Sieben Nächte

von Simon Strauß 
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Sieben Nächte
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Positiv (53):
Godelewas avatar

Mit wunderbarer Sprache legt Strauß den Finger in die mehr oder weniger geheimen Wunden unserer Generation.

Kritisch (23):
S

ich habe mir von dem Buch viel mehr versprochen...

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Inhaltsangabe zu "Sieben Nächte"

Schließt die Augen und zerbrecht das Glas.

Es ist Nacht, ein junger Mann sitzt am Tisch und schreibt. Er hat Angst. Davor, sich entscheiden zu müssen. Für eine Frau, einen Freundeskreis, einen Urlaubsort im Jahr. Er hat Angst, dass ihm das Gefühl abhandenkommt. Dass er erwachsen wird. Doch ein Bekannter hat ihm ein Angebot gemacht: Sieben Mal um sieben Uhr soll er einer der sieben Todsünden begegnen. Er muss gierig, hochmütig und wollüstig sein, sich von einem Hochhaus stürzen, den Glauben und jedes Maß verlieren.
»Sieben Nächte« ist ein Streifzug durch die Stadt, eine Reifeprüfung, die vor zu viel Reife schützen soll, ein letztes Aufbäumen im Windschatten der Jugend.

»Sieben Nächte kann das Buch der nächsten Generation werden.« Florian Illies.

»Was für ein leidenschaftliches, angstfreies, traditionstrunkenes, zukunftsgieriges Kampfbuch gegen die Abgeklärtheit. Gegen die Müdigkeit der In-Spuren-Geher. Ein Pamphlet für die Offenheit der Herzen.« Volker Weidermann

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746634944
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:144 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:05.10.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 03.11.2017 bei Finch&Zebra erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Bris avatar
    Brivor 8 Monaten
    „Auf der Rolltreppe (und nur da) stehe ich immer rechts“

    "'Cause with my mid-youth crisis all said and done
    I need to be youthfully felt 'cause, God, I never felt young"¹


    Es soll so etwas wie ein faustischer Pakt sein: Ein junger Mann, knapp vor der magischen 30 - wer sagt eigentlich, dass diese Altersgrenze magisch ist? - bekommt ein Angebot. Sieben Nächte soll er durchleben, wie er sie noch nie erlebt hat. Wann es damit losgeht, ist ungewiss. Er bekommt Nachricht, muss an einem bestimmten Ort erscheinen und sich dann auf eine der sieben Todsünden einlassen. Danach hat er die Nacht über Zeit, das Erlebte und seine Gedanken dazu niederzuschreiben - bis morgens um 7 Uhr. Jeweils sieben Seiten. Faust ging den Pakt mit dem Teufel ein, weil er das ergründen wollte, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält, dem Leben also auf den Grund gehen. Per Intellekt und Studiererei hat er das bereits getan, was fehlt ihm also noch? Das Gefühl lebendig zu sein.

    Simon Strauß möchte in seinem Text Sieben Nächte wohl Ähnliches. Und er selbst ist es, dem der Verlag, wie er in einem Interview erklärt, genau das Setting vorschlug, das hier eingangs beschrieben wird. Er selbst könnte der junge Mann sein, von dem er erzählt, der in den Mittelpunkt seines Textes gestellt wird. Strauß ist im Brotberuf Journalist, promovierter Historiker alter Geschichte, mit knapp 30 Jahren. Hat also alles erreicht, von dem andere noch lange träumen. Intellektuell gesehen zumindest.

    Er selbst hat Angst. Angst davor, dass dies schon alles gewesen sei, Angst, in zu frühe feste Bahnen geraten zu sein. Und er beklagt sich darüber, dass die Generation seiner Eltern - in die ich persönlich auch noch knappest fallen könnte - so aktiv und lebendig war. Ihm wäre zu viel aus dem Weg geräumt worden. Hmm, das ist natürlich aus meiner Sicht betrachtet, Jammern auf allerhöchstem Niveau. Doch für Leidenschaftslosigkeit, die ja in einer Person selbst steckt, die nicht von außen angefacht werden kann, ist das keine Begründung. Die Komfortzone verlassen, das muss nun schon jeder selbst, andere dafür verantwortlich zu machen, als Jugendlicher nicht revoltiert zu haben, sich zu früh im vermeintlich Erfolg eingerichtet zu haben, ist recht einfach und ein gewisses Opferverhalten mir meist suspekt und auf die Nerven gehend.

