Sigrid Undset

 4,4 Sterne bei 43 Bewertungen

Lebenslauf von Sigrid Undset

Sigrid Undset wurde 1882 als Tochter eines Archäologen in Kalundborg/Dänemark geboren. Ihre Jugend verlebte sie in Oslo. 1940 floh sie vor der deutschen Besetzung Norwegens über Schweden, Rußland und Japan in die USA. Nach 1945 kehrte sie in ihre Heimat zurück und starb dort 1949 in Lillehammer. Für ihre beiden großen historischen Romane ›Kristin Lavranstochter‹ und ›Olav Audunssohn‹ erhielt sie 1928 den Nobelpreis. Sie hinterließ ein umfangreiches literarisches Werk, das von 1907 bis fast in ihr Todesjahr reicht.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Sigrid Undset

Cover des Buches Kristin Lavrans Tochter: Alle drei Bücher in einem Band: Der Kranz, Die Frau und Das Kreuz (ISBN: B0000BORZO)Ingrid_Menzels avatar

Rezension zu "Kristin Lavrans Tochter: Alle drei Bücher in einem Band: Der Kranz, Die Frau und Das Kreuz" von Sigrid Undset

Der lange, entschleunigte epische Atem der Sigrid Undset...
Ingrid_Menzelvor 2 Monaten

Die historische Romantrilogie der norwegischen Literaturnobel-Preisträgerin Sigrid Undset (1882-1949) spielt vor dem Hintergrnd der politischen Unruhen im Norwegen des 14. Jahrhunderts  Die Schriftstellerin war Romanautorin, Novellistin, Laiendominikanerin und Essayistin. Ihre Werke befassen sich mit dem Konflikt zwischen norwegischer Tradition, der europäischen Krise ihrer Zeit, dem römischen Katholizismus und der weiblichen Emanzipationsbewegung und sind inzwischen in die Weltliteratur eingegangen. 

Die 1924 zum Katholizismus konvertierte  Neorealistin  Undset gehört zusammen mit Bjørnsterne Bjørnson, Camilla Collett, Knut Hamsun, Henrik Ibsen, Alexander Kielland und Jonas Lie zu den bedeutendsten norwegischen SchriftstellerInnen des 19. und 20. Jahrhunderts überhaupt. Insbesondere wird immer wieder auf ihre kraftvollen Schilderungen des nordischen Lebens im Mittelalter und die psychologische Durchdringung ihrer Figuren verwiesen.

Die Trilogie setzt sich zusammen aus den Bänden "Der Kranz", "Die Frau" und "Das Kreuz". Hier finden wir alle drei Teile in einem Band. Im Stil der nordischen Saga erzählt die Autorin die Lebensgeschichte ihrer eigensinnigen  Protagonistin Kristin Lavranstochter, die sich gegen die verkrusteten Konventionen einer patriarchalischen Gesellschaft auflehnt,  und begibt sich mit ihr auf eine spannende Zeitreise. 

Kristin verbringt eine sorglose Kindheit auf dem elterlichen Gut einer  wohlhabenden Bauernfamilie in Gulbrandsdalen. Als sie mit dem Bräutigam, der ihr nach alter Tradition schon als Kind zugesprochen wird, nicht einverstanden ist, geht sie als Laiendominikanerin in ein Kloster. Während dieser Jahre begegnet Kristin bei einem heimlichen Ausflug dem Ritter Erlend Nikulaussohn. Sie bricht nicht nur mit allen Konventionen, sondern auch ihrem Vater das Herz, als sie eine Heirat durchsetzt. Unerschütterlich in ihrer Liebe wird Kristin zum Mittelpunkt einer großen Familie. Doch der ehrgeizige Erlend verstrickt sich in massive politische Auseinandersetzungen. So muss Kristin, auf sich allein gestellt, ihre Söhne erziehen und das Gut verwalten. 

