Simon Strauß Sieben Nächte

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Inhaltsangabe zu „Sieben Nächte“ von Simon Strauß

Schließt die Augen und zerbrecht das Glas

Es ist Nacht, ein junger Mann sitzt am Tisch und schreibt. Er hat Angst. Davor, sich entscheiden zu müssen. Für eine Frau, einen Freundeskreis, einen Urlaubsort im Jahr. Er hat Angst, dass ihm das Gefühl abhandenkommt. Dass er erwachsen wird. Doch ein Bekannter hat ihm ein Angebot gemacht: Sieben Mal um sieben Uhr soll er einer der sieben Todsünden begegnen. Er muss gierig, hochmütig und wollüstig sein, sich von einem Hochhaus stürzen, den Glauben und jedes Maß verlieren. Sieben Nächte ist ein Streifzug durch die Stadt, eine Reifeprüfung, die vor zu viel Reife schützen soll, ein letztes Aufbäumen im Windschatten der Jugend.
Simon Strauß erzählt von einem jungen Mann an der Schwelle, der alles aufbringt, um sich Gewohnheit und Tristesse zu verwehren. Er muss gierig, hochmütig und faul sein, neiden und wüten, Völlerei und Wollust treiben. Sich dem Leben preisgeben, um sich die Empfindung zu erhalten. Im Schutze der Nacht entwickelt er aus der Erfahrung der sieben Todsünden die Konturen einer besseren Welt, eines intensiveren Lebens.

»Simon Strauß erzählt von einem, der auszog, um die ewige Jugend zu suchen – und schreibt ein Buch, das so klug und berührend ist, dass man ihm auf der Stelle folgen will.« Theresia Enzensberger

»Was für ein leidenschaftliches, angstfreies, traditionstrunkenes, zukunftsgieriges Kampfbuch gegen die Abgeklärtheit. Gegen die Müdigkeit der In-Spuren-Geher. Der Lebenswiederholer. Ein Pamphlet für die Offenheit der Herzen!« Volker Weidermann

Dieses Buch spricht einer ganzen Generation aus der Seele.

— Reisenomadin

Polarisierend, schon deshalb lesenswert

— Milagro

ich habe mir von dem Buch viel mehr versprochen...

— synnoeve_norge

Ein fortgehendes Jammern über die Ungerechtigkeit des Reichtums. Vom Feuilleton zu Unrecht gehypt.

— rallus

Rasant, ehrlich und nah am Leben.

— PaulaAbigail

Ein Klagegesang an der Schwelle zum 30.

— dicketilla

Gute Ansätze und schöne Sprache.

— Lovely90

Wer sich nicht bewegt spürt seine Fesseln nicht.

— SalihJamal

War gar nicht meins. Zu viele Monologe, wenig Taten, ich musste mich beim lesen zu sehr konzentrieren, als das Lesefreude entstand. Schade!

— Readrat

Eine essayistische Auseinandersetzung mit dem Lebensgefühl der Endzwanziger der heutigen Zeit. Treffend, schmerzlich, sprachlich beflügelnd.

— leolas

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  • Rezensionen
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  • Gelungene Geschichte

    Sieben Nächte

    melsun

    19. November 2017 um 18:05

    Diese Geschichte, erzählt von einem jungen Mann in der Ich-Form, berührt. Er hat Angst davor, dass sein Leben in einer vorbestimmten Spur verläuft, dass er sich dabei selbst als Individuum verliert. Das das Leben mit 30 mehr oder weniger vorbei ist. Er denkt unheimlich viel nach. Da kommt ihm der Rat eines Freundes gerade recht, er soll sich an sieben Tagen den sieben Todsünden hingeben: Hochmut, Völlerei, Faulheit, Habgier, Neid, Wollust und Jähzorn. Der Erzähler hält sich daran. Jede Todsünde ist ein Kapitel, in dem die Gedanken und Handlungen des jungen Mannes niedergeschrieben werden. Mit Sätzen, die berühren, in denen so viel mehr Bedeutung steckt. Hier drei Beispiele von Sätzen, die mir sehr gut gefallen haben: - Am Ende wird die Zeit doch der Sieger sein. Denn sie läuft immer weiter. - Wer zu oft den Fahrstuhl nimmt, findet nicht mehr den Weg zur Hintertreppe. - Die Verantwortung, die du tragen wirst, wird dich nicht erlösen, erst Recht nicht von der Sehnsucht danach, zurückzukehren in die grasgrüne Vorzeit, die immer jünger wird, während du verjährst. In dieser Geschichte findet sich die Wahrheit, versteckte Ängste, die viele Menschen plagen. Der Schreibstil nimmt einen mit auf die Reise eines jungen Mannes, der seinen Weg sucht. Von mir eine klare Leseempfehlung.

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  • Ersatzlösungen

    Sieben Nächte

    Milagro

    13. November 2017 um 09:07

    Ich war wie viele hin- und hergerissen, nachdem die ersten Rezensionen auftauchten. Bücher, die sich mir immer wieder aufdrängen und bei denen ich denke, dass die Geschichte etwas für mich sein könnte, werde ich weiterhin lesen. Denn dieses hier ist gut.Gut gelungen, weil es zunächst einmal sprachlich überzeugt. Es ist einfach ein Genuss, sich die einzelnen Sätze vorzunehmen. Auch der Plot hat mich berührt, der junge Zweifler, der versucht, aus der Gemächlichkeit seines behüteten Lebens auszubrechen. Wenigstens einmal etwas auszuprobieren. Sich einer Angst zu stellen. Das fand ich allein schon bemerkenswert. Vielleicht geht es nicht um die Todsünden, wie es uns der erste Abschnitt vermuten lassen will, vielleicht geht es allein um die Angst, den Aufbruch, die Gedankenwelt des Protagonisten. Denn der ist in seinem Wunsch nach Unbekanntem gefangen, er arbeitet also die Liste ab,  nur vordergründig geht es um diese Sünden. Was ich aber viel wichtiger fand, war sein tägliches Aufbrechen, sein Willen, tatsächlich auch etwas zu tun, aktiv zu werden. Sein Gedankenfluss dazu, die innerliche Auseinandersetzung, das waren die wesentlichen Punkte für mich.Wenn man sich davon einfangen lassen kann, sich der Gedanken h ingeben kann, ist es eine sehr lesenswerte Geschichte. 