    Sieben Nächte wurde vom Feuilleton gerühmt als das Buch, das zum Kult für eine ganze Generation werden, das der zeitgenössischen deutschen Literatur frischen Schwung geben könnte. Dennoch hat mich seine Lektüre nicht gereizt. Das mag snobistisch sein, entspringt es doch im Grunde dem Wunsch, einem gewissen Hype nicht zu verfallen oder sich gar von der Masse abzuheben. Ähnlich meinem Verhalten als Teenager, als ich anfing, mich für die Existentialisten, Jazz und den Feminismus zu interessieren. Jazz und Feminismus sind geblieben, die Existentialisten stehen zwar noch in meinem Regal, doch so ganz überzeugen sie mich heute nicht mehr. Bestätigung für meine Verweigerung, mir ein eigenes Urteil über Simon Strauß angeblichen "Generationenroman" - ein Begriff der im Feuilleton tatsächlich so verwendet wurde, obwohl wir genau wissen, dass dieser Begriff nicht das bezeichnet, was hier gemeint war - fand ich in meiner eigenen Filterblase. Recht viele der Blogs, die ich gerne und mit Genuss verfolge, konnten dem Text - nirgends auf dem Buch steht, dass Simon Strauß einen Roman geschrieben hat - nicht viel abgewinnen. Überzeugt hat mich vor allem dieser Beitrag von Katharina Herrmann auf 54books. Wahre Textarbeit hat sie da geleistet und mir eindeutig bestätigt, dass ich dieses schmale Bändchen nicht lesen muss. Doch mit der Zeit drehte sich der Wind und plötzlich wurde in den verschiedenen Medien eine rechtsgerichtete Gesinnung Strauß diskutiert, gar sollte sein Text diese Gesinnung innerhalb der Literatur, vor allem der jungen Literatur, manifestieren, vorbereiten. Alles was ich zu diesem schmalen Bändchen dazu bisher gelesen hatte, ließ nichts davon erkennen, dass dies das Begehr hinter dem Text sein konnte.

    Das Feuilleton, das Sieben Nächte nicht lange zuvor so hochgelobt hatte, seine (durch seinen Text wohl deutlich gemachte) Forderung nach einer Neo-Romantik so bejubelt hatte, wollte nun doch auch zumindest eine rechtslastige Tendenz darin entdeckt haben. Da frage ich mich doch ehrlich, wie kann es spontan zu solch einer veränderten Lesart kommen? Offensichtlich wurde hier werkübergreifend vorgegangen, was in diesem Fall hieß, man zog die journalistischen Arbeiten des Simon Strauß, die in ihrer recht provokativen und für mich eher uneindeutigen Art diskutierbar sind, heran, um sein Buch und seine Person öffentlich zu zerlegen. Bezögen sich diese journalistischen Arbeiten inhaltlich auf das Buch, wären hier Verbindungen ganz bewusst gezogen worden, so könnte ich diese Vorgehensweise nachvollziehen. Doch nichts davon ist der Fall. Ein ganz besonders hanebüchener Versuch, Strauß und sein Buch ins politisch rechte Lager zu stecken, findet sicher in diesem Artikel, der wiederum mit anderen Artikeln zur Folge hatte, dass eine junge Gruppe von Literaten - die Rich Kids of Literature (wieso muss eine offensichtlich deutschsprachig orientierte literarische Gruppe / Lesungsreihe sich eigentlich einen englischen Namen geben?) oder auch RKOL - sich vehement verwehrte, dass Strauß (angeblich) auf das im Korbinian Verlag erschienen ultraromantische Manifest von Leonhard Hieronymi Bezug nahm. Für die von mir dargestellte Chronologie der Ereignisse kann ich tatsächlich keine Gewähr geben. Dargestellt ist hier die Entwicklung, wie ich sie nach und nach aufschnappte.

