen zu verwirklichen und wieder Achtung und Respekt zu erlangen? Oder ist das Buch vielmehr eine Anspielung, das „Name nur Schall und Rauch“ ist und viele mit großen Namen geblendet werden, wie die Beamten und die Bewohner von Grünau? Aber vielleicht hat es der Autor auch darauf angelegt, über diese Themen nachzugrübeln. Ungeachtet dieses Ernstes ist und bleibt die „Landesbühne“ ein hervorragendes Leseerlebnis, das es schafft, Ernst mit Humor zu verbinden und eine besondere Geschichte unterhaltsam und fesselnd zu erzählen. Und zu Lenz kommt noch etwas anderes hinzu, was seine Werke so ungemein faszinierend machen: Lenz ist Sprache. Was nichts anderes bedeutet, als das er zu den ganz großen Literaten zählt und glücklich all jene, die seine Bücher lesen. DER AUTOR Siegfried Lenz ist aus der deutschen Literaturgeschichte nach 1945 nicht mehr wegzudenken und reiht sich ein in die Liste jener klangvollen Namen wie Martin Walser und Günter Grass. Lenz wurde 1926 als Sohn eines Zollbeamten im ostpreußischen Lyck geboren. Sein Vater starb früh, der junge Siegfried wuchs bei dem Großvater auf, nachdem die Mutter samt Tochter die Stadt verließ. Kurz vor der Kapitulation floh Lenz aus den Reihen der Marine und geriet schließlich in britische Gefangenschaft, wo er als Dolmetscher tätig war. Nach seiner Freilassung begann er ein Studium der Anglistik, Philosophie und Literaturwissenschaft. Ein Volontariat bei der Zeitung „Die Welt“ beendete allerdings das Studium. 1951 erschien sein erstes Buch mit dem Titel „Es waren Habichte in der Luft“. Sein literarisches Schaffen brachte ihn schließlich in die Gruppe 47, der beispielsweise auch Grass angehörte. Beide engagierten sich zudem für die Politik der SPD. Zu den literarischen Preisen, die Lenz im Laufe seiner Karriere erhielt, zählen beispielsweise der Friedenpreis des Deutschen Buchhandels sowie der Goethepreis der Stadt Frankfurt. Siegfried Lenz lebt seit mehr als fünf Jahrzehnten in Hamburg.

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  • Rezension zu "Landesbühne" von Siegfried Lenz

    Landesbühne

    Gospelsinger

    23. November 2009 um 21:20

    Mit offensichtlichem Spaß geschrieben und mit Spaß zu lesen - mal wieder ein sehr schönes Buch eines meiner Lieblingsautoren.
    Aber der Preis des Buches ist unverschämt.

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