Simon Urban Plan D

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Inhaltsangabe zu „Plan D“ von Simon Urban

Ein deutsch-deutscher Polit-Thriller Ostberlin 2011: Die Wiedervereinigung hat es nie gegeben, Egon Krenz ist seit 22 Jahren an der Macht und die DDR ist nahezu pleite. Die Hauptstadt: ein maroder Moloch. Die letzte Chance für den Sozialismus: Wirtschaftsverhandlungen mit der BRD und ihrem Bundeskanzler Oskar Lafontaine. In diesem Chaos wird ein ehemaliger Berater von Krenz ermordet aufgefunden – und alles deutet darauf hin, dass die Täter aus den Reihen der Stasi kommen. Als auch noch der »SPIEGEL« über den Fall berichtet, ist klar: Wird die Unschuld der Stasi nicht bewiesen, ist die DDR endgültig erledigt. Im grauen, zerfallenden Ostberlin sucht Martin Wegener von der Volkspolizei nach den Mördern – und findet die Wahrheit über sein Land.

HERRLICHES BUCH! Es spielt mit dem Gedanken "was wäre wenn - die DDR nicht untergegangen wäre". Absolut lesenswert!

— markus1708

DDR im 21. Jahrundert? Einfach rundum gut gemachter Krimi mit dem zusätzlichen Bonus der alternativen Realität.

— Louisdor

Irgendwie abgefahren, auch wenn die inneren Monologe der Hauptfigur mit der Zeit etwas anstrengend werden.

— Raupi

Sprachlich sehr elaboriert und mit vielen witzigen Ideen! Allerdings überzeugt die Grundidee (die DDR hat die BRD geschluckt) nicht ganz...

— derlorenz

Unausstehlich langweilig, langatmig und nicht packend.

— Ira

Endlich fertig, das sagt dann wohl alles... :-(

— Eglfinger

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  • Plan D

    Plan D

    Masau

    18. November 2016 um 10:49

    Dieses Buch spielt mit dem Gedanken: Was wäre wenn? Was auch der Hauptgrund meines Interesses war. Allerdings passiert nicht wirklich viel in der alternativen Realität, der Hauptcharakter ist uninteressant, die Geschichte baut keine wirkliche Spannung auf, sodass ich nach knapp 3/4 der Geschichte einfach kein Interesse mehr hatte und diese weggelegt habe. Wieder einmal eins von diesen Büchern die viel Potential in der Grundidee hatten, dies aber nicht nutzen konnten. Schade.

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  • Mehr als nur alternative Geschichte

    Plan D

    Louisdor

    20. November 2015 um 22:58

    Das Buch hatte mich zunächst schlicht durch den Dreh interessiert, dass es den Gedanken einer "DDR im 21. Jahrhundert" durchspielt. Ich mag Geschichte, ich mag alternative Realität, ich mag Gedankenspiele. Es ist hochgradig amüsant, eine Welt zu verfolgen, in der Lafontaine Bundeskanzler ist, Michael Ballack für die DDR-Elf spielt, Gregor Gysi in der DDR Karriere macht, und das begehrteste Smartphone Europas das russisch-deutsch produzierte "Minsk" ist. Das alles trägt aber nur so weit, und dann wird es sinnlose Spielerei, konsequenterweise. Ein Buch braucht einen Plot. Den hat "Plan D", zum Glück. Der Plot entspinnt sich aus einem DDR-Kommissar, der nicht gerade angepasst ist, aber sich mit dem System arrangiert hat. Der uns in ganzer Fülle die Mittelmäßigkeit des Lebens präsentiert, und der dann zusammenarbeiten soll, mit einem West-Kommissar in seiner ganzen kapitalistischen Pracht. Beide Figuren verhindern gekonnt, in die Klischeefalle zu tappen, auch wenn der Fokus ohnehin ganz stark auf unserem DDR-Protagonisten liegt. Der Fall selbst, so viel sei verraten, ist einerseits hoch politisch, andererseits auch wiederum gekonnt kriminologisch simpel. Wie ein guter Krimi schafft das Buch es, den Leser etwas an der Nase herumzuführen, und ihn kurz vor der Auflösung selbst auf die Lösung kommen zu lassen. Handwerklich tadellos, schnörkellose Story, und dann noch obendrein die wunderbaren Versatzstücke der alternativen Realität: So sieht eine gute Mischung aus. Volle fünf Sterne von mir, ein Buch, das ich bedenkenlos weiterempfehlen würde.

