Simon Werle

 4 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor*in von Abendregen.

Lebenslauf

Simon Werle, geboren 1957, ist Autor und Übersetzer. Er hat u. a.Theaterstücke von Koltès, Genet, Duras und Beckett, Operntexte und Tragödien ins Deutsche übertragen. Für seine Nachdichtung der Tragödien Racines wurde er mit dem Paul-Celan-Preis und dem Johann-Heinrich-Voß-Preis ausgezeichnet. Für seine Übersetzung von Baudelaires "Fleurs du Mal" erhielt er 2017 den Eugen-Helmlé-Preis. Der Paul-Scheerbart-Preis wurde ihm 2020 für seine bei Rowohlt erschienenen Neuübersetzungen von Baudelaires Gedichten und Prosagedichten verliehen.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Simon Werle

Neue Rezensionen zu Simon Werle

Cover des Buches Der Menschenfeind (ISBN: 9783458321019)
Yolandes avatar

Rezension zu "Der Menschenfeind" von Molière

Yolande
Langweilig

Der Menschenfeind (Le Misanthrope) ist eine Komödie des französischen Theaterautors Molière, die 1666 in Paris uraufgeführt wurde. Sie handelt von Alceste, einem Adligen, der es leid ist, sich anderen gegenüber einzuschmeicheln und deshalb rundheraus seine Meinung kundtut ohne sich um die Konsequenzen zu scheren. In seiner Liebe zu Célimène lässt er sich im Gegensatz dazu nicht beirren, auch wenn diese gerne mit anderen Männern kokettiert. Es heißt Le Misanthrope sei das am meisten autobiografische Stück Molières.

Das vorliegende Buch ist eine Neubearbeitung des deutschen Dichters und Schriftstellers Hans Magnus Enzensberger. Er versetzte die Handlung vom französischen Hof in den Bonner Polit- und Gesellschaftsbetrieb. Die Sprache ist modern, obwohl Enzensberger die Reimform beibehält.

Leider habe ich bei der Auswahl meiner Lektüre nicht aufgepasst, denn ich hätte lieber eine „normale“ Übersetzung des Originals gelesen. Es lässt sich aufgrund der modernen Sprache natürlich leichter lesen, aber dass die Figuren telefonieren und von „Metallic-Lack“ und „Schickeria“ sprechen, fand ich ziemlich befremdlich. Ich schätze an Molières Komödien den Witz und die feine Ironie, mit der auf die herrschenden Verhältnisse angespielt werden, doch das lässt diese Neubearbeitung leider gänzlich vermissen. Es liest sich fast wie eine Abrechnung mit der gehobenen Gesellschaft, was besonders in den Erklärungen Enzensbergers am Ende des Buches hervortritt. Ich fand es langweilig und denke, dass ich doch noch einmal zu einer älteren Übersetzung greifen werde, die sich mehr an das Original hält.

Cover des Buches Le Spleen de Paris - Der Spleen von Paris (ISBN: 9783498006877)
aus-erlesens avatar

Rezension zu "Le Spleen de Paris - Der Spleen von Paris" von Charles Baudelaire

aus-erlesen
Einzigartig!

