Simon Raven

 4,1 Sterne bei 14 Bewertungen

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Cover des Buches Almosen fürs Vergessen / Zur Leichenschau (ISBN: 9783961600182)

Almosen fürs Vergessen / Zur Leichenschau

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Neu erschienen am 21.04.2024 als Gebundenes Buch bei Elfenbein.

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Neue Rezensionen zu Simon Raven

Cover des Buches Almosen fürs Vergessen / Fielding Gray (ISBN: 9783961600137)
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Rezension zu "Almosen fürs Vergessen / Fielding Gray" von Simon Raven

Bissige und zynische Satire auf die englische Nachkriegsgesellschaft
TheSaintvor 2 Monaten

Fielding Gray ist ein junger blendend aussehender Engländer aus vermögendem Hause, bei welchem alle Startvoraussetzungen für eine glänzende Karriere gegeben sind: schulisch wie sportlich herausragend und versehen mit Eloquenz und einem charmanten Hang zum Draufgängertum. 


Doch im Dezember 1944 bringt das unbeschwertes Spiel mit seinen Gefühlen zum Mitschüler Christopher alles in ernsthafte Gefahr. Während Fielding eher an der faszinierenden Unschuld Christopher's interessiert ist und diese zu brechen versucht, verzweifelt dieser an der emotionalen Wucht und löst einen Skandal aus, vor dem ihn sein bester Freund Peter gewarnt und auf den sein Konkurrent um die Position des Schulkapitäns, Somerset, nur gewartet hat.


Zusätzlich zu den Problemen auf der Privatschule beginnt Fielding's Leben außerhalb der Schule auch ins Trudeln zu geraten: Die Eltern sind von seinem Plan, in Cambridge Alte Sprachen zu studieren, wenig begeistert und seine Vergnügung mit einem Mädchen auf einem Jahrmarkt sorgen für weitere Spannungen...


Nachdem ein Verleger Fielding Gray gebeten hat, vierzehn Jahre nach den Vorfällen seine Geschichte zu erzählen, erfährt der Leser nun anhand von Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und Telegrammen sowie gelegentlicher Einwürfe Fielding's aus späterer Perspektive von dieser dramatischen Coming-of-Age-Geschichte. So schafft es Fielding, seine anfänglich unsympathische Erscheinung anhand geschickt verwobener Handlungsstränge zu einer Person werden zu lassen, der man genüsslich auf dem Weg zum Scheitern folgt.


Simon Raven (1927-2001) begann seine schriftstellerische Karriere 1958 und 1964 mit seiner mit  eigenen realen Erlebnissen versetzten zehnbändigen Reihe „Almosen fürs Vergessen“ („Alms for Oblivion“). 1976 erschien der letzte Roman dazu. 


2020 hat sich der „Elfenbein“-Verlag an das Projekt der deutschsprachigen Erstveröffentlichung herangewagt und wird im Herbst 2024 den letzten Band veröffentlichen. Die einzelnen Romane können unabhängig voneinander gelesen werden, da jeder Band ein eigenes Schwerpunktthema hat. So ist der deutsche erste Band eigentlich der vierte Roman dieser Reihe. Ein sehr informatives Nachwort von Übersetzerin Sabine Franke erläutert die Entscheidung des Verlages.


Während des Lesens fühlt man sich an die Romane „Maurice“ von E.M. Forster und „Wiedersehen mit Brideshead“ von Evelyn Waugh erinnert. Der Autor liefert viel für den England-Liebhaber: ausführliche Beschreibung einer Cricket-Partie sowie nüchterne Einblicke in Kirche, Schule, Militär und die marode Oberschicht. Raven serviert keine heile Welt, sondern den gesellschaftlichen Konsens mit den daraus resultierenden oft brutalen Folgen. 

Cover des Buches Almosen fürs Vergessen / Wo man singt (ISBN: 9783961600151)
aus-erlesens avatar

Rezension zu "Almosen fürs Vergessen / Wo man singt" von Simon Raven

Intelligent. Bissig. Roh. Liebenswert
aus-erlesenvor einem Jahr

Das altehrwürdige Cambridge. Hier liegen die Traditionen auf dem Präsentierteller. Hier wiegen die Traditionen noch was. Hier wird gelehrt, hier wird gelernt. So war, so ist es, so wird es immer bleiben.