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  • Plan D

    Plan D

    Angel10

    26. April 2013 um 14:57

    DDR im Jahre 2011. Die Wiedervereinigung hat es nie gegeben. Oskar Lafontaine ist der neue Bundeskanzler der BRD. Nach einer kurzen Maueröfnung kam es seitens der BRD zu einer Wiederbelegung der DDR, die trotz Milliarden farblos und grau bleibt. Eine wichtige Einnahmequelle ist der Transit von russischem Gas in die BRD. Kurz vor den Verhandlungen geschieht ein Mord an einem ehemaligen Heidelberger Professor, der Berater von Egon Krenz war. Alles deutet darauf hin, dass die Stasi am Werk war. Sollte das wahr sein, würden die Verhandlungen mit dem Westen platzen. Es muss mit allen Mitteln bewiesen werden, dass dem nicht so ist. Um glaubwürdig zu sein, stellt man dem Ostberliner VoPo Martin Wegener einen "West"ermittler zur Seite und jemandem vom BND. Wegner ermittelt und kommt Verschwörungen, geheimen Stasi-gefängnissen, Plänen zum weiterentwickelten Sozialismus auf die Spur. Am Ende weiß er nicht mehr, wem er noch trauen kann. Der Autor lässt den VoPo Wegener gut überlegte Zusammenhänge erkennen, bissig aber punktgenau formuliert. Deshalb erteile ich 4 Sterne. Die Beschreibung des grauen Ostberliner Alltages ist meiner Meinung nach zu ausgewalzt, ebenso sein Karolina-Liebeskummer.

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  • Rezension zu "Plan D" von Simon Urban