Undsets Beschreibung der Natur, der Geographie und Geschichte Norwegens im 14. Jahrhundert wie auch  die akribische Sorgfalt ihrer Darstellung des mittelalterlichen Lebens rührt großteils von Undsets Vertrautheit mit der norwegischen Literatur und Kultur des Mittelalters . Der konsequente Realismus in Kristin Lavranstochter steht im Kontrast zu anderen romantisierten Darstellungen des Mittelalters .

Ein absolut lesenswertes Werk, das eine lebendige und tiefgründige Sprache entfaltet und die LeserInnen durch diese aufregende Zeit  mitreißt. 


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Cover des Buches Kristin Lavranstochter (ISBN: 9783520622013)Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Kristin Lavranstochter" von Sigrid Undset

Ein Klassiker
Gwhynwhyfarvor 5 Monaten

«Kristin hatte in der ersten Nacht nicht viel Schlaf gefunden, obwohl die Geistlichen ihr Bett gesegnet hatten. Oben auf dem Bett lagen seidenbezogene Kissen, leinene Laken und prachtvolle Decken und Felle, aber darunter war das Stroh verdreckt und verschimmelt, in der Bettwäsche und in dem prachtvollen schwarzen Bärenfell, das ganz oben lag, hausten Läuse.»


«Die Frau» ist der zweite Band einer Romantrilogie um das Leben von Kristin Lavranstochter. Das war mir nicht bewusst. Aber auch, wenn man den Teil über ihre Jugend (Band 1) nicht miterlebt hat, kann man gut in diesen Band einsteigen. Das Setting ist ins Norwegen des 14. Jahrhunderts gesetzt, Mittel- und Nordnorwegen. Es ist die Umbruchzeit des Glaubens, die Christianisierung hat bereits stattgefunden – Reste der alten Religion sind hier und da in Fragmenten vorhanden, werden als Aberglaube abgetan, von der Kirche verfolgt. Die Familien von Kristin und ihrem Mann gehören zum norwegischen Landadel. Es ist die Zeit der Ära von Magnus Erikssohn, König von Norwegen und Schweden. Die Norwegerin Sigrid Undset erhielt für diese Trilogie im Jahr 1928 den Literaturnobelpreis. Heute also ein Klassiker. Die Geschichte beginnt mit einer überstürzten Hochzeit. Kristin Lavranstochter hat nicht den Mann geheiratet, den ihr Vater für sie ausgesucht hatte, Simon aus gutem Haus, vom Alter passend. Kristin hatte die Verlobung gelöst und sich für den wesentlich älteren Erlend Nikulaussohn entschieden. Und da sie von ihm schwanger war, musste die Vermählung schnell über die Bühne gehen, eine Schmach für die junge Frau, die das gern vor ihrer Familie vertuschen will. Kristins Eltern stehen der Vermählung sehr kritisch gegenüber. Aber es ist so Brauch, dass die junge Frau selbst entscheidet, wen sie heiratet.



«Da gab es kein Geschrei, wenn sie ihrer Frau eine Maulschelle verpassten, die hatten es gut. «Aber bei der roten Hölle, wie sollte ein Mann denn mit seiner Frau fertigwerden, wenn er sie aufgrund ihrer Sippe und wegen seiner eigenen Ehe nicht verprügeln durfte? Bei einem Wortwechsel mit einer Frau würde doch sogar der Leibhaftige den Kürzeren ziehen!»


