Ardeen - Nimrod

von Sigrid Kraft 
1,0 Sterne bei1 Bewertungen
Ardeen - Nimrod
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Der_Buchdraches avatar

Dieser Roman ist schlicht eine Zumutung und Beleidigung des Lesers.

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Inhaltsangabe zu "Ardeen - Nimrod"

Endlich findet Raiden mit Eryns Hilfe den Weg ins Nimrod. Und anstatt Antworten auf ihre vielen Fragen zu erhalten, verkompliziert sich alles nur noch mehr.
Das Nimrod stellt sich als großes Refugium für magische Wesen aller Art heraus. Vom blutdurstigen Monster bis hin zur ersten Spezies der Schöpfung findet man dort alles … nur keine wirklichen Verbündeten. Und doch wird Hilfe in Aussicht gestellt, als Austausch für den Schlüssel.
Dazu meldet sich eine geheimnisvolle Stimme in Eryns Kopf zu Wort, die die Suchenden zu den sechs Orten der Macht schickt … damit sich Eryns Schicksal endlich erfüllen kann.
Meinung des Forscherdrachen: Na wenn das mal keine Falle ist …

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783941436251
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:478 Seiten
Verlag:Fahnauer Verlag
Erscheinungsdatum:09.03.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Der_Buchdraches avatar
    Der_Buchdrachevor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Dieser Roman ist schlicht eine Zumutung und Beleidigung des Lesers.
    Zumutung!

    Noch immer bleibt die Ardeen-Reihe mit „Ardeen Band 3: Nimrod“ von Sigrid Kraft so schlecht wie seine Vorgänger.

    Einige der Punkte gelten übergreifend für alle drei Bände, daher werde ich sie hier nur anreißen. Für nähere Ausführungen verweise ich auf meine vorigen Rezensionen und insbesondere die erste.

    Noch immer finden sich viel zu viele Fehler im Text: Zeichenfehler, Rechtschreibfehler, unvollständige Sätze, Leerzeilen mitten im Satz (Enjambements sind Tropen der Lyrik aber nicht der Epik) und zu guter Letzt auch hier wieder wechselnde Anredeformen. Besonders auffällig waren hier teils gravierende Rechtschreibfehler, resultierend aus Vertippern, die einem jedes Schreibprogram angestrichen hätte. Wie man so etwas übersehen kann, ist mir schleierhaft, und somit wieder einmal ein Indiz für die Stümperhaftigkeit des Korrektorats.

    Auch dieser Band ist wieder ausgesprochen parataktisch geschrieben, hypotaktische Sätze sind eine rare Ausnahme. Die einfache Sprache erweckt wieder einmal den Eindruck, als würde mir ein Kind die Geschichte erzählen. Die Wortwahl ist immer noch sehr einfach gehalten, lediglich hin und wieder fallen störend Worte einer höheren Sprachebene ins Auge, die so nicht in den Text passen.

    Die trockene Narration des ersten Teiles ist hier nur noch stellenweise anzutreffen, wird jedoch durch eine monotone Gedankenrede ersetzt. Die Charaktere müssen ausnahmslos alles in Gedanken ausführlich kommentieren, dass man sich schon fragt, ab wann sie auch kommentieren, dass sie sich nun erleichtern müssen.

    An dieser Stelle kommt wieder einmal das Problem der verschiedenfarbigen Schrift ins Spiel: Die Autorin ist nicht in der Lage, einfach anzusprechen, wer gerade spricht oder vor allem denkt, geschweige denn anzuführen, in welcher Art und Weise dies geschieht. Stattdessen ist sie zusammen mit ihrem Verleger der Ansicht, dass Farbe die Lösung des Problems ist. Tatsächlich ist genau diese Farbe das Problem.

    Jedem Charakter ist eine Farbe zugeordnet, in welcher er denkt. Diese Farben sind zum einen häufig sehr unglücklich gewählt, da sie oft sehr grell sind, und zum anderen ist der Leser gezwungen, sich jedes Mal zu merken, welche Farbe welchem Charakter zugeordnet ist. Denn aus dem Kontext geht dies selten wirklich eindeutig hervor. Es passiert nicht selten, dass man auf einem einzigen Bildschirm (und ich lese auf der Kindle App am Handy!) zwei oder sogar manchmal drei verschiedene Personen im inneren Monolog hat, sodass auch nie wirklich klar ist, auf welcher Person soeben der Fokus liegt, was für zusätzliche Verwirrung sorgt. Die Seiten wirken dadurch, als sei jemand mehrmals mit verschiedenen Farbeimern darüber ausgerutscht. Durch die häufig fehlende Spezifizierung des inneren Monologs beziehungsweise der direkten Rede ergibt sich das Bild einer monotonen Rede, in der alle Beteiligten auf jegliche Aussprache und Betonung verzichten.

