Siegfried Lenz Selbstversetzung

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Inhaltsangabe zu „Selbstversetzung“ von Siegfried Lenz

Selbstversetzung ist für Siegfried Lenz die elementare Voraussetzung seines Schreibens. Sie bedeutet, so formulierte er einmal, "von sich abzusehen und die Identität in der Vorstellung zu wechseln. Dies sollte mit einer Unbedingtheit geschehen, die den Schriftsteller wirklich verpflichtet, sich völlig aus dem Spiel zu nehmen. Dabei kommt er natürlich in eine doppelte Rolle. Man muß über den anderen Bescheid wissen und gleichzeitig über seine eigenen Gefühle, die den anderen betreffen. Man muß in jedem Augenblick des Schreibens wissen, wie dieser andere zum Vorschein gebracht wird." Text(Klappentext o.ä.) Deutsch In diesem Band bringt Siegfried Lenz uns erstmals sich selbst, "diesen anderen" gleichen Namens, in autobiographischen Geschichten näher. Es sind Geschichten über seine Anfänge - in Leben und Schreiben: Lenz führt uns in das Masuren seiner Kindheit, die "Perle Ostpreußens", er nimmt uns mit in die große weite Welt seiner ersten Lektüre, und er bringt uns wieder zurück, notgedrungen, durch seine Erlebnisse in Krieg und Nachkrieg. Diese Erfahrungen waren der Anlaß sowohl für seinen ersten Roman als auch für sein erstes Theaterstück, das ihn, so ein damaliger Kritiker, "über Nacht" berühmt gemacht hatte. Über ihre Entstehung schreibt Lenz mit einem ganz persönlichen Blick - ebenso wie über seine neue Heimat, die er in Hamburg gefunden hat. Zuhause gefühlt hat sich der vielgerühmte Geschichtenerzähler aber immer in der Sprache, weshalb drei Essays über die wegweisenden Grundlinien seines Schreibens diesen Band anläßlich des 80. Geburtstages von Siegfried Lenz beschließen.

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  • Rezension zu "Selbstversetzung" von Siegfried Lenz

    Selbstversetzung
    Nicole_Rensmann

    Nicole_Rensmann

    15. February 2010 um 20:22

    Meine erste Lektüre, so lautet ein Kapitel in Siegfried Lenz´ »Selbstversetzung«. Doch nicht allein diese Überschrift war es, die mich ansprach, – das knapp 100 Seiten starke Hardcover ist auch meine erste Lektüre von Siegfried Lenz – sondern seine Meinung über das Schreiben und der kleine Einblick in sein Leben, den er dem Leser gewährt. Und so beginnt er mit dem 17.März 1926 – seiner Geburt in Lyck. Seine Kindheit schildert er spannend, plastisch und so interessant, dass ich gerne einen Tag am Lycker See verbringen möchte. Selbst die Tatsache, dass er für Soldaten den Toten spielte und auch bei anderen Gelegenheiten diese Rolle gerne übernahm, schreckt nicht ab, wenn Siegfried Lenz davon erzählt. Nein, es wirkt wie selbstverständlich, so als wenn nur er dafür in Frage hätte kommen können. Seine Erzählung über die Schulzeit – möge sie auch noch so lange her sein – erinnern an die eigene. Manche Dinge ändern sich eben nie. Und das ist gut so. Während des 2. Weltkrieges fand Siegfried Lenz durch seinen Deutschlehrer zur Literatur und zum Schreiben. Denn er wollte auch so sein wie die leidenden Schriftsteller, denen alles vergeben wurde, sofern sie gute Bücher schrieben. Doch noch sollte Siegfried Lenz kein Schriftsteller werden … Seine Kindheit, sein Leben ist nicht interessanter, als das vieler Menschen, die den Krieg miterlebt haben – aber er weiß wie er davon zu berichten hat. Und so erzählt er über: Ich zum Beispiel »Alles war schon da, als ich geboren wurde, ich hatte streng genommen keine Daseinsberechtigung, ich war überflüssig, entbehrlich, ein fahrlässiger Luxus; …« Meine erste Lektüre »Ich las Rolf Torrings Abenteuer, Jörn Farowas U-Boot- Abenteuer und die harten Western von Zane Grey. Ich las sie sitzend und stehend und im Schein der Taschenlampe unter der Bettdecke. Sobald mir ein unbekannter Titel in die Hände fiel, schlug ich in äußerster Erregung zuerst immer die letzte Seite auf: …« Meine Schulzeit im Krieg »Schule und HJ förderten gleichermaßen jede Art von Leibesübung, und nachdem ich herausgefunden zu haben glaubte, in welcher Disziplin meine Stärke lag, machte ich den Sportplatz zum Ort meiner Hoffnung. Ich wurde Werfer, Speerwerfer.« Meine erster Roman »Mutlos wird man erst später.« Mein erstes Theaterstück »Jedes Drama, auch jedes Gedicht, hat einen epischen Kern.« Meine Straße »Doch dann fanden wir, gegen unsere Absicht, ein altes, sympathisch verwohntes Haus, das uns zu garantieren schien, was bei den anderen besichtigten Objekten fraglich geblieben war: Stille nämlich.« Der Sitzplatz eine Autors »Der Ort, an dem ein Autor schreibt, mag für ihn selbst aufschlussreich sein; entscheidend ist er nicht.« Mein Vorbild Hemingway »Ein Schriftsteller hat durchaus das Recht, andere Schriftsteller zu bewundern. Ein Schriftsteller hat auch das Recht, sich von anderen Schriftstellern beeinflussen zu lassen – vorausgesetzt allerdings, dass er die Qualität des Einflusses verantworten kann.« Gnadengesuch für die Geschichte »Geschichten sind unbescheiden, weil sie nicht beliebig sind; Geschichtenerzähler sind unbescheiden, weil sie auf die Wirkung vertrauen, die die Drehung der Schraube hervorruft.« Seine Erkenntnis über die Literatur und über das Schreiben sind nicht neu, aber sie sind eben von Siegfried Lenz – echt, ehrlich und lesenswert! Ich war freudig erstaunt und fühlte mich nicht nur vom Stil, sondern auch von den Geschichten angesprochen. »Schreiben ist für mich die beste Möglichkeit, um Personen, Handlungen und Konflikte verstehen zu lernen.« (S. 29) Im Anhang bietet das bei Hoffmann & Campe im Jahre 2006 erschienene Buch ein ausführliches Quellenverzeichnis, die Bibliografie, eine Zeittafel, so wie Auszeichnungen, Ehrungen und Preise, die Siegfried Lenz in seinem Leben und für seine Arbeit erhalten hat. Erster Satz: »Man kann nicht gleichzeitig mit der Welt groß werden, sie ist immer schon da wie die Erwachsenen, sie ist eine anmaßende, aber vollendete Tatsache, hält nur einen Inhalt für uns bereit, eine Rolle, einen Charakter womöglich. Siegfried Lenz Selbstversetzung – Über Schreiben und Leben Hoffmann & Campe Verlag, 2006 ISBN 9783455042863 25,- € © Text: Nicole Rensmann http://www.blog.nicole-rensmann.de/?p=2786 © Zitate, alle mit Anführungszeichen versehene: Siegfried Lenz

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