Sigrid Kleinsorge

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Schwarz & Weiß
Erscheint am 01.11.2018 als Taschenbuch bei Lauinger Verlag.

Alle Bücher von Sigrid Kleinsorge

Sigrid KleinsorgeFranzi Berbikopf all-inclusive: 88 Jahre nach Franz Biberkopf
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Sigrid KleinsorgeDas Freitagsinterview
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Das Freitagsinterview
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 (1)
Erschienen am 16.10.2016
Sigrid KleinsorgeEine Reise
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Eine Reise
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 (1)
Erschienen am 03.11.2017
Sigrid KleinsorgeDas Trio
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Das Trio
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 (1)
Erschienen am 22.12.2015
Sigrid KleinsorgeUnd vergib uns ...
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Und vergib uns ...
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 (1)
Erschienen am 09.04.2016
Sigrid KleinsorgeSchwarz & Weiß
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Schwarz & Weiß
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Erschienen am 01.11.2018

Neue Rezensionen zu Sigrid Kleinsorge

Neu
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Rezension zu "Eine Reise" von Sigrid Kleinsorge

Geschichten aus denen das Universum besteht
buchwanderervor einem Jahr

„Es braucht eine gewisse Standfestigkeit im Leben, um nicht von der Brutalität unfassbarer Tatsachen weggeschwemmt zu werden.“ (Pos.334)1)

Zum Inhalt:

Bahnhöfe, Orte die par excellence für Zufallsbegegnungen jene Bühne bieten, auf der sich in Sigrid Kleinsorges neuem Roman ein Journalist und eine weitere Reisende flüchtig treffen. Sie verlässt einige Stationen weiter das Zugabteil, lässt jedoch versehentlich Aufzeichnungen einer/ihrer Reisen zurück. Eine Gelegenheit für den Mitreisenden, dessen Aufmerksamkeit die Frau schon während des gemeinsamen Wartens am Bahnsteig erregt hatte, mehr zu erfahren über einen Lebensweg der nun einen Schnittpunkt mit dem seinen hat.

Der in kleinen und großen Historien wie Schmuckperlen aneinandergereihte Erzählfaden, beginnt durchaus in jenem geradlinigen Geschichtskonzept des Zeitstrahls in dem wir unsere scheinbar linearen Lebenswege gerne sehen (wollen). Schnell wird jedoch deutlich, dass dieses Leben in all seiner „Normalität“, seinem „nicht-exotisch-Sein“ hingegen eher einer Wäscheleine gleicht, an der die Ereignisse – den bunten Kleidungsstücken gleich – ihre Halt finden. Eine jener Leinen, die zwischen zwei Häusern endlos um zwei Rollen läuft, einem Universum immer neuer Geschichten in einem sich perpetuierenden Fluss menschlicher Schicksale in denen die Positiva keinesfalls selbstverständlich zur Tagesordnung gehören.

Gehalten von Gedächtnisbildern welche wiederum ihrer eigenen Dynamik folgend, eintauchen lassen in ein längst vergangenes, aber nicht minder farbiges Neu-Erleben. „Es genügt ein Blick, ein Geruch, eine Stimme, ein Geräusch, eine Atmosphäre und schon sind sie da, sind wachgekitzelt, kümmern sich keinen Deut darum, ob sie willkommen sind, ob sie zu den Lebensjahren gehören, in denen man sich herumtreibt oder über die man gerade nachdenkt.“ (Pos.641)

Es geht um eine Reise in mannigfacher Hinsicht. Eine Reise in klassisch geografischer Ausformung über Kontinente hinweg, einer Reise durch Geschichte en gros und im persönlichen Detail, durch politische Systeme, ihre schicksalshaften Weichenstellungen ungeachtet der Bruchgräben in Lebenslinien und Familienverbänden.