Kristin zieht nun als Ehefrau auf Erlends Hof Husaby ein und ist schockiert über die Zustände. Das Haus und das Vieh sind in schlechtem Zustand, Vorräte verdorben, verschimmelt, die Angestellten hinterlassen keinen fleißigen Eindruck. Es liegt viel Arbeit vor ihr, den verwahrlosten Gutshof auf Vordermann zu bringen; sie muss sich Respekt auf dem Hof erarbeiten. Es drückt sie Scham, weil bald ihre Schwangerschaft nicht mehr zu verbergen ist – denn jeder kann sich ausrechnen, dass dieses Kind vor der Hochzeit entstanden ist. Es wird eine ziemlich schwere Geburt werden, die sich über Tage hinziehen wird ... Aber Kristin wird Erlend noch viele weitere Söhne schenken. Erlend ist selten zu Hause. Als Adeliger hat er wirtschaftliche und politische Verpflichtungen, hat auch das Kommando über die Bauernschiffe auf seinem Fjordufer. Auch muss er Recht sprechen, vor allem beschäftigt er sich mit Politik, mit Kriegszügen und Intrigen gegen den König.


«Haftor würde sicher wieder für Unruhe sorgen ... Er dürfe nicht vergessen, dass die Heiden wissen müssten, wer hier das Sagen habe – und dann dürfe man niemanden unnötig aufreizen, sondern müsse das bisschen Verstand benützen, das man habe. Sich nicht einmischen, wenn die finnischen Völker sich gegenseitig massakrierten, dieses Vergnügen müsse man ihnen lassen. Aber man musste genau aufpassen, was Russen und Kolbjager und wie dieses Pack noch heißen mochte, so trieben.»


Kristin Lavranstochter ist sehr christlich erzogen, und leidet ihr Leben lang an der Schmach, befleckt in die Ehe gegangen zu sein. Neben den eigenen Kindern zieht sie die älteren unehelichen Kinder von Erlend mit groß. Sie ist getrieben nach dem Wunsch nach Selbstbestimmung und geplagt von inneren Konflikten. Nicht immer sind die Eheleute einer Meinung, Reibereien gibt es oft. Aber auch Aussprachen, Missverständnisse, die geklärt werden. Oft ist Kristin sehr verletzt über das Benehmen und Handlungen von Erland – was er nicht wahrnimmt. Sie, die extrem christlich erzogene, moralische Frau, die ein anderes Verständnis von Anstand und Sitte hat, die Gewissenhafte – er, der offene, leichtfertig Mensch, der seine Frau respektiert, ihre Arbeit sehr schätzt, aber nicht immer versteht, was in ihrem Kopf vorgeht, warum sie nun schon wieder verstimmt ist. Gesellschaftlichen Regeln und kirchlichen Normen bestimmen das Leben. Sippen, Verbindungen, Verwandte, Erbschaften, Verpflichtungen, Unstimmigkeiten – eine Menge Personal taucht in diesem Roman auf. Sigrid Undset geht sehr ins Detail, schafft wundervoll komplexe Charaktere. Ein dichter Gesellschaftsroman, detailliert und atmosphärisch gestaltet. Der Leser bekommt ein Gefühl für das mittelalterliche Leben Norwegens: Landschaft, Sitten Gebräuche, Lebensmittel und Kochmethoden, Bekleidungs- und Schlafpraktiken, sowie die Ausstattung der Häuser, geschichtliche Hintergründe. Der germanische Hochsitz spielte in den Häusern eine wichtige Rolle. Hier sitzen bei Tisch die Hausherren und -damen, können weitere Ehrengäste dazu bitten; die zur Rechten und Linken hatten die besondere Ehre. Ein stimmungsvoller historischer Roman, der das gesellschaftliche Leben seiner Zeit stilvoll beschreibt. Am Ende gibt es eine hilfreiche Glossar, um Begriffe und Personen zu erklären. 