Von wegen. Großer Veränderungen kündigen sich an. Einerseits wird ein nicht ganz unbeträchtlicher monetärer Zuwachs durch den Verkauf eines Stücks Land erwartet. Andererseits – überall im Europa des Jahres 1967 brennt es auf den Straßen unter der Leitung der Studenten – verschließt sich niemand mehr vor den revolutionären Ansinnen der Studenten. Dass es unter den Talaren mieft, ist nicht mehr zu vertuschen. Auch unter den Professoren rumort es.

Hugh Balliston ist der mehr oder weniger heimliche Anführer der Studenten. Ihm hört man zu, ja, man folgt ihm sicherlich ziemlich weit. Wie weit, das wird sich noch herausstellen. Von Lehrkörperseite betrachtet man die Aktivitäten mit Argwohn. Und das obwohl man selbst Veränderungen nicht abgeneigt sei. Schließlich ist man als Lehrer stets Triebfeder des Fortschritts. Ab in Maßen, please.

Hugh hingegen ist Feuer und Flamme. Er berauscht sich an seinem Image als Revoluzzer. Ist aber auch clever genug, um echte Veränderungen herbeiführen zu können. Nicht ganz so clever und reaktionsfreudig ist er hingegen als ihm die Führungsrolle abspenstig gemacht wird. Zu spät merkt er, wer ihn um- und übergehen will…

„Almosen fürs Vergessen“ – da muss man schon zweimal hinschauen, um es richtig zu verstehen. Ein Romanzyklus, der im siebten Band die philosophische Auseinandersetzung mit den Umwälzungen der 60er Jahre sucht. Niveauvolles Geplänkel nach dem Tennis im steten Wechselspiel mit profanen Alltagsproblemen.

Simon Raven scheut nicht vor der Provokation. Intellektuell, provokativ, direkt und zutiefst ehrlich schickt er Menschen in die Arena in einen Kampf auf Leben und Tod. Dass er sich beim Ritt auf der Rasierklinge nicht schneidet – und seine Betrachtungen als schnöden Krimi ins Bücherregal schickt – ist ein wahrer Kunstgriff. Man berauscht sich am intelligenten Gerangel ebenso wie an vordergründigen Interesse am anderen Geschlechts gleichermaßen.

Cover des Buches Almosen fürs Vergessen / Fielding Gray (ISBN: 9783961600137)
Nespavanjes avatar

Rezension zu "Almosen fürs Vergessen / Fielding Gray" von Simon Raven

Ein bisschen britisch. Ein bisschen schwul
Nespavanjevor 4 Jahren

Fielding Gray ist eigentlich der vierte einer entzückenden Romanreihe, das Original erschien 1967, die lose aneinandergeknüpft ist und nun das erste Mal ins Deutsche übersetzt worden ist. Darin geht es um einen jungen Kricketspieler, der den Avancen gleichgeschlechtlicher Internatskollegen nachgibt. Es ist ein famos britischer und schwuler Roman. Hierzulande ist Simon Raven weniger bekannt als in Great Britain und dem Elfenbein Verlag ist es zu verdanken, dass er auch auf Deutsch, mit der großartigen Übersetzung erscheint. Beim Übersetzen scheiden sich oft die Geister und ich für meinen Teil hoffe natürlich, dass das Können von Sabine Franke honoriert wird und Sie auch die weiteren Romane von Simon Raven übersetzt.

Nur auf den ersten Blick ist „Fielding Gray“ der wohl einige biografische Züge des Autors innehat, ein Roman über das Erwachsenwerden in der Nachkriegsgesellschaft Britanniens. Dabei ist Fielding Gray nicht immer sehr sympathisch. Es ist auch ein Gesellschaftsstudie der damaligen Zeit, dass uns der talentierte Schriftsteller Simon Raven mit dem Roman „Almosen fürs Vergessen. Fielding Gray“ hinterlassen hat.

„Der Säbelschwadron“ ist der Titel der als nächstes in dieser Reihe übersetzt wird. Der geneigte Leser hat ab Oktober 2020 das Vergnügen ihn zu lesen. Zumindest jene die auf die deutsche Übersetzung warten. Wer nun an dieser Kombination aus „Schwul“ und „Britisch“ gefallen gefunden hat, dem sei auch Alan Hollinghurst „Die Schwimmbadbibliothek“ empfohlen.

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