Das Buch hat mich echt positiv überrascht! Man sollte wissen, dass es sich hier um einen historischen Kriminalroman handelt; nicht um einen historischen Krimi. Denn neben den mysteriösen Morden, die das Leben der Protagonisten gehörig durcheinander bringen, gibt es auch viel Nebenhandlung über die damalige Zeit.
Im Fokus steht hier Lina Kaufmeister. Die Tochter eines angesehenen Spediteurs, die jedoch durch ein altes Leiden (eine steife Hüfte), keine Aussicht auf eine Heirat hatte und somit noch immer im Haus des Vaters lebt. Dieser ist jedoch schwer krank und so untersteht sie mehr oder weniger ihrem cholerischen Bruder, der sie gerne als Haushälterin bei sich behält. Seine eigene Frau ist in dieser Hinsicht eher faul und sieht sich vor allem in der Rolle, ihrem Mann Kinder zu schenken.
Der Traum von Lina ist allerdings, auf eigenen Beinen zu stehen. Ein eigenes, bescheidenes Heim zu finden und sich mit ihrer kleinen Rente und dem Erbe über Wasser zu halten. Als sie diesen Schritt tatsächlich wagt kommt es zu einem bösen Bruch mit ihrem Bruder.
Bei Clara Dahlmann, einer Witwe, die ein Geschäft mit Stoffen betreibt, findet Lina Unterschlupf und lernt dort auch den Kommissar von Ruhrort kennen. Die Ermittlungen zu den Morden bringen die beiden näher - aber auch in Gefahr.
Ich fand den Stil sehr bildhaft und anschaulich und hab mich direkt in die Zeit zurückversetzt gefühlt! Die Beschreibungen, wie Linas Leben verläuft und welche Schwierigkeiten es bedeutet hat, als Frau den Lebensunterhalt mit Arbeit zu verdienen, war wirklich erschreckend. Als Witwe war man dazu berechtigt - aber unverheiratet, und als "alte Jungfer" war man den Eltern bzw. dem Bruder verpflichtet, der die volle Verfügungsgewalt hatte. Über Wohnsitz, Geld und sonstiges. Stellte man sich dagegen war man gesellschaftlich ein Niemand und wurde gemieden. Wenn man bedenkt, dass das erst 150 Jahre her ist..
Auch war es interessant Linas Arbeit zu begleiten. Sie kann sehr gut schneidern und die vielen Details über diesen Beruf und wie sie sich damit nach und nach eine gute Einkommensquelle schafft war spannend zu verfolgen.
Noch spannender war natürlich die Mordserie, die keinem wirklichen Muster zu folgen schien und die zwar grausig war, aber doch kein wirkliches Interesse der Oberen hervorgerufen hat. Interessant immer zu sehen dass es vor allem wichtig war, irgendjemanden als Täter zu haben, um die Allgemeinheit zu beruhigen. Egal ob was dagegen sprach oder nicht.
Kommissar Borghoff, der leitende Ermittler, ist mir jedenfalls auch sehr ans Herz gewachsen. Er kann gut durchgreifen, ist nicht auf den Kopf gefallen und hat das Herz auf dem rechten Fleck.
Eine Entwicklung der Geschichte hat mich im ersten Moment etwas enttäuscht. Einfach weil sie früher sehr oft in solchen Geschichten vorkam und ich mit einer anderen Aufklärung gerechnet hatte. Wie es sich dann aber weiter herauskristallisiert hat, welche Kreise es zog und wie auch eine bestimme Krankheit hier dargestellt wurde, war dann doch sehr faszinierend. Es hat die Geschichte rund gemacht und die Spannung auch immer weiter angeschürt.
Insgesamt ein wirklich sehr gut recherchiertes und spannendes Buch, dass ich Fans des Genres auf jeden Fall empfehlen kann!
Silvia Kaffke
Lebenslauf
Alle Bücher von Silvia Kaffke
Das rote Licht des Mondes
Das dunkle Netz der Lügen
Messerscharf
Totenstill
Herzensgut
Blutleer
Totenstill
Blutleer
Neue Rezensionen zu Silvia Kaffke
»Lina, du hast Robert doch schon einmal geholfen, einen Mordfall aufzuklären. Bitte, benutze deinen Verstand. Hilf ihm, den wahren Mörder zu finden.«
Ruhrort, im März 1861. Lina Borghoff führt einen kleinen, aber feinen Modesalon. Mit ihrem Mann Robert, einem Polizeikommissar, führt sie eine glückliche Ehe. Lina hat sich einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet, alle Damen der feinen Gesellschaft lassen bei ihr Kleider fertigen. Und es gibt nicht wenige sehr reiche Familien in Ruhrort, bei denen standesgemäße Feste gefeiert werden.
Das Entsetzen ist folglich groß, als eine Einbruchsserie die Stadt überzieht, bei der zielsicher die Villen der Reichen geplündert werden. Robert und seine Kollegen haben alle Hände voll zu tun, zumal sie zeitgleich noch zwei brutale Morde aufklären müssen. Richtig schlimm wird es jedoch, als der Verdacht aufkommt, dass Linas Salon irgendwie in die Verbrechen verstrickt und einer von Linas ältesten Freunden des Mordes verdächtig ist…
Es ist eisigkalt in diesem März und im Gegensatz zur feinen Gesellschaft, bei der sich die Welt um Protz und Bälle dreht, ist ein anderer, sehr großer Teil der Gesellschaft bitterarm und kämpft ständig ums nackte Überleben.