    Langsam aber sicher wurde mir jedoch klar, jetzt muss ich mir doch eine eigene Meinung bilden. Besiegelt war dieser Vorsatz dann, als auch noch Katharina Herrmann einen Text über die Causa Strauß verfasste, der mir gehörigen Respekt abverlangt und die Debatte sehr viel besser und weiter zusammenfasst, als ich es je könnte. Ein wenig verwirrt war ich dennoch, da ich mir nicht vorstellen konnte, dass ihre Besprechung des Buches so falsch gewesen sein sollte. Nun aber schrieb sie darüber, das Konzept des Buches nicht verstanden und deshalb eine zu harsche Kritik abgegeben zu haben - distanzierte sich also nicht gänzlich inhaltlich, sondern formal. Und hier stellt sich mir dann die Frage: Kann ein Konzept denn ein gutes sein, wenn es sich so versierten Lesern wie Katharina Herrmann nicht von selbst offenbart oder sollte man es dann nicht gleich dem Text vorangestellt erklären?

    Nach der Lektüre, die wahrlich nicht lange gebraucht hat, kann ich sagen: Es lohnte nicht, das Buch zu lesen. Nicht für mich, zumindest nicht im Sinne von: Hier habe ich Neues entdeckt, hier hat mich etwas überrascht. Das Konzept selbst wirkt nicht, weil es nicht aus sich selbst entstand, sondern ein konstruiertes ist. Ja klar, jedes Konzept ist konstruiert, aber dieses hier ist auf allen Ebenen zu artifiziell, zu gewollt, als dass es das auslösen könnte, was es zum Ziel hat: wahres Erleben. Was das Feuilleton in seinen Lobeshymnen als Forderung nach einem neuen Gefühl, einer neuen Leidenschaft, einem Abwenden vom allgegenwärtigen Zynismus und der damit verbundenen glatten Oberfläche erkannt haben will, erschließt sich mir nicht. Der Rahmen der sieben Todsünden wird nicht gefüllt, er ist einfach nur ein Rahmen, der im Raum steht. Es findet sich keine Verbindung von Konzept und Ausführung, jedenfalls keine literarisch, künstlerische. Als Essay gekennzeichnet ließe sich das Ganze noch einigermaßen verstehen, doch ein literarisches Konzept, gar ein zukunftsweisendes, wird daraus nicht werden können. Zu wenig stringent ist das Verzeichnete, zu wenig literarische Kraft hat es für mich. Journalistisch würde ich es nennen und über eigene Befindlichkeiten nicht genug hinausgehend.

    Dennoch, rechtem Gedankengut den Weg in die Literatur ebnen durch dieses Buch? Nein, das ist mir zu abwegig. Dass die ganze Debatte sich auf die offensichtlich gewollte Fokussierung auf eine literarische Ultra-Romantik und damit auf den Mißbrauch und die Umdeutung der Romantik durch die Nationalsozialisten, ist mir etwas zu seicht. Tatsächlich kommt mir Sieben Nächte eher blut- und inhaltsleer daher, komplett an der glatten Oberfläche bleibend. Ob das ironisch und / oder gewollt ist, ist mir in diesem Fall gleichgültig. Was seine journalistischen Texte angeht und die darin enthaltene „neue emanzipatorische Ästhetik“ muss man seine Absichten sicherlich kritisch hinterfragen.

    Der langen Rede kurzer Sinn: Um zum Abschluss das Ganze noch ein wenig in meine Art, die Dinge zu verknüpfen, zu führen, die weder wissenschaftlich noch sonst irgendwie untermauert werden kann, ein kurzer Einblick in das, was ich pure Leidenschaft nenne und was mich tatsächlich daran glauben lässt, dass Menschen, die rein rechnerisch knapp meine Kinder sein könnten doch noch Möglichkeiten haben, das zu vermitteln, was Simon Strauß Gerneration angeblich nicht mehr erleben kann, weil deren Eltern das alles bereits vorexerziert und damit unmöglich gemacht hätte - allerdings muss man dazu noch singen können.



    ¹Hozier - Jackie and Wilson




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    Literaturcocktails avatar
    Literaturcocktailvor 8 Monaten
    Buchbesprechung

    Ein junger Mann, der Angst hat erwachsen zu werden und sich vor seinem 30 Geburtstag fürchtet. Er soll 7x um sieben Uhr eine Todsünde machen, die ihm vor zu viel Reife schützen soll.