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  • Leserunde zu "Sieben Nächte" von Simon Strauß

    Sieben Nächte

    aufbauverlag

    Schließt die Augen und zerbrecht das Glas Es ist Nacht, ein junger Mann sitzt am Tisch und schreibt. Er hat Angst. Davor, sich entscheiden zu müssen. Für eine Frau, einen Freundeskreis, einen Urlaubsort im Jahr. Er hat Angst, dass ihm das Gefühl abhandenkommt. Dass er erwachsen wird. Doch ein Bekannter hat ihm ein Angebot gemacht: Sieben Mal um sieben Uhr soll er einer der sieben Todsünden begegnen. Er muss gierig, hochmütig und wollüstig sein, sich von einem Hochhaus stürzen, den Glauben und jedes Maß verlieren. Sieben Nächte ist ein Streifzug durch die Stadt, eine Reifeprüfung, die vor zu viel Reife schützen soll, ein letztes Aufbäumen im Windschatten der Jugend. Simon Strauß erzählt von einem jungen Mann an der Schwelle, der alles aufbringt, um sich Gewohnheit und Tristesse zu verwehren. Er muss gierig, hochmütig und faul sein, neiden und wüten, Völlerei und Wollust treiben. Sich dem Leben preisgeben, um sich die Empfindung zu erhalten. Im Schutze der Nacht entwickelt er aus der Erfahrung der sieben Todsünden die Konturen einer besseren Welt, eines intensiveren Lebens. Zur Leseprobe Über Simon Strauß Simon Strauß, geboren 1988 in Berlin, studierte Altertumswissenschaften und Geschichte in Basel, Poitiers und Cambridge. Hospitanzen und eine Gastdramaturgie am Theater. Mitorganisator des Jungen Salons in Berlin. 2017 promovierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer althistorischen Arbeit über »Konzeptionen römischer Gesellschaft bei Theodor Mommsen und Matthias Gelzer«. Er lebt in Frankfurt, ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Jetzt bewerben! Um eines der 25 Freiexemplare zu ergattern, bewerbt euch bitte mit Klick auf den "Bewerben"-Button und beantwortet folgende Frage: Welches Buch habt ihr zuletzt gelesen?Wir freuen uns auf euch und einen regen Austausch!Euer Team vom Aufbau Verlag* Im Gewinnfall verpflichtet ihr euch zur zeitnahen und aktiven Teilnahme am Austausch in allen Leseabschnitten der Leserunde sowie zum Schreiben einer Rezension, nachdem ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet ihr vor eurer Bewerbung für eine Leserunde schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlich haben.

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    • 422
  • Auf der Flucht vor dem Erwachsenwerden

    Sieben Nächte

    TeleTabi1

    10. November 2017 um 17:13

    Simon Strauss´ Roman „Sieben Nächte“ handelt von der Angst eines jungen Mannes vor dem Erwachsenwerden, an dessen Schwelle er sich befindet und sich plötzlich vor Gewohnheit, Tristesse und Entscheidungen fürchtet. Um dem entgegenzuwirken, lässt er sich auf das ungewöhnliche Experiment eines Bekannten ein: In sieben Nächten wird er jeweils um sieben Uhr eine der sieben Todsünden begehen und anschließend darüber berichten. Ein Streifzug durch das Leben, eine persönliche Reifeprüfung oder ein spannendes Abenteuer – wie auch immer dieses Experiment zu bezeichnen ist: „Sieben Nächte“ gleicht dem Versuch, die unbeschwerte Jugend und das pralle Leben nochmals in seiner vollen Intensität zu spüren, um dem gefürchteten Stillstand zu entkommen. Die Idee hinter dem Buch finde ich sehr gelungen, weshalb ich auch von Anfang an neugierig auf diese Lektüre war und es kaum erwarten konnte, mit dem Lesen zu beginnen. Auch gefällt mir die offene und ehrliche Art sowie der gesellschaftskritische und teilweise selbstironische Ton des Autors. Ein weiterer Pluspunkt, den ich an dieser Stelle erwähnen möchte, ist das höchst gelungene Cover, das sowohl durch seine Optik als auch durch die Haptik aus der Masse von Büchern heraussticht.Leider bin ich jedoch von dem Gesamtergebnis des Buches ziemlich enttäuscht, da ich mit der Umsetzung der Geschichte hadere. Diese entspricht aufgrund des recht gestelzten Schreibstils und der teils langatmigen Ausführungen und Überlegungen so gar nicht meiner Vorstellung von einer kurzweiligen und unterhaltsamen Lektüre. Außerdem vermisse ich eine richtige Handlung und fesselnde Spannung. Da dies natürlich nur mein persönlicher Eindruck ist – der vielleicht auch aus einer falschen Erwartungshaltung resultiert –, empfehle ich jedem Interessierten, doch einfach mal selbst einen Blick hinter die zugegebenermaßen wirklich wunderschönen Buchdeckel zu werfen, um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Vielleicht ist mir „Sieben Nächte“ ja auch einfach nur zu „schwere Kost“, mit der ich mich in meiner Freizeit ehrlich gesagt nur ungern belaste. ;-) 

