Silvia Seidel Anna und ich

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Inhaltsangabe zu „Anna und ich“ von Silvia Seidel

Aufgezeichnet in Gesprächen mit Müller, Marieluise. Zahlr. Farbphot. 128 S. (Quelle:'Sonstige Formate/01.05.1991')
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    Anna und ich
    Liebes_Buch

    Liebes_Buch

    25. August 2013 um 12:22

    Silvia Seidels Schilderungen über die Dreharbeiten zu "Anna" wurden 1989 veröffentlicht. Sie blickt mit einer Journalistin auf ihre Kindheit zurück, darauf wie sie entdeckt wurde und die Serie drehte und lässt an den Arbeiten zum Kinofilm teilhaben. Das Buch ist voller schöner s/w Fotos- leider nur als Taschenbuch; einen Bildband hätte ich auch gemocht. Es ist merkwürdig, Silvia am Anfang ihrer Lebens zu hören, wenn ich heute weiss, wie es geendet hat. In dem Buch wird deutlich: Silvia Seidel glaubte, Anna sei der Beginn einer Karriere als Schauspielerin. Sie freute sich schon auf andere Rollen. In Wirklichkeit war der Erfolg mit Anna eine vorübergehende Seifenblase. Vor Anna lebte Silvia Seidel als graue Maus ohne besondere Erfolge oder Beliebtheit in der Schule und beim Ballett. Sie empfand sich nur als Mittelmass und litt schon als Kind unter Einsamkeit, weil z. B. ihr Ballerina-Look bei den Mitschülern nicht gut ankam, einmal blieb sie wegen dieser Probleme sitzen. Trotzdem geht sie von der Schule ab, um sich ganz dem Tanzen zu widmen. Und dann kommt das ZDF und entdeckt sie für die Weihnachtsserie. Von 0 auf 100 läuft das Versager-Schulkind zu Höchstleistungen auf. Mich hat es überrascht zu erfahren, dass viele der schönen Tanzszenen dem Engagement Silvia Seidels selbst zu verdanken sind. Das ZDF hat wenig Ahnung vom Ballett und stellt sich vor, Silvia habe zuhause doch sicher Tanzvideos, aus denen sie im Wohnzimmer etwas einüben könne! Silvia trainiert nach dem Dreh mit ihrer Ballettlehrerin, steht morgens auf, um schon vor der Arbeit zu trainieren, präpariert nachts ihre Ballettschuhe, geht körperlich und tanztechnisch an ihre Grenzen. Während z. B. Patrick Bach seine Seriendrehs als Ferienlager empfindet, spricht Silvia Seidel mit Recht von Hochleistungssport. Sie kann nicht einmal mit den anderen zum Essen, da sie fürs Tanzen ihre 45 kg halten muss. Unter Angst meistert sie Szenen mit echten Tänzern z. B. vom königlichen Ballett aus London. Dass Tanzen hart ist, hatte ich irgendwie auch im Hinterkopf. Aber wie anstrengend und schwer die Arbeit an Anna wirklich war, habe ich erst durch dieses Buch bemerkt. Tragisch sind kleine Nebensätze, die wir heute verstehen können. Z. B. wenn sie erzählt, dass ihre Mutter 3 Monate in der Klinik war. Oder wenn sie froh ist, dass ihr Vater ihr Geld verwaltet und sie glaubt, sich da keine Sorgen machen zu müssen. Heute wissen wir, dass er angeblich viel Geld sinnlos ausgab. Silvia Seidel wusste vor ihrem Tode nicht mehr, wovon sie die Miete bezahlen soll. Ein schmerzliches Buch eines Teenagers, der glaubt, das ganze schöne Leben läge vor ihm- wir wissen heute, dass sich diese Hoffnungen nicht erfüllten. Auch ein trauriges Zeugnis über den willkürlichen Wert eines Menschen. Die Freude Silvia Seidels, etwas leisten zu können, gewollt zu sein und der Trugschluss, jetzt einen Platz in der Welt zu haben. Ein sehr interessantes Buch übers Tanzen mit tollen Anekdoten zu den Dreharbeiten.

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