    Die Probleme und Zweifel habe ich nicht verstanden, der Charakter ohne Namen, wird als ehrgeiziger junger Mann beschrieben, der viel erlebt und sich somit ausgelebt hat und ein Macher ist, der große Ziele im Leben erreichen möchte.

    Ich hatte nicht den Eindruck, dass der Mann kurz vor dem Burn-out steht, wodurch ich seine Zweifel verstehen hätte können.

    Der Schreibstil ist distanziert und hinterlässt beim Lesen eine unangenehme Schwere.

    Leider habe ich das Buch während Kapitel 3 abgebrochen, weil ich keinen Zugang zum Protagonisten und der Geschichte bekommen habe.


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    Nimmer_Satts avatar
    Nimmer_Sattvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Die sieben Todsünden zu wählen, um sich gegen die Gesellschaft aufzulehnen, war für mich eine Fehlentscheidung. Unterhaltsam war es dennoch.
    Die Sieben Todsünden werden überbewertet

    Ab Minute 9 erzähle ich über Simon Strauss' SIEBEN NÄCHTE:

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    yellowdogs avatar
    yellowdogvor einem Jahr
    Weder Hymne noch Verriss

    Der Debütroman des Sohnes des bekannten, aber auch umstrittenen Schriftstellers Botho Strauss, behandelt ein Thema, das in letzter Zeit relativ selten in der deutschen, zeitgenössischen Literatur vorkommt. Der Identitätsfindung der Menschen der heutigen Generation!
    Dabei ist gerade das ein wichtiges Thema.
    Um sich auszuloten beginnt der Icherzähler ein ungewöhnliches Projekt um die 7 Todsünden.
    Superbia - Hochmut; Gula - Völlerei; Acedia - Trägheit; Avaritia - Geiz; Invidia - Neid; Luxuria - Wollust, Genussucht; Ira - Zorn  
    In sieben Nächten begegnet er jeweils einer Todsünde. Das wirkt leicht altmodisch.

    Simon Strauss versucht sprachlich einiges, muss sich da aber an einen hohen Maßstab messen. Das ging schon anderen Autoren so, die berühmte Väter haben. Doch auch Simon Strauss Prosa ist trotz Rätselhaftigkeit an einigen Stellen wirklich interessant!

    Das Problem am Roman ist dann doch, dass Simon Strauss’ Ich-Figur zu wenig wagt und keine der durchexerzierten Todsünden wirklich genießen kann. Meiner Auffassung nach gibt er nur vor, sich die Sinnfragen des Lebens zu stellen, bewegt sich aber doch immer in den sicheren Gefilden. Nicht umsonst werden immer wieder kulturelle Topics (James Dean in Giganten, Bunuel, Visconti …) und bekannte Autoren erwähnt (Karl Kraus, Beckett, Rilke etc). Das überintellektuelle Gebahren kann auch nerven und wirkt banal!  

    Der Ausbruch gelingt nicht. Wenigstens im Roman könnte man doch mehr riskieren.
    Dennoch halte ich das Buch für lesenswert und nicht komplett misslungen. Der Autor streift auch wesentliches, leider zu thesenhaft! Ein zweites Lesen ist denkbar!

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    M
    melsunvor einem Jahr
    Gelungene Geschichte

    Diese Geschichte, erzählt von einem jungen Mann in der Ich-Form, berührt. Er hat Angst davor, dass sein Leben in einer vorbestimmten Spur verläuft, dass er sich dabei selbst als Individuum verliert. Das das Leben mit 30 mehr oder weniger vorbei ist. Er denkt unheimlich viel nach. Da kommt ihm der Rat eines Freundes gerade recht, er soll sich an sieben Tagen den sieben Todsünden hingeben: Hochmut, Völlerei, Faulheit, Habgier, Neid, Wollust und Jähzorn. Der Erzähler hält sich daran. Jede Todsünde ist ein Kapitel, in dem die Gedanken und Handlungen des jungen Mannes niedergeschrieben werden. Mit Sätzen, die berühren, in denen so viel mehr Bedeutung steckt. Hier drei Beispiele von Sätzen, die mir sehr gut gefallen haben: - Am Ende wird die Zeit doch der Sieger sein. Denn sie läuft immer weiter. - Wer zu oft den Fahrstuhl nimmt, findet nicht mehr den Weg zur Hintertreppe. - Die Verantwortung, die du tragen wirst, wird dich nicht erlösen, erst Recht nicht von der Sehnsucht danach, zurückzukehren in die grasgrüne Vorzeit, die immer jünger wird, während du verjährst. In dieser Geschichte findet sich die Wahrheit, versteckte Ängste, die viele Menschen plagen. Der Schreibstil nimmt einen mit auf die Reise eines jungen Mannes, der seinen Weg sucht. Von mir eine klare Leseempfehlung.