    Weiterhin kommt hinzu, dass zumeist auf Beschreibungen jeglicher Art verzichtet wird. Die Charaktere sind bei mir alle im Kopf Strichmännchen mit lediglich einer bestimmten Augen- und Haarfarbe und Wetter und Landschaft sind nur schwammige, vage Bilder, die alles und nichts zugleich sein können. Mehr wird meist (wenn überhaupt) nicht gegeben. Den Aussagen der Autorin entnehmend ist sie der Ansicht, dass Beschreibungen jedweder Art überflüssig sind. Nun weiß ich nicht, ob sie diesbezüglich nur Tolkien gelesen hat, bei dem ich das Argument begrenzt nahvollziehen könnte, aber immer noch anmerken würde, dass diese Leute die Schönheit seiner Sprache verkennen. Tatsächlich aber sind Beschreibungen ein ganz wesentlicher Punkt von Literatur. Literatur baut Welten aus Sprache, heißt es, eines der Merkmale, um einen Text überhaupt im Sinne der engeren Literatur als Literatur zu erkennen. Aber wie können diese Welten aufgebaut werden, wenn sie nicht einmal beschrieben werden, und wenn überhaupt dann nur dürftig? Die Bildlichkeit geht dem Text (und das trifft auf alle drei bisherigen Bände zu und wahrscheinlich auch auf ihre Fortsetzungen) vollkommen abhanden. Hinzukommt, dass literarische Sprache eine dezidiert bildliche Sprache ist. Das ist hier nicht immer gegeben, weshalb ich durchaus dazu tendiere, dem Werk seinen Stand als Literatur abzuerkennen. Die Metaphorologie sagt, verkürzt ausgedrückt, dass wir nur durch bildhafte Sprache Zugang zu der Welt erhalten. Bildhafte Sprache ist also essentiell dafür, dass der Leser überhaupt in der Lage ist, sich eine Vorstellung der fiktiven Welt zu bilden. 

    Stattdessen finden wir hin und wieder Zeichnungen einiger Wesen und Charaktere vor, die wohl stellvertretend für die nicht vorhandenen Beschreibungen erscheinen sollen. Ut pictura poesis, ja, aber das heißt definitiv nicht, dass ein Bild den Text ersetzen kann, denn wir reden dabei immer noch von zwei völlig verschiedenen Kunstformen. Besser wäre es, die Bilder zusätzlich zu hinreichenden Beschreibungen erscheinen zu lassen.

    Wie üblich gilt: Ein Lektorat, das Ahnung von seiner Arbeit hätte, hätte all diese Dinge und die folgenden Punkte korrigiert und verbessert. Das heißt:
    - Fettgedruckt, unterstrichen
    - Leerzeilen statt Absätze (und das auch noch nicht einmal konsequent)
    - Capslock
    - Wortwiederholungen
    - Satzzeichen, welche im Rudel auftauchen (will explizit heißen: !!! und andere)
    - Wechsel der Schriftgröße (speziell für Band 3)
    - Wiederholte Trennungsfehler (speziell für Band 3)

    Weiterhin bleibt der Kritikpunkt der fehlenden Linguistik bestehen. Die Namen sind allesamt wortwörtlich ohne Sinn und Verstand zusammengewürfelt, und das Wort „unhaer“ kann es so nicht geben, da zwischen der Sprache von Ardeen und dem Deutschen niemals Sprachkontakt stattgefunden hat. Auch das Lexikon wird weiterhin nach Lust und Laute ins Englische gewechselt.

    Auch wenn die Sprache ohnehin, wie bereits angesprochen, sehr einfach und paradigmatisch gehalten war, so fällt dieses Mal besonders negativ die teils ausgesprochen umgangssprachliche Narration auf. Würde man so etwas in einem Dialog oder einem inneren Monolog finden, wäre das kontextabhängig unter Umständen durchaus verständlich. Aber so nicht. Korrekt heißt das, dass man durchaus eine Subjunktion mit darauffolgender V2-Stellung findet („weil“, auf das ein Hauptsatz folgt, ein Phänomen, das man häufig in der gesprochenen Sprache vorfindet, in der Schriftsprache aber klar als Fehler definiert ist), sowie eine Inversion der Subjektsnominalphrase und dem Verb, ebenfalls ein klares Merkmal, das bei gesprochener Sprache auftreten kann, in schriftlicher aber meist unschön und unelegant klingt.