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  • Generation Y

    Sieben Nächte

    Nespavanje

    01. November 2017 um 11:54

    Sieben Nächte hat tatsächlich wenig Geschichte und Erzählung für das was es eigentlich nicht ist. Es ist kein Coming of Age Roman - wobei der Protagonist und damit wahrscheinlich auch der Autor selber damit hadert. Er hängt irgendwo zwischen Jugendlichkeit und Erwachsensein fest und kann das eine noch nicht abschließen und das andere noch nicht anfangen. Es ist keine Gesellschaftskritik an sich und dennoch eine Abrechnung mit (s)einem zu "gradlinigem" Leben. "Sudern auf höchstem Niveau" würde ich es jetzt benennen wollen - wobei mir meine eigenen Worte ein wenig zu harsch und profan klingen - allerdings fängt es die Ganzheit dieses Romans ziemlich gut ein. Wie oben schon erwähnt und eigentlich ist es mir zuwider mich zu wiederholen, fängt Strauß mit seiner Erzählung ein weiteres Detail unserer Zeit ein: Alle sprechen, aber die wenigsten haben etwas zu sagen. Persifliert hier der Autor auch die Literatur? Die Kapitel tragen alle hochtrabende Titel wie Ira, Superbia und Luxuria. Der geneigte Leser muss nicht dem Latein mächtig sein um zu wissen, dass es bei jenen Kapitel um die Todsünden geht. Sieben Nächte ist bestimmt ein anspruchsvolles Stück Literatur, eines von jenen, die lange nach dem Lesen noch in den Gedanken herumgeistern. "(...)schnell zu lesen, schwer zu vergessen" sagt Florian Illies in der Zeit und dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

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    • 4
  • Die achte Todsünde

    Sieben Nächte

    rallus

    30. October 2017 um 14:16

    Sieben! Was für eine Mystik verbirgt sich hinter dieser Zahl. Die sieben Weltwunder. In sieben Tagen wurde die Welt erschaffen (jedenfalls nach der Bibel). Sieben Tage hat die Woche. Es gibt die sieben Zwerge. Mancherorts gilt sie als Glückszahl, wobei in vielen Ländern Asiens ist sie eine Unglückszahl. Und natürlich die sieben Todsünden. Da gibt es einen, der ist auf der Schwelle zum Hamsterrad. Auf der Schwelle zur dreißig, die Zukunft birgt Kinder, Festanstellung und Langeweile. Das Cover zeigt den, der da schreibt. Jung, wild und voller Hoffnung will er sein. Ein junger Wilder, einer der im Club 27 ankommen will. Einer, der was erleben will, den es in die Welt drängt, der Rimbaud sein will, der nicht bis zur Rente warten will.  Einer der Angst hat und schreibt, wie es in den ersten Sätzen heißt. Und der eine Reifeprüfung bekommt, alle sieben Todsünden zu durchleben und in sieben Nächten dem Unbekannten einen Text abzuliefern, um die Prüfung zu bestehen. Aha! Also wir haben hier hohe Literatur, oder solche die es werden will. „Ich bin schon als Schwächling auf die Welt gekommen und meine Privilegien haben mich nur noch weiter geschwächt. Was Gefahr heißt, habe ich nie gespürt. Nie geahnt, dass Wege auch nach unten, ins Abseits führen können. Ich bin gefangen in einer Blase aus Glück. Gekämpft habe ich für wenig. Tischtennisplatten in der Schulpause gab es immer genug. Und als ich achtzehn war, wurde der Wehrdienst abgeschafft.“ Da schreibt einer, der alle Privilegien gehabt hat und jammert, dass er keine schweren Aufgaben in seinem Leben bekam. Alle Schwierigkeiten wurden ihm aus dem Weg geräumt. Er musste nichts für sein Dasein tun. Was für ein Leben! Jammern auf allerhöchstem Niveau. Auch Simon Strauss, der junge 1988 geborene Autor hat in seinem Leben nie richtig kämpfen müssen. Insofern ist der Protagonist in seinem Erstlingswerk er selbst. Doch so ohne Kampf und Mühsal geht das Gefühl verloren. „Deshalb diese Nacht. Deshalb dieses Schreiben. Der einzige Kampf, der jetzt noch lohnt, ist der ums Gefühl. Die einzige Sehnsucht, die trägt, ist die nach dem schlagenden Herzen. Zu viel Gelände ist verloren gegangen an den Zynismus, der seine kalten Finger um alles legt.“ Wo will er denn hin unser Autor/Protagonist? Leben als armer Poet, wie in Spitzwegs Gemälde dargestellt? Voller Hunger und bar jeglicher Kleidung, durch das Dach tropft das Wasser? Ist denn so ein Leben, dem des Satten, Verweilenden vorzuziehen? Fließen die Gedichte, Lyrik, Essays, Romane dann besser? Aber ach, auch das Laster ist ein Problem und die Angst normal zu werden. „Noch-nicht-dreißig ist das Kriterium und: ein Fragender zu sein, kein Besserwisser.“ Mit dreißig ist alles vorbei? Der Sturm, der Drang, die Jugend, das ganze Leben? Danach ist nur noch Tristesse? Mitnichten, nicht alle Großtaten wurden von unter Dreißigjährigen erreicht, doch ist die Jugend sicherlich in ihrer Ungestümheit noch von vielen Grenzen befreit. Simon Strauss handelt die Todsünden hechelnd in seinem Essay ab, versucht Bezüge zum heutigen Leben herzustellen, doch außer dem Hochmut (der vor dem Fall kommt) gelingen ihm nur ‚Todsündchen‘, ein schwacher Abklatsch der Sünden, die doch laut der Kirche zu ewiger Verdammnis führen. Ist denn der heutige Mensch noch nicht einmal zu Todsünden fähig? Doch! Man denke nur an den Film Sieben, der mir spontan zu dem Thema einfällt und der in eindringlicher und unvergessener Weise, Bilder in meine Netzhaut eingebrannt hat. Kevin Spacey in seiner besten und bösesten Rolle. Unerreicht. Dagegen ist dieses Büchlein nur ein Dahin-jammern. Manches Mal gelingen Simon Strauss nette Vergleiche, schöne Sätze, elegante Absätze. „Lange Ziit sagen die Schweizer und meinen damit sowohl Langweile als auch Sehnsucht. Ich habe lange Ziit nach dir, heißt so viel wie: Ich sehne mich nach dir. Nur wer sich langweilt, kann sich auch sehnen. Ein Leben, das nie aufschiebt, wird immer nur hecheln, nie frei atmen.“ Die Kritiker sind begeistert, ich denke mal wieder, dass ich mich wohl nie in deren Elfenbeintürmen niederlassen werde. Eines hat mir dieses Buch doch gezeigt, Simon Strauss hat eine achte, neue Todsünde, hervorgeholt: Die Jammerei