Fazit:

„Immer will ich zum Kern einer Geschichte vordringen, weil für mich die Welt aus Geschichten besteht, die zusammen das Universum ergeben.“ (Pos. 96). Mit diesem Satz könnte ich für mich die Texte Sigrid Kleinsorges in einer umfassenden Klammer subsummieren: er ist Programm, Credo, verinnerlichte Expression einer an der Realität erprobten Humanistin, weit jenseits jeglicher Schönrederei oder verklärter Weltsicht. Auch in „Eine Reise“ beweist die Autorin auf’s Neue ihr virtuos genutztes Gefühl für Details, unterschwellig menschliche Wahrnehmung der subjektiven Realitäten, der Geschichten, Lebens- und teils Leidenswege, die stets zwischen Scheitern und Reifen changieren lassen.

1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die Kindle-Ausgabe des Rezensionsexemplares

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Rezension zu "Franzi Berbikopf all-inclusive: 88 Jahre nach Franz Biberkopf" von Sigrid Kleinsorge

Ein Leben in Aphorismen
buchwanderervor 2 Jahren

„Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen und gegebenen und überlieferten Umständen.“ (Pos. 533)

Zum Inhalt:

Unfassbar! Sie hat wirklich das erste mal in ihrem Leben etwas gewonnen. Und auch das nur, weil ihre beste Freundin die Triebfeder war bei einem Preisausschreiben mitzumachen. So steht Franzi Berbikopf nach dem ersten Flugabenteuer mit beiden Beinen – wenn auch etwas wackelig vor Aufregung – auf dem Boden Lanzarotes. Herauskatapultiert in eine gänzlich andere Kultur, ein so tiefgreifend anderes Lebensgefühl, versucht sie ihren Lebenskompass an den neuen Erfahrungen auszurichten – oder etwa auch umgekehrt. Die überwältigenden Eindrücke versetzen sie zum einen stets erneut in Staunen, zum anderen rütteln sie an bisher ehernen Säulen ihrer Weltanschauung und Lebensauffassung. Ein Leben zum größten Teil geprägt von Fremdbestimmtheit, mit der rechtfertigenden Patina stets parater Weisheiten in Lied oder Versform, oder jenen „Geflügelten Worten“, die bereits der Büchmann zu sammeln verstand. Unter den zahlreichen Begegnungen während ihres Inselaufenthaltes ist der ihr auf Anhieb sympatische Achmed jene, die am ehesten das Potential birgt, Franzis Lebensgeister zu einer bis dahin nicht gekannten Selbstbestimmtheit aufzubauen.

Fazit:

Beinahe ausgestanzt aus dem alltäglichen Leben wirken die irisierenden Tage Franzis auf Lanzarote. Ein fast euphorischer Ausnahmezustand, dem sich Franzi in Grenzen hinzugeben vermag, wäre da nicht ihre Lebensgeschichte. Eine Geschichte deren Eckpfeiler, deren Leuchttürme ein Aphorismenschatz bildet, überliefert nicht zuletzt von ihrer Mutter. Und wenn ihr dieser Schatz schon über die schwierigsten Zeiten hinweg half, so wird er dies – so Franzis felsenfeste Überzeugung – auch in den guten verlässlich tun, denn  „die [Franzi] war automatisch in die Fußstapfen der Mutter getreten, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm…“ (Pos. 1132). Sigrid Kleinsorge gelingt es in diesem feinfühligen, jeodch nicht beschönigenden Text erneut, einen Lebensfaden aus dem gesellschaftlichen Gewebe zu heben, ihn dem Leser näher zu bringen, mit viel Empathie und der ihr eigenen respektvollen Art Menschen zu sehen, für die das eingangs angeführte Zitat als Lebensprogramm gilt. Lehnte man(n) sich weit aus dem sprichwörtlichen Fenster, so könnten man(n) soweit gehen den Kernpunkt der Geschichte auf die Frage zu kondensieren, in welchem Ausmaß unsere Geschichte unsere Zukunft, unser Handeln determiniert und wo – sofern vorhanden – unsere Entscheidungsfreiheit Niederschlag findet oder gar endet.
Für das Titelbild firmiert Margret Wolf, die es schafft viel Athmosphärisches des Textes bildnerisch einzufangen. Das klar strukturierte Layout verdankt der Leser der Agentur groessenwahn.com alias Anette Kannenberg und Olaf Heinrichs.