    Auch auf inhaltlicher Ebene lassen sich wieder zahlreiche Mängel ausmachen. Ich will hier einfach mehr oder weniger chronologisch vorgehen.

    Durch das generell fehlende Verhältnis von Protagonist und Antagonist geht jeglicher Spannungsbogen verloren. Leuten wir Martin traue ich es zu, mehrere Wälzer zu schreiben, ohne einen klaren Antagonisten zu haben, denn sie haben bewiesen, dass sie es können, trotz allem die Spannung mit anderen Mitteln aufrecht zu erhalten. Aber das ist hier nicht der Fall. Zwar zeichnet sich mit Ador Corons im dritten Teil leicht ein möglicher Antagonist ab, aber jegliche Spannung, die mit ihm aufgebaut wird, wird sofort im Keim erstickt. Da versucht Corons Eryn auf seine Seite zu ziehen und umgarnt ihn mit süßen Worten, doch Raiden kommt sofort daher und bringt Eryn argumentativ wieder zur Vernunft. Kurz zeichnete sich der Konflikt ab, dass Eryn womöglich einen Bösewicht befreien und sich damit gegen die „Guten“ stellen könnte, doch schon im nächsten Atemzug verläuft eine vielversprechende Plotline im Nichts.

    Das ist kein Einzelfall und höchst frustrierend, allerdings auch nicht verwunderlich. Die Autorin veröffentlichte auf ihrer Facebookseite am 4. Mai 2015 eine Statistik zu Band 6, in der sie die Schätzwerte diverser Storyelemente angab. Ich habe diesen Band nicht gelesen, wagte es aber dennoch einfach mal, mich soweit aus dem Fenster zu lehnen: Die Statistik, wenngleich nur mit Schätzwerten bestückt, lügt maßlos. Die ersten drei Bände wurden allesamt mit viel Witz und Ironie angebiedert, wie auch die Statistik zum sechsten Band für besagten verspricht. Die Realität sah dagegen ganz anders aus, ich habe nichts dergleichen gefunden. Vermutlich wird die Autorin sagen, dass ich einfach zu jung sei, um ihren intellektuell anspruchsvollen Humor nachzuvollziehen. Im Gegensatz zu ihr studiere ich allerdings auch, worüber ich hier spreche. Die intellektuelle Reife für entsprechenden Humor sollte mir also zuzutrauen sein.

    Weiterhin stechen aus der Statistik die Punkte „Herzschmerz und Beziehungskrisen“, „Abenteuer, Reisen“ sowie „Rätsel, intellektuelle Herausforderungen“ deutlich heraus. Deutlich hintenan stehen dagegen „Blutige Kämpfe“, „Tragisches“ und „Politik“. Wenn man sich das verdeutlicht, ist es kein Wunder, dass keine Spannung aufkommen kann. Unter den herausragenden Punkten ist bis auf die Romanze, auf die ich gleich noch eingehen werde, nichts dabei, das für Spannung sorgen könnte. Wie gesagt, Martin und Konsorten würde ich zutrauen, auch daraus etwas Megaspannendes zu machen, aber niemandem, der in bisher drei Büchern gezeigt hat, was er nicht kann.

    Abenteuer und Reisen machen sich vielleicht in einem RPG gut, in dem man gemütlich die Spielewelt erkunden kann, in Skyrim zum Beispiel oder Witcher 3. Da wird der Spieler regelrecht dazu animiert, stundenlang durch’s Gebüsch zu krauchen, um Eastereggs und Geheimnisse aufzudecken. Weiterhin machen sich Rätsel und intellektuelle Herausforderungen wunderbar in Adventures und Wimmelbildspielen. Allen gemeinsam ist, dass es essentielle Merkmale mehrerer Genres eines völlig anderen Mediums sind: dem der Computerspiele. In Romanen sollten solche Elemente niemals eine so prominente Stellung haben, solange man nicht absoluter Meister seines Fachs ist, da die Gefahr viel zu groß ist, den Leser durch akute Langeweile zu verlieren. Und genau das passiert hier.

    Ich selbst halte nicht so viel davon, aber allgemein gilt: Romanzen bringen immer Spannung hinein. Jedenfalls unter der Prämisse, dass sie gelungen sind. Man ahnt es vermutlich schon, denn die Prämisse ist hier freilich nicht erfüllt. Die Romanze, die sich zwischen Ravenor und Essyia entwickelt, ist absolut vorhersehbar. Er, schwanzgesteuert wie immer, denk natürlich wieder nur an das eine und kommt mit furchtbaren Sexmetaphern daher. So denkt Ravenor beispielsweise an einen Orgasmus, während er einen „hervorsprudelnden Wasserfall“ sieht und gleichzeitig Essyia betrachtet. Ebenso streiten sich die beiden andauernd in einer explizit ungewöhnlich vehementen Art und Weise. Die Masche ist von Anfang an klar: Ihr offensichtliches Aneinandergeraten ist nur ein Ausdruck ihrer eigentlichen Zugewandheit, die sich beide zunächst nur nicht eingestehen wollen.