Die Trilogie:

Kristin Lavranstochter. Der Kranz

Kristin Lavranstochter. Die Frau

Kristin Lavranstochter. Das Kreuz


Sigrid Undset (1882–1949) gilt als eine der größten und einflussreichsten Schriftstellerinnen Norwegens. Ihre zeitgenössischen Romane Frau «Marta Oulie» und «Jenny» wurden wegen ihrer allzu selbständigen jungen Heldinnen zum Skandal. Als engagierte Antifaschistin stand Undset ganz oben auf der Roten Liste der Nazis und nach der Besetzung Norwegens konnte sie sich nur durch eine lebensgefährliche Flucht auf Skiern durch das Gebirge retten. Sigrid Undset wurde 1928 «vornehmlich für ihre kraftvollen Schilderungen des nordischen Lebens im Mittelalter» mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Außer «Kristin Lavranstochter» schrieb sie die Erfolgsromane «Olav Audunssohn», «Viga-Ljot und Vigdis», «Ida Elisabeth», «Das glückliche Alter» und viele andere mehr.

https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/kristin-lavranstochter-die-frau-von.html


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Cover des Buches Kristin Lavranstochter (ISBN: 9783520621016)Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Kristin Lavranstochter" von Sigrid Undset

Norwegen im Mittelalter
Buecherschmausvor einem Jahr

Als ich 2019 zum Gastlandauftritt Norwegens auf der Frankfurter Buchmesse in dessen Literaturgeschichte und den Autor:innen-Verzeichnissen stöberte, stieß ich immer wieder auf einen Namen: Sigrid Undset. 1928 erhielt die Norwegerin Sigrid Undset den Literaturnobelpreis, vor allem für ihre Mittelalter-Trilogie um eine eigenwillige Frau im Mittelalter - Kristin Lavranstochter. Jetzt wird der Romanzyklus im Kröner Verlag neu herausgegeben und startet mit Teil 1 – Der Kranz.

Die Geschichte beginnt 1306, als der Jørundshof in Gudbrandsdalen an Ragnfrid und ihren Ehemann Lavrans Bjørgulvssohn vererbt wurde. Die Familie siedelt von Süd- nach Mittelnorwegen um. Drei kleine Söhne hat Ragnfrid schon sehr früh verloren. Sehr hängt der Vater deshalb an der Tochter Kristin. Diese wächst behütet und wohlhabend bei den Eltern auf. Die Familie steht dem norwegischen Adel nah. Zwei weitere Töchter kommen über die Jahre hinzu.

Den ersten Teil ihres Epos widmet Sigrid Undset der Kindheit und Jugend von Kristin Lavranstochter. Historisch genau, mit viel Detailgenauigkeit für das Alltagsleben im 14. Jahrhundert, aber mit einem modernen psychologischen Blick auf das Innenleben ihrer Protagonistin erzählt sie von der norwegischen Natur, dem Leben auf dem Land, den harten Wintern, von Missernten und rauschenden Festen. Besonders gelungen sind die Beschreibungen der rauen Landschaft Mittelnorwegens. Der Frühling kommt spät, die Sommer sind kurz.

Erschienen ist Der Kranz zum ersten Mal 1925. Damals wurde das Emanzipatorische in Kristin Lavranstochter herausgestrichen. Aber auch wenn die junge Kristin nach Freiheit strebt und um eine selbst gewählte Liebe und Ehe kämpft und eine selbstbestimmte Sexualität besitzt, ist ihr Leben doch geprägt von ihrer tief empfundenen Religiosität (auch Sigrid Undset war überzeugte Katholikin) und der patriarchalen Ordnung der damaligen Zeit. Das äußert sich in tiefen Gewissenskonflikten. Wahrscheinlich wäre auch alles andere für die damalige Zeit unglaubwürdig.

Sigrid Undset ist keine moderne Autorin. Ihre Geschichte um Kristin Lavrantochter ist konventionell erzählt, aber sehr dicht und atmosphärisch. Ein historischer Roman, wie er sein soll. Nur die Liebesgeschichte und Liebesleidenschaft waren mir dann doch zu viel. Das geht mir aber meistens so. Und in Teil 2 „Die Frau“ wird wahrscheinlich die Leidenschaft eh weniger, denn da geht es um die Jahre als Ehefrau. ;) Ich freue mich auf jeden Fall, Kristins Weg weiter verfolgen zu können.  

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