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Rezension zu "Das Freitagsinterview" von Sigrid Kleinsorge

Zugehört
buchwanderervor 2 Jahren

„Fremd und bizarr
wie ein Eisberg
in der Tiefe verborgen,
ein Leben.“ (Pos.51)1)

Zum Inhalt:

Darauf war Johanna nicht vorbereitet, dass ein vor zwei Tagen gehörtes Interview sie so aus ihrem Alltag katapultieren könnte. Dabei war es weniger das Gesagte als vielmehr die Stimme sie einen Faden aufnehmen lässt, den sie längst verschüttet glaubte, jedoch nie wirklich vergessen hatte. Sie beschließt diesem Erinnerungsfaden zu folgen, suchend nach einem als verschollen geltenden Bruder, was sich nicht nur anfangs als seelische Schwerarbeit entpuppt. „Sie sucht nach weiteren Erinnerungsfetzen, doch ähnlich wie bei den metallenen Vögeln am Himmel, die in alle Welt unterwegs sind, bleibt nur eine sich auflösende Spur zurück.“ (Pos.101) Im fremden und befremdlichen Lebenslauf des einst geliebten Verwandten Fuß zu fassen, um in dessen Spuren vor und zurückzugehen verdichtet und lichtet sich der Zeitennebel  in gleicher Weise. Und doch wird Johannas Hartnäckigkeit belohnt. Licht gelangt an dunkle Orte ihrer Familiengeschichte geprägt von Nachkriegswirren inmitten zerbombter Schicksale, zerrütteter Familien, Repressalien der Stasi, dem begraben von Hoffnungen und der Suche nach Antworten. Für Johanna, die stets „anfällig für Dissonanzen“ (Pos.159) war, fühlen sich die ungeklärten Schatten über Jahrzehnte hinweg wie Splitter im Nagelbett an.
Mit der Spur, die ihr dieses Interview, diese beinahe aufgezwungene Zeitreise, eröffnet, sieht sie die Möglichkeit Seiten ihrer Biografie zu ergänzen, die bis dahin von einer schmerzlichen Leere erfüllt waren. Ergänzungen, die sie in den Aufzeichnungen ihres Bruders, den dadurch wiederbelebten Erinnerungen und den Gesprächen mit Vertrauten findet. Was sie dabei zusammenzustellen vermag, gibt den Blick gleichermaßen frei auf unsägliches Martyrium von Menschen, deren Orientierung eine andere als die der Herrschenden war, wie auch auf Mitmenschliches, auf unerwartete Hilfe und den Willen zu Überleben. Dabei kommt es ihr oft „wie gestern vor und zugleich muss sie einsehen, dass die Zeit fortgeschritten ist, mit einer Unerbittlichkeit, die sie ihr nicht zugetraut hat, als sie jung war.“ (Pos.1457)

Fazit:

Sigrid Kleinsorge ist ein konturenreicher Text gelungen, dessen emotionale Erschütterungen nachwirken. Ausgezeichnet durch strukturelle und sprachliche Klarheit, die einerseits beinahe fatalistisch beschreibend den Leser fesselt, zum anderen hoffnungsschwer die unbändige Kraft individueller Resilienz aufzeigt. Nicht nur das Sensorium für jene Welt, die Menschen im Innersten ausmacht, sondern auch die seltene Gabe dies eindringlich, aber ohne weltfremdes Pathos zu artikulieren ist ihr bereits in vorangegangenen Texten gelungen (so z.B. „Die Abuela“„Das Trio“, „Das achte Zimmer“, „Und vergib uns…“). Nahtlos, im positivsten Sinne, reiht sich diese Erzählung ein und erweitert das Œuvre der Schriftstellerin um ein weiteres empfehlenswertes Werk.


(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die Kindle-Ausgabe des Rezensionsexemplares

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