    Des Weiteren bindet Essyia Ravenor im weiteren Verlauf mit einem Liebeszauber an sich, um ihn sich gefügig zu machen. Dass das insbesondere in der Fantasy nichts Neues ist, liegt auf der Hand. Ein sehr prominentes Beispiel ist „Der letzte Wunsch“ von Andrzej Sapkowski. In der gleichnamigen Novelle bindet Geralt Yennefer an sich mit seinem letzten Wunsch an den Dschinn, woraufhin eine langjährige und von vielen Konflikten und Spannungen geprägte Liebsbeziehung erwächst, die schlussendlich aber doch wahre Liebe ist und nicht nur das Produkt der Magie des Dschinn.

    Intertextualität ist ein essenzieller Bestandteil der Literatur, jeder Text trägt in sich die Echos anderer Texte. Es ist jedoch hier nichts Neues, dass einfach billig abgekupfert wird, statt elegant das Echo in den eigenen Text einfließen zu lassen. Deutlich wird dies hier insbesondere in einer Vielzahl der Namen wie Sefira Visaer, Harkon, Askir und Fingold. Weitere Beispiele dafür führte ich bereits in den anderen Rezensionen an.

    Relativ zu Anfang des Buches gibt es wieder, wie schon in den Vorgängerteilen, stark negative Auffälligkeiten. So werden Eryn und Ravenor von ihren Vorgesetzten gemobbt. Das ganze erstreckt sich über satte 10% des Buches, was kein geringer Anteil ist. Die beiden werden hier für die kleinsten Vergehen hart bestraft, und teilweise gestehen ihre Vorgesetzten sogar ein, dass man vieles, besonders die Kleinigkeiten, kaum völlig richtigmachen kann. Aber sie machen fröhlich weiter, denn sie haben ja Wetten laufen, wer von den beiden Geschundenen als erstes so und so viele Vergehen einfährt. Ab einem gewissen Punkt ist die ewige Schilderung immer des ein und desselben Sachverhaltes extrem nervig, denn der Leser hat schon längst verstanden, dass hier Eryn und Ravenor die armen, bemitleidenswerten Schweine sind und Askir ein gemeiner Hund. Im Übrigen haben diese 10% keinerlei Relevanz für das restliche Buch und dienen auch nicht der weiteren ohnehin immer noch kaum vorhandenen Charakterisierung irgendeines Protagonisten, sind also völlig überflüssig.

    Generell krankt die komplette Reihe an Infodump, sprich völlig überflüssigen Informationen. Ich schätze, dass es auch eine Trilogie getan hätte mit Büchern, die jedes seine 500 Seiten bietet und durchaus auch weniger. Stattdessen las ich, dass wohl bereits Band 8 in Arbeit sei, und wie viele da noch kommen werden, weiß ich nicht und will es ehrlich gesagt auch gar nicht wissen. Reihen wie „The Stormlight Archive“ mit seinen geplanten zehn dicken Wälzern oder „A Song of Ice and Fire“ dürfen gern so lang sein, wie sie sind, denn die Autoren sind in der Lage, die Spannung über so viele Bände aufrecht zu erhalten und zu einer Klimax hin zu steigern. Aber schon Paolini merkte man an, dass er sein Eragon-Bücher streckenweise zu sehr überlud. Auch er wäre besser bei höchstens drei Bänden geblieben. Bei dieser Reihe hier will ich gar nicht erst damit anfangen.

    Im Übrigen hätte ein gutes Lektorat auch hier großzügig den Rotstift angesetzt und gekürzt, was das Zeug hält. 

    Weiterhin sind diverse Begleitumstände inkonsistent. Ravenor sprach im Vorgängerband an, dass er nun endlich Raiden nicht mehr als seinen Vater betrachten würde, sprich, ab diesem Punkt sollte er nur noch seinen Vorgesetzten im Prinzen sehen. Das tut er aber nicht, und umgekehrt denkt Raiden von seinem Bastardsohn auch nicht nur von einem Untergebenen. Stattdessen fängt er an, durchaus sich auf seine Art und Weise um die Erziehung „seines Sohnes“ zu kümmern und für ihn zu sorgen. Das heißt, dass zunächst alle Wege diesbezüglich beendet wurden, nun aber doch die Weichen hin zu einem Vater-Sohn-Verhältnis der beiden gestellt werden. Es scheint eine große Inkonsistenz und Unentschlossenheit aus diesen Zeilen.