    Plan D

    Sabottka

    16. August 2012 um 17:15

    Die DDR lebt. Die Wiedervereinigung hat es nie gegeben. Statt dessen schloss Egon Krenz 1990 die Mauer wieder. Mit der sog. "Wiederbelebung" wurde die DDR fortgeführt. Ein wirschaftliches Überleben sicherte das Transitabkommen mit der BRD, dass es gestattete russisches Gas durch das Gebiet der DDR in den Westen zu leiten. Im Gegenzug musst Krenz zusichern, die Stasi abzuwickeln. Wir schreiben 2011. Die DDR ist wirtschaftlich am Ende. Sie hat das beste Handy der Welt "Minsk" genannt, von der Stasi entwickelt, aber es hapert bei den Akkus. Der Trabantnachfolger "Phobos" fährt mit Rapsöl, weshalb ganz Ostberlin wie eine Frittenbude stinkt. Oskar Lafontaine ist Bundeskanzler. Margot Honnecker sitzt in der Irrenanstalt und singt Wolf Biermann-Lieder. Sarah Wagenknecht und Peter Sodann sind die Helden in einem DEFA Actionfilm namens "Die Rote Flut"... Ein neues Gastransitabkommen steht kurz vor dem Abschluss. Die DDR braucht das Geld. Da wird an einer der Pipelines ein Toter gefunden. Ein ehemaliger hoher Parteifunktionär, aufgehangen, die Schnürsenkel der beiden Schuhe zusammen gebunden. Ein Zeichen der Stasi, mit der sie Verräter in den eigenen Reihen stigmatisierte. Schnell wird der Mordfall zum Politikum, weswegen sich ein ostdeutscher und ein westdeutscher Ermittler zusammen tun müssen. Ist die Stasi wieder aktiv? Will ein westdeutsches Solarunternehmen die Gasverhandlungen boykottieren? Oder ist doch alles ganz anders? Mit "Plan D" legt Simon Urban sein Debüt vor. Ein Buch, das von seiner "Was wäre wenn" Ausgangssituation durchaus an "Vaterland" von Robert Harris erinnert. Oberflächlich betrachtet hat Urban einen durchschnittlich guten, spannenden Krimi geschrieben. Es gibt den grantigen Ermittler, den ewigen Looser, der seiner Exfrau und seinem verschwundenen Vorbild und Mentor nachtrauert. Es gibt die korrupten Politiker, die undurchsichtigen Seilschaften, die Undergroundkämpfer, es gibt falsche Spuren, überraschende Twists... alles was ein guter Krimi eben braucht. Was "Plan D" in meinen Augen aber zum absoluten Geniestreich macht, ist die Fülle an liebevollen und absurden Details. Eben jene bringen mich dazu, zu behaupten, dass Simon Urban das einzig wahre DDR Buch seit der Wende geschrieben hat. Nichts gegen Thomas Brussig und Kollegen, aber mehr als einmal habe ich beim Lesen von "Plan D" gedacht: Ja, so war es. Nein, nicht: So wäre es, wenn es die DDR wirklich noch geben würde. Sondern: Genauso war es. Kein sog. DDR-Buch hat es in den letzten Jahren so perfekt geschafft, das alltägliche Lebensgefühl in der DDR so genau und nachvollziehbar zu beschreiben, wie Urbans Fiktion. Erstaunlich. Vor allem, weil der Autor aus dem Westen kommt und noch relativ jung ist. Entweder hat er viele ehemalige DDRler als Freunde oder verdammt gut recherschiert. Mir als Ex-Ossi hat "Plan D" soviel Freude bereitet, dass ich Urban auch die zum Ende hin etwas ausufernden pornografischen Detailbeschreibungen (Hier bin ich nun mal der Meinung, dass weniger mehr ist und sich die Erotik im Kopf des Lesers, nicht auf dem Papier, abspielen sollte!) und die etwas zu langen inneren Monolog des Protagonisten (auf sowas stehe ich persönlich einfach nicht) verzeihe. "Plan D" von Simon Urban, ein Buch das ich JEDEM ehemaligen DDR Bürger dringend ans Herz legen möchte. Bei Wessies besteht das Risiko, dass sie nur die Krimi Handlung betrachten und die ist eben Durchschnitt. Wenn auch guter. Simon Urban, ein Autor, den ich zumindest im Auge behalten werde und ich hoffe, dass sich "Plan D" so gut verkauft, dass er noch viele, feine Ideen für eine Fortsetzung, eine "Wiederbelebung" hat.

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  • Rezension zu "Plan D" von Simon Urban