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    Milagros avatar
    Milagrovor einem Jahr
    Kurzmeinung: Polarisierend, schon deshalb lesenswert
    Ersatzlösungen

    Ich war wie viele hin- und hergerissen, nachdem die ersten Rezensionen auftauchten. Bücher, die sich mir immer wieder aufdrängen und bei denen ich denke, dass die Geschichte etwas für mich sein könnte, werde ich weiterhin lesen. Denn dieses hier ist gut.
    Gut gelungen, weil es zunächst einmal sprachlich überzeugt. Es ist einfach ein Genuss, sich die einzelnen Sätze vorzunehmen. Auch der Plot hat mich berührt, der junge Zweifler, der versucht, aus der Gemächlichkeit seines behüteten Lebens auszubrechen. Wenigstens einmal etwas auszuprobieren. Sich einer Angst zu stellen. Das fand ich allein schon bemerkenswert. Vielleicht geht es nicht um die Todsünden, wie es uns der erste Abschnitt vermuten lassen will, vielleicht geht es allein um die Angst, den Aufbruch, die Gedankenwelt des Protagonisten. Denn der ist in seinem Wunsch nach Unbekanntem gefangen, er arbeitet also die Liste ab,  nur vordergründig geht es um diese Sünden. Was ich aber viel wichtiger fand, war sein tägliches Aufbrechen, sein Willen, tatsächlich auch etwas zu tun, aktiv zu werden. Sein Gedankenfluss dazu, die innerliche Auseinandersetzung, das waren die wesentlichen Punkte für mich.
    Wenn man sich davon einfangen lassen kann, sich der Gedanken h ingeben kann, ist es eine sehr lesenswerte Geschichte. 

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    TeleTabi1s avatar
    TeleTabi1vor einem Jahr
    Auf der Flucht vor dem Erwachsenwerden

    Simon Strauss´ Roman „Sieben Nächte“ handelt von der Angst eines jungen Mannes vor dem Erwachsenwerden, an dessen Schwelle er sich befindet und sich plötzlich vor Gewohnheit, Tristesse und Entscheidungen fürchtet. Um dem entgegenzuwirken, lässt er sich auf das ungewöhnliche Experiment eines Bekannten ein: In sieben Nächten wird er jeweils um sieben Uhr eine der sieben Todsünden begehen und anschließend darüber berichten.

    Ein Streifzug durch das Leben, eine persönliche Reifeprüfung oder ein spannendes Abenteuer – wie auch immer dieses Experiment zu bezeichnen ist: „Sieben Nächte“ gleicht dem Versuch, die unbeschwerte Jugend und das pralle Leben nochmals in seiner vollen Intensität zu spüren, um dem gefürchteten Stillstand zu entkommen.
    Die Idee hinter dem Buch finde ich sehr gelungen, weshalb ich auch von Anfang an neugierig auf diese Lektüre war und es kaum erwarten konnte, mit dem Lesen zu beginnen. Auch gefällt mir die offene und ehrliche Art sowie der gesellschaftskritische und teilweise selbstironische Ton des Autors. Ein weiterer Pluspunkt, den ich an dieser Stelle erwähnen möchte, ist das höchst gelungene Cover, das sowohl durch seine Optik als auch durch die Haptik aus der Masse von Büchern heraussticht.
    Leider bin ich jedoch von dem Gesamtergebnis des Buches ziemlich enttäuscht, da ich mit der Umsetzung der Geschichte hadere. Diese entspricht aufgrund des recht gestelzten Schreibstils und der teils langatmigen Ausführungen und Überlegungen so gar nicht meiner Vorstellung von einer kurzweiligen und unterhaltsamen Lektüre. Außerdem vermisse ich eine richtige Handlung und fesselnde Spannung. Da dies natürlich nur mein persönlicher Eindruck ist – der vielleicht auch aus einer falschen Erwartungshaltung resultiert –, empfehle ich jedem Interessierten, doch einfach mal selbst einen Blick hinter die zugegebenermaßen wirklich wunderschönen Buchdeckel zu werfen, um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Vielleicht ist mir „Sieben Nächte“ ja auch einfach nur zu „schwere Kost“, mit der ich mich in meiner Freizeit ehrlich gesagt nur ungern belaste. ;-) 