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    • 2
  • Ein Klagegesang

    Sieben Nächte

    dicketilla

    24. October 2017 um 20:40

    Beim Blick auf das Cover, zeigt sich mir ein Gesicht, eher durch mich durchschauend, eher herausfordernd, mit einer Mischung aus leichter Aroganz, durch die hochgezogene Braue angedeutet.Und schon hat er mich, will mich ihm entgegen stellen, ihm in seinen sieben Nächten folgen." Auf viele Züge aufgesprungen, kurz mitgefahren, dann wieder die Richtung gewechselt." (S.11)Ein Sympathieträger, wie er sich sieht, Widerworte werden für später aufgehoben, Karriere ist angesagt. Sein Weg bisher kaum steinig, von Glück und Privilegien gesäumt.Die Vita des Ich-Erzählers liest sich hier, fast wie die des Autors. Irgendwie angekommen, den Sprung geschafft.Doch dann kommen kurz vor seinem 30. die Zweifel in sein Hirn." Ich will wieder den Wunsch nach Wirklichkeit spüren, nicht nur den nach Verwirklichung." (S.17)Kommt jetzt das Ende des Wegs, Familie, Eigenheim, Kindergarten.Für ihn wie eine Kapitulation, wenn man seiner fast schon an Verzweiflung grenzender Zukunftsvision folgt.So träumt er von einem Ort, an dem sich Einzelgänger finden, die noch an Geheimnisse glauben, einen Ausweg aufzeigen. Die Revolution der Väter, der Aufbruch, wo ist er zu finden.Er begegnet einem Fremden, der die 30 längst hinter sich gebracht, mit dem er einen Pakt eingeht. Sieben Nächte, sieben Todsünden soll er durchleben, deren Ereignisse aufgeschrieben bis sieben Uhr, sieben Seiten."Werde gierig, hochmütig und faul sein, neiden und wüten, Völlerei und Wollust treiben. Sieben Nachtschichten einlegen, um den Moment des Übergangs hinauszuzögern, um der drohenden Zukunft noch einmal zu entkommen." (S.21)Und dann folgen die Sieben Todsünden, jede auf sieben Buchseiten erzählt, als wären sie dem Feuilleton des Autors entsprungen. Der Gedanke der sieben Todsünden begeisterte mich anfangs, doch dann schweift der Autor innerhalb seiner Erzählung immer wieder ab, als möchte er uns seine Gedanken entgegenschleudern, ehe sie ihm verloren gehen. Sünden denen wir begegnen, kaum als diese angesehen werden.Pessimistisch, aufrüttelnd, aber dann doch nicht bereit, durchlebt er diese Nächte, nicht um ein Spiegelbild der Gesellschaft, des ewigen Angepassten, Vorbetern aufzuzeigen, selbst keine Lösung bereit hält, jedoch Nachdenklichkeit dem Leser gegenüber erzeugt.Dennoch waren diese Nächte für mich ohne Leidenschaft, eher ein Klagegesang, obwohl sie viel mehr Potentiel ermöglicht hätten.Pluspunkt des Buches ist die außergewöhnliche Sprache des Autors, gekonnt formuliert. Diese hielt mich am Buch fest.Ansonsten kann ich den Hype um dieses Buch nicht nachvollziehen.

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    • 2
  • Wer sich nicht bewegt spürt seine Fesseln nicht.