Große Unterschiede gibt es zudem quer durch alle Schichten hindurch zwischen Mann und Frau. Bei den Schilderungen, was alles schicklich ist und was nicht, standen mir die Haare zu Berge. Und erst recht bei dem Punkt, dass ein Mann das Recht hat, seine Frau zu züchtigen und von ihr Gehorsam einzufordern.
Vor diesem Hintergrund fällt Linas Charakter besonders auf. Sie ist eine selbstbewusste und intelligente Frau, sie ist emanzipiert, hat ihren eigenen Kopf und während fast alle Frauen von ihren Männern abhängig sind, verdient sie nicht selten mehr Geld als ihr Robert. Gleichzeitig hält sie sich nicht für etwas Besseres, ist hilfreich, offen… kurz: ein durch und durch sympathischer Charakter. Und ob ihr Robert seine Ermittlungen ohne ihre Hilfe hätte erfolgreich abschließen können? Mir scheint nicht.
Wie schon der Vorgängerband zeigt auch dieser ein großartiges Bild der damaligen Zeit, die wirklich nur für die Menschen eine gute alte Zeit war, die über viel Geld und Stand verfügten. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, alles Wichtige zu früheren Ereignissen wird kurz erklärt. Ich habe gebannt die Schicksale der Protagonisten verfolgt und konnte die spannende Handlung genießen. Falls die Autorin sich noch mal zu einem dritten Band erschließen sollte, wäre ich gerne wieder dabei.
Fazit: Das war keine gute alte Zeit, in der dieser spannende historische Krimi spielt. Sehr gelungen!
Ruhrort 1861: Lina Kaufmeister hat es geschafft. Sie ist Inhaberin eines Modesalons und hat Robert Borghoff, den Polizeichef von Ruhrort geheiratet.
Doch nun ziehen dunkle Wolken auf. Die Euphorie der Industrialisierung ist in Ruhrort erst einmal abgeflaut und alle Einwohner leiden unter der Weltwirtschaftskrise. Natürlich auch Lina, die mit ihrem Modesalon deutlich zu spüren bekommt, dass das Geld nicht mehr so locker sitzt. Dennoch geht es ihr, im Vergleich mit vielen anderen, immer noch gut.
Der größte Arbeitgeber die „Phönix“, ein Stahlwerk, zieht viele Arbeiter aus der näheren und ferneren Umgebung an. Unter den Pendlern gibt es allerdings auch so manches Gesindel.
Die Bedrohung nimmt zu, als Linas beste Näherin Anna zu Hause angegriffen und einige Tage später im Krankenhaus erstochen wird. Auch die junge Ehefrau von Baron von Sonnberg wird Opfer eines Überfalls und ermordet im neuen Haus aufgefunden. Sonnberg, der mit den Borghoffs befreundet ist, wird verhaftet, weil alle Indizien auf ihn hinweisen.
Während des jährlichen Maiballs werden die Villen der reichen Bürger Ruhrorts ausgeraubt. Nun gerät Lina mit ihrem Modesalon in Verruf, denn die Informationen über Geld, Schmuck und deren Aufbewahrung scheinen aus Linas Umfeld zu kommen.
Daneben gibt es auch noch ein unerquickliches Wiedersehen mit Mina, Linas Zwillingsschwester, die im ersten Band („Das rote Licht des Mondes“) eine kriminelle Rolle gespielt hat.
Meine Meinung:
Silvia Kaffke versteht es geschickt, historische Ereignisse und den Krimi in Einklang zu bringen.
Niemand ist vor dem Misstrauen sicher. Egal ob man Baron von Sonnberg heißt oder Lina Borghoff.
Der Spannungsbogen ist hoch und fesselt die Leser bis zur Aufklärung des Falls. Die besondere Atmosphäre, die mir bereits im ersten Roman so gut gefiel, ist auch hier wieder gegeben. Die Autorin baut in die hauptsächliche Handlung geschickt kleinere Nebenhandlungen ein, die die Geschichte aufwerten und die Lektüre zu keiner Zeit langatmig werden lassen.
Der Schreibstil ist gehoben und gut ausformuliert. Feinheiten wie die niederländischen Akzente Linas Schwägerin gestalten den Sprachverlauf zusätzlich realistisch und echt.
Die historischen Details sind penibel recherchiert. So erfahren wir einiges über die Lebensweise der Reichen und der Armen sowie über Ruhrort/Duisburg als aufstrebende Stahlstadt. Doch zu welchem Preis? Wenn man liest, dass sich die Schichtarbeiter ein Bett teilen müssen, der schläft nachts, der andere am Tag, ist es nicht verwunderlich, dass sich ansteckende Krankheiten verbreiten können. Diese sozialkritischen Töne gefallen mir besonders. Dienstmädchen, die schwanger werden, werden entlassen, ihre Kinder in Waisenhäusern aufgezogen. Vielen Frauen und Mädchen bleibt nur der Weg in die Prostitution. So gesehen ist Zita, die dagegen mit allen Mitteln ankämpft, die Ausnahme.
Fazit:
Ein fesselnder, gut recherchierter historischer Krimi, dem ich gerne 5 Sterne gebe.
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