    Auch die Charaktere sind teils ebenso inkonsistent. Erst sagen sie gern das eine und tun im nächsten Augenblick schon das nächste. So zum Beispiel Eryn, der zunächst Ravenor maßregelt, er solle sich nicht mit Essyia zanken, und es nur wenige Atemzüge selbst tut. Und so weiter und so fort.

    Generell wird, bildlich gesprochen, dem Leser die Panzerfaust ins Gesicht gedonnert und ihm die Ereignisse minutiös aus allen möglichen Blickwinkeln vorgekaut. So zum Beispiel, als Eryn in einem Bann gefangen wird. Erst wird das Geschehen aus Ravenors und Essyias Sicht geschildert und im Folgenden aus Eryns. Ein Redebericht Eryns über seine Erlebnisse im Anschluss hätte es ebenfalls getan und hätte dem Leser zudem die unelegante Überleitung von Ravenor und Essyia zu Eryn erspart. 

    Es wird kein noch so unnützes Detail ausgelassen und der Leser nirgends zum eigenen Denken und Kombinieren angeregt. Wird hier davon ausgegangen, dass die Leser einfach nicht klug genug sind, um die Handlungen zu verstehen, wenn teils nur subtile Anspielungen gemacht würden? Wie ich bereits in meiner ersten Rezension erläuterte, wird der Leser in der Reihe permanent entmündigt und seines eigenen Denkens beraubt.

    Des Weiteren finden sich diverse Logikbrüche. Schon beim zweiten Band erläuterte ich, warum es keinen Sinn ergibt, dass Eryn seinem Folterer Raiden sogar dankbar ist, dass dieser ihm Heimat und Kultur stahl. Hinzu kommt nun, dass Ravenor Essyia per Definition vergewaltigt, denn er ehelicht sie entgegen ihrem Willen und vollzieht den ehelichen Beischlaf mit ihr, obgleich im Text deutlich wird, dass sie dem keine Zustimmung gibt. Das Ergebnis ist, wie ich bereits erläuterte, dass sie sich trotzdem ineinander verlieben.

    Weiterhin wird explizit gesagt, dass es Ravenor gelingt, innerhalb von drei Wochen allein und mit bloßen Händen ein Haus zu bauen. Ich bezweifle, dass das der Realität entspricht. Eine kleine Holzhütte, vielleicht, aber kein komplettes, bewohnbares Haus mit Grundstück.

    Auch Eryn hat seine Stilblüten. So weiß er, der mächtige, talentierte Jäger aus den Bergen, nicht, wie ein Jäger seine Beute greift. Er gibt sich erstaunt darüber, dass eine offene Fläche nicht für die Jagd geeignet ist, denn dieser Umstand war ihm zuvor nicht geläufig. Aber sollte das nicht auf der Hand liegen, selbst für solche, die sich nicht der Jagd hingeben oder sich näher mit Beutegreifern aller Art auseinandersetzen?

    Und zum Schluss: Es ist einfach widerwärtig, wie sich Eishexen fortpflanzen, da kann sich selbst ein Alien noch ein Scheibe von abschneiden, wenn es darum geht, seine Brut auf noch widerwärtigere und parasitärere Weise in die Welt zu setzen.

    Mein Fazit lautet: Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen stolz auf mich, dass ich, wie ich es mir vorgenommen habe, alle drei Bände eisern durchstand. Aber mehr werde ich mir davon auf keinen Fall kaufen. In Anbetracht der Selbstsicherheit, mit der sich die Autorin als über jede Kritik erhaben zeigt, ist es äußerst bitter, was ich so alles in allein diesen drei Bänden fand, der Hälfte dessen, was aktuell veröffentlicht ist. Zu Beginn hoffte ich, dass sich das Gesamtbild bessern würde mit Fortschreiten der Reihe. Leider trat nichts davon ein. Manche Merkmale tauchten auf und verschwanden wieder, so die Schimpfwortflut des zweiten Bandes. Dafür traten an ihre Stelle neue Kritikpunkte auf, sodass das Gesamtbild noch immer stark negativ ist. Leider zeigt sich die Autorin in keiner Weise einsichtig, aber vielleicht konnte ich den einen oder anderen davon abhalten, denselben Fehler zu begehen wie ich, und sich diese Bücher zuzumuten.

    Denn mehr ist es nicht: eine Zumutung.

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