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    Nespavanjes avatar
    Nespavanjevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein ausgezeichneter Debütroman - über die 7 Todsünden - lieber Simon Strauss: "Bitte mehr davon!"
    Generation Y

    Sieben Nächte hat tatsächlich wenig Geschichte und Erzählung für das was es eigentlich nicht ist. Es ist kein Coming of Age Roman - wobei der Protagonist und damit wahrscheinlich auch der Autor selber damit hadert. Er hängt irgendwo zwischen Jugendlichkeit und Erwachsensein fest und kann das eine noch nicht abschließen und das andere noch nicht anfangen. Es ist keine Gesellschaftskritik an sich und dennoch eine Abrechnung mit (s)einem zu "gradlinigem" Leben. "Sudern auf höchstem Niveau" würde ich es jetzt benennen wollen - wobei mir meine eigenen Worte ein wenig zu harsch und profan klingen - allerdings fängt es die Ganzheit dieses Romans ziemlich gut ein. Wie oben schon erwähnt und eigentlich ist es mir zuwider mich zu wiederholen, fängt Strauß mit seiner Erzählung ein weiteres Detail unserer Zeit ein: Alle sprechen, aber die wenigsten haben etwas zu sagen. Persifliert hier der Autor auch die Literatur? Die Kapitel tragen alle hochtrabende Titel wie Ira, Superbia und Luxuria. Der geneigte Leser muss nicht dem Latein mächtig sein um zu wissen, dass es bei jenen Kapitel um die Todsünden geht. Sieben Nächte ist bestimmt ein anspruchsvolles Stück Literatur, eines von jenen, die lange nach dem Lesen noch in den Gedanken herumgeistern. "(...)schnell zu lesen, schwer zu vergessen" sagt Florian Illies in der Zeit und dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

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    ralluss avatar
    rallusvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein fortgehendes Jammern über die Ungerechtigkeit des Reichtums. Vom Feuilleton zu Unrecht gehypt.
    Die achte Todsünde

    Sieben! Was für eine Mystik verbirgt sich hinter dieser Zahl. Die sieben Weltwunder. In sieben Tagen wurde die Welt erschaffen (jedenfalls nach der Bibel). Sieben Tage hat die Woche. Es gibt die sieben Zwerge. Mancherorts gilt sie als Glückszahl, wobei in vielen Ländern Asiens ist sie eine Unglückszahl. Und natürlich die sieben Todsünden.

    Da gibt es einen, der ist auf der Schwelle zum Hamsterrad. Auf der Schwelle zur dreißig, die Zukunft birgt Kinder, Festanstellung und Langeweile. Das Cover zeigt den, der da schreibt. Jung, wild und voller Hoffnung will er sein. Ein junger Wilder, einer der im Club 27 ankommen will. Einer, der was erleben will, den es in die Welt drängt, der Rimbaud sein will, der nicht bis zur Rente warten will.  Einer der Angst hat und schreibt, wie es in den ersten Sätzen heißt. Und der eine Reifeprüfung bekommt, alle sieben Todsünden zu durchleben und in sieben Nächten dem Unbekannten einen Text abzuliefern, um die Prüfung zu bestehen.

    Aha! Also wir haben hier hohe Literatur, oder solche die es werden will.

    „Ich bin schon als Schwächling auf die Welt gekommen und meine Privilegien haben mich nur noch weiter geschwächt. Was Gefahr heißt, habe ich nie gespürt. Nie geahnt, dass Wege auch nach unten, ins Abseits führen können. Ich bin gefangen in einer Blase aus Glück. Gekämpft habe ich für wenig. Tischtennisplatten in der Schulpause gab es immer genug. Und als ich achtzehn war, wurde der Wehrdienst abgeschafft.“

    Da schreibt einer, der alle Privilegien gehabt hat und jammert, dass er keine schweren Aufgaben in seinem Leben bekam. Alle Schwierigkeiten wurden ihm aus dem Weg geräumt. Er musste nichts für sein Dasein tun. Was für ein Leben! Jammern auf allerhöchstem Niveau. Auch Simon Strauss, der junge 1988 geborene Autor hat in seinem Leben nie richtig kämpfen müssen. Insofern ist der Protagonist in seinem Erstlingswerk er selbst. Doch so ohne Kampf und Mühsal geht das Gefühl verloren.