Der Sommer 2017 brachte der Literaturwelt und ihren Lesern ein besonderes Stück Weltliteratur zurück in die Herzen: Die Neuübersetzung von Charles Baudelaires „Blumen des Bösen“.  Ein Buch, eine Gedichteflut voller Hingabe, die auch diejenigen überzeugte, die mit Gedichten nicht allzu viel anfangen konnten. Jetzt durften sie sich in die Schar derjenigen einreihen, die dem großen – zu Lebzeiten verkannten, verhassten und gescholtenen – Autor nun für immer folgen würden. 
Der Sommer 2019 vervollständigt nun das Bild des Charles Baudelaire und seiner Kunst der wohligen Worte. Man muss kein Prolet sein, um Missstände direkt anzuprangern. Man muss nicht immer hinter vorgehaltener Hand das Offensichtliche, doch Unaussprechliche nach außen tragen. Baudelaire kannte keine falsche Scham. Ekstase und Kontemplation waren für ihn nicht einerlei, sondern zart verwobene Tatsachen, die einträchtig Hand in Hand gingen, sich umschlangen und sich nicht darum kümmerten, wer da pikiert zur Seite schaut. 
Charles Baudelaire bezeichnet man als Erfinder der Prosalyrik. Nun, wer immer noch meint, dass Gedichte sich auf Teufel-Komm-Raus reimen müssen, der wird an diesem Werk keine Freude haben. Wer sich auf die kurzen Texte einlässt und sich Wortwucht erfreuen kann, kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus. 
Der Titel „Der Spleen von Paris“ ist vielleicht ein wenig irreführend. Denn so spleenig sind die Pariser auch wieder nicht. Jede Stadt, jedes Land hat seine Eigenarten – das nennt man Kultur. Das Bild von Baudelaires Kunst wird durch diesen Band abgerundet und in gewisser Weise abgeschlossen. Wieder entdeckte Gedichte genießen denselben Stellenwert wie Gedichte, die ihm zugeordnet werden sowie seine frühen Werke und die namensstiftenden Gedichte, die unter dem Titel „Le Spleen de Paris“ bekannt wurden. In ihnen eingeschlossen sind das Stück „Idéolus“ und „Die Fanfarlo“, eine Novelle, die persönlicher kaum sein kann. 
Wer sich in die Seiten vertieft, kommt unweigerlich in Gedanken in der französischen Hauptstadt an, auch ohne sie je besucht zu haben. Parkanlagen, dunkle Kemenaten und zwielichtige Bars sind das Terrain von Charles Baudelaire. Über fünfhundert Seiten – zweisprachig, was den Reiz des Lesens durchaus verstärkt, auch wenn man des Französischen nicht mächtig ist – ziehen den Leser in eine Welt, die seit mehr als hundert Jahren Geschichte ist. Heute ist Paris laut, überlaufen und Karneval der Eitelkeiten. Letzteres war es übrigens auch schon zu Baudelaires Zeiten. Wer sich die Mühe macht ein ruhiges Plätzchen in Paris zu suchen (schwer, aber nicht unmöglich – ganz früh auf den Stufen von Sacre coeur) und auch nur ein wenig die Augen über diese Zeile fliegen zu lassen, versteht warum beispielsweise Jim Morrison von den Doors einst Paris als letztes Exil sich suchte. Dank der Übersetzung von Simon Wehrle ist Paris, ist Baudelaire um ein Geheimnis ärmer. Aber der Leser um ein Vielfaches reicher geworden. 

Cover des Buches Der Menschenfeind... (ISBN: 9783359022213)
JayTis avatar

Rezension zu "Der Menschenfeind..." von Molière

JayTi
Liebe und Gesellschaftskritik

Alceste verachtet voller Überzeugung die von Heuchelei und Genusssucht geprägte Gesellschaft. Doch ausgerechnet er verliebt sich in Célimène, welche fest in ebenjener Gesellschaft verankert ist.

Ich habe mir vorgenommen, ab und an mal einen Klassiker zu lesen. Natürlich möchte ich euch daran teilhaben lassen. Denn bisher habe ich die Entscheidung nicht bereut.

Bei diesem Stück, entsprechend in Dialogform geschrieben, handelt es sich um eine tragische Komödie in fünf Aufzügen. Es ist ein echter Klassiker und obwohl bereits 1666 uraufgeführt, ist die Geschichte nahe am Zahn der Zeit.

Das Buch hat definitiv Biss und die Ansichten Alcestes haben, all seiner Sturheit zum Trotz, etwas sehr Befreiendes. Denn der Protagonist wagt offen die schlechten, gesellschaftlichen Angewohnheiten zu kritisieren. Angewohnheiten, die leider bis heute Bestand haben und durch Alceste einer Kritik ausgesetzt sind, die uns einen Spiegel vorhält. Das Stück ist geprägt von ständigen Meinungsverschiedenheiten und Wortgefechten. Neid, Eifersucht und Betrug sind die Regel. Zusammenhalt ist eher die Ausnahme. Das Buch gleicht einer Soap Opera. Doch diese altertümliche Variante ist für mich definitiv unterhaltsamer als das moderne Gegenstück im täglichen Fernsehen.

In meinen Augen fängt das Stück sehr stark an. Doch mit dem erzählerischen Schwerpunkt, den die Geschichte nimmt, habe ich weniger gerechnet. Es scheint sich im Ganzen mehr um die Liebe zu drehen als um gesellschaftliche Kritik durch Alceste. Dieser ist in seinen Aussagen und Handlungen sehr sprunghaft und weniger Menschenfeind als gedacht. Doch zeigt die Geschichte sehr schön auf, dass die Liebe schlicht keinen logischen Gesetzmäßigkeiten folgt. Der Ausgang des Buches hat mir aber sehr gefallen, denn es hätte meiner Ansicht nach kaum anders kommen dürfen und zeugt doch von moralischem Wert.

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