    Plan D

    hundertwasser

    18. January 2012 um 09:09

    Was wäre wenn? Wie oft hat sich nicht jeder von uns die Frage gestellt - Ja was wäre eigentlich, wenn …? Schon oft wurde diese Frage auch in der (Kriminal-)literatur erörtert, man erinnere sich nur an den großartigen Wurf von Robert Harris‘ „Vaterland“ in dem er sich die Frage stellte: „Was wäre eigentlich, wenn Hitler den zweiten Weltkrieg gewonnen hätte?“ Dieser Tage ist ein Werk erschienen, das manchen krimiaffinen Leser stark an Harris‘ Fiktion denken lässt. Diesmal heißt das Reich, das in Simon Urbans „Plan D“ tapfer weiterbestehen darf, DDR und ist auch im Jahre 2011 trotz Maueröffnung in den Neunzigern immer noch nicht am Ende. Egon Krenz darf den sozialistischen Staat weiterregieren und nach einer kurzen Tauphase, in der die Mauer in nach 1989 offenstand und alles möglich schien, wurde die Grenze vom SED-Regime wieder dichtgemacht, als sich die Bevölkerung auf erschreckende Weise in den Westen verflüchtigte. Nun stehen im Oktober 2011 Sondierungsgespräche zwischen den beiden deutschen Teilstaaten an, bei denen es, wie sollte es anders sein, um die Energieversorgung des Westens geht. Zwar heißt der Mann an der Spitze der BRD inzwischen Oskar Lafontaine (sic!), doch die Probleme in den beiden Staaten sind dieselben: Der Osten braucht Geld und hat dafür eine Gaspipeline aus Russland, der Bruderstaat braucht das Gas und hat das Geld. Man scheint sich bereits handelseinig und erneut hat sich politisches Tauwetter angekündigt, das eine weitere Annäherung der Bruderstaaten in greifbare Nähe rücken lässt, da kommt nun, wenige Tage vor den wohl wichtigsten Verhandlungen in der Geschichte der beiden Staaten, eine delikate Angelegenheit natürlich denkbar schlecht daher. An der besagten Gaspipeline wird eine erhängte Leiche aus dem Politbüro von Egon Krenz entdeckt, ein ehemaliger Berater, der damals zur Zeit der Grenzöffnung in den Neunzigern mit dem sanften Wandel des sozialistischen Staates betraut war. Der geschasste Kommissar wird nun mit der Aufklärung dieses offensichtlich von ehemaligen Stasi-Kadern durchgeführten Mordes beauftragt, ein Himmelfahrtskommando par Excellence: Beide Staaten sind an der raschen Aufklärung des Mordes interessiert, doch die Stasi sollte mit der Angelegenheit natürlich nicht in Verbindung gebracht werden, da dies die Annäherung von BRD und DDR um Jahre zurückwerfen würde. Um größtmögliche Transparenz zu gewährleisten, werden Wegener schon bald ein Partnerermittler aus Westberlin und ein BND-Agent zur Seite gestellt, die zusammen diese unappetitliche Geschichte rasch und lückenlos aufklären und einen Sündenbock für den Mord finden sollen. Doch wo auch Wegener überall forscht und ermittelt, stets rennt er mit seinen Partner gegen verschlossene Türen, da die Stasi mauert und keiner an der richtigen Aufklärung des Pipeline-Mordes interessiert scheint. Erste Spuren führen zu einem westdeutschen Solarunternehmen, das natürlich keineswegs an einer Gaspipeline aus Russland Interesse hegt, alten sozialistischen Kadern und zu einer Doppelexistenz des Toten, der sich offenbar jahrelang als Gärtner im DDR-Regierungsviertel verdingte. Doch trotz aller Hinweise und Fakten drehen sich die Ermittler im Kreis und es scheint, als würde die Leiche auf ewig ihre Geheimnisse behalten … Müsste ich meinen Kriminalroman des Jahres wählen, wäre dies wohl momentan der heißeste Anwärter (in der Kategorie National hätte er den Preis bereits errungen)! Selten stößt man in der Literatur auf ein derart schlüssiges, fesselndes und komplexes Bild, das ein Autor zu zeichnen vermag. Man kann diesen Roman als vieles Lesen: Sozialistische Utopie, Kriminalroman oder Dramödie, Urban bietet in seinem Erstling wohlgemerkt ein faszinierendes, schlüssiges und auch beängstigendes Denkgebäude auf, dass da anfängt, wo die DDR aufhörte. Die Einfälle, mit denen der Berliner seine Fiktion würzt, sind hervorragend und wirklich humorvoll und zu viele, um sie hier aufzuzählen. Es seien an dieser Stelle nur genannt: Wolfgang Lippert moderiert weiterhin „Wetten, dass …?“, eine Physiknobelpreisträgerin Angela Kasner bewirbt den volkseigenen Phobos, eine Trabant-Weiterentwicklung die mit Frittierfett läuft, im angesagten Club „Molotow“ wird an der BIONIER-Brause genuckelt und Sahra Wagenknecht wird Filmstar. Doch all diese Ideensprengsel sind nur minimales, schmückendes Beiwerk, denn Urban lässt sich nicht von seiner Fiktion alleine tragen, das Grundgerüst ist die Kriminalhandlung rund um die Geheimnisse des erhängten ehemaligen Krenz-Beraters, und diese ist ihm wirklich ausnehmend gut gelungen. Zu rühmen ist auch die Dialogkunst Urbans, die für mich zum Besten zählt, was momentan auf dem Markt zu kaufen ist und sich nach meinem Dafürhalten auch mit Meistern wie Richard Price messen lassen kann. Die Wortgefechte sind auf den Punkt und zeigen einen verbitterten und desillusionierten Cop Martin Wegener, der vom System um seine Karriere und seine private Existenz gebracht wurde und nun zum Zyniker geworden ist. Mag man auch der ständigen Reflektionen Wegeners über das System, seine Liebe und die irgendwann überdrüssig sein, sie sind nur konsequent und zeichnen das glaubwürdige Portrait eines Mannes, der nur noch raus aus dieser Tretmühle Sozialismus will. Neben den scharf und nuanciert gezeichneten Charakteren kommt bei diesem Roman alles zusammen, was zusammen kommen muss, um eine herausragende Lektüre zu werden. Schlüssig fügt sich Puzzleteilchen an Puzzleteilchen und am Ende entsteht das Bild eines komplexen aber nie komplizierten Falles, der gekonnt den Bogen vom Anfang zum Ende spannt. Ein Roman, der für mich so hoch wie der Berliner Fernsehturm auf dem Cover über die kriminalliterarische Dutzendware von Serienkillern, depressiven Pathologen und anderen Belanglosigkeiten hinausragt - So muss ein Kriminalroman der Extraklasse sein und so ist es Simon Urbans „Plan D“ auch!