    „Deshalb diese Nacht. Deshalb dieses Schreiben. Der einzige Kampf, der jetzt noch lohnt, ist der ums Gefühl. Die einzige Sehnsucht, die trägt, ist die nach dem schlagenden Herzen. Zu viel Gelände ist verloren gegangen an den Zynismus, der seine kalten Finger um alles legt.“

    Wo will er denn hin unser Autor/Protagonist? Leben als armer Poet, wie in Spitzwegs Gemälde dargestellt? Voller Hunger und bar jeglicher Kleidung, durch das Dach tropft das Wasser? Ist denn so ein Leben, dem des Satten, Verweilenden vorzuziehen? Fließen die Gedichte, Lyrik, Essays, Romane dann besser? Aber ach, auch das Laster ist ein Problem und die Angst normal zu werden.

    „Noch-nicht-dreißig ist das Kriterium und: ein Fragender zu sein, kein Besserwisser.“

    Mit dreißig ist alles vorbei? Der Sturm, der Drang, die Jugend, das ganze Leben? Danach ist nur noch Tristesse? Mitnichten, nicht alle Großtaten wurden von unter Dreißigjährigen erreicht, doch ist die Jugend sicherlich in ihrer Ungestümheit noch von vielen Grenzen befreit. Simon Strauss handelt die Todsünden hechelnd in seinem Essay ab, versucht Bezüge zum heutigen Leben herzustellen, doch außer dem Hochmut (der vor dem Fall kommt) gelingen ihm nur ‚Todsündchen‘, ein schwacher Abklatsch der Sünden, die doch laut der Kirche zu ewiger Verdammnis führen. Ist denn der heutige Mensch noch nicht einmal zu Todsünden fähig? Doch! Man denke nur an den Film Sieben, der mir spontan zu dem Thema einfällt und der in eindringlicher und unvergessener Weise, Bilder in meine Netzhaut eingebrannt hat. Kevin Spacey in seiner besten und bösesten Rolle. Unerreicht. Dagegen ist dieses Büchlein nur ein Dahin-jammern. Manches Mal gelingen Simon Strauss nette Vergleiche, schöne Sätze, elegante Absätze.

    „Lange Ziit sagen die Schweizer und meinen damit sowohl Langweile als auch Sehnsucht. Ich habe lange Ziit nach dir, heißt so viel wie: Ich sehne mich nach dir. Nur wer sich langweilt, kann sich auch sehnen. Ein Leben, das nie aufschiebt, wird immer nur hecheln, nie frei atmen.“

    Die Kritiker sind begeistert, ich denke mal wieder, dass ich mich wohl nie in deren Elfenbeintürmen niederlassen werde. Eines hat mir dieses Buch doch gezeigt, Simon Strauss hat eine achte, neue Todsünde, hervorgeholt: Die Jammerei

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    dicketillas avatar
    dicketillavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Klagegesang an der Schwelle zum 30.
    Ein Klagegesang

