Sigrid Rausing

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Autor von Desaster.

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Desaster

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Erschienen am 25.04.2018

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Rezension zu "Desaster" von Sigrid Rausing

Die eigene Familiengeschichte aufarbeiten
michael_lehmann-papevor 6 Monaten

Die eigene Familiengeschichte aufarbeiten

Sachlich, nüchtern, beschreibend, so stellt sich der Stil dar, in dem Sigrid Rausing der selbstzerstörerischen Seite ihrer eigenen Familiengeschichte nachgeht. Die keineswegs jene voyeuristischen Impulse bedient, die nicht selten entstehen, wenn gut- und hochgestellte Persönlichkeiten, „VIP´s“ abstürzen. Was ja nicht unbedingt selten vorkommt.

Hier aber geht es nicht um einen Außenblick, ein „Entsetzen über“ oder ein „Weiden an“ dem Unglück reicher Menschen, sondern um eine Struktur, eine Krankheit, einen Vorgang, der jeden betreffen und treffen kann. Der nicht im Übermaß, aber doch in merklicher Zahl als „Suchtproblematik“ in allen Schichten und an allen Orten der Gesellschaft anzutreffen ist.

Die ENklein des „Tetra-Pack“ Erfinders und Gründers, die Tochter der beiden Söhne des „Seniors“, welche die Firma aus Schweden und aus den kleinen Anfängen in die globale Wirtschaft überführten und damit schwerreich wurden.

Ein Leben mit garantiertem „Platz an der Sonne“, so stellte es sich für Sigrid und ihren Bruder Hans Zeit ihrer Kindheit und Jugend dar.

Dass dann Hans seine spätere Frau Eva in einer Entzugsklinik kennenlernte, wie der (erste) Entzug gelang, alles in Butter schien, geheiratet wurde und Kinder hinzutraten, wie auch Sigrid selbst eine ganz eigene Karriere absolvierte.

Bis Sigrid sich „zur Seite stellte“. Ihrer Familie, vor allem ihrem Bruder und seiner Frau, denn die Drogensucht kehrt zurück, mitten hinein in das vermeintliche Familienidyll und zieht die gesamte Familie sorgend hinzu.

Ein hin- und herschwanken zwischen entschlossenem Angang und Leugnung, zwischen Spaltungen in den Haltungen der Familie und eine klare Beschreibung dessen, was Sigrids Rausing tat und in was sie den Schlüssel nicht nur einer bestmöglichen Hilfe, sondern auch einer eigenen Suchtprävention sieht: „Anderen helfen“. „Sich zur Verfügung stellen“. „Verantwortung übernehmen“ und damit einem gewissen Teil innerer Disposition, in dem eine gewisse „Leere“ drängt, „Füllung“ zu geben.

„§Das Risiko von Opioidmissbrauch kann mit Faktoren in Zusammenhang gebracht werden, die das Individuum, die Gruppe uind das soziale Umfeld betreffen, doch innerhalb dieser Domänen spielen genetische Faktoren eine besondere Rolle“.

Dies zu erkennen führt dazu, den Betroffenen nicht mehr mit „guten Ratschlägen“, positiven oder negativen Bewertungen oder „Durchhalteparolen“ zu überschütten, sondern sachlich die Sucht als „Krankheit“ zu betrachten, damit eine erhöhte Toleranz aufzubringen und, vor allem, die sachlichen Wege der Medizinischen und psychologischen Begleitung nüchtern zu prüfen und, bei allen Rückschlägen, konsequent darauf zu bestehen.

Schonungslos ehrlich und nicht unbedingt auf Happy-End getrimmt (denn vieles an familiären Bindungen zerstört im Lauf der Ereignisse) gelingt es Rausing, ruhig und sachlich ihre Empfindungen und die dramatischen Ereignisse dem Leser gegenüber verständlich darzustellen. Wobei die Lektüre ob des hier und da langatmigen Sprachstils nicht immer flüssig vonstattengeht.

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