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  • Rezension zu "Plan D" von Simon Urban

    Plan D

    Tookalook

    14. September 2011 um 18:01

    Ende Oktober 2011, die Mauer steht noch. Und teilt Deutschland nach wie vor in zwei Teile. Was sich zunächst wie der perfide Traum einiger Altkommunisten, Ostalgiker und anderer Unbelehrbarer anhört, wird in Simon Urbans Debütroman „Plan D“ zur grausamen Realität. Die Wiedervereinigung hat es hier nie gegeben, stattdessen wurde die DDR während ihrer tiefen Krise 1989/90 „wiederbelebt“. Egon Krenz ist seit nunmehr über 20 Jahren an Macht und Oskar Lafontaine Bundeskanzler der BRD. Die DDR finanziert sich größtenteils durch die Weiterleitung russischen Gases an die kapitalistischen Weststaaten, die sich durch ihren Energiehunger in eine regelrechte Abhängigkeit begeben haben. Doch als die Neuverhandlung der Gaspreise ansteht, bringt der Mord an einem Ex-Berater von Egon Krenz, offensichtlich durch die Stasi verübt, das ganze System ins Wanken. Denn sollte es dem ostdeutschen Volkspolizisten Martin Wegener und seinem westdeutschen Kollegen Richard Brendel nicht gelingen, die Schuld der Stasi zu widerlegen, droht der gesamten DDR der Untergang. Soweit die fiktive Ausgangslage, die durchaus ein wenig Eingewöhnungszeit erfordert. Denn hier werden historische Konstanten, die wir die letzten 20 Jahre als gegeben angesehen haben, im Handumdrehen ins Gegenteil verkehrt. Doch hat man sich erstmal auf die fiktive DDR des Jahres 2011 eingelassen, eröffnet sich eine derart kreativ ausgestaltete Welt, die in jüngerer Zeit im deutschen Literaturbetrieb seinesgleichen sucht. Mit teils beißender Ironie und enormer Detailverliebtheit zeichnet Urban das präzise Bild einer DDR im Jahre 2011, die von der Vergangenheit eigentlich schon überholt wurde. Der Trabi wurde eingemottet, stattdessen fährt man den Nachfolger Phobos, angetrieben durch Rapsöl, weswegen das gesamte Land nach altem Frittierfett stinkt. Die Digitalisierung hat auch die DDR erreicht, man telefoniert mit Handys des Typs „Minsk“, gebaut mit Stasi-Knowhow und westlichen Geräten angeblich überlegen. Die Rolle bekannter Persönlichkeiten wird kurzerhand umgedeutet, und reflektiert so pointiert unsere eigene Realität. Otto Schily ist neuer Stasi-Chef, Gregor Gysi sitzt im Ministerrat der DDR und Sarah Wagenknecht, die altbekannte Diva der Linkspartei, feiert Erfolge als Filmstar. Und Michael Ballack ging nie als „Capitano“ in die bundesdeutsche Fußballgeschichte ein, sondern leitet auf Hiddensee eine kleine Fußballschule. Vor diesem phantastischen Gesellschaftspanorama entspinnt sich ein deutsch-deutscher Agententhriller, der , trotz zahlreicher ironischer Brechungen, nie an Intensität und Spannung verliert. Denn auch wenn einigen Urbans Fiktion unwirklich erscheint, sein Roman sagt letztlich mehr über unsere eigene Realität aus, als manchem lieb sein wird. Björn Tookalook.de