    Beim Blick auf das Cover, zeigt sich mir ein Gesicht, eher durch mich durchschauend, eher herausfordernd, mit einer Mischung aus leichter Aroganz, durch die hochgezogene Braue angedeutet.
    Und schon hat er mich, will mich ihm entgegen stellen, ihm in seinen sieben Nächten folgen.
    " Auf viele Züge aufgesprungen, kurz mitgefahren, dann wieder die Richtung gewechselt." (S.11)
    Ein Sympathieträger, wie er sich sieht, Widerworte werden für später aufgehoben, Karriere ist angesagt. Sein Weg bisher kaum steinig, von Glück und Privilegien gesäumt.
    Die Vita des Ich-Erzählers liest sich hier, fast wie die des Autors. Irgendwie angekommen, den Sprung geschafft.
    Doch dann kommen kurz vor seinem 30. die Zweifel in sein Hirn.
    " Ich will wieder den Wunsch nach Wirklichkeit spüren, nicht nur den nach Verwirklichung." (S.17)
    Kommt jetzt das Ende des Wegs, Familie, Eigenheim, Kindergarten.
    Für ihn wie eine Kapitulation, wenn man seiner fast schon an Verzweiflung grenzender Zukunftsvision folgt.
    So träumt er von einem Ort, an dem sich Einzelgänger finden, die noch an Geheimnisse glauben, einen Ausweg aufzeigen. Die Revolution der Väter, der Aufbruch, wo ist er zu finden.
    Er begegnet einem Fremden, der die 30 längst hinter sich gebracht, mit dem er einen Pakt eingeht. Sieben Nächte, sieben Todsünden soll er durchleben, deren Ereignisse aufgeschrieben bis sieben Uhr, sieben Seiten.
    "Werde gierig, hochmütig und faul sein, neiden und wüten, Völlerei und Wollust treiben. Sieben Nachtschichten einlegen, um den Moment des Übergangs hinauszuzögern, um der drohenden Zukunft noch einmal zu entkommen." (S.21)

    Und dann folgen die Sieben Todsünden, jede auf sieben Buchseiten erzählt, als wären sie dem Feuilleton des Autors entsprungen. Der Gedanke der sieben Todsünden begeisterte mich anfangs, doch dann schweift der Autor innerhalb seiner Erzählung immer wieder ab, als möchte er uns seine Gedanken entgegenschleudern, ehe sie ihm verloren gehen. Sünden denen wir begegnen, kaum als diese angesehen werden.
    Pessimistisch, aufrüttelnd, aber dann doch nicht bereit, durchlebt er diese Nächte, nicht um ein Spiegelbild der Gesellschaft, des ewigen Angepassten, Vorbetern aufzuzeigen, selbst keine Lösung bereit hält, jedoch Nachdenklichkeit dem Leser gegenüber erzeugt.
    Dennoch waren diese Nächte für mich ohne Leidenschaft, eher ein Klagegesang, obwohl sie viel mehr Potentiel ermöglicht hätten.
    Pluspunkt des Buches ist die außergewöhnliche Sprache des Autors, gekonnt formuliert. Diese hielt mich am Buch fest.
    Ansonsten kann ich den Hype um dieses Buch nicht nachvollziehen.


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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    aufbauverlags avatar

    Schließt die Augen und zerbrecht das Glas 


    Es ist Nacht, ein junger Mann sitzt am Tisch und schreibt. Er hat Angst. Davor, sich entscheiden zu müssen. Für eine Frau, einen Freundeskreis, einen Urlaubsort im Jahr. Er hat Angst, dass ihm das Gefühl abhandenkommt. Dass er erwachsen wird. Doch ein Bekannter hat ihm ein Angebot gemacht: Sieben Mal um sieben Uhr soll er einer der sieben Todsünden begegnen. Er muss gierig, hochmütig und wollüstig sein, sich von einem Hochhaus stürzen, den Glauben und jedes Maß verlieren. Sieben Nächte ist ein Streifzug durch die Stadt, eine Reifeprüfung, die vor zu viel Reife schützen soll, ein letztes Aufbäumen im Windschatten der Jugend. 
    Simon Strauß erzählt von einem jungen Mann an der Schwelle, der alles aufbringt, um sich Gewohnheit und Tristesse zu verwehren. Er muss gierig, hochmütig und faul sein, neiden und wüten, Völlerei und Wollust treiben. Sich dem Leben preisgeben, um sich die Empfindung zu erhalten. Im Schutze der Nacht entwickelt er aus der Erfahrung der sieben Todsünden die Konturen einer besseren Welt, eines intensiveren Lebens. 

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    Über Simon Strauß


    Simon Strauß, geboren 1988 in Berlin, studierte Altertumswissenschaften und Geschichte in Basel, Poitiers und Cambridge. Hospitanzen und eine Gastdramaturgie am Theater. Mitorganisator des Jungen Salons in Berlin. 2017 promovierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer althistorischen Arbeit über »Konzeptionen römischer Gesellschaft bei Theodor Mommsen und Matthias Gelzer«. Er lebt in Frankfurt, ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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