    Sieben Nächte

    SalihJamal

    14. October 2017 um 14:45

    Ich verehre dieses Buch obgleich der wortgewaltigen Sprache und dieser sich entbrennenden Suche nach einem Raum im Leben. Dieser Drang, dieser Wunsch aus seiner Schale herauszuplatzen ist im ganzen Buch nahezu körperlich spürbar. Ich habe es in kurzer Zeit schon ein zweites Mal gelesen. Leider kapituliert der Erzähler vor den Errungenschaften einer sich fortwährend verändernden Gesellschaft und steht wie ein Kaninchen bewegungslos vor den Kathedralen des Gestrigen und der Aussichtslosigkeit einer Gegenwart, die, wie jede andere auch, in der Vergangenheit gezeugt wurde. Er kommt nicht auf die Idee die Zukunft zu stürmen. So wie es schon immer jede neue Generation getan hat. In einer mich zornig machenden Weise schiebt er selbstmitleidig die Schuld an seinem engen Herzen den Umständen unter. Doch: jede Jugend und jede Generation hat ihre Zeit des Sturm und des Drangs. Einen wilden Sommer! Jeder hat ihn gehabt! Jeder! Also warum belügt er uns und sich selbst? Nur weil er zu feige ist um loszulassen, um zu springen? Weil er ein Einzelschicksal ist. In meinem Feuilleton steht er nicht stellvertretend für eine Generation. Denn das Leben ist kein Kopfbahnhof. Niemals! Es ist ein weit verzweigtes Streckennetz mit festgefahrenen Strecken, aber vor allem mit unendlich vielen neuen Wegen in helle, dunkle oder bunte Welten. Immer. An jedem Tag, vielleicht sogar zu jeder Stunde, stellen wir die Weichen selbst. Und wenn sie verklemmt sind: dann sollte man mit ein bisschen Öl das rostige Leben schmieren. Und gerade das macht mich richtiggehend sauer auf das doch grandiose Buch. Da eben genau dieser aufblitzende und hell leuchtende Intellekt mir kraftvoll in auf Fresse hauen könnte, aber stattdessen verlieren sich die wütenden Fausthiebe der Wörter in einer sich selbst bemitleidenden und belügenden, für mich völlig unrealistischen, Figur. Aber vielleicht war das alles nur Kalkül des Autors. Denn die Poesie des Pessimismus ist die Lebensfreude (Zitat: Frank Wedekind). Danke für den Konflikt in den Sie mich gestürzt haben. Ich finde Ihr Werk gleichsam groß und scheiße. Bitte noch eine Anmerkung:Als Autor, der sogar ein ähnliches Thema behandelt, sollte man keine Kritiken schreiben. Wer meint ich sei neidisch, der hat Recht. Vor der Kraft des Buches ziehe ich meinen virtuellen Hut. Bis zum Boden. Aber mir war es ein Bedürfnis, dass wir uns nicht vom meist einhelligen (Buchbranchen)Wort die Sicht auf unsere Generation verkleistern lassen. Das Buch „Sieben Nächte“ hat Recht, aber ich finde wir als Generation sind nicht so. In uns steckt viel mehr Leben.

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    • 3
  • Simon Strauß | SIEBEN NÄCHTE

    Sieben Nächte

    Bookster_HRO

    27. September 2017 um 08:06

    INHALT: S., der Ich-Erzähler, hat mit Ende zwanzig viel erreicht. Er kann nicht klagen – er ist klug und gebildet, Schule und Studium waren ein Klacks und der Karriere steht nichts mehr im Weg. Und doch wächst in ihm seit Längerem eine seltsame Furcht vor der Zukunft. Er hat Angst davor, zu leicht aus seiner Jugend zu gleiten in die Tristesse der Erwachsenenwelt, ohne Schrammen, ohne Narben, ohne je gesündigt zu haben. In einer blauen Stunde vertraut er sich T. an, einem Fremden, der diese Phase bereits hinter sich hat, und sie schließen einen Pakt: In den kommenden Monaten soll sich S. den sieben Todsünden hingeben. Sie bewusst zu suchen, zu begehen und dann über sie zu schreiben, dafür hat er je eine Nacht, von sieben Uhr abends bis sieben Uhr früh. Also zieht S. los, ist übermütig und maßlos, faul und gierig, er neidet, lüstert und wütet, und nach einem Jahr voller Ausschweifungen bekommt er einen Brief von T., ein Fazit, ein Urteil. Denn wie geht das Leben weiter, wenn man erstmal eine Sünde gekostet hat? FORM: Simon Strauß (*1988) hat mit SIEBEN NÄCHTE weniger einen Roman, als eher eine Sammlung von Essays vorgelegt. (Tatsächlich taucht die Bezeichnung Roman auch nirgends auf.) Eingerahmt sind die Texte voder Einführung der Hauptfigur, der Begegnung mit T. und dessen abschließenden Brief. Das Hauptaugenmerk aber liegt natürlich auf den sieben Sündenberichten. Hier gibt sich Strauß nicht mit simpler Prosa zufrieden, sondern strickt einen dicken Teppich aus poetischer Polemik (oder – wem das lieber ist – polemischer Poesie) und schafft auf diese Weise Kampfschriften, die anecken, wachrütteln, ohrfeigen sollen, die dafür gemacht sind, mit Megaphonen von großen Bühnen in die bräsigen Ohren der Gesättigten geschrieen zu werden. Keine Frage: SIEBEN NÄCHTE hat das Zeug zum Kultbuch. Das Einzige, was meine Euphorie etwas zügelt, ist, dass ich Strauß diese Message nicht abkaufe. Ich muss vorab natürlich gestehen: Ich kenne Simon Strauß nicht persönlich, nur die öffentliche Person. Aber was ich da sehe – Spross aus gutem Hause, studierte in vier verschiedenen Ländern, Theaterkritiker bei der FAZ, und das mit nicht mal dreißig – das ist mir alles viel zu begabt und beschenkt, zu diszipliniert und glatt. Sicher wird er seine kämpferischen Phasen haben – Wer hat die nicht? –, wie ein wahrer Sünder aber wirkt er beim besten Willen nicht. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie er mit Schaum vor dem Mund ausflippt vor Wut oder auch nur eine Stunde mit Nichtstun vergeudet. Und mehr als fünfundsiebzig Kilo hat er bestimmt auch noch nie gewogen. Wie dem auch sei… FAZIT: Großartig geschrieben und für ein Debüt aller Ehren wert. Ich habe mich sehr gern in die sieben sündigen Nächte entführen lassen, behalte aber aus genannten Gründen ein Stern. Bleiben vier. *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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  • Der „heiße Scheiß“ des Feuilletons

    Sieben Nächte

    anushka

    05. September 2017 um 21:13

    Ein junger Mann sitzt am Tisch und schreibt. Er hat Angst, vor allem vor seinem nahenden 30. Geburtstag und dem, was das für sein Leben bedeutet. Da macht ihm jemand ein Angebot. Er soll an sieben Abenden jeweils eine der sieben Todsünden begehen und darüber schreiben.Oft spricht man von Bücher-Hypes ja, wenn der Verlag groß Werbung betreibt mit vollmundigen Ankündigungen (wie „Der Mega-Bestseller aus Land XY“), die von Bloggern und anderen Rezensenten noch weiter unterstrichen werden. Bei „Sieben Nächte“ habe ich auch einen (zugegeben kleinen) Hype wahrgenommen, der eher aus dem Feuilleton kam. Wie groß die Schere ist zwischen Literaturwissenschaftlern/-kritikern und dem eigentlichen Markt, der Zielgruppe der Verlage, ist mir dann aber lange nicht mehr so deutlich geworden wie bei diesem Buch. Es ist völlig verkopft und hat mit der angekündigten Handlung nur entfernt zu tun. Vielleicht finden sich die Literaturkritiker ja in der Lebensmüdigkeit und der Misanthropie dieses nicht einmal 30-jährigen Protagonisten bestätigt, die - zugegeben - in sehr poetische Sätze verpackt sind. Allerdings ist dieser vergleichsweise noch junge Protagonist auch sehr rückwärtsgewandt und vertritt mit zunehmender Seitenzahl immer stärker die Ansicht, früher sei alles besser gewesen. Die Frage ist, wie er die Lebensumstände beispielsweise der Elterngeneration realistisch einschätzen will, wenn er nicht lediglich die Lederjacken und die "freie Liebe" hochleben lassen möchte.Als Kampfbuch wird dieses Buch von Volker Weidermann bezeichnet. Ich konnte nur Jammern und Selbstmitleid finden. Und zum Ende hin konnten mich nicht einmal mehr die sprachlich gelungenen Sätze überzeugen, da sie mir zu willkürlich platziert vorkamen und damit noch jegliche Handlung im Keim erstickten.Diskussionswürdig ist dieses Buch sicherlich allemal. Aber ob es wirklich das Lebensgefühl einer ganzen Generation abbildet? Ich glaube eher, dass Millionen Menschen auf dieser Erde weder Zeit noch andere Ressourcen für solch elitäres Gejammer haben. Und trotzdem sind davon nicht alle zwangsläufig unglücklich. Dieses Buch ist also möglicherweise der "heiße Scheiß" des Feuilletons. Ich konnte ihm leider nicht allzu viel abgewinnen.

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    • 2
  • Gedanken-Ergüsse

    Sieben Nächte

    frenx1

    03. September 2017 um 11:42

    Bald, ja bald werde er sich festlegen müssen. Beruf, Frau, Haus, Familie. „Ordnung wird herrschen und ich ein Untergebener meines Ehrgeizes sein“ – keine Vision, die dem Ich-Erzähler von „Sieben Nächte“ Freude bereitet. Die Angst, etwas falsch zu machen, etwas zu verpassen, sich einzuengen: all das plagt den Ich-Erzähler. Und die Lösung? Selbsterkundungen. Sieben an der Zahl sollen es werden. An jedem Tag soll der Ich-Erzähler einer der sieben Todsünden begegnen. Und jeden Abend schreibt er sein Fazit, sieben Seiten lang. Sieben Abenteuer wird er erleben – könnte man meinen. So wie es unklar bleibt, weshalb ausgerechnet die sieben Todsünden den Ich-Erzähler wieder auf die Spur des Lebens bringen sollen und ihm einen Sinn im Leben aufzeigen sollen, bleibt in dem kleinen Büchlein offen. Und auch die abendlichen Ergüsse geben einem da nicht viel Aufschluss. Es sind Gedanken-Ergüsse, die wiedergegeben werden, mehr oder weniger Nachdenkliches über Gott und die Welt. Abenteuer sind es aber mitnichten. Eher Lamentos – zum Beispiel darauf, dass früher alles besser war. So sehr die einzelnen Tage zu den einzelnen Todsünden oft lesenswert sind: ein Ganzes ergibt Simon Strauss‘ Buch nicht. Es gibt keine Entwicklung, kein Ergebnis, nichts. Da helfen auch schöne sprachliche Formulierungen nicht drüber hinweg. Der Vorhang fällt, und alle Fragen bleiben offen, der Autor begnügt sich mit Gedankenprosa statt eine Handlung aufzubauen. Mein Buch war „Sieben Nächte“ so gar nicht.

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  • Gut beschriebener Abriss einer offenbar bedauernswerten Generation

    Sieben Nächte

    Xirxe

    02. September 2017 um 13:26

    Schon immer sind junge Menschen ein Sinnbild für die Lust an Neuem und dem Willen, Althergebrachtes in Frage zu stellen und dagegen zu revoltieren. Dafür stehen auch ganze Epochen wie beispielsweise Sturm und Drang oder die '68er. Doch während es in der Vergangenheit noch vergleichsweise leicht fiel, sich gegen die vorhergehenden Generationen aufzulehnen und voller Inbrunst für eine andere und bessere Zukunft zu kämpfen, tun sich die heutigen Jungen eher schwer. Die Eltern sind die besten Freunde; wo man hinkommt, kann man dem umfassenden Verständnis für alles und jeden kaum entkommen - und das Leben der Alten ist ja auch gar nicht so schlecht. Wogegen also seine Energien einsetzen?Doch genau dieses Lebensgefühl verursacht dem Protagonisten dieses schmalen Büchleins ein enormes Unwohlsein. Wo ist die Intensität des Lebens, die überschäumende Energie mit der man für die Umsetzung seiner Ideale kämpft? Als ihm in Aussicht gestellt wird, genau dies kennenzulernen, indem er sich in sieben Nächten den sieben Todsünden stellt und deren Erlebnisse schriftlich festzuhalten, nimmt er dieses Angebot freudig an.Wer sich nun auf eine ausdruckvolle, bilderreiche Schilderung intensiv durchlebter Nächte freut, dürfte ziemlich enttäuscht werden. Es sind Gedankenfetzen, die hier notiert sind; die deutlich machen, was zu diesen Nächten führte. Einzelne Bilder, was sich in diesen Nächten abspielte, die jeweils fünf bis sieben Seiten umfassen, aber keine zusammenhängenden Beschreibungen. Doch die Sprache des Autors ist eindringlich und faszinierend. Ihm gelingen beeindruckende Sätze, die die Unzufriedenheit und Angst des Ich-Erzählers den Lesenden nahe bringen: "In dieser Wohnung, die niemand mehr mit besonderen Erwartungen betritt. Die bis oben hin zugestellt war mit Gewohnheit." oder "Kenne nicht einmal meine Nachbarn. Als ich hier eingezogen bin, haben die sich mir nicht vorgestellt. Und ich klingele grundsätzlich nicht an fremden Wohnungstüren." Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man lachen ;-)Aber im Ernst: Wenn dieses Büchlein tatsächlich das Lebensgefühl der Unterdreißiger darstellt (wie in einer Kritik behauptet wurde), dann haben sie mein volles Mitgefühl. Vielleicht kann ihnen ja diese Leküre helfen - bei was auch immer.

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  • Lesermeinung zu "Sieben Nächte"

    Sieben Nächte

    Ping

    26. August 2017 um 00:11

    Spoilerfrei.Der Roman kam mir eher vor wie eine sprunghafte Gedankensammlung in Essay-Form mit den Todsünden als Grundtenor. Ich fands erfrischend und unterhaltsam.Sieben Nächte erzählt die Geschichte eines Mannes, der bald 30 Jahre alt wird und somit an der Schwelle steht, wo man seiner Meinung nach wirklich erwachsen werden sollte. Im ersten Kapitel wird beschrieben, was ein Bekannter dem Protagonisten geraten hat: An sieben Nächten soll er jeweils eine Todsünde (Hochmut, Neid etc.) durchleben und in einer Art Tagebucheintrag darüber berichten. In den folgenden sieben Kapiteln lesen wir die sieben Todsünden, wie der Protagonist namens S. diese umgesetzt hat. Danach folgt noch ein abschließendes Kapitel, indem der Aufgabensteller sich an S. richtet.Da der Roman generell nicht besonders dick ausgefallen ist und somit jedes Kapitel recht kurz ausfällt, eignen sich diese perfekt zum Häppchenlesen. Man sollte sich trotz der kleinen Kapitelchen Zeit nehmen, denn meiner Meinung nach gleicht das Buch nicht wirklich einem kohärenten Roman, sondern liest sich eher wie ein freier Essay-Gedichtband, wie ein vornehmer Poetry-Slam.Die Nächte werden nicht zusammenhängend beschrieben, es geht eher um die Gedanken, die S. sich macht und die können gerne mal abschweifen und von Thema zu Thema zu springen. Dadurch fällt es einem gar nicht so leicht, sich an die ganzen Geschehnisse zu erinnern, da sie manchmal nicht logisch aufbauen, aber so kommt mir das Brainstorming von S. umso authentischer vor.Das Buch ist kurzweilig zu lesen, wenn man sich darauf einlässt, dass es hin und wieder wirr ist und die Todsünden nicht wahnsinnig spektakulär in die Tat umgesetzt werden, sondern eh bodenständig und manchmal fast spießig. Es geht hier eben um die Quarterlife Crisis, die von vielen belächelt und als First-World-Problem abgetan wird. Wenn man diese Art von Meckern nicht besonders leiden kann oder handfeste tiefgehende Auseinandersetzungen mit Beruf und Kinderwunsch etc. erwartet hat, könnte von dem Buch genervt sein.Wenn man den Sorgen eines End-Zwanzigers in erfrischenden, lockeren, launenhaften, etwas poesiehaften Essays lauschen möchte, könnte das Buch etwas für einen sein.

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  • Die schöne Sprache kann den enttäuschenden Inhalt leider nicht retten!

    Sieben Nächte

    Insider2199

    22. August 2017 um 11:48

    Die schöne Sprache kann den enttäuschenden Inhalt leider nicht retten! Der 1988 in Berlin geborene Autor studierte Altertumswissenschaften und Geschichte bevor er als Journalist für diverse Zeitungen arbeitete. Heute ist er Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der vorliegende Roman ist sein Debüt. Zum Inhalt: Ein junger Mann hat Angst vor der Zukunft. Ein Bekannter macht ihm ein Angebot: sieben Mal um sieben Uhr soll er einer der sieben Todsünden begegnen – Hochmut, Völlerei,  Faulheit, Habgier, Neid, Wollust und Jähzorn. Diese Reifeprüfung soll ihn auf das Leben vorbereiten, ja ihn gar vor zu viel Reife schützen. Meine Meinung: Gleich vorab kann ich sagen, dass meine Erwartungshaltung (hervorgerufen nicht nur vom Klappentext, sondern sicher auch vom äußerst empfehlenswerten Film „Seven“ mit Brad Pitt und Morgan Freeman, der die sieben Todsünden auf eine sehr viel dramatischere Weise abhandelt) leider nicht erfüllt wurde – die Buchbeschreibung mag da etwas aufs Glatteis führen. Aber hauptsächlich liegt es auch daran, dass der Held nicht – wie erwartet – die sieben Todsünden begeht und dadurch eine Veränderung erfährt, sondern dass der Autor diese nur als weitgefasste Inspiration versteht. Der Held ist eher passiv, agiert nicht, sondern denkt nach, philosophiert. Und vor allem jammert er auf höchstem Niveau, über die Vergangenheit, die doch ach so viel besser war – das hinterlässt mit der Zeit einen faden Nachgeschmack. Man sollte sich hier übrigens nicht vom Äußeren täuschen lassen: Ein dünnes, kleines Buch mit 138 Seiten ist sicher an einem Abend schnell gelesen!? Das dachte ich auch, aber weit gefehlt! Ich habe es in vier Teilen gelesen inkl. von mehreren Tagen Pause dazwischen. Einerseits weil es sprachlich sehr anspruchsvoll ist – sprachlich und stilistisch gibt es da nicht viel zu meckern – andererseits aber auch, weil ich mich nur schwer dazu aufraffen konnte. Das intellektuelle Gejammer des Helden ist tw. ermüdend und deprimierend, und zum Schluss hin lassen nicht nur die Texte qualitativ etwas nach, sondern auch meine Aufmerksamkeit, weil mich der Autor leider nicht mehr fesseln kann. Am Schluss hat der junge Mann nun angeblich einen Reifeprozess abgeschlossen, aber dieser war für mich nicht nachvollziehbar. Diesem Roman fehlt einfach die Prämisse. Man fragt sich ständig, was der Autor einem sagen will, und diese Frage bleibt auch am Ende leider unbeantwortet. Der Schluss „löst nichts auf“, sondern wirft immer noch mehr Fragen auf. Und man klappt das Buch mit einem zufriedenen Seufzer zu: zufrieden nicht infolge des erfahrenen Lesegenusses, sondern weil die „Qual“ endlich überstanden ist. Fazit: Manchmal kann eine schöne Sprache über einen handlungsarmen Inhalt hinweg trösten – hier ist dies leider nicht der Fall! Die Prämisse fehlt und man weiß nicht, was der Autor dem Leser eigentlich sagen will. Zurück bleibt das Gefühl man habe seine Zeit etwas verschwendet, glücklicherweise in diesem Fall nur sehr wenig Zeit. Aber hätte ich das Buch nicht in einer Leserunde gewonnen, hätte ich mich sehr geärgert, so viel Geld dafür ausgegeben zu haben. So viel enttäuschte Erwartungshaltung bekommt von mir normalerweise nur einen, aber die Sprache rechtfertigt den zweiten Stern.

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    • 2
  • Ein sehr verbittertes Werk!

    Sieben Nächte

    Raven

    21. August 2017 um 03:42

    Das Buch "Sieben Nächte" von Simon Strauss ist 144 Seiten lang und bei Blumenbar erschienen.Das Hardcover kommt in einer sehr guten Qualität und das Cover wirkt passend zur Thematik, sehr interessant. Der noch junge Protagonist, steht kurz davor 30 Jahre alt zu werden und sieht in dem Alter eine Schwelle, vor der er Angst hat. Er denkt er muss nun den jugendlichen Anteil völlig abstreifen und erwachsen werden. Doch bevor ihn der Alltag und ein vorgefertigtes Leben im Griff hat, möchte er dem gefürchteten Trott entfliehen. Ein Bekannter macht ihm ein Angebot. An sieben Nächten, soll er jeweils eine der sieben Todsünden begehen und dann darüber schreiben. Der Protagonist zögert nicht und stellt sich Hochmut, Völlerei, Habgier, Neid, Faulheit, Wollust und Jähzorn, um der Tristesse des Alltags zu entfliehen.Das Buch beginnt mit einer sehr schönen Sprache und einem unglaublich tollen Ausdruck. Leider schrammt das Werk jedoch völlig am Thema vorbei. Die Todsünden werden nur angekratzt, sind teilweise nicht gut durchdacht und langweilig in Szene gesetzt. Mir fehlt die Dramatik und die Aussagekraft. Der Protagonist versinkt ständig in Gedanken und erstickt im Selbstmitleid. Er verteufelt die Technik, jammert in einem Stück darüber, dass früher alles besser war und er das Heute hasst. Wut und Verbitterung durchziehen das Werk. Mich erinnert der Protagonist, zu dem ich einfach keinen Zugang gefunden habe, eher an einen alten verbitterten Mann, der mitten in der Midlife Crisis steckt, anstatt in einer Selbstfindungsphase zum Übergang ins erwachsen sein. Es bleibt unklar, was die Todsünden, die er begeht wirklich bringen, da er voller Depression in die Zukunft blickt und dem Leser auf den Weg mitgegeben wird, dass man eh nichts am Alltag ändern kann. Alles ist vorherbestimmt und vorgefertigt. Jeder wird heiraten, Kinder bekommen und in der Langeweile des Alltags gefangen sein, während er nur noch die Erinnerung an eine gute Vergangenheit hat, bis er irgendwann stirbt. Um depressiv zu werden, ist das Buch durchaus geeignet. Um eine wirkliche Aussage mit tiefgehendem Inhalt zu finden, mit dem Hintergrund der sieben Todsünden, die vielleicht prägen und erleuchten, wird vergeblich in diesem Werk suchen.Fazit: Am Thema der Todsünden völlig vorbeigeschrammte Geschichte, mit einem Protagonisten der sich ständig selbst bemitleidet und keinen Weg aus dem vorgefertigten Alltagstrott findet. Ein sehr verbittertes Werk über das Leben. Sehr schöne Sprache und Ausdrucksform des Autors, jedoch ohne Tiefgang und tatsächlicher Aussage. Für mich absolut nicht empfehlenswert!

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