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  • Rezension zu "Plan D" von Simon Urban

    Plan D

    Gospelsinger

    01. September 2011 um 16:12

    Wir schreiben das Jahr 2011. Es gab eine Wiederbelebung der DDR, mit „Aufgepasst“ Krenz als Staatsoberhaupt; die BRD wird von Oskar Lafontaine regiert. Als in der DDR ein Mord passiert, deutet der modus operandi auf die eigentlich längst entlassenen Altkader der Stasi hin. Sollen die bevorstehenden Konsultationen zwischen der BRD und der DDR sabotiert werden? Wer ist an einem Scheitern der Verhandlungen interessiert? Um diesen heiklen Fall aufzuklären, wird ein gemischtes Team aufgestellt. Zum ersten Mal arbeiten BRD-Ermittler auf dem Boden der DDR mit DDR-Ermittlern zusammen. Natürlich geht das nicht ohne Reibereien ab. Der DDR-Hauptmann Martin Wegener ist zwischen Neid und Bewunderung hin und her gerissen. Zu gern hätte er auch ein so schickes Auto wie sein BRD-Pendant Richard Brendel. Und so elegante Kleidung. Und dessen gutes Aussehen. Das macht die Zusammenarbeit nicht leichter. Herrliche Einfälle sind das bei der Ausgestaltung der auferstandenen DDR! Das macht wirklich Spaß beim Lesen. Die wiederbelebte DDR ist bis in die letzten Details glaubwürdig ausgestattet. Die Autos fahren mit Rapsöl, das ganze Land riecht daher nach Pommes. Zum Wart-Burger oder Branden-Burger der Buletta-Kette wird eine Bionier getrunken. Sarah Wagenknecht und Peter Sodann sind die Hauptdarsteller eines Actionfilms. Und wenigstens in einer Hinsicht ist die DDR überlegen: bei den Mobiltelefonen der Marke Minsk. Die Abhörerfahrung der alten DDR zahlt sich als technischer Vorsprung aus… Massiv gestört hat mich allerdings die Männerzentriertheit des Buches, die in ausgiebige pornographische Passagen gipfelt. Das fand ich einfach nur nervig. Ohne diese für die Handlung vollkommen überflüssigen feuchten Männerträume hätte dies Buch das Zeug zu einem Lieblingsbuch gehabt. Von diesem Manko einmal abgesehen: Diese Utopie einer weiterbestehenden DDR mit ihrem liebevoll ausgestalteten Inventar ist lesenswert.

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  • Rezension zu "Plan D" von Simon Urban

    Plan D

    Karr

    29. August 2011 um 16:46

    Eine spannende und phantasievoll entwickelte Kriminalstory in einem alternativen Deutschland. Bestechend die vielen kleinen Ideen, mit den hier die DDR zum "heutigen" Zeitpunkt gezeichnet wird, und beeindruckend die Logik und Konsequenz mit der hier Geschichte weitergedacht wird. Was wäre wenn? Zum Beispiel, wenn es die deutsche Wiedervereinigung nicht gegeben hätte? Wenn es Honecker-Nachfolger Egon Krenz 1989 doch noch irgendwie geschafft hätte, die DDR als eigenen Staat zu bewahren? Wenn also die Mauer nicht gefallen wäre? Wenn wir heute immer noch von zwei deutschen Staaten sprechen müssten: Einer BRD unter Bundeskanzler Oskar Lafontaine und einer DDR, in die Otto Schily übergesiedelt ist, um dort Innenminister und damit der Boss der (reformierten) Stasi zu werden? Statt der Wiedervereinigung gab es die "Wiederbelebung", die Position der DDR stärkte sich schlagartig durch die Durchleitungsgebühren für russisches Erdgas, das für die BRD bestimmt ist. So erleben wir also die DDR im Jahr 2011 - und lernen Martin Wegener kennen, Hauptkommissar der Volkspolizei. Der Fall, mit dem er sich befassen muss, wird ihn in Schwierigkeiten bringen, das weiß er sofort, als er den Toten sieht: Ein alter Mann, erhängt an einer der Gas-Pipelines. Seltsam: die Schnürsenkel zu einem achtfachen Knoten gebunden - ein altes Zeichen der Stasi für einen Verräter. Ist die STASI schuld? Der Fall ist ein Politikum und der Apparat reagiert, wie man es von der DDR erwarten kann: die Stasi will mitmischen, das Innenministerium will vertuschen, die Polizei will sich verdrücken. Doch weil die Sache geklärt werden muss, wenn man deutsch-deutsch Spannungen vermeiden will, greift man zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Kommissar Wegener wird ein bundesdeutscher Ermittler zur Seite gestellt, als Kollege und Beobachter zugleich. Eine spannende und phantasievoll entwickelte Kriminalstory in einem alternativen Deutschland. Bestechend die vielen kleinen Ideen, mit den hier die DDR zum "heutigen" Zeitpunkt gezeichnet wird, und beeindruckend die Logik und Konsequenz mit der hier Geschichte weitergedacht wird. Und eine Kriminalgeschichte erzählt wird.

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  • Rezension zu "Plan D" von Simon Urban

    Plan D

    walli007

    16. August 2011 um 20:59

    Ja, es gibt sie noch die gute alte DDR. Über 20 Jahre nach der Wiederbelebung kann es aber auch dort vorkommen, dass ein Mord geschieht. Und so wird Hauptmann Martin Wegener zu dem Tatort in der Nähe der Gaspipeline gerufen. Ein alter Mann wurde erhängt, es sieht so aus, als habe die Stasi, die nach den Zeiten des Mauerfalls (die Mauer wurde inzwischen wieder geschlossen) nach demokratischen Vorbildern reformiert wurde, die Finger im Spiel. Wegener ist also frohen Mutes, dass er sich nicht lange mit den Ermittlungen belasten muss, da sie sowieso zur Geheimsache erklärt werden und andere Stellen alles Weitere übernehmen. Doch es kommt mal wieder anders und ein Westkollege kommt dazu. So ungefähr ist die Ausgangslage dieses Krimis. Für mich überraschend hat sich der Autor eine Utopie ausgesponnen, in der die DDR überlebt hat, mit Krenz als Regierungschef. In Bonn sitzt Kanzler Lafontaine an oberster Stelle. Und beide können natürlich recht gut miteinander. Das ist in meinen Augen an Ironie kaum zu überbieten. Doch anscheinend fühlte sich niemand unrichtig dargestellt, so dass das Buch veröffentlicht werden konnte. Man hat also als Westleser das Vergnügen sich in Ostermittlungen, zumindest so wie sie sich ein Westautor vorstellt, wieder zu finden. Da gibt es schon die eine oder andere Erinnerung, an DDR Fernsehen, Polizeiruf und so. Doch kann es so wirklich gewesen sein? Eher nicht vielleicht. Aber dennoch war das Buch spannend, ein aufrechter Ermittler, der niemandem traut, oder? Vielleicht traut er auch den falschen. Zwar kam bei mir dann doch ein bestimmter Verdacht auf, der sich am Ende bestätigte. Das war jedoch kurz vor Toresschluss, so dass es die Lektüre in keiner Weise beeinträchtigte. Außerdem hatte der Autor ganz zum Schluss noch eine blendende Idee, die dann doch ein überraschendes Ende bereithielt. Allerdings wird in den Nachsätzen noch eine Warnung ausgesprochen. Es handelt sich hier um den ersten Fall des glückloses Hauptmanns. Sollte es also einen zweiten Fall geben, werde ich allerdings bis zum Erscheinen eines Taschenbuches warten. Denn obwohl die Ausstattung dieses Buches, das ich mir von einem Geburtstagsgutschein gekauft habe, ganz hervorragend ist, fand ich fast 25,- € doch etwas reichlich.

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