Silke Knäpper

 4 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Hofkind, Im November blüht kein Raps und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Silke Knäpper

Silke Knäpper, 1967 in Ulm geboren, studierte Romanistik, Germanistik und Anglistik in Wien, Freiburg und Köln. Nach Lehrtätigkeiten in Saint-Cloud bei Paris und in London kehrte sie 2001 wieder in ihre Heimatstadt zurück, wo sie heute als Lehrerin an einem Gymnasium unterrichtet. Ausgezeichnet beim Irseer Pegasus. Bei Klöpfer & Meyer erschien 2012 ihr Roman »Im November blüht kein Raps« und 2016 ihr Roman »Hofkind«, von den Buchhändlern, Literaturkritikern und der Leserschaft gehörig gelobt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Silke Knäpper

Cover des Buches Im November blüht kein Raps (ISBN:9783863510367)

Im November blüht kein Raps

 (2)
Erschienen am 18.07.2012
Cover des Buches Hofkind (ISBN:9783863514259)

Hofkind

 (2)
Erschienen am 25.07.2016
Cover des Buches Das Lieben der Anderen (ISBN:9783863514747)

Das Lieben der Anderen

 (1)
Erschienen am 31.07.2018
Cover des Buches Egal, wo man aufwacht (ISBN:9783981013719)

Egal, wo man aufwacht

 (0)
Erschienen am 23.11.2007

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Rezension zu "Das Lieben der Anderen" von Silke Knäpper

Literarischer Psychothriller zum Thema Stalking
Gwhynwhyfarvor 8 Monaten

Der erste Anfang: »Was macht eine wie ich auch nachts hier draußen, dachte Helen, als ihr diese Frau vor die Füße fiel. Ein dumpfer Aufprall, der Bruchteil einer Sekunde nur, eine Art Knacken, das war das Schlimmste.«

Was für ein Anfang! Und es lohnt sich, weiterzulesen. Das Lieben der anderen, nicht das Leben … Da fällt unserer Icherzählerin Helen des Nachts eine Frau vor die Füße. Kein Schrei – einfach plopp. Es ist auch völlig klar, so verdreht wie dort liegt, mit offenen Augen - sie ist tot. Anstatt die Polizei zu informieren, beschaut sich Helen die schöne Frau ganz genau. Wohlhabend muss sie sein. Was mochte ihr Grund gewesen sein, von irgendwo dort oben vom Balkon zu springen? Neugierig befühlt Helen die Manteltaschen der Frau und steckt ihren Schlüssel ein. Zurück in ihrer eigenen Wohnung beobachtet sie vom Fenster aus, was nun passiert. Plötzlich geht ein Mann auf die Leiche zu, gekleidet mit einem teuren Mantel, schaut sich die Frau an. Er kennt sie, da ist sich Helen sicher, denn sein Gesicht spiegelt Traurigkeit und Liebe wieder. Wer mag das sein? Aber was macht er? Er schleicht sich von dannen? Dieser Mann hat Helen in seinen Bann gezogen.

»Das Leben der anderen war erfüllt, dachte Helen, und aufregend. Bunt. Nicht so blass wie ihr eigenes Dasein, das ihrem schmächtigen Körper glich, so hager und androgyn, unweiblich, flachbrüstig, ohne Höhen und Tiefen.«

Helen selbst sieht sich als die Frau, die niemand beachtet, die graue Maus in der abgetragenen Strickjacke, die als Erzieherin in einem Kindergarten arbeitet. Wie gern hätte sie die Aufmerksamkeit der andern, aber sie hat nur sich selbst, hungert nach einem erfüllten Leben. Ihre Eltern und der Bruder sind verstorben, aber auch die haben sie nie beachtet. Ihr Vater, der Dorfcasanova, zog den Bruder vor. Und da ist Robert, die einzige Beziehung, die sie je hatte. Auch der hatte sie eingetauscht gegen eine andere. Helen ist mit sich selbst nicht im Reinen, eine Ritzerin, eine Zerstörerin, eine, die gern eine andere sein möchte, eine die hinter der Gardine das Leben der anderen beobachtet und beneidet. Der Mann der Toten hat es ihr angetan, sie fängt an, ihn zu beobachten. Eine Raupe kriecht aus ihrem Kokon und möchte fliegen lernen.

»Ich habe Probleme zu atmen, mein Brustkorb schnürt sich zu, mein Herz rast. Ich habe Angst zu ersticken. Haben sie niemals Panik, Herr Doktor? Oder Angst vor dem Leben?
Um mich geht es jetzt nicht, Frau Winter.«

Und da wären wir bei der zweiten Ichperspektive, Robert, der mit Clair verheiratet ist, die vom Balkon fiel. Der charismatische Psychoanalytiker hat selbst ein Problem: Die Frauen sind ihm verfallen und er ihnen. Er weiß nicht, dass Helen ihn in der Nacht gesehen hat, gesehen hat, wie er sich über Clair beugte und sich dann von dannen schlich. Eines Tages empfängt er eine neue Patientin: Helen Winter. Er muss sie gleich in die Schranken weisen, als sie seinen Stuhl ansteuert. Sie wirkt ein wenig übergriffig. Eine Schneekönigin mit einem Eissplitter im Herzen.

»Wie weich doch seine Haare waren, wie unruhig sein Blick. Als wäre sie, Helen, in Bereiche vorgedrungen, die er niemandem freigab.«

Ist dieses Buch ein Psychothriller. Ja, so würde ich den Roman am Ende einordnen, ein Drama. Allerdings ist es ein tiefgründiger, ein literarischer Thriller. Silke Knäpper hat ihre beider Charaktere feinsäuberlich ausgearbeitet und lässt sie ganz langsam aufeinanderkrachen, denn niemand steckt hier zurück. Man möchte keinen von beiden kennenlernen, Helen die Stalkerin und Robert, den Frauenflüsterer. Das Erfrischende an dieser Story ist die Normalität. Diese Geschichte könnte genau so geschehen sein. Voyeuristisch hängt der Leser an den Zeilen. Wie weit wird Helen gehen? Kann sich Robert von ihr befreien, wenn ja, auf welche Weise? Wie endet das Drama? Ständig breiteten sich diverse Schlussszenarien in meinem Kopf aus. Ein Drama, das ist nach den ersten Seiten klar. Silke Knäpper beobachtet genau, auch die Innenansichten ihrer Figuren, ihr Dilemma mit der Wet. Rhythmische Sprache, geschliffene Sätze, die es auf den Punkt bringen. Das alles in einer Form, die sich wundervoll lesen lässt. Doch halt. Manche Sätze sind so tiefgründig und fein formuliert, dass man sie gleich noch einmal lesen will. Von dieser Autorin möchte ich noch mehr lesen.

Silke Knäpper hat Romanistik, Germanistik und Anglistik in Wien, Freiburg und Köln studiert. Nach Lehrtätigkeiten in Saint-Cloud bei Paris und in London kehrte sie 2001 wieder in ihre Heimatstadt Ulm zurück, wo sie heute als Lehrerin an einem Gymnasium